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Keine Toiletten wegen Coronavirus: Jochen Franz über die Schwierigkeiten für Lkw-Fahrer„Keiner mag uns, aber jeder braucht uns“

ALSFELD (ls). Die Raststätten auf den deutschen Autobahnen haben wegen des Coronavirus geschlossen. Keine Toiletten, geschweige denn Duschen. Besonders die Lkw-Fahrer stellt das vor große Herausforderungen, denn auch beim Verlader stehen Toiletten für die Fahrer während der Corona-Krise nicht zur Verfügung. „Das ist kein Zustand“, sagt Jochen Franz, der Geschäftsführer eines Vogelsberger Transportunternehmens.

Jochen Franz ist besorgt. „Die Lkw-Fahrer hier in Deutschland stehen kurz vor einem Streik und dann bricht das ganze System zusammen“, sagt er. Es ist Samstagmittag. Der Geschäftsführer des Transportunternehmens „Franz Internationale Transporte“ ist an der Arbeit. Eigentlich hat er immer etwas zu tun, in Zeiten der Corona-Krise ist das nicht weniger geworden. Eher im Gegenteil. Es kamen viele, bislang unbekannte Herausforderungen dazu.

Seit 2002 gibt es das Kirtorfer Transportunternehmen, mittlerweile expandiert es auch nach Alsfeld. Angefangen hatte alles mit dem Transport von Lebensmitteln und Kühltransportern. Seit 2016 spezialisierte man sich auf den Transport von schweren und großen Betonteilen innerhalb von Deutschland, aber auch Spezialtransporte für beispielsweise Landmaschinen oder Großteile für Fertighäuser bietet die Firma an. Wenn auch nicht mehr unmittelbar am Lebensmitteltransport beteiligt, bekommen Jochen Franz und seine Kollegen in der Branche einiges mit. Und was sie mitbekommen ist durchaus besorgniserregend.

„Die Raststätten, auch auf den Autohöfen der Autobahnen, haben geschlossen. Es gibt entsprechend kaum mehr eine Gelegenheit mal Rast zu machen und etwas zu essen. Wenn die Raststätten geschlossen werden, stehen keine Toiletten oder Duschen zur Verfügung“, erklärt Franz. Die Fahrer könnten nicht auf Toilette gehen, sich nicht duschen. Allgemeine Hygiene ist Fehlanzeige. Das gehe sogar so weit, dass selbst einige Kunden die Fahrer nicht mehr reinlassen würden. „Teilweise werden die typischen Dixie-Toiletten aufgebaut, aber da gibt es nicht die Möglichkeit sich zu waschen. Die Toiletten dürfen bei vielen Kunden nicht mehr genutzt werden“, sagt er. Diese Missstände seien vermehrt aus der Branche zu hören. Franz und seine acht Fahrer haben da etwas mehr Glück: Bei ihren Festkunden bleibt alles wie gehabt. Das sei aber längst nicht überall der Fall.

„Deutschlandweit hören wir viele Fahrer darüber klagen und bekommen es selbst ab und an auch zu spüren. Das ist aber kein Zustand, ohne uns bricht das ganze System zusammen“. Viele deutsche Fernfahrer hätten sich mittlerweile zusammengetan und Petitionen gestartet. Auch das branchenintern bekannte Magazin Fernfahrer, das zusammen mit einigen weiteren Magazinen und Magazin-Seiten wie eurotransport.de zum EMS-Verlag gehört, hatte sich mit einem offenen Brief an die Autohofbetreiber gewandt.

Viele Autohöfe bekleckern sich im Moment nicht mit Ruhm

„Die Situation für Lkw-Fahrer entwickelt sich im aktuellen Krisenszenario nicht zum Besseren. Viele Autohöfe bekleckern sich im Moment nicht mit Ruhm. Das darf nicht sein“, heißt es dort gleich zu Beginn. Lkw-Fahrerinnen und Fahrer würden ihr Bestes tun, um Lieferketten im Land in der Krise am Laufen zu halten. Auch der Bund habe das erkannt und die Lenk- und Ruhezeiten gelockert, um die Rahmenbedingungen für die Versorgung möglichst weit zu fassen. Das, so heißt es in dem offenen Brief, bedeute aber auch, dass die Versorger der Nation länger unterwegs seien als bisher.

„Wer jetzt wichtige Güter transportiert und entsprechend noch länger unterwegs ist, braucht umso mehr einen sicheren Hafen, um die Akkus wieder aufzufüllen, oder wenigstens zu duschen, sein Geschäft in einer sauberen Toilette zu verrichten und etwas Warmes zu essen. Das sind Grundbedürfnisse, die jedem unserer Fahrer zustehen müssen. Die Fahrer fahren teilweise bis zur Erschöpfung, um auch für Sie die Versorgung zu sichern“, heißt es weiter. Zunehmend würden Fahrer beklagen, dass man das auf Autohöfen nicht mehr vorfinde und auch einige Verlader den Fahrern Zutritt zu den sanitären Anlagen verweigern. Es geht nicht zwingend darum, dass die Restaurants geöffnet hätten, sondern darum, dass der Gang auf die Toilette oder zur Dusche verwehrt werde.

„Wir fordern daher Autohöfe und Raststätten auf, ihre Parkplätze und sanitären Einrichtungen für Fahrer zu öffnen. In solchen Krisenzeiten zählt Gemeinschaft, Wertschätzung und Dankbarkeit und keine Ausgrenzung. Wo stünden wir denn ohne die Fahrer? Die Regale wären nicht nur nach der nächsten Hamsterwelle leer, sondern komplett – für sehr lange Zeit“, heißt es in dem Brief. Jochen Franz und sein Team aus acht Fahrern können ein Lied davon singen. „Es ist doch so: Deutschlandweit fragen sich die Fahrer, warum sie sich so aufopfern sollen und nichts zurück bekommen. Die Sache ist aber die: Keiner mag uns, aber jeder braucht uns“, sagt Franz.

6 Gedanken zu “„Keiner mag uns, aber jeder braucht uns“

  1. @J. Nauss
    Das ist ja die Sauerei sie nehmen ihren LKW eben nicht mit nach Hause sondern stellen ihn jemand anders vor die Tür. Und noch was: Tausende Menschen pendeln privat zur Arbeitsstelle, manche über 100km.

  2. Wohl in kein anderes Berufsfeld (außer der Polizei und anderen Ordnungskräften) mischen sich so viele Dilettanten, nicht und Besserwisser ein wie in das der LKW-Fahre. Jeder, nur weil er irgend wann mal eine Führerscheinprüfung bestanden hat, meint er kann sich ein Urteil über diesen (meinen) Beruf erlauben. Und sich einmischen. Wenn es in anderen Bereiche noch schlimmer, noch härter ist, Dann ist das traurig. Davon lässt sich aber nicht das Recht ableiten uns Fahrern den Mund zu verbieten. Es ist das Recht aller Menschen auf Missstände hinzuweisen. Auch in Zeiten von Corona. Das ständige Gejammer über LKW-Schlanken und der gleichen ist nervig. Um so mehr weil es zeigt wie wenig diese Menschen zum Denken und zur Selbstreflexion fähig sind. Wer beim Anblick von LKW-Schlanken die Schuld auf die, wirklich nicht sehr intelligente Verkehrspolitik, schiebt, macht es sich zu leicht. Der sollte sich besser fragen wann und wie oft er irgend wo in Deutschland oder auf der Welt was bestellte hat. Wo die ganzen Dinge in seinem Leben herkommen. Wie Artikel zu Schnäppchen Preisen über hunderte Kilometer ihren Weg machen. Sicher nicht kraft seines Geistes.
    Wie oft auf seinem Tisch Billig-Lebensmittel aus Spanien, Griechenland, Holland und anderen EU-Ländern landen. Nicht LKW-Fahrer und Unternehmer entscheiden wie es auf unseren Strassen aussieht. Sondern der der einkauft mit seinem Konsumverhalten.
    Kommt gut an und bleibt Gesund

  3. Sehr grosse Worte gegen dir Fahrer werden hier gesprochen. Die Fahrer die Lkw mit nach Hause nehmen sind meistens vom Firmensitz weit weg. Und sparen sich somit weite Anfahrtswege wenn sie ihre Woche beginnen. Es stimmt dass Rastplätze verdreckt sind. Kommt meist durch billiges Fahrpersonal aus dem Osten die für geiz ist billig fahren müssen damit gewisse Leute ihren Fernseher oder ihr hamsterklopapier nicht überteuert kaufen müssen. Ja die Rastätten haben die WC wieder geöffnet. Aber sie werden nicht gesäubert und desinfiziert. Sanfifär möchte seine auch Mini bezahlten Mitarbeiter schützen. Einige Komentare hier sind Menschen Verachtung hoch drei.

  4. Hier wird gejammert auf hohem Niveau.Die Fahrer könnten einem ja noch Leid tun, aber nur weil sie im Prinzip von den Arbeitgebern alleine gelassen und zum großen Teil auch ausgenutzt werden. Von der Arbeit machen sie doch was sie immer machen. Oder? Den Fahrern wird ein 40t überlassen nach dem Motto,nimm ihn mit nach Hause, Park wo du willst und lass mich in Ruhe. Die LKWs werden anderen zugemutet,es wird abgestellt ohne Rücksicht und wild,geparkt.Den 40t vor die eigene Haustür zu stellen macht natürlich auch keiner. Wenn sich dann andere beschweren zu jammern, geht nicht. Ein LKW heißt nächste Woche zehn u.s.w.. Außerdem sollte sich mal jeder die Rastanlagen und Umgebung anschauen wo LKWs fahren und parken. Dreck, Schmutz und Abfall in jeder Ecke. Auch könnte man oft meinen die Straßenverkehrsordnung gilt nicht für LKW Fahrer.Mir tun z.Z ganz andere Berufsgruppen Leid. So wie man hier auch lesen kann sind die Toiletten und die Duschen wohl zugänglich.

  5. Dann würde ich mal besser recherchieren. Alle Toiletten und duschen sind geöffnet und umsonst bei der tank und rast gruppe/ serways bzw sanifar

  6. Ich kann verstehen, wenn diese Situation im Moment für Transportunternehmen und besonders für die Fahrer schwierig ist.

    Es ist aber schwierig für alle, für die Kranken, für die Angehörigen, für die Ärzte, für die Schwestern und Pfleger für den Einzelhandel für Gastronomie für ………………………….. für die vielen die zuhause Hocken und denen die Welt auf den Kopf fällt.

    Für die, die keine Arbeit mehr haben, ihre Familien nicht ernähren können, Angst um ihr Zuhause und ihr bisschen Hab und Gut haben. Schwierig für die vielen KLEINEN Unternehmen die Morgen nicht wissen ob es für sie noch eine Zukunft gibt!

    Wenn die Regierung aus dieser Krise eine Lehre zieht und am Ende die meisten Menschen überleben und ihr Leben wenn nicht wie gewohnt aber doch weiterleben können, fahre ich jeden Morgen auf dem Weg nach Frankfurt an den Schlangen von LKW´s vorbei und denke immer noch, dass die Verkehrspolitik unserer Regierung scheiße ist aber ich empfinde ein wenig Dankbarkeit, Dankbarkeit für alle die, die trotz Unterbezahlung unser Land am Leben erhalten!

    Laßt euch nicht unterkriegen, Streiks helfen jetzt keinem!

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