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Dampfmaschine der Alsfelder Brauerei wird künftig in der Münchner Kindl Brauerei in Betrieb genommenEin Stück Vergangenheit, das wieder Zukunft hat

ALSFELD (akr). Ein Stück Alsfelder Brauerei-Geschichte zieht um: Die alte Dampfmaschine, die seit 1906 das Schmuckstück der Brauerei war, wird künftig in München ein neues Zuhause finden, genauer gesagt in der Münchner Kindl Brauerei. Und dort soll sie sogar wieder laufen.

Seit ein paar Tagen wird in der Alsfelder Brauerei kräftig gewerkelt. Die 113 Jahre alte Dampfmaschine geht nämlich auf Reisen. Genauer gesagt zieht sie um. Vor etwa eineinhalb Jahren hat Dietrich Sailer, Inhaber der Münchner Kindl Brauerei, das rund 16 Tonnen schwere Stahlkonstrukt vom Eigentümer Rhönsprudel, dem das Gelände gehört, gekauft. Jetzt war es an der Zeit, die alte Dampfmaschine in ihr neues Zuhause zu bringen. „Sie hätte den Winter da drin nicht überlebt, das Dach ist undicht. Es war klar, dass wir sie jetzt holen müssen, sonst wäre sie möglicherweise kaputt gegangen“, erklärt Sailer.

Drei Tage haben Sailer und sein Team dafür gebraucht, die Dampfmaschine auseinander zu bauen. „Es war wirklich schwer, die ganzen Schrauben auseinander zu bringen. Wir hatten Angst, dass etwas zerbricht“, erzählt Sailer. Doch die Sorge war unbegründet, die Maschine aus Gussstahl konnte unversehrt in ihre Einzelteile zerlegt werden. „Es ist einfach eine Rarität, wir mussten sie vor dem Verschrotten retten“, lächelt der Münchner und blickt auf die Einzelteile, die noch neben dem riesigen Container liegen. Jetzt wird nämlich gerade die eine Hälfte des großen Schwungrades mit einem Kran in den Container gehoben. „Das Schwungrad hat einen Durchmesser von 3,80 Meter, normalerweise sind die viel kleiner“, erzählt Sailer begeistert.

Dietrich Sailer, Inhaber der Münchner Kindl Brauerei, nimmt die alte Dampfmaschine mit nach München, wo sie künftig wieder zum Einsatz kommen soll. Foto: akr

Vor Ort ist auch Karl-Heinz Bernges, der Jahrzehntelang für den Betrieb des Schmuckstücks zuständig war. Er ist froh und dankbar, dass die Maschine vor dem Verfall gerettet wird. „Ich wollte sie erst mitnehmen, aber leider habe ich dafür keinen Platz“, lacht der Rentner.


Im inneren des vorderen Gebäudeteils, wo die voll funktionsfähige, kohlebetriebene Maschine seit 1906 stand, klaffen jetzt große Löcher aus dem Boden. Mehrere Meter tief war sie dort im Boden verankert. „Mit ihr hat man die Kellerräume und somit auch das Bier gekühlt“, erklärt Sailer. Bevor es diese Dampfmaschinen gab, habe man nämlich nur im Winter brauen können, weil es im Sommer dafür viel zu warm war. Um bis zur nächsten Brausaison nicht ohne Bier dazustehen, braute man im März ein besonderes, haltbares Bier – das sogenannte „Märzenbier“.

Ein Blick in das Innere: Seit 1906 stand hier die Dampfmaschine aus Gussstahl.

Die alte Dampfmaschine stehe auch übrigens unter Denkmalschutz, erklärt der Münchner. Sie falle unter die Kategorie „Technisches Denkmal“. Das Denkmal wird aber nicht nur als Dekoration in der Münchner Kindl Brauerei dienen. Nein, sie wird dort auch wieder in Betrieb genommen. „Es ist ein Stück Vergangenheit, das wieder Zukunft hat“, freut sich der neue Besitzer, der damit ein Stück Alsfelder Geschichte bewahrt und sogar weiter am Leben hält.

Doch was bedeutet das jetzt für das Gelände der Brauerei? Erst vor vier Jahren verschwand mit den Gärtanks ein Herzstück der Braustätte. Die Alsfelder Abfüllanlage und die großen, stählernen Gärtanks hinter dem Produktionsgebäude hatte 2015 die Neunspringer Brauerei nahe dem thüringischen Worbis erworben, erklärte deren Geschäftsführer Bernd Ehrbrecht damals gegenüber Oberhessen-live. „Was mit dem Gelände passiert, das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass seit einem Monat hier schon nicht mehr gebraut wird“, erzählt Sailer. Eine Anfrage bei den Vogelsberger Landbrauereien in Lauterbach dazu blieb zunächst unbeantwortet.

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4 Gedanken zu “Ein Stück Vergangenheit, das wieder Zukunft hat

  1. ja, es ist ein Jammer um dieses einzigartige Industriedenkmal das ich immer mit Ehrfurcht bewundert habe, wenn es nun endgültig aus Alsfeld verschwindet. Aber es ist – obwohl bereits verloren geglaubt – nun doch noch gerettet worden.
    Herrn Sailer, dessen Brauerei und vor allem auch dessen Bierprodukte habe ich in meiner Münchner Zeit erlebt und genossen. Ich wünsche ihm eine gute Hand für die Zukunft und freue mich schon auf ein Bier dessen Herstellung mit der Alsfelder Dampfmaschine in München betrieben wurde.
    Also, die Zukunft liegt in München: „eins, zwei g`suffa!“

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    1. Und in der Gegenwart trinke ich erst mal Oettinger. Vor allem das Malzbier (keine Malzbrühe, sondern richtig gehopft) ist Spitze, weil nicht so süß. Bayrisch, billig, lecker. Mein Hofbräuhaus steht in meinem Garten.

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  2. Die Gebäude werden bestimmt abgerissen und dann wird das große Gelände als
    Bauland oder Gewerbegrundstück verkauft.
    Was will Rhönsprudel mit einer Altlast in Alsfeld.

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  3. Wieder ist ein Stück Geschichte von Alsfeld gegangen…Bier gebraut in Lauterbach und unter dem Namen „Alsfelder Bier“ zu verkaufen ist eh eine Schande. Was wir aus dem Gebäude werden nachdem man es ausfiletiert hat? Es ist einfach nur traurig wieder eine Industrieruine mehr….

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