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Zu Besuch im Corona-Testcenter in Alsfeld„Man hat keine Angst vor dem Virus, aber Respekt“

ALSFELD (akr). Seit dem 18. März gibt es in Alsfeld in den ehemaligen Räumlichkeiten des ärztlichen Notdienstes der City Ambulanz eine Corona-Teststation. Menschen, bei denen der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht, können sich dort testen lassen. Aber wie genau läuft so ein Test ab? Ein Besuch im Testcenter.

Es ist Donnerstagmorgen, kurz nach 9 Uhr. Vor den ehemaligen Räumlichkeiten der City Ambulanz, wo bis vor einigen Jahren noch der Ärztliche Notdienst seinen Sitz hatte, stehen einige Menschen, die entweder einen Mundschutz tragen oder Mund und Nase mit einem Tuch oder Schal bedecken. Sie warten darauf, dass ihnen Bescheid gegeben wird, dass sie hinein kommen dürfen. Die Tür ist von Außen verschlossen. „Stop“ und „Bitte einzeln eintreten“ steht unter anderem auf den Zetteln geschrieben, die am Eingang zur Teststation hängen.

Seit dem 18. März gibt es in Alsfeld diese Teststation. Wenige Tage vorher hatte die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bei der City Ambulanz angefragt, ob es möglich wäre, eine solche Station einzurichten, das nötige Personal zu stellen. „Wir haben natürlich zugesagt“, sagt City Ambulanz-Geschäftsführer Hans-Joachim Röhrig. Kurzerhand hat man also die alten Räumlichkeiten am ehemaligen Bücking-Gelände, die seit rund sieben Jahren leerstehen, wieder einigermaßen hergerichtet – in Absprache mit der VR Bank Hessenland. Ihr gehört das Gebäude.

Seit dem 18. März gibt es in Alsfeld die Corona-Teststation. Fotos: akr

Der reine und der unreine Bereich

Der Testbetrieb läuft montags bis freitags, jeweils von 9 bis 13 Uhr. Während sich der Eingang für die Patienten direkt an der Hauptstraße befindet, geht es für die Mitarbeiter und den Arzt über den hinteren Bereich, der sogenannten „reinen Seite“, durch eine selbstgebaute Schleuse in das Testzentrum hinein.

Vor der Schleuse liegt die Schutzkleidung bereit. Handschuhe, Mundschutz, Kittel, Kopfbedeckung, Schutzbrille, Desinfektionsmittel. Wer in den „unreinen“ Bereich will, der darf das nur mit diesen Sachen. Nachdem sie die Schutzkleidung angezogen haben, geht es für die Mitarbeiter und den Arzt über ein blaues mit Desinfektionsmittel getränktes Kissen durch die Schleuse in das Innere der Station.

Der „reine“ und „unreine“ Bereich sind durch eine Schleuse voneinander getrennt.

Am Eingang an der Hauptstraße stehen die Patienten bereit, warten darauf, dass sie hineingehen können. Der erste wird hineingeben. Wer heraus kommt, schickt den nächsten zu den Experten.

Zunächst geht es für die potentielle Testperson in einen kleinen Eingangsbereich. Hier sitzt eine Mitarbeiterin gemeinsam mit dem Arzt hinter einer Glasscheibe. Tritt der mögliche Patient ein, muss er direkt seine Hände desinfizieren und einen Mundschutz anziehen, sofern er noch keinen trägt. Dann folgt die Anamnese, sprich: die professionelle Erfragung von medizinisch relevanten Informationen durch das Fachpersonal. In diesem Fall übernimmt das der anwesende Arzt.

Der Arzt entscheidet, ob man getestet wird

Er informiert sich beispielsweise darüber, ob die Person in einem Risikogebiet war, Kontakt zu einem positiv getesteten Corona-Patienten hatte und ob sie Symptome aufweist. „Der Arzt entscheidet dann, ob eine Probe genommen wird oder nicht. Heute waren 20 Menschen hier, drei wurden nicht beprobt“, erklärt Röhrig. Entscheidet sich der Arzt für eine Probeentnahme, nimmt die Mitarbeiterin die Daten über die Gesundheitskarte auf. „Die Karte wird natürlich auch desinfiziert“, erklärt Röhrigs Mitarbeiterin Ellen Fett.

Im Eingangsbereich wird entschieden, wer getestet wird und wer nicht.

Wie viele Menschen täglich kommen werden, das wissen die Mitarbeiter vor Ort nicht. Es ist nämlich nicht so, dass es eine Liste mit Namen gibt. Streng genommen könne daher jeder einfach so vorbei kommen, um sich testen zu lassen. „Das Gesundheitsamt ruft beispielsweise an und kündigt Leute an“, erklärt Röhrig. Die Kassenärztliche Vereinigung mache das nicht. Momentan seien es so rund 20 Menschen pro Tag, die sich testen lassen wollen. „Aktuell läuft es noch schmerzfrei, der Ansturm ist noch nicht da“, erzählt er.

Es sind aber nicht nur Menschen aus Alsfeld oder dem näheren Umkreis, die zur Teststation kommen. „Es gibt in Hessen insgesamt zwölf Teststationen. Wenn man den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 anruft, kann es durchaus sein, dass die jemanden einfach nach Alsfeld schicken, obwohl eine andere Teststation viel näher wäre. Wir hatten auch schon jemanden aus Bebra hier“, erzählt Röhrig.

Zwei Proben werden entnommen

Gemeinsam mit dem Arzt geht es dann ins Nebenzimmer. Es ist ein heller Raum, spartanisch eingerichtet. Nur ein brauner Tisch samt Stuhl, ein Mülleimer und ein in die Wand gebautes, leeres Regal sind dort zu finden. Patienten sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr da, denn die Teststation hat bereits geschlossen. „Es muss ja auch alles wieder sauber gemacht werden“, erklärt der Geschäftsführer. Auf dem Tisch liegen Handschuhe, Desinfektionsmittel und die Teststäbchen bereit. Das gleiche Zimmer gibt es übrigens nebenan noch mal, falls der Ansturm mal größer werden sollte.

Da auch alles wieder sauber und desinfiziert werden muss, ist das Zimmer sehr spartanisch eingerichtet.

Zwei Proben werden jeweils entnommen. Es wird ein Abstrich aus dem Rachen und einer aus der Nase gemacht – und das war es auch schon. Die Stäbchen kommen in die beschrifteten Röhrchen, damit auch ja keine Probe vertauscht wird. „Nur das Gesundheitsamt darf eine Quarantäne aussprechen. Wir können jemanden nur nahe legen, daheim zu bleiben“, erklärt Röhrig. Danach darf der Patient wieder gehen und schickt den nächsten rein. „Nach jedem Test wird wieder alles desinfiziert, vom Tisch bis zur Türklinke.“

Die Proben des Tages werden gesammelt. Jeden Tag kommt zwischen 15 Uhr und 15.30 Uhr ein Mann vorbei, der die Proben aus ganz Nord-und Mittelhessen einsammelt, die anschließend in das Labor nach Marburg gebracht werden. „Das kann dann schon mal einige Tage dauern, bis das Ergebnis da ist.“ Das Ergebnis bekomme dann aber nicht die Teststation, sondern ausschließlich das Gesundheitsamt, das dann wiederum die Patienten informiert.

Zwei Abstriche werden entnommen, die dann anschließend in das sogenannte Probeentnahmeröhrchen kommen.

Um 13 Uhr schließt das Testzentrum am ehemaligen Bücking-Gelände. Die Arbeit ist dann aber noch nicht vorbei. Nachdem die Mitarbeiter wieder alles desinfiziert haben, kommt eine Truppe vom Technischen Dienst der City Ambulanz vorbei. Auch für sie geht es durch die Schleuse. Mit dabei haben sie ein sogenanntes Ozongerät, das optisch und von der Größe her ein wenig an eine Mikrowelle erinnert. Ozon ist das am stärksten bekannte natürliche Desinfektionsmittel, es ist ein Bestandteil der Luft. Das Gerät sorgt quasi per Knopfdruck für saubere Luft.

Wieder zurück in den „unreinen“ Bereich

Ist der Dienst vorbei, geht es wieder zurück durch die Schleuse. Die getragene Schutzkleidung bleibt dort und wird in den Müll geworfen. „Wir sind in der glücklichen Lage auf einen gewissen Vorrat an Schutzmasken und Co. zurückgreifen zu können“, erzählt der Geschäftsführer. Dennoch halte man weiterhin die Augen auf, falls es wieder Desinfektionsmittel irgendwo zu kaufen gebe, schließlich weiß ja keiner, wie lange die ganze Situation noch andauere.

Angst, sich mit dem Virus anzustecken, haben die Mitarbeiter der City Ambulanz nicht. „Aber Respekt“, sagt Röhrig. „Ich fühl mich hier sicherer, als wenn ich im Supermarkt etwas einkaufen gehe. Niemand ist besser geschützt als wir“, ergänzt Fett. Keiner seiner Mitarbeiter habe ein Problem damit im Testcenter zu arbeiten. „Es ist unsere Berufung“, sagt Röhrig stolz, „wir sind einfach für den Menschen da“. Und damit das auch die Bevölkerung nicht vergisst, hat er auf der Facebook-Seite der City Ambulanz in einem Post auf die Teststation hingewiesen. Wenn keiner weiß, dass man sich hier testen lassen kann, dann könne man sich das auch sparen. „Wenn es die Bevölkerung betrifft, sollte man sie auch informieren.“

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