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Georadaraufnahmen vom Marktplatz - liegt dort ein bedeutendes Stück Alsfelder Geschichte begraben?Das Alsfelder Herzstück unterm Radar

ALSFELD (akr). Zwei Männer ziehen einen merkwürdigen Koffer auf einem Rad über den autofreien Alsfelder Marktplatz. Die beiden sind auf der Suche. Auf der Suche nach einem Teil der Alsfelder Geschichte, die sich verborgen unter unseren Füßen befindet. Stand auf dem Marktplatz mal ein Gebäude, von dem niemand heute mehr etwas weiß? Ein Georadar soll die Antwort liefern.

Es ist Dienstagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Auf dem Marktplatz steht nur ein einziges, weißes Auto. Eine Ausnahme. Für alle anderen Fahrzeuge ist der Marktplatz an diesem Morgen gesperrt. Um zu verstehen, was an diesem Vormittag passiert, muss man ein wenig in die jüngere Stadtgeschichte Alsfeld zurückgehen.

Das Weinhaus, das Hochzeitshaus, das Rathaus und das Regionalmuseum sollten im Zuge der Marktplatzsanierung durch ein gemeinsames Wärmenetzwerk miteinander verbunden werden. Für die Arbeiten musste ein Graben ausgehoben werden – und dabei ist man im September vergangenen Jahres im Untergrund auf etwas unbekanntes gestoßen – ein Stück Mauer, rund 70 Zentimeter unter dem Erdboden. Für manche klingt das vielleicht eher unspektakulär, nicht aber für Stadtarchivar Norbert Hansen.

Was hat es mit der Mauer auf sich?

„Man hat etwas gefunden, von dem niemand eine Ahnung hat, das ist sehr spannend“, freut er sich. Die Alsfelder Stadtgeschichte sei nicht komplett überliefert. „Die Stadt ist ja weit älter als 500 Jahre und über die Strukturen weiß man ja fast nichts“, erklärt Hansen. Das Stück Mauer, auf das man bei den Arbeiten gestoßen ist, sei rund 90 Zentimeter breit gewesen, so schätzt es der Stadtarchivar, die genaue Breite wurde nicht gemessen. „Die Mauer könnte schon zu einem besonderen Gebäude gehört haben“, vermutet Hansen wegen der Breite des Fundstücks.

Jetzt ist es an der Zeit, der Sache buchstäblich näher auf den Grund zu gehen – und damit der Frage: Gibt es noch weitere Mauerreste? Wenn ja, wo verlaufen sie lang? Wie sieht es drum herum aus? Stand die Mauer allein oder war sie tatsächlich Teil eines bislang unbekannten Gebäudes. Antworten darauf sollen Torsten Riese und sein Team von der Firma Posselt & Zickgraf Prospektionen (PZP) liefern.

Noch ist Torsten Riese mit den Einstellungen des Radars beschäftigt. Fotos: akr

„Der Vorgang, also die Messung an sich, ist eher unspektakulär. Spannend wird es dann, wenn es an die Auswertung geht und das Ergebnis dann vorliegt“, erklärt Riese mit einem Lächeln im Gesicht. Während er gerade mit ein paar Probeläufen beschäftigt ist, schnappt sich sein Kollege die blauen, festen Schnüre und läuft Richtung Hochzeitshaus. Von dort aus sollen die Messungen starten. Er legt die beiden Schnüre im Abstand von 50 Zentimetern parallel zueinander hin, befestigt sie mit zwei Ziegelsteinen, damit sie nicht verrutschen. Dann läuft er geradewegs auf die Eisdiele zu, wieder kommen die Steine zum Einsatz. Die erste Bahn ist startklar zum Abfahren.

Der ganze Marktplatz wird aufgenommen

Riese ist mit den Probeläufen fertig, steht am Hochzeitshaus bereit. Gemeinsam mit seinem Kollegen zieht er das Georadar, einen orangenen „Koffer“ in einem grauen Metallgestell mit Rädern, per Hand innerhalb der Spur am „Waffenkimm“, Street-One und Bürgerbüro vorbei. Nicht schnell, sondern im Schritttempo. Dann geht es innerhalb der Markierung wieder zurück. Sie wird ein Stückchen verschoben und die nächste Bahn ist an der Reihe, solange bis der gesamte Marktplatz, rund 2.100 Quadratmeter, gescannt ist.

Immer wieder blickt Riese dabei auf den Monitor, der vor seinen Bauch geschnallt ist, kontrolliert, ob die Messung auch funktioniert. Ein Laie kann darauf nichts erkennen, er schon. „Hier unten ist schon was los“, lacht er. Was sich unter dem Alsfelder Marktplatz befindet, dass kann man jetzt aber noch nicht sagen. Es könnten nämlich auch einfach Steine oder alte Dachziegel sein. Riese und sein Team sind übrigens nicht das erste Mal in Alsfeld. Im Januar 2018 haben sie bereits mit dem Georadar Aufnahmen vom Keller des Beinhauses gemacht.

Gemeinsam geht es im Schritttempo über den Marktplatz.

Wie funktioniert ein solches Radar eigentlich? Bei der Messung mit dem Bodenradar werden hochfrequente elektromagnetische Wellen in den Boden gesendet, um Laufzeit und Amplitude (die Höhe des Ausschlags) der reflektierten Signale zu registrieren. Die Wellen breiten sich im Boden aus und sobald sie auf etwas treffen, sei es ein Stein, eine verdichtete Stelle oder sonstiges, wird diese reflektiert und von der Antenne empfangen. So können unterirdische Strukturen sehr detailreich abgebildet werden.

Diese ganzen Daten müssen später noch ausgewertet werden. Was sich aber dann wirklich unter dem Marktplatz befindet, das würde erst zum Vorschein kommen, wenn tatsächlich Bagger zum Einsatz kommen würden. „Was dann passiert, hängt von den Ergebnissen ab“, sagt Hansen. Sollte es wirklich darauf hindeuten, dass unter dem Marktplatz eine Mauer verläuft, hoffe er, dass diese dann frei gelegt würde – und es so neue Rückschlüsse auf die Alsfelder Stadtgeschichte gibt.

2 Gedanken zu “Das Alsfelder Herzstück unterm Radar

  1. Gleich was sie finden,sollte der Marktplatz nochmal aufgerissen werden können sie die Geschäfte in der Innenstadt vergessen,und wenn die Hauptstraße noch gemacht wird . Dann gute Nacht!.

  2. Anfang der 90èr habe ich gesehen wie im Keller des Weinhauses alte Zugänge zugemauert wurden. Wenn ich mich recht erinnere hieß es damals es gäbe alte Gänge die unter den Marktplatz entlang führen z.b. zum Rathaus und Hochzeitshaus. Also machen Mauern soch irgendwie Sinn, oder?

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