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Wieso Lachen gottgefällig ist und warum man fürs Kirchenrecht Humor braucht: Pfarrer Henner Eurich im PortraitWenn der Pfarrer beim Gassekeh’rn Blues singt…

HEIDELBACH (ol). Nein, ein Neuling ist er nicht auf den Vogelsberger Bühnen und, wenn man weit zurückblickt, auch nicht auf anderen. Mit seiner Moment-mal-Band und seinen Kinder-Musical-Inszenierungen ist Pfarrer Henner Eurich als singender, komponierender und Songs schreibender Musiker den meisten Menschen in der Region schon bekannt. Mit seinem Programm „Alles, was Recht ist“ tritt der singende Pfarrer im Rahmen der Alsfelder Kulturtage auf.

Mit seinem ersten eigenen kirchenkabarettistischen Programm hat er nun einen weiteren künstlerischen Bereich für sich (wieder-) entdeckt. Wiederentdeckt? Genau: Vor mehr als 25 Jahren schon war er als Teil des Musik-Kabarett-Duos H2O in Mainz unterwegs. Nun schickt er sich an, den Vogelsberg unsicher zu machen. „Alles, was recht ist“, heißt sein erstes Programm. Worum es da geht, und warum man es keinesfalls verpassen sollte, das erzählt der halbe Heidelbacher Gemeindepfarrer im ganz persönlichen Gespräch.

„Ohne Humor geht es nicht.“ Auf diesen einfachen Nenner bringt es der Gottesmann, der gleichzeitig weiß, wie schwer das mit dem Lachen in schwierigen Situationen ist. Dennoch ist er überzeugt davon, dass es fast immer gelingen kann, einen positiven, wohlwollende Blick auf Dinge, Umstände oder Menschen zu werfen, die einem das Leben gerade schwer machen: „Über etwas zu lachen, schafft eine gesunde Distanz zu einem Thema und verbindet gleichzeitig die Menschen. Lachen ist etwas Besonderes, etwas Wunderbares – ganz sicher hat Gott uns diese Fähigkeit nicht gegeben, damit wir sie ungenutzt lassen.“

Und so macht sich Henner Eurich jetzt also auf eine ziemlich gutgelaunte Mission. In seinem ersten Kirchenkabarett hat er sich das Kirchenrecht vorgenommen. Das ist in weiten Teilen nicht nur viel älter als das Bürgerliche oder das Strafrecht, es ist sogar noch ein bisschen verschwurbelter und sorgt auch bei Geistlichen nicht selten für mitunter heftiges Kopfschütteln.

Ein musikalisches Denkmal setzen

„Als ich so durch den Gesetzestext blätterte, wurde mir endlich klar, warum wir beispielsweise den Kollekteneingang auf den Pfennig, oder besser gesagt, den Cent genau bekanntgeben müssen: Es steht im Gesetz! Gar nicht auszudenken, wenn man das jetzt mal weglassen würde. Da steht man als Pfarrer schon fast mit einem Bein im Knast“, ereifert sich Kabarettist. Genauso wie man peinlich genau die Temperatur in den Kirchen niedrig halten muss, damit das dort befindliche Kulturgut jedweder Art nicht durch übermäßige Wärme Schaden nimmt. Und wenn die Kirche sagt, niedrig, dann meint sie auch niedrig: Über 15 Grad sollte die Temperatur im Gotteshaus nicht steigen. „Da müssen die Kirchgänger sich halt mal warm anziehen“; rät der Pfarrer, der auch aus anderen geistlichen Nähkästchen plaudert.


So widmet er sich der Frage, ob ein halber Pfarrer wie er eigentlich auch was taugt, und wie man ein Taufgespräch mit jungen Familien führt, die, um es mal vorsichtig auszudrücken, eher kirchenfern sind und in erster Linie eine schöne Feier wollen. „In solchen Fällen ist dann schon eine Art Basisaufklärung nötig“, lacht der Pfarrer, und man merkt, dass er nicht weniges von dem, was er hier kabarettistisch aufbereitet hat, selbst erlebt hat.

In einem ruhigen Moment oder wenn ihn die Muße grade küsst, schreibt er alles nieder, macht seine witzigen bis nachdenklichen Texte daraus, schreibt seine Musik zum einen oder anderen. Denn die Musik, die ist Eurich genauso wichtig wie die Texte. Als Pianist und Gitarrist ist er zwar Autodidakt – der es immerhin zum Keyboarder in der Band von Clemens Bittlinger geschafft hat -, aber Orgelspielen hat er gelernt und schon früh hat er in seinem Heimatort Stockhausen im Posaunenchor gespielt. Dem kleinen Dorf im Vogelsberg ist er heute noch verbunden. Er spricht den Dialekt und er hat seiner Heimat und seiner Erinnerung an sie mit dem Blues-Song „Ich muss die Gass‘ kehr‘n“ ein musikalisches Denkmal gesetzt – sicher nicht das letzte, denn „der Vogelsberg ist einfach schön.“

Humor und Ernsthaftigkeit schließen sich nicht aus

Schon als Kind, erinnert er sich, stand er gerne auf der einen oder anderen Bühne, war Familienclown und genoss seine kleinen Auftritte. Heute, als Pfarrer, muss er sich oft mit schweren Themen auseinandersetzen – übrigens meistens live, weshalb ihm das auch als Künstler nicht schwerfällt -, doch fast immer gelingt ihm auch ein humoristischer Blick. „Mein Ziel ist es, dass in jeder Predigt mindestens einmal gelacht wird“, so Eurich, der sogar versucht, bei Beerdigungen der Trauergemeinde ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, indem er vielleicht einen ganz besonders liebenswürdigen Charakterzug erwähnt oder eine lustige Anekdote aus dem Leben des Verstorbenen erzählt.

Eurich ist überzeugt, dass Humor und Ernsthaftigkeit sich nicht ausschließen, sondern zusammengehören. Mit Humor könne man Dinge hinterfragen und auch kritisieren. „Als Protestant ist man ja der ständigen Reformation verpflichtet“, lacht der Pfarrer, wendet sich seinem Tablet zu und notiert eine neue Idee, die wahrscheinlich bald in einem neuen Programm ihren Niederschlag findet.

Wer den Pfarrer und sein kirchenkabarettistischen Programm in der nächsten Zeit sehen will, der kann im Rahmen der Alsfelder Kulturtage am kommenden Donnerstag, den 26. September in der Evangelischen Schlosskirche in Altenburg. Das oberhessische KirchenKlavierKabarett mit Henner Eurich startet dort ab 20 Uhr.