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Ein Gang über die Baustelle des Alsfelder MuseumsDas Neurathhaus soll bis September fertig sein

ALSFELD (ls). Einige Jahre lang war vom Neurathhaus in Alsfeld wenig zu sehen. Ein Gerüst versperrte den Anblick des alten Fachwerkhauses, in dem sich ein Teil des Regionalmuseums befindet. Mittlerweile ist das Gerüst weg und das Neurathaus erstrahlt in neuem Glanz, jedenfalls von außen. Im September will man auch mit den Innenarbeiten fertig sein und das Gebäude an den Geschichts- und Museumsverein übergeben. Ein Gang über die Baustelle.

Der neue rote, ja fast rostfarbene Anstrich des alten Fachwerkhauses in der Rittergasse ist schon bei einem kurzen Blick über den Marktplatz deutlich sichtbar. Vielleicht ist es das fehlende Gerüst um das Neurathhaus, vielleicht auch die neue, auffällige Fassade. Fakt ist: Mittlerweile ist von außen deutlich sichtbar, dass sich am Regionalmuseum etwas tut.

Vor mittlerweile etwas über fünf Jahren gingen die Außenarbeiten mit dem Gerüstbau los. Genauer: im Dezember 2014. Geplant war damals eine Dach- und Fassadensanierung, doch kurz nach Beginn der Bauarbeiten zeigten sich schon erheblich größere Schäden am alten Haus. „Wenn man die Fassade eines so alten Hauses öffnet, dann kann man nie ganz genau wissen, was sich dahinter verbirgt“, sagt Michael Hölscher vom städtischen Amt für Liegenschaften. Kein Wunder, denn das Bürgerhaus wurde bereits 1688 im Auftrag von Constantin Neurath gebaut, zuletzt in den 70er Jahren renoviert. „Wir haben aber im Gebälk erhebliche Schäden festgestellt“, erzählt Hölscher.

Hier soll eine Glasfassade entstehen, durch die das alte Fachwerkhaus nicht nur einen modernen Stil bekommt, sondern auch der Blick geöffnet wird. Fotos: ls

Mitunter sei das eine Folge vom Einsatz falscher Materialien bei der letzten Sanierung. Das Resultat: Aus der geplanten Dach- und Fassadensanierung wurde eine komplette Innen- und Außensanierung – die natürlich besser sein soll als die frühere Überholung des Hauses. Damals nämlich hatte man Betonplatten eingesetzt, wodurch die Feuchtigkeit nicht richtig zirkulieren konnte. „Einige Balken wurden morsch. Da war eine Innensanierung unumgänglich, denn das musste ausgetauscht werden, damit wir nicht in einigen Jahren wieder sanieren müssen“, erklärt Hölscher.

Reste einer roten Erstfassung gefunden

Die Außenfassade wurde dabei einmal komplett ausgetauscht – und hat einen neuen Anstrich bekommen. Diese Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. In kräftigen Ocker-, Braun- und Orange-Tönen erstrahlt die neue Fassade des alten Hauses in neuem Glanz. Auch die vielen Schmuckelemente und Ornamente der Fackwerkkonstruktion wurden aufgearbeitet und farblich angepasst. Sogar die alten Holztüren konnten erhalten werden, wurden lediglich vom Bauhof aufgearbeitet – und „an der ein oder anderen Stelle wurden sie bewusst vertauscht“, wie Hölscher erklärt.

Vorab hatte man hier einen Restaurator beauftragt, der die Fassade untersuchte und dabei herausfand, dass das Museum – typisch für die Barockzeit – in einem Rotton im Original gefasst war, nicht in dem zunächst vermuteten Grünton. Da man sich möglichst nah am Original orientieren wollte, entschied man sich bereits 2017 für die neue Farbgebung.

Von außen sind die Fortschritte deutlich sichtbar – vor allem durch die neue Farbgebung.

Für den Außeneindruck ist das allerdings nicht die einzige Neuerung, die ins Haus steht, wie Hölscher mit Blick auf die Tordurchfahrt erklärt. „Wir wollen hier bei der Tordurchfahrt den Blick auf und durch das Gebäude öffnen und arbeiten mit einer großen Glasfassade, durch die man durch das Gebäude blicken kann.“ So bleibe die Toreinfahrt, die das Gebäude in zwei Teile teilt, erhalten und werde dennoch modernisiert. Direkt über der Einfahrt verläuft ein Zwischengeschoss. Aus diesem Zwischengeschoss schallt Musik. Die Elektriker sind vor Ort und verlegen Leitungen für Strom und Heizung. „Das musste im Zuge der Sanierung alles erneuert werden“, erklärt Hölscher auf dem Weg über das Treppenhaus nach oben.

Das Ziel: Bis Herbst 2020 mit dem Innenausbau fertig

„Wir haben uns hier gemäß des alten Gebäudes älteren und nachhaltigen Materialien bedient. Wir haben also mit Holz, Leim, Hanfdämmung und Lehm gearbeitet“, sagt Hölscher beim Gang durch das Gebäude. Das Fachwerkhaus in der Rittergasse besitzt insgesamt vier Stockwerke, in jedem wird derzeit noch gearbeitet. Die Innensanierung ist voll im Gang. Der Fahrstuhl ist bereits drin, installiert und verbindet sieben verschiedene Ebenen miteinander. Derzeit wird die Elektronik verlegt.

„Moderne Elektronik in ein so altes Gebäude zu bringen ist nicht ganz einfach. Wir arbeiten hier mit einem Bus-System, also einem verzweigten Leitungssystem, bei dem alles an einem Ort zusammenläuft“, sagt er. Das Dielen-Parkett auf dem Boden bleibe erhalten, werde lediglich aufgearbeitet. Doch erst müssen die Maler und Verputzer ran. „Das steht als Nächstes an“, sagt Hölscher.

Mittlerweile wird die Elektronik im Gebäude verlegt.

Die größten Veränderungen sind im Dachgeschoss zu sehen. „Als wir das letzte Mal hier drin waren, lagen hier die Decken offen, weil wir einige Balken neu einsetzen mussten“, erinnert sich Hölscher. Das ist mittlerweile Geschichte. Der Dachstuhl ist fertig. Das Neurathhaus besitzt ein altes – und mittlerweile durchaus seltenes – Zwerchgiebel im Satteldach. „Es war sehr aufwendig hier neue Balken einzuarbeiten, da diese Arbeitsweise sehr selten geworden ist“, erklärt er.

Gerade deshalb wolle man das Obergeschoss offenliegend gestalten und wenig verputzen. „Die Balken müssen natürlich nochmal behandelt werden, aber das ist eine beeindruckende Bauweise, die wir den Menschen zugänglich machen wollen“, erklärt Hölscher. „Da steckt wirklich viel Arbeit, Herzblut und Zeit drin.“ Nicht nur das. Rund 1,65 Millionen Euro kostet die Sanierung des Neurathhauses. Zunächst waren 210.000 Euro an Zuschüssen vorgesehen, doch durch die Schäden im Inneren kamen nochmal 350.000 Euro an Förderungen dazu.

Ein Blick auf das Gebälk im Obergeschoss.

„Insgesamt hat es etwas länger gedauert, als wir zunächst gedacht haben. Das liegt aber an der kompletten Sanierung, die anfangs nicht vorgesehen war. Bei solchen alten Gebäuden gilt aber immer: Lieber Zeit lassen, dafür aber richtig machen“, sagt Hölscher auf dem Weg nach unten. Bis August/September will man mit dem Neurathhaus fertig sein und es dem Geschichts- und Museumsverein übergeben, sodass wenigstens der Teil pünktlich zum Stadtjubiläum öffnen kann.

Erst danach ist das Nachbargebäude, das Minnigerode-Haus, der andere Teil des Alsfelder Museums, an der Reihe. „Da haben wir bisher nur einen Fluchtweg für die Brandschutzbestimmungen erbaut“, sagt Hölscher. Bis 2024/2025 soll dann das ganze Museum wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

2 Gedanken zu “Das Neurathhaus soll bis September fertig sein

  1. Man höre und staune! Ein Fahrstuhl wurde eingebaut. Und das in einem Fachwerkhaus. Deshalb hat die Baustelle so viel Geld gekostet und die neue Elektrik ist das modernste, was es auf dem Markt gibt. So können wir hoffen, das dieses Haus für die nächsten 100 Jahre gut gerüstet ist ;-))

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  2. Hoffendlich haben sie alles Richtig gemacht mit den Farben und dem Putz.Es wäre gut zu Wissen was für Materialien kamen zu Einsatz?.

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