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Pressekonferenz zur ersten Corona-Infektion im Vogelsbergkreis - 21-Jährige weist leichte Symptome eines grippalen Infekts auf„Es gibt keinen Grund dazu, in Panik zu verfallen“

VOGELSBERG (ls). Eine 21-Jährige aus dem westlichen Kreis ist die erste bestätigte Corona-Infizierte im Vogelsberg. In Berlin soll sie sich angesteckt haben und weist nur leichte Symptome eines grippalen Infekts auf. Derzeit befindet sie sich in häuslicher Quarantäne, ihr Gesundheitszustand wird täglich geprüft. Das alles und warum es keinen Grund dazu gibt, in Panik zu verfallen, darüber wurde in einer Pressekonferenz in der Lauterbacher Kreisverwaltung gesprochen.

Am Donnerstagabend wurde es bekannt: Im Vogelsberg gibt es den ersten bestätigten Corona-Fall. Eine 21-jährige Frau aus dem westlichen Kreisgebiet hatte das Wochenende gemeinsam mit Freundinnen in Berlin verbracht und bei einem Bekannten übernachtet. Der wurde am Montag positiv auf Corona getestet. Daraufhin informierte das Berliner Gesundheitsamt die Frau aus dem Vogelsberg. „Die Patientin hat vorbildlich gehandelt“, erklärte Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak nochmal in der Pressekonferenz und wies gemeinsam mit Landrat Manfred Görig und Dr. Dr. Rüdiger Rau vom Vogelsberger Gesundheitsamt darauf hin, dass es keinen Grund zur Panik gebe.

Unverzüglich habe sich die junge Frau, nachdem der Berliner Patient Anfang der Woche positiv auf das Virus getestet wurde, selbst testen lassen. Am Donnerstagmorgen wurde dann das Gesundheitsamt informiert. „Die junge Patientin befindet sich seither in häuslicher Absonderug“, erklärte Dr. Rau. Sie sei lediglich leicht erkrank und weise mit leichten Kopf- und Gliederschmerzen nur leichte Symptome auf. Auch die Eltern der 21-Jährigen, in deren Haus sie lebt, wurden unter Quarantäne gesetzt und mögliche Kontaktpersonen, wie ein Arbeitskollege, wurden vorsorglich informiert und aufgeklärt.

Informierte in einer Pressekonferenz zum erste Corona-Fall im Vogelsberg: Andreas Smakal und Dr. Dr. Rüdiger Rau vom Vogelsberger Gesundheitsamt, Landrat Manfred Görig, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak und Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland. Fotos: ls

„Es geht allen gut. Das sind übliche Vorkehrungsmaßnahmen, die 14 Tage andauern“, erklärte Rau. Bis zum 15. März würde die häusliche Quarantäne laufen, täglich werde die Verfassung der Patientin überprüft. Woher genau die Patiente komme, das wollte man zum Schutz der 21-Jährigen nicht bekannt geben. Für den Gesundheitsschutz sei das nicht relevant, erklärte Görig.

„Wir wollen mit diesem Gespräch vor allem die Bevölkerung informieren und offen kommunizieren, was abläuft“, sagte Landrat Görig. Das Gesundheitsamt des Vogelsberges habe in den vergangenen Tagen dutzende Anrufe von besorgten Bürgern erreicht. „Es gibt wichtige Kriterien, um zu prüfen, ob man sich mit dem Coronavirus infiziert hat“, klärte Rau auf. Als erste Kriterium gilt dabei ob ein Risiko einer Infektion besteht, also ob man sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Das zweite Kriterium beschäftigt sich damit, ob Kontakt zu einer positiv getesteten Person bestanden habe und ob man selbst Symptome zeige.

„Es gibt typische Symptome, die auf eine Grippe oder einen grippalen Infekt hinweisen“, erklärte Rau weiter. Ein Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Infektionen der oberen Atemwege und Husten. Die Symptome allein, so sagte es Rau, würden aber noch lange nicht auf eine Corona-Infektion hinweisen. Zum Vergleich: In 2020 hat es allein im Vogelsberg bereits schon 120 bis 130 Grippefälle gegeben. Im Vogelsberg allerdings werde nicht automatisch bei Influenza-Test auch ein Corona-Test gemacht. „Das sind Einzelfallentscheidungen, die die Ärzte treffen“, sagte Rau. Zwar würden in den Krankenhäusern Isolierstationen für schwere Fälle vorbereitet sein, aber zunächst sei der Hausarzt zu kontaktieren. „Unser dringender Appell: Mit Verdacht nicht einfach zum Hausarzt oder ins Krankenhaus fahren, sondern zuerst dort anrufen“, sagte Rau.

Dr. Dr. Rüdiger Rau erklärte anhand welche Kriterien von einer Infektion ausgegangen wird – und wie das weitere Vorgehen ist.

Bis zur letzten Woche seien für die Tests die Krankenhäuser in Alsfeld, Schotten und Lauterbach zuständig gewesen, von wo aus die Proben in die Labore nach Gießen und Marburg geschickt würden. Seit einigen Tagen allerdings könnten auch Ärzte die Corona-Tests durchführen, erklärte Rau und bezog sich auf die Kassenärztliche Vereinigung. „Die Praxen haben Engpässe, besonders was die Schutzausrüstung anbelangt, aber die Ärzte sind verpflichtet dazu zu untersuchen“, sagte Rau. Schwere Fälle werden im Krankenhaus getestet, leichte bis mittelschwere in Arztpraxen. Welche Praxen die Tests durchführen, darüber informiere die KV unter der Hotline 116117.

„Es gibt keinen Grund dazu, in Panik zu verfallen“, erklärten Rau, Görig und Mischak unisono. Der Virusstamm selbst sei nicht unbekannt, neu sei allerdings, dass es sich um eine Krankheit handele, die von Tieren ausging. Corona-Viren seien in vielen Fällen für grippale Infekte bekannt, die neue Form allerdings verursache bei vorerkrankten Patienten oder alten Menschen mit schwächerem Immunsystem für schwerer Verläufe. Alles, was im Kreis für die Gefahrenabwehr getan werden könne, werde getan, erklärte auch Mischak. man habe die Lage unter Kontrolle.

Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak erklärte, dass jegliche größere Veranstaltung eine Einzelfallbetrachtung sei. Stand jetzt sehe man keine weiteren Maßnahmen, die getroffen werden müssten.

Übrigens: Größere Veranstaltungen oder Messen sollen erst einmal nicht abgesagt werden. „Stand jetzt sind keine weiteren Maßnahmen geplant. Diese Strategie wird aber je nach Anzahl der Infizierten und Entwicklungen im Kreis angepasst. „Wir sind hier im Vogelsberg gut vorbereitet. Wir leben in der Lage und gucken, wie es sich entwickelt“, sagte der Landrat. „Ein paar Vorräte sind gut, aber das wars auch. Es muss nicht ohne Ende gehamstert werden“. Auch für Patienten in Quarantäne werde gesorgt.

Nach der Pressekonferenz an diesem Freitag gab der Landkreis Gießen bekannt, dass es dort einen dritten Fall des Coronavirus gibt. Demnach handelt es sich um eine 29-jährige Frau aus dem Osten des Landkreises. Sie war am vergangenen Wochenende gemeinsam mit der 21-jährigen Patientin aus dem Vogelsberg in Berlin gewesen. Weil die 29-Jährige als Kontaktperson galt, wurde ihr am Donnerstag ebenfalls Quarantäne angeordnet. Ihr positives Testergebnis lag am Freitagnachmittag vor, wie der Landkreis bekannt gibt. Sie zeige ebenfalls nur leichte Krankheitsanzeichen. Das Gesundheitsamt des Landkreises ermittele nun weitere Kontaktpersonen.

Am Freitagabend gab der Gießener Landkreis außerdem bekannt, dass das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen einer Schülergruppe der Gießener Aliceschule vorsorglich eine Isolierung zuhause empfohlen hat. Die insgesamt 37 Berufsschülerinnen und Berufsschüler sowie vier Lehrkräfte und Begleiter haben sich in den vergangenen Tagen auf einer Skifreizeit in Südtirol aufgehalten. Südtirol wurde vor kurzem zum Risikogebiet wegen des Coronavirus erklärt. Nach Informationen des Gesundheitsamtes geht es dem größten Teil der Gruppe gut. Eine Person habe leichte Erkältungssymptome.

Weiter heißt es in der Meldung des Gießener Landkreises: Allen Reisenden wird empfohlen, in den kommenden 14 Tagen vorsorglich zuhause in Quarantäne zu bleiben – das entspreche den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Abstriche zum Test auf eine Infektion mit dem Coronavirus werden vorgenommen, wenn Symptome auftreten

Weitere Artikel zum Coronavirus und Livevideo von der Pressekonferenz

Lesen Sie hier einen kleinen Liveticker zur Pressekonferenz oder aber schauen Sie sich das Livevideo von der Pressekonferenz an. Auf dieser Seite finden Sie alle Informationen und Artikel zum Coronavirus im Vogelsberg.

 

8 Gedanken zu “„Es gibt keinen Grund dazu, in Panik zu verfallen“

  1. Kein Grund, in Panik zu verfallen, hieß es zunächst aus Kreisverwaltung und Gesundheitsamt. Und jetzt verbreitet Gesundheitsminister Jens Spahn düsterste Prognosen. Siehe https://www.welt.de/vermischtes/article206815799/Spahn-zu-Corona-Noch-ist-das-die-Ruhe-vor-dem-Sturm.html.
    Diese Diskrepanz zwischen vorschnellem Abwiegeln und Verharmlosen auf den unteren Etagen der Politik und dem Erkenntnisgewinn von ca. vierzehn Tagen finde ich beunruhigend. Wenn man schon wenig weiß, sollte man vielleicht einfach ankündigen, auf welchem Weg man zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen gedenkt. Das ist allemal glaubwürdiger als der Öffentlichkeit seine Fehleinschätzungen zu präsentieren.

  2. In Deutschland sind es mittlerweile 800 Infektionen aber keine tote?komisch.Mehr als 230 Tote in Italien, Bundesstaat New York verhängt Notstand, Eishockey-WM der Frauen abgesagt – die neusten Entwicklungen zum Coronavirus weltweit

    1. Herbert, kopierst du wirres Zeug aus deiner Facebook-Filterblase hier rein? Was willst du uns sagen?

      Wenn du Angst vor Corona hast, dann bleibe daheim. Vermisst dich niemand, denke ich.

      1. Und wenn Du’s nicht verstehen kannst,ist es Dein Problem, aber mehr habe ich von dir auch nicht erwartet , wenn Du schon anonyme Schreibst.🥴

  3. Ich würde gerne mal die Zahlen sehen, von den Menschen die an einem „normalen, “ungefährlichen“ Grippevirus erkrankt, oder gestorben sind. Am besten auch noch eine Landkarte mit den Infizierten und Gestorbenen. Und sie dann mal gerne über die Karte mit den Corna-Erkrankten legen. Ich glaube, da würde man nichts mehr sehen, von „Corona“.
    In unserer Firma sind sehr viele erkrankt oder sie sitzen hustend vor ihrem PC, und jeder findet es irgendwo ganz normal. Und auch die Spaß Videos (CORONA), die über WA versendet werden, werden von Tag zu Tag besser. Anscheinend ist ein Großteil der Bevölkerung ganz entspannt, und macht sich keine Sorgen.
    Hier ist doch irgendetwas ganz „faul“!
    Wird im Bundestag über ein neues Gesetzt entschieden, was uns alle hart treffen würde?
    Oder versucht man die Wirtschaft (Groß Konzerne) anzukurbeln!
    Dabei bleiben leider die kleinen Betriebe auf der „Strecke“
    Was soll diese Panikmache? 21 Jährige aus dem Vogelsberg wird in zu Hause in Quarantäne gesetzt, und sie zeigt nur leicht Symptome! Ist Sie jetzt nun schwer erkrankt oder nicht? Leider nein, sie zeigt nur leichte Symptome.
    Ich hatte mir vergangenes Jahr eine Grippevirus eingefangen (nicht Coroa, sondern einen „ungefährlichen“), da ging es mir 14 Tage, aber richtig übel, und ich hatte danach noch ca. 8 Wochen damit zu kämpfen. Und es ging mir allein nicht so. Da ist kein Mensch hysterisch geworden, und hat das tegut leer geräumt.
    “Soderle”, ich gehe heute Abend zu “ABBA today – The Tribute Show” in der Stadthalle und den Spass nimmt mir „Corona“ nicht.

    Gruss an alle die unfehlbar sind

    1. zu einer „normalen“ Grippe ist doch, dass der Corona-Virus über die oberen Atemwege hochgradig ansteckender ist und man vor allem noch keine zuverlässigen Gegenmittel einschließlich Impfstoffe hat. Was Sie schreiben, ist einfach unvernünftig! Mal ein Bisschen differenzierter urteilen, statt mit „Coroa-Coroa-Coca-Cola“ alles in einen Topf zu werfen.

  4. Bei allem, was mit Daseinsvorsorge im Vogelsbergkreis zu tun hat, bin ich außerordentlich skeptisch. Und wer gestern Abend „Panorama“ gesehen hat (siehe https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2020/Corona-Was-wissen-wir-wirklich,corona400.html) kann hoffentlich zwischen der Realität und den offiziellen Verlautbarungen von Politikern unterscheiden. Allerdings sollte man anerkennen, dass „Schönreden“ in gewissem Umfang eine notwendige politische Strategie ist, um Panik und überstürztes Verhalten zu vermeiden. Denn hierdurch würde der Schaden durch Kontrollverlust noch viel größer. Doch dies gilt nur in der akuten Notsituation. Dem Volk in Fragen langfristiger Versorgung (Pflege!!!) immer wieder Sand in die Augen zu streuen, ist dagegen unverantwortlich und nicht hinnehmbar, gerade was die Situation pflegender Angehöriger betrifft. Da können die Proteste gar nicht laut genug sein!

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