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Geschäftsführung und vorläufige Insolvenzverwalterin streben Stabilisierung und bestmöglichen Erhalt der Neuen Arbeit anInsolvenzverwalterin will Neue Arbeit Vogelsberg retten

ALSFELD/GIESSEN (ol). Die Neue Arbeit ist insolvent. Noch am gleichen Tag hat das Amtsgericht Gießen Rechtsanwältin Julia Kappel-Gnirs von der Kanzlei „hww hermann wienberg wilhelm“ zur vorläufigen Insolvenzverwalterin der Neue Arbeit Vogelsberg gGmbH mit Sitz in Alsfeld bestellt. „Ich werde alles tun, um die bis heute wahrgenommenen Aufgaben der gemeinnützigen Einrichtung möglichst zu erhalten und fortzuführen“, sagt die Rechtsanwältin und Insolvenzverwalterin. Unterdessen geht der Betrieb weiter. 

Die gemeinnützige Gesellschaft in kirchlich-kommunaler Trägerschaft bietet in Alsfeld und im Vogelsbergkreis berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung für Langzeitarbeitslose, Arbeitslose ohne abgeschlossene Berufsausbildung, aber auch für schwer vermittelbare Arbeitssuchende oder Flüchtlinge an. Ziel ist die Eingliederung oder die Wiedereingliederung dieser Menschen in das Erwerbsleben. Einer Arbeit nachzugehen schafft für viele Menschen die Grundlage, um mehr am gesellschaftlichen Leben zu partizipieren.

Hintergrund: Die Neue Arbeit Vogelsberg hat am Donnerstag, dem 24. Oktober einen Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht Gießen gestellt. Das teilten der Vogelsbergkreis und das Evangelische Dekanat als Hauptgesellschafter in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin hat sich umgehend nach ihrer Bestellung im Unternehmen einen Eindruck verschafft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung über die Insolvenz sowie die weiteren Schritte informiert, heißt es in der Pressemitteilung. Der Geschäftsbetrieb der Gesellschaft laufe in allen Bereichen wie etwa im Garten- und Landschaftsbau, der Bausanierung, Gebäudereinigung, dem Kaufhaus ‚Alte Molkerei‘ oder dem Café ‚Alte Molkerei‘ uneingeschränkt und im vollen Umfang weiter.

Die Löhne und Gehälter der 67 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der vier Auszubildenden seien durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis Ende Dezember 2019 gesichert.


Bestmögliche Hilfe

„Ich werde alles tun, um die bis heute wahrgenommenen Aufgaben der gemeinnützigen Einrichtung möglichst zu erhalten und fortzuführen, denn es werden unverzichtbare und enorm wichtige gesellschaftliche Aufgaben für Menschen, die ohnehin benachteiligt sind und am Rande der Gesellschaft stehen, erbracht. Sie haben eine Chance verdient und dafür werde ich mich nach Kräften einsetzen“, sagte Julia Kappel-Gnirs. Deshalb werden die Geschäftsführung und vorläufige Insolvenzverwaltung laut Pressemitteilung kurzfristig Gespräche mit potentiellen Erwerbern aufnehmen. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet.

Direkte Unterstützung können Bürgerinnen und Bürger vor Ort bieten, die etwa das Warenangebot des Kaufhauses ‚Alte Molkerei‘ oder das Frühstücksangebot und den Mittagtisch des Cafés ‚Alte Molkerei‘ nutzen. Gelegenheiten zur Unterstützung durch die Menschen vor Ort bieten auch das Seniorencafè am 20. November ab 14.30 Uhr oder das Frühstücksbuffet am 7. Dezember. Beide Veranstaltungen werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Neue Arbeit Vogelsberg durchgeführt.

Ursache der Insolvenz sei letztlich gewesen, dass Arbeitsmarktmaßnahmen öffentlich ausgeschrieben wurden und die Neue Arbeit Vogelsberg bei zwei wichtigen Projekten im Ausschreibungs- und Auswahlverfahren keine Berücksichtigung gefunden habe. In Folge dessen habe das Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Gießen einen Insolvenzantrag stellen müssen.

Die Träger, der Vogelsbergkreis und das Evangelische Dekanat Vogelsberg konnten, nachdem sie über viele Jahre die gemeinnützige Gesellschaft finanziell gestützt hatten, diese Hilfen laut der Insolvenzverwalterin nicht mehr leisten. Allerdings habe der Kreis in einem am 7. November geführten Gespräch mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung Unterstützung bei der Investorensuche zugesichert. Die Tochtergesellschaft Neue Dienste Vogelsberg NDV GmbH sei als eigenständige GmbH von der Insolvenz nicht betroffen.


3 Gedanken zu “Insolvenzverwalterin will Neue Arbeit Vogelsberg retten

  1. Endlich wacht der Deutsche auf,an erster Stelle, was zeigt uns das? Das Arbeit für die Menschen die Leistung erbringen, arm anstatt reich, wohlhabend macht,während oben an der Spitze das Geld abgefischt wird. So entstand der Begriff „Schneeballsystem.
    Alles ist und könnte so einfach sein,würde das Geld vom Umsatz wieder vermehrt in die Taschen derer gehen,die die Leistung erbringen, so würde jede Stadt/ Gemeinde wieder gesund leben und das Leben würde in den Gemeinden wieder einziehen. Der Mensch wäre dadurch ebenfalls wieder gesunden. Nur miteinander lebt es sich gut.

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  2. …was zuvor mit Kopf, Herz und Hand aufgebaut wurde. Der Begriff „Arbeitsmarktmaßnahmen“ wird doch durch Rahmenbedingungen, die die Neue Arbeit jetzt in eine so missliche Lage gebracht haben, ad absurdum geführt.
    Absolut nobel und hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang Angebote der Stadt Alsfeld, z.B. die fünf Hauswirtschafterinnen, die im Kitabereich absolut anerkannte Arbeit geleistet haben, städtisch anzustellen (siehe https://www.oberhessen-live.de/2019/11/08/stadt-wuerde-hauswirtschaftskraefte-der-neuen-arbeit-uebernehmen/). Überhaupt sollte sich wieder das Bewusstsein verbreiten, dass zur qualifizierten Arbeit, die man braucht und haben möchte, eben auch der qualifizierte (sichere und ordentlich bezahlte) Arbeits-PLATZ gehört. Dies war mal anders im Staate D., und wenn der AfD wirklich etwas an der Bevölkerung liegen würde, hätte sie auf ihren ständigen Ausflügen in die Vergangenheit einmal daran erinnert, dass dies in unserem Land eine Selbstverständlichkeit war! Gerade erst musste laut Hessenschau die Universitätsklinik Gießen mehrere Stationen schließen, weil niemand bereit ist, sich in einem miesen Betriebsklima für die geringsten Gehälter aller Universitätskliniken in Deutschland aufzureiben (siehe https://www.hessenschau.de/tv-sendung/pflegenotstand-am-uniklinikum-giessen,video-107066.html). Was ist das für ein Wahnsinn!

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  3. Das klingt alles sehr vernünftig. Das Schicksal der „Neuen Arbeit Vogelsberg“ scheint in sehr kompetenten Händen zu liegen.
    Gleichzeitig wird aus dem obigen Bericht noch einmal deutlich, was für ein Blödsinn diese Bieter-Konkurrenz in den Ausschreibungsverfahren für Qualifizierungsmaßnahmen ist. Irgendeine unter den mühsam aufgebauten Einrichtungen – und vermutlich die seriöseren – zieht immer den kürzeren. Und wer mehrmals nicht zum Zuge kommt, darf dann alles zusammen kloppen und verramschen und seine Leute davon jagen. Die sog. „Arbeitsmarktmaßnahmen“ bedürfen einer dringenden Reform, damit nicht seriöse und mit viel ehrenamtlichem Engagement zum Nutzen der Menschen arbeitende gemeinnützige Träger von irgendwelchen windigen „Firmen“ unterboten und aus dem Wettbewerb geworfen werden können.
    Und natürlich bin ich am 20. November ab 14.30 Uhr im Seniorencafè und beim Frühstücksbuffet am 7. Dezember. Ich hoffe, es wird rappelvoll!

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