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Stadtverordnetenversammlung Romrod: Auch Straßenbeiträge thematisiertRomröder Parlamentarier stimmen für Bauplätze am Friedhof

ROMROD (akr). Das Wohngebiet im Bereich der Romröder Krummäcker kann kommen – zumindest wenn es nach den Stadtverordneten der Schlossstadt geht. Diese stimmten am Dienstagabend mehrheitlich für die Bebauungsplanänderung der nicht genutzten Friedhofsfläche.

Gerade einmal 35 Minuten dauerte die letzte Romröder Stadtverordnetenversammlung in diesem Jahr. Bürgermeisterin Birgit Richtberg konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Neun Tagesordnungspunkte waren es, die am Dienstagabend auf dem Programm standen. Mit dabei: die Bebauungsplanänderung „Auf den Krummäckern“. Auf der nicht genutzten Friedhofsfläche sollen nämlich Bauplätze für ein mögliches Wohngebiet entstehen. Im Bau- und Umweltausschuss wurde der Antrag mit drei Ja und zwei Nein-Stimmen mehrheitlich zur Annahme empfohlen.

„Es besteht aktuell ein starker Bedarf an neuen Bauplätzen“, betonte Hauke Schmehl von der CDU/FWG-Fraktion. In den letzten zwei Jahren sei es versäumt worden, ein neues Baugebiet auszuweisen. „Da müssen wir uns vielleicht auch alle selbst an die Nase fassen, weil wir das vielleicht auch frühzeitig auf den Weg hätten bringen können“, fügte er hinzu. Da man in der Vergangenheit viel für ältere Menschen gemacht habe, müsse man auch zusehen, etwas für jüngere Familien zu machen, da „der Ort weiter leben muss“. Man wolle, dass junge Leute, die in der Schlossstadt bauen wollen, auch bauen können und den Ort eben entsprechend jung halten, Kindergärten und Schulen weiter bestücken, erklärte Schmehl.

Interessen abwägen

Der Vorteil an diesem Grundstück sei, dass es städtisch ist und dadurch auch relativ zeitnah bebaut und auch verkauft werden könne. Einigen betroffenen Anwohnern ist das potenzielle neue Wohngebiet allerdings ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund waren auch einige als Besucher an diesem Dienstagabend in der Sitzung. „Es wurden ja schon Bedenken geäußert, dass durch neue Häuser die Sicht auf den Ort versperrt wird, das ist teilweise vielleicht auch richtig“, sagte Schmehl. Letztendlich müsse man aber abwägen über die berechtigten Interessen der Anlieger, aber auch von den neuen Anwohnern, die sich in Romrod ansiedeln wollen. „Ich sehe da eigentlich kein größeres Problem, wenn da eine weitere Reihe entstehen würde“, betonte Schmehl.

Hauke Schmehl (mitte) betonte die Dringlichkeit der Bauplätze.

Doch nicht nur in Sachen „Aussicht“ gebe es seitens der Bürger Bedenken, sondern auch in Sachen Pietät, da der Abstand zum Friedhof ziemlich gering ist. Schmehl kann diesbezüglich aber auch kein Problem erkennen, denn in vielen Orten und Städten sei es der Fall, das nah am Friedhof bebaut ist. Daher sei man sich in der Fraktion einig gewesen, sich für das Baugebiet auszusprechen.

„Ja wir brauchen Bauplätze in Romrod“, stimmte Arndt Planz von der SPD den Worten Schmehls zu. Auch seine Fraktion habe die Interessen abgewogen, sei aber zum Entschluss gekommen, dass man die Zeit nutzen solle, um ein größeres Baugebiet auszuweisen. Daher stimmte die SPD gegen den Antrag. Mit sieben Ja und vier Nein-Stimmen wurde der Antrag mehrheitlich angenommen. Die sechs Besucher standen wortlos auf und verließen den Saal.

Neue Runde in Sachen Straßenbeiträgen

Auch das Thema Straßenbeiträge stand wieder einmal auf der Tagesordnung. „Ich denke man kann es drehen und wenden wie man will, aus unserer Sicht sind Straßenbeiträge ungerecht“, betonte CDU/FGW-Fraktionsvorsitzender Thilo Naujock. Aus diesem Grund habe die Fraktion bereits am 18. Februar diesen Jahres einen Antrag gestellt. Man beantragte damals, die ausstehenden Kostenbescheide von Straßenbaumaßnahmen vorerst auszusetzen, die Kosten offen zu legen sowie Alternativvorschläge vorzulegen. Da es aber „formal-juristisch“ dann doch zweifelhaft erschienen sei, die Kostenbescheide einfach auszusetzen, hat die Fraktion sich dazu entschieden, den Februar-Antrag zurückzuziehen und einen neuen Antrag zu stellen.

In dem neuem Antrag der CDU/FWG-Fraktion wird der Magistrat beauftragt, die Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung der Stadt Romrod zum frühst möglichen Zeitpunkt in die Wege zu leiten sowie alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu erörtern. Diskussionen hat es dazu keine gegeben. Die Romröder Politiker waren sich einig, dass über dieses Thema weiterhin gesprochen werden müsse, deshalb stimmten sie einstimmig dafür, den Antrag nochmal gemeinsam im Haupt- und Finanzausschuss zu beraten. Stadtverordnetenvorsteher Udo Kornmann gab zum Abschluss der Sitzung noch einen kleinen Rückblick auf das vergangene Jahr, ehe die Politiker bei einem gemeinsamen Essen den Abend noch ausklingen ließen.

9 Gedanken zu “Romröder Parlamentarier stimmen für Bauplätze am Friedhof

  1. Die Gemeinden auf dem Land schrumpfen. Eine Entwicklung von Bauflächen mit Augenmaß und die Umgestaltung der Ortskerne halte ich für angemessen. Die großen Neubaugebiete aus den siebziger Jahren sind die kommenden Leerstände. Meist wurden die damaligen Neubaugebiete über die Hessische Landgesellschaft entwickelt und vermarket. Für diese Dienstleistung hatten die Städte und Gemeinden horrende Summen abzustottern. Hier einige gute Meinungen:
    https://www.swr.de/report/immobilienirrsinn-kommunen-weisen-trotz-leerstands-neue-baugebiete-aus/-/id=233454/did=20037638/nid=233454/1b4x83c/index.html

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    1. Für die Vielzahl an Anfragen, die der Stadt Romrod angeblich vorliegen, reichen dann 6 – 8 neue Bauplätze wohl kaum aus. Wenn die Nachfrage wirklich so groß ist, muss man schnellstmöglich Handeln und das Neubaugebiet in Richtung Sporthotel erweitern, anstatt nur 6 – 8 Bauplätze über dem Friedhof zu erschließen.

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      1. Erstmal wird das „Sporthotel“ in eine chice Anlage mit Eigentumswohnungen umgewandelt, bevor auch nur ein einziger Quadratmeter Landschaft einer zusätzlichen Schlafstadt geopfert wird, wo lauter Eigenheimer sich den Kopf über ihr absolut individuelles Wohnglück zerbrochen haben und dann in Häusern leben, die alle gleich aussehen und so dicht stehen, dass man gerade noch den Rasenmäher dazwischen durchschieben kann.

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    2. @ Reimenröder
      Sie dokumentieren die Ursachen ländlicher Leerstände wie verödender Innenstädte in urbanen Siedlungsgebieten absolut zutreffend! Man hat die Nase gerümpft über den Plattenbau der DDR bei gleichzeitiger Preisgabe der historischen Bausubstanz in den Innenstädten. Dabei hat man es im Grunde nicht besser gemacht. Im Zuge des Wiederaufbaus der kriegszerstörten Städte wurde mehr historische Bausubstanz zerstört als durch die Bombardierungen und Beschießungen. Auf der anderen Seite behinderte kleinlicher Denkmalschutz die Modernisierung von Baudenkmälern. Im Grunde passte nie irgendetwas zusammen, nach 1945 nicht und heute auch nicht.
      Der Flächenfraß schreitet immer weiter voran; mit katastrophalen Folgen für die Neubildung des Grundwassers, denn auf den versiegelten Flächen versickern die Niederschläge nicht mehr, sondern werden in teuren Kanalnetzen als Oberflächenwasser sonstwohin geleitet. Man möchte den Kopf vor die Wand schlagen bei so viel Unverstand. Und es geht immer so weiter, Stichwort immer neue Baugebiete auf dem Lande. Und hinzu kommt der gigantische Flächenverbrauch durch die Windparks. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Bürgermeister, Landtags- oder Bundstagsabgeordneten.

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  2. Der Ortsvorsitzende Herr Schmehl, hat mit seinen eigenen Worten den Nagel auf den Kopf getroffen. Hier wurde bereits erst vor wenigen Jahren schlichtweg verschlafen, ein neues und größeres Baugebiet in Romrod auszuweisen. Nun soll auf Kosten der Anwohner auf dem Krummacker, in einem Schnellverfahren, das Versäumnis genau dieser Stadtverordneten kaschiert werden. Da die ausgewiesene Fläche der Stadt Romrod gehört, würde eine Bebauung bzw. ein Verkauf der Bauplätze Geld in die Stadtkassen fließen lassen und so ebenfalls einen weiteren Fehler in der Stadtmitte kaschieren. Wenn die Nachfrage nach Bauplätzen in Romrod so groß ist, reichen wohl auch die 6-8 neuen Bauplätze kaum aus. Den Anwohner auf dem Krummacker, wurde bereits vor Jahren, teils schriftlich, zumindest aber mündlich, durch die Bürgermeisterin zugesichert, dass dieses Stück Natur zwischen Friedhof und der Häuserreihe auf dem Krummacker nicht bebaut werden wird. Nun trifft die Anwohner das böse Erwachen. Die schöne und dicht gewachsene Hecke auf dem Damm, wurde trotz vieler tierischer Bewohner bereits radikal abgeschnitten. Den Anwohnern bleibt nun nur noch die Hoffnung, dass der Bebauungsplan lediglich eingeschossige Häuser nahe am Friedhof vorsieht.
    Diese Entscheidung zum Schnellverfahren für die Bebauung des Friedhofs, ist nicht im Namen der Bewohner, sondern zum kaschieren des eigenen Unvermögens getroffen worden. Wenn Romrod wachsen und Bauplätze für junge Familien schaffen möchte, dann bitte richtig.

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    1. …braucht’s natürlich einen ständigen Kapitalzufluss. Da heißt es, die letzten Reserven zu mobilisieren. Und die hoch bezahlten künftigen Mitarbeiter der „Hausgemeinschaften Schlossberg“ möchten sicher alle gern ein Haus in der Nähe ihrer Wirkungsstätte bauen. Keine Bauplätze – keine Bewerbungen.
      Und sehen Sie die Ausweisung neuer Bauplätze noch in der allerletzten Ecke doch mal als einen weiteren mutigen Schritt im Kampf der Bürgermeisterin gegen die Vergreisung Romrods! Dieser alte Zeitungsartikel (https://www.giessener-allgemeine.de/vogelsbergkreis/romrod-will-zunehmender-vergreisung-trotzen-12149431.html) beweist nachdrücklich, wie engagiert man in Romrod seit langem schon ums demographische Überleben kämpft. Da wird jeder bebaubare Quadratmeter gebraucht!

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      1. Wenn man die letzten Jahre so engagiert gewesen wäre, hätte schon längst ein neues Wohngebiet ausgewiesen werden müssen. Die Pläne hierfür liegen ja bereits vor. Nun versucht man den Schaden, dass es junge Familien in andere Neubaugebiete ziehen wird, so gering wie möglich zu halten. Ich bin für die Erschließung eines Neubaugebiets, aber gegen dieses kurzsichtige Handeln, dass lediglich 6-8 Bauplätze über einem Friedhof – was sicherlich auch für einige junge Familien keine schöne Aussicht bieten wird – erschloss werden sollen. Es zieht doch immer mehr Menschen wieder von der Stadt zurück aufs Land und es können sich auch wieder mehr Menschen ein Eigenheim leisten. Warum also denkt das Stadtparlament bzw. denken die CDU/FGW-Fraktionsmitglieder so kurzsichtig und möchten anstelle eines Neubaugebiets, lieber jeden noch so kleinen freien Quadratmeter Natur bebauen? Hier wird leider gegen die Meinung vieler Bürger gehandelt.

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      2. Ich habe den Bericht der Alsfelder/Gießener Allgemeinen gelesen. Natürlich ist es wichtig jüngere Generationen in die Dörfer zu holen. Gar kein Thema. Nur man sollte auch mal an das Internet denken, dass in Romrod wohl in Vergessenheit gerät. Hauptsache die Kernstadt hat ein funktionierendes Netz. Die Dörfer interessiert doch keiner. Man sollte mal die Leute fragen, die aufs Dorf gezogen sind, was sie davon halten. Ohne einigermaßen normales Internet wird es auf dem Dorf kein Ingenieurbüro geben.

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