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KOMMENTAR zum 2. IKEK-ForumWer bei der Dorferneuerung mitmacht, hat unseren Respekt verdient

MEINUNG| Viele Bürger waren es nicht, die am Dienstagabend den Weg zum 2. IKEK-Forum in die Sporthalle in Eifa fanden. Doch trotz der geringen Teilnehmeranzahl kamen innerhalb weniger Minuten zahlreiche Projektideen zustande. Dafür sollte man die Bürger loben, die sich mit großem Engagement daran beteiligen, die Wohn- und Lebensqualität auf den Dörfern zu sichern und zu stärken. Ein Kommentar von OL-Volontärin Alina Roth.



Alsfeld ist als Förderschwerpunkt in das Programm „Dorfentwicklung Hessen“ aufgenommen worden. Das heißt, dass in allen 16 Ortsteilen sowohl kommunale als auch private Maßnahmen mit finanzieller Unterstützung vorbereitet und umgesetzt werden können. Stärken und Schwächen in den einzelnen Ortsteilen wurden bereits von den Bürgern in sogenannten Bürgerwerkstätten herausgearbeitet.

Aus dem Ergebnis dieser Analyse sollten jetzt im 2. IKEK Forum erste Projektideen entwickelt werden. Doch nur rund 60 Menschen zog es zur Veranstaltung – ziemlich wenige, wenn man mal bedenkt, dass Alsfeld insgesamt 16 Ortsteile und knapp 16.000 Einwohner hat. Hochgerechnet macht das gerade mal vier Personen pro Dorf.

Dabei wird sich doch immer wieder beschwert, dass in den Dörfern nichts los sei, dass es zu wenig Wohnraum gebe, man ohne Auto gar nicht oder nur schwer von A nach B komme, die Radwege teilweise zu Wünschen übriglassen oder Grillhütten mal auf den neuesten Stand gebracht werden könnten. Genau solche Dinge können jetzt mit der Dorfentwicklung angegriffen werden, doch dafür müssen eben auch Lösungen gefunden werden. „Nicht nur meckern, auch anpacken“ lautet ein berühmter Spruch. Und das taten die Teilnehmer, und zwar richtig, also im übertragenden Sinne, und das trotz des perfekten Grill-Wetters.

Gemeinsam entwickelte man erste Projektideen. Foto: akr

Die meisten der Bürger sind sogar Wiederholungstäter: Sie haben auch schon an der Stärken- und Schwächenanalyse in ihrem jeweiligen Dorf teilgenommen, sich schon dort aktiv beteiligt. Sie haben fleißig Stichpunkte auf bunte Karten geschrieben, diese mit kleinen Punkten je nach Wichtigkeit beklebt. Das Ganze hatte schon etwas von Gruppenarbeit in der Schule. Dennoch hielt es sie nicht davon ab, Stärken und Schwächen herauszuarbeiten, zu diskutieren, zusammenzuarbeiten, sich zu engagieren.

Und das eben auch wieder am Dienstagabend. An den Thementischen sind innerhalb kürzester Zeit über 30 Projektideen entstanden. Man schloss sich zu Projektgruppen zusammen, auch wenn man sich nicht unbedingt kannte.

Bei diesem lokalen Ereignis den großen Martin Luther King zu zitieren, mag einigen etwas übertrieben vorkommen. Doch der Bürgerrechtler sagte einmal: „Wir sind vielleicht alle in verschiedenen Schiffen angereist, aber jetzt sitzen wir im selben Boot“. Das war auch hier der Fall. Man stellte nicht sein eigenes Dorf in den Vordergrund, sondern schuf gemeinsam Projektideen, von denen größtenteils alle profitieren könnten. Dafür haben diejenigen, die sich engagieren und eben nicht nur meckern unseren Respekt verdient.

2 Gedanken zu “Wer bei der Dorferneuerung mitmacht, hat unseren Respekt verdient

  1. Viereinhalbtausend Zeichen ( ohne Leerzeichen ) Abends um 21 Uhr, Respekt. Vielleicht hätten Sie sich besser bei dem schönen Wetter in der Akademiker-Tränke die Kante geben sollen? Die Alt-68er haben sich inzwischen warm eingerichtet. Zwischen A-14 und B – irgendwas lässt sich locker das restliche Dasein verbringen, mit Ausnahme derer, die auf der Flohmarkt-Ebene glücklich sind und mit Glatze und langem Zopf von früher träumen. „Hätte, könnte, müsste“ ist Zimt. Freiheit, ist das Einzige was zählt. Darauf einen Tusch von der Kapelle Humtata.

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  2. Tja, liebe Frau Roth: Der Bürger meckert und engagiert sich nicht. Und die Politik lädt zur bürgerschaftlichen Beteiligung bei der Regionalentwicklung ein, und es passiert anschließend nichts. Zwei Seiten derselben Medaille.
    Ich habe zu einer Zeit in der Oberstufe eines ländlichen Gymnasiums Abitur gemacht, da hatte gerade der Kanzlerkandidat Willi Brandt die Bundestagswahlen gewonnen und schickte sich an – zusammen mit einer linksliberalen FDP – „mehr Demokratie [zu] wagen“. Vor allem unter den Jungen herrschte Aufbruchstimmung. „Alt-68er“ und „Schülerbewegung“ sahen ein Zeitalter tiefgreifender gesellschaftlicher Reformen auf sich zu kommen und lüfteten angesichts des „Muffs von 1000 Jahren“ tüchtig unter den Talaren der Ordinarien-Universität und in allen anderen überkommenen Herrschaftsstrukturen. Und von denen gab es unendlich viele.
    Lang, lang ist’s her. Doch „Immer wieder sonntags“ (sprich: angesichts der vielen Sonntagsreden, von denen Sie jetzt auch eine angestimmt haben) kommt die Erinnerung. Sie können ja aus eigener Erfahrung kaum wissen, wie schwer es war, eine kriegstraumatisierte Gesellschaft, die im Bemühen um die Verdrängung nicht nur erlittener, sondern auch selbst verübter Gräuel und Jahrhundertverbrechen Trost und Orientierung im klerikal-autoritären Gestern suchte, Richtung Zukunft in Bewegung zu setzen. Neue Wege bieten keine Erfolgsgarantien. „Reformeuphorie“ ist die hübsche, aber aus dem Ruder gelaufene Schwester von „Augenmaß“ und „Pragmatismus“, der aber leider alle in blinder Leidenschaft verfallen. Und so wurde auf dem Wege zu demokratischen Bildungsinhalten und Gesellschaftsstrukturen manches Problem geschaffen, das man ohne „Reformen“ nie gehabt hätte. Zum johlenden Vergnügen aller Reformgegner. „Seht ihr, wir haben es doch gleich gewusst!“ Nur wären Stillstand und „Bewahren des Bewährten“ eben auch keine Option gewesen. In den gesellschaftlichen Widersprüchen und Konflikten brechen sich überfällige Veränderungen Bahn. Doch das Andere ist am Ende nicht automatisch das Bessere. Und vor allem nicht die einzige Alternative!
    Warum hole ich so weit aus? Schauen Sie sich einmal das Schicksal der SPD an, die wie keine andere den sozialen und demokratischen Fortschritt auf ihre Fahnen geschrieben hat, aber immer gerade dann in Regierungsverantwortung gerät oder dort gerade noch die Stellung hält, wenn überlebte Strukturen zusammen brechen und chaotische Zustände heraufbeschwören, für die man selbst (aber auch kein anderer) kein Reparaturhandbuch und erst recht keine geeigneten Instrumente besitzt. Bei jedem Strukturwandel bekamen die armen Sozen bisher einen auf die Mütze. Wenn sie „noch dran“ waren, gab es Prügel wegen des Zusammenbruchs des Alten. Wenn sie „frisch dran“ kamen, gab es die Prügel für das Neue, das noch nicht funktionierte. Das nennt man – mit Verlaub – die „Arschkarte“ (Allerdings behaupte ich nicht, dass man sich nicht auch ohne Not selbst zum Arsch machen kann!).
    Und jetzt kommen Sie mit „IKEK“. Und parallel dazu läuft noch SILEK. Und LEADER. Und davor gab es das große Thema Europa mit all den Förderprojekten, für die kurz vor der EU-Wahl zufällig noch die Bewilligungsbescheide eintrudelten, sowie das Programm „Starke Heimat Hessen“, und davor das Förderprogramm „Lokale Ökonomie“, und davor „MoDaVo“, und davor „MORO“ und haste nich gesehen.
    Und immer wieder werden die Leute „mobilisiert“ und sollen unter der Aufsicht irgendwelcher Regionalentwickler oder sonstiger großkopferten Planungsbüros Stärken- und Schwächen-Analysen durchführen, Ideen entwickeln und dabei Myriaden von Karteikarten und Whiteboards mit der Fläche von Fußballfeldern voll schreiben. Und was hat’s bisher gebracht? Kleinkram, wenn’s hoch kam. Auftaktveranstaltungen mit Pressefoto und Feuerwehrkapelle. Dann noch mal ein feucht-warmer Händedruck und ein Blumenstrauß in der Sparkassen-Aula. Und dann sind die Fördermittel verbraucht oder versickert oder beides. Aber irgendwo auf der grünen Wiese platzt garantiert der nächste prall gefüllte Fördertopf. Die Kapelle humptata. Und wieder sind dieselben da. Die, die von den Belobigungen nie genug kriegen; oder die, die Bürger-BESCHÄFTIGUNG mit Bürgerbeteiligung verwechseln und nicht wahrnehmen, dass in dem ganzen Buhai die ständig wachsenden Probleme der Daseinsvorsorge oder des Naturschutzes oder der Energieversorgung ungelöst bleiben. Und inzwischen geht immer mehr Vertrauen in die Sachkompetenz der Experten und die Redlichkeit der Politiker verloren. Der Weg in die Zukunft ist mit Skandalen und teuren Irrtümern gepflastert. Und während die öffentliche Infrastruktur (das von den Steuerzahlern finanzierte Volksvermögen!!!) vergammelt, irre Mautpläne an den höchsten Gerichten scheitern, man den notwendigen technischen Wandel (digitale Infrastruktur) verschläft, während man sich andererseits blindwütig in technologische Scheinlösungen stürzt (nicht grundlastsichernde alternative Energieträger, Batterie-Autos, „Dämmwahn“ in Form sinnloser Styropor-Fassadendämmung usw.), soll der „einfache Bürger“ sich „engagieren“, ohne je die Chance zu erhalten, auf Augenhöhe mit zu entscheiden. Die einen erkennen den Schwindel. Und die anderen werden bei nächster Gelegenheit sicher wieder gelobt. Schön für sie.

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