Gesellschaft1

Offener Brief an die Verkehrsgesellschaft OberhessenStadtjugendparlament kritisiert Busverbindungen in die Dörfer

ALSFELD (akr). Seit November hat Alsfeld ein Stadtjugendparlament. Die Aufgabe der jungen Parlamentarier: die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertreten, sich selbst in die Politik einbringen. In der ersten konstituierenden Sitzung Ende Oktober wurde bereits ein wichtiges Thema angesprochen, der Nahverkehr, inbesondere die Busverbindungen. Man entschied sich für einen offenen Brief an den Nahverkehrsbund – und der wurde jetzt in der ersten öffentlichen Sitzung am Donnerstag im Freiwilligenzentrum vorgestellt.

Die Busverbindungen von Alsfeld in die umliegenden Dörfer seien verbesserungswürdig, sagen die Jugendlichen. Nach 18 Uhr gebe es keine Busse mehr, dadurch seien viele Schüler auf den Fahrdienst der Eltern angewiesen. Darüberhinaus seien die Busse maßlos überfüllt, Schüler würden teilweise einfach stehen gelassen. Da muss sich was ändern, findet das Stadtjugendparlament und hat einen offenen Brief an die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) geschrieben. Zuvor wurden offene Fragen gesammelt, über den ÖPNV diskutiert, mit anderen Schülern und Jugendlichen gesprochen und Arbeitsgruppen nachgedacht, ehe dann der Brief an die Reihe kam.

„Da wir uns als gewähltes Stadtjugendparlament dafür engagieren, die Meinung der Schülerinnen und Schüler sowie aller Jugendlichen öffentlich zu vertreten, wollen wir Ihnen in diesem Brief Anliegen und Forderungen bezüglich der derzeitigen Busverbindungen für Alsfeld und Umgebung schildern und näher bringen“, heißt es in den einleitenden Worten der Stadtjugendparlamentarier. Weiter heißt es in dem Brief, dass Schüler häufig die „falsch gewählten“ Fahrzeiten kritisierten, die Busse überfüllt seien. „Dabei ist es auch schon vorgekommen, dass Schüler an der Bushaltestelle stehen gelassen wurden, was gefährlich und unverantwortlich ist.“

Auch die Ergebnisse der Umfragen dürfen in dem Brief nicht fehlen. Insgesamt sechs Busse wurden unter die Lupe genommen, dabei kamen die Jugendlichen zu folgenden Ergebnissen:

VB 13 (Kirtorf <-> Alsfeld):


  • Der Bus ist zu voll
  • In Leusel (letzte Station vor Alsfeld) werden Schüler stehen gelassen
  • Viele Dörfer werden nach 16.30 Uhr nicht mehr angefahren, beispielsweise Ohmes

VB 15 (Ulrichstein <-> Alsfeld):

  • Zu viele Dörfer für einen Bus
  • Bus ist zu voll
  • Uhrzeiten der Anruf-Linien-Taxen sind schlecht, die letzte Fahrt um 19.20 Uhr

VB 16 (Schwalmtal <-> Alsfeld):

  • Schüler sind zu früh in Alsfeld (7.20 Uhr, 40 Minuten Wartezeit bis Schulanfang)
  • Rückfahrt dauert 40 Minuten
  • Anruf-Linien-Taxi für 20.53 Uhr/21.53 gewünscht

Buslinie 474 (Oberaula <-> Alsfeld):

  • Es fahren nur zwei Busse am Nachmittag
  • Der Schulbus fährt um 13.52 Uhr, für die Schüler bedeutet das 42 Minuten warten

VB 396 (Schrecksbach <-> Alsfeld)

  • Bus überfüllt
  • schlecht gewählte Fahrzeiten

VB 394 (Lingelbach/Bieben <-> Alsfeld)


  • Bus überfüllt
  • Kinder werden stehen gelassen
  • Fahrzeiten werden nicht eingehalten

„Aufgrund der oben aufgeführten Mängel haben wir ausgiebig darüber diskutiert, wie man die Busverbindungen schülerfreundlich gestalten könnte. Beispielsweise könnten an den genannten Stoßzeiten mehr Busse eingesetzt werden“, schlägt das Stadtjugendparlament vor. Auch die Busfahrzeiten in den Abendstunden könnten laut Brief verlängert werden, „sodass auch die Freizeitgestaltung in Alsfeld stattfinden kann, ohne auf Dritte mit einem Auto angewiesen zu sein“.

Wann die Parlamentarier den Brief an die VGO übergeben werden, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich werde die Übergabe in den nächsten zwei Wochen stattfinden. Bürgermeister Stephan Paule wolle zudem schauen, was er unterstützend tun kann.


Ein Gedanke zu “Stadtjugendparlament kritisiert Busverbindungen in die Dörfer

  1. Ich erinnere mich noch sehr gut meiner Jugendjahre im Sauerland und der Einschränkungen, die der sparsam getaktete ÖPNV für diejenigen bedeutete, die natürlich noch kein eigenes Auto hatten, aber auch auf keinen elterlichen „Helikopter-Fahrdienst“ zurückgreifen konnten. So viele quälend lange Stunden habe ich auf Bahnhöfen oder an Bushaltestellen irgendwo in der Wallachei verwartet und mir die erfrierenden Füße in den Bauch gestanden. Mal ganz abgesehen von niederschlagsreichen Jahreszeiten, in denen man feucht, dampfend und schlecht riechend im Unterricht saß, um dann auf der Heimfahrt bzw. auf dem langen Weg von der Haltestelle nach Hause erneut völlig durchnässt zu werden. Mich schüttelt es heute noch. Und was für eine Befreiung, als man mit dem ersten eigenen Uralt-Käfer endlich zeitnah dort ankam, wo irgendwas los war und man die jeweilige Angebetete zu treffen hoffte. Ich bin dann so manches Mal mit dem motorisierten Untersatz die alten Strecken abgefahren und habe mich an jedem Zu-, Um- und Aussteigebahnhof durch wilde Hupkonzerte für jahrelange Qualen „bedankt“. Und deshalb lockt mich auch kein noch so sehr verbesserter ÖPNV. Seit jungen Jahren leide ich an Bus-Allergie und Bummelbahn-Intoleranz. Gerade als Rentner auf dem Lande verteidige ich das eigene Auto mit Zähnen und Klauen. Denn die Lebensqualität, die mir meine individuelle Mobilität bietet, kann mir kein noch so aufgehübschter ÖPNV ersetzen. Das Klima? Warum eine Umwelt retten, die einen so lange so schlecht behandelt hat?

    10

    3

Comments are closed.