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Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen151 Abiturienten der Alexander-von-Humboldt-Schule verabschiedet

LAUTERBACH (ol). „Abilymp – Auch Götter müssen einmal gehen“: In diesen Tagen gilt das insbesondere für die selbsterklärten Gottheiten des Abiturjahrgangs 2019 der Alexander-von-Humboldt-Schule. Mit dem Zeugnis der höchsten deutschen Schulausbildung in der Tasche entließ das Lauterbacher Gymnasium am vergangenen Freitag 151 junge Menschen in einen neuen Lebensabschnitt und würdigte die Leistung der Absolventen im Rahmen einer Feierstunde – erstmals in der Großsporthalle an der Wascherde.

„Der Olymp ist überfüllt“ – mit diesen Worten begrüßte Schulleiterin Gitta Holloch im Namen des ganzen Schulleitungsteams die Abiturientinnen und Abiturienten mit ihren Eltern, Familien und Freunden in der ungewöhnlichen Location. Die vertraute Aula der Alexander-von-Humboldt-Schule war für diesen großen Jahrgang zu klein, doch Gitta Holloch stellte an die Absolventen gerichtet unumwunden laut Pressemitteilung der Schule fest: „Sie erhellen diesen Raum mit Ihrem Glanz. Hier können wir Sie feiern“.

In der ersten Reihe der Gäste hatten auch die ehemaligen Schulleiter Olaf Noeske und Helmut Totzek Platz genommen, die den Abend gerne mitverfolgten. Nach einer beeindruckenden zahlenmäßigen Bilanz dieses Jahrgangs, der neun Tutorengruppen füllte und zehn weitere Leistungskurse, ging die Schulleiterin in ihrer Ansprache auf das persönliche Empfinden ihrer nun ehemaligen Schülerinnen und Schüler ein – diese hatten sich selbst in einer Online-Evaluation offenbart, hatten Stärken und Abneigungen kundgetan und sich mal mehr oder weniger ernsthaft zu dem schulischen Leben geäußert.

„Glücklichsein ist ihr Weg“ – Schulleiterin Gitta Holloch verabschiedete 151 Abiturientinnen und Abiturienten. Fotos: Frank Solf

Als wichtigste Kriterien machte Holloch die Freundschaften aus, die die jungen Menschen an ihrer Schule knüpfen konnten – auch zu den Lehrkräften. Darüber hinaus hätten sie an der AvH, einer Schule mit einer sehr guten Ausstattung, individuelle Förderung genossen und von vielen Fahrten und Austauschen profitierten können. „Sie konnten hier viel lernen – sowohl fachlich als auch menschlich“; bescheinigte die Schulleiterin ihren Absolventen, „sicherlich auch eine ganze Menge über sich selbst.“


Kreativität und Individualität

Mit einigen Anekdoten von Klassenfahrten, Unterricht und anderen Ereignissen unterstrich Holloch die Kreativität und Individualität dieses Jahrgangs, der mit einem Notendurchschnitt von 2,2 etwas besser als der Landesdurchschnitt abschneidet, ein Umstand, den Holloch den guten Verhältnissen an der Schule im ländlichen Raum zu verdanken sieht. Die meisten der frischgebackenen Abiturienten wollten nun studieren, blickte Holloch nach vorn, knapp ein Viertel plane eine Ausbildung, andere wiederum ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Auslandsaufenthalt.

„Möge unser Motto ‚Enjoy and Achieve‘ Sie auch an Ihrer neuen Wirkungsstätte begleiten“, gab die Schulleiterin den jungen Menschen mit auf den Weg. „Lassen Sie mutig und couragiert alte Strukturen hinter sich, denn die Welt da draußen braucht ihre Inspiration. Ich wünsche Ihnen nach Ihrem Auszug aus dem Olymp viele göttliche Momente.“ Augenzwinkernd ging Holloch damit ein letztes Mal auf das göttliche Motto des Jahrgangs ein, das sich durch alle Reden des Abends zog. Zum Abschluss ihrer Ansprache hatte sie einen ganz weltlichen Rat an die Abiturientinnen und Abiturienten: „Einen Weg zum Glück gibt es nicht. Glücklichsein ist der Weg – Ihr Weg.“

Als Redner aus der Lehrerschaft hatte sich der Abi-Jahrgang 2019 Nicolas Hahn gewünscht, der sich sehr über diese Ehre freute. Er selbst fühle sich dem Jahrgang sehr verbunden, da sie ihn durch seine Examenszeit begleitet hatten und ihm auch danach als Oberstufenschüler erhalten geblieben waren. Das sei ein Gewinn für ihn gewesen, bestätigte Hahn gerne.

Vor einer gottgleichen Leistung stünden die Schülerinnen und Schüler nun, viele Klausuren seien bewältigt, die schriftlichen und mündlichen Prüfungen geschafft, der Olymp erklommen. Oder vielleicht doch nur eine erste Etappe? Die Schule habe sie an den Fuß des Olymps geführt und mit dem Rüstzeug dafür ausgestattet, weitere Höhen anzustreben, so Hahn.

Mut und ein wenig Wahnsinn nötig

Bedachtes Handeln, eine gute Zielsetzung, Mut und ein wenig Wahnsinn seien nötig, um diesen Weg weiterzugehen. Hinzu kämen Neugier und gute Kletterpartner, die sie hier an der Schule, aber auch in ihren Familien schon gefunden hätten. Humorvoll und mit sehr viel Wertschätzung für die scheidenden jungen Menschen ging Hahn auf deren Talente ein, die mal mehr, mal weniger unterrichtsrelevant waren, dennoch stets zielführend und nicht zuletzt auch in vielerlei Hinsicht engagiert. „Wir haben euch zu freien Denkern und kritischen Persönlichkeiten erzogen“, wandte sich der junge Lehrer an die Abiturientinnen und Abiturienten.


Wenn sie nun vom Olymp hinabstiegen in die Welt, würden sie Schönheit und viel Komplexität entdecken, für deren Bewältigung nicht allein Wissen, sondern auch Verstand benötigt werde. „Seid kritisch, engagiert euch für das, was für euch wichtig ist, strebt nach dem Guten und Großen und bleibt im Geiste offen“, rief Hahn ihnen zu. Wie der Namensgeber ihrer Schule sollten sie sich aufmachen und auf die Welt schauen und sie durchschauen.

Eine Idee, die das Holzbläserensemble der Schule unter der Leitung von Markus Euler mit dem Stück „Over the Rainbow“ direkt musikalisch umsetzte. Die Musiker rahmten die Veranstaltung feierlich ein und hatten mit einer fulminanten Darbietung von „Eye of the Tiger“ bereits für einen adäquaten Einmarsch gesorgt. Im Anschluss daran sprachen Schulsprecherin Fine Glitsch und ihr Stellvertreter Felix Kimpel für die Schülerschaft. Kimpel blickte zurück auf zwölf Schuljahre, in denen man gerade in den letzten drei viele Bekanntschaften geknüpft habe. Mit den Mitschülern haben man wahrhaft göttliche Momente geteilt. Auf Klassenfahrten und Partys, aber auch in der Schule selbst, habe man schöne Erinnerungen gesammelt, nun werde es Zeit, den Olymp zu verlassen.

Zahlreiche Danksagungen

Fine Glitsch hatte für ihren Part der Rede zahlreiche Danksagungen vorbereitet, die zuallererst an die Familien und Freunde gingen, die sie stets motiviert hätten, ihnen Rückhalt und Trost spendeten, mitunter aber auch den nötigen Druck aufgebaut hätten. „Heute sehen wir euch hier voller Stolz auf uns und fragen uns selbst: Was wären wir ohne euch?“, wandte sich die Rednerin an das Publikum. Sie dankte allen aus dem Jahrgang, die sich für die Veranstaltungen und Aktivitäten rund um das Abitur engagiert haben, und sie wandte sich besonders an ihren Stellvertreter Felix Kimpel, mit dem sie eine schöne Zeit in der Schülervertretung gehabt habe. Ihr Dank galt weiterhin den Lehrkräften der AvH, insbesondere den Tutoren, die stets ein offenes Ohr für die Schülerinnen und Schüler gehabt hätten.

Felix Kimpel und Fine Glitsch sprachen für die Schülerschaft und hatten viele Danksagungen dabei.

Ganz besonderes Lob erhielten die Verwaltungskräfte, die mit viel Rat und Tat, vom Pflaster bis zur Schulbescheinigung, über die Verlängerung der Buchabgabefristen bis hin zum Ordnen des Schulhofs und Stühlestellen in der Großsporthalle alles für sie gehabt und getan hätten. Das Schulleitungsteam wurde von Glitsch mit einem Extra-Dankeschön bedacht. Stets hätte man hier auf Unterstützung und viel Entgegenkommen zählen dürfen. „Das Glück ist die Summe kleiner Freuden“, zitierte zum Abschluss Felix Kimpel. „Unsere Schulzeit war ein großes Glück“, stellte er fest. Wehmütig und voller Respekt blickte er auf den Neubeginn, der nun vor ihnen allen liegt: „Wir hoffen auf Spaß, Freude und Glück – auch nach der Schulzeit.“


Und dann war es soweit: 151 Abiturzeugnisse warteten darauf, von Schulleiterin Gitta Holloch ausgegeben und von den Abiturientinnen und Abiturienten entgegengenommen zu werden. Studienleiter Karsten Krämer rief dazu alle Tutorengruppen einzeln auf die Bühne. Alle Absolventen wurden namentlich genannt und erhielten eine Mappe, die das Zeugnis und andere im Lauf der Schulzeit erworbene Bescheinigungen enthielt. Persönliche Glückwünsche von Seiten der Schulleiterin und der Tutoren konnten die scheidenden Schülerinnen und Schüler mit auf den Weg nehmen, bevor es noch einige besondere Ehrungen gab.

Besondere Ehrungen

Mit Johanna Theresa Jakob, Ben Kirst, Emily May, Henrik Starch, Tobias Traxl und Christian Völlinger würdigte die Schulleiterin sechs Schülerinnen und Schüler, die über eine sehr hohe Leistungsfähigkeit sowie Leistungsbereitschaft verfügten, wie sie unterstrich. Allesamt glänzten die sechs an diesem Abend mit der Bestnote 1,0 und hätten damit das Konzept von „Enjoy and Achieve“ umgesetzt. Sie erhielten für ihr herausragendes Abschneiden eine Urkunde und ein Geldgeschenk.

Weitere Ehrungen konnte der stellvertretende Schulleiter Joachim Gerking vornehmen. Zunächst hatte er Preise im MINT-Bereich zu vergeben. Von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung wurden Siddik Özkan und Henrik Starch ausgezeichnet. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft würdigte für besonders gute Leistungen Dennis Guthardt und Tyler Shores. Auch die Gesellschaft Deutscher Chemiker verleiht einen Abiturientenpreis, der in diesem Jahr an Peter Lang und Emily May ging. Für sehr gute Leistungen im Fach Biologie wurde außerdem Johanna Jacob geehrt.

Für sehr gute Leistungen in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie würdigte Maximilian Sauer Peter Lang, Tyler Shores, Emily May, Henrik Starch, Johanna Theresa Jakob, Siddik Emanullah Özkan und Dennis Guthardt (v.l.n.r.)

Auch in anderen Bereichen werden Preise für Abiturienten ausgelobt: So erhielt Barbara Deuchert den Preis des Vereins Deutsche Sprache für besondere Leistungen im Fach Deutsch, für das Fach Latein wurden Flora Günther und Moritz Haas vom Deutschen Altphilologenverband Hessen ausgezeichnet. Der Verein für Sozialpolitik in der Deutschen Gesellschaft für Wirtschaft- und Sozialwissenschaften ehrte Felix Kimpel für seine Leistungen im Fach Politik und Wirtschaft, danach erhielt Dennis Guthardt eine Auszeichnung vom Fachverband Philosophie Hessen für besondere Leistungen im Fach Ethik.


Auch im Fach Sport gab es eine Ehrung, die Gerking der Hessischen Meisterin im Hochsprung Raphaela Kaiser zukommen lassen konnte. Sie erhielt für ihre Leistungen im Sport und für ihr weit über die Schule hinausgehendes Engagement im sportlichen Bereich die Pierre-de-Coubertin-Medaille.

Außerordentliches Engagement gezeigt

Bei allen Geehrten handele es sich um Schülerinnen und Schüler, die auf verschiedenen Gebieten außerordentliches Engagement gezeigt hätten, unterstrich Gerking die Verdienste der Absolventen. Dieser Einsatz beschränke sich längst nicht nur auf unterrichtliches Arbeiten, sondern umfasse auch Bereiche außerhalb des Unterrichts.

Für außerordentliches Engagement außerhalb des Unterrichts würdigte Kirsten Muche David Kaiser, Barbara Elisabeth Deuchert, Flora Günther, Henrik Henkel, Henrik Starch, Celine Reschke, Felix Sascha Kimpel, Fine Glitsch, Melissa Link, Ayla Hedrich und Lara Schneider

So würdigte Gerking im Anschluss Fine Glitsch und Felix Kimpel für ihr Engagement in der SV, Barbara Deuchert, Flora Günther, David Kaiser, Melissa Link, Henrik Starch und Hanna Stieler für ihren Einsatz in den verschiedenen Musikensembles der Schule sowie Henrik Henkel für seine unverzichtbare Unterstützung aller schulischen Ereignisse mit der Licht- und Tontechnik-AG der Schule. Im Sanitätsdienst hatten Ayla Hedrich, Celine Reschke und Lara Schneider gewirkt. Auch sie erhielten eine Auszeichnung und Präsente der Alexander-von-Humboldt-Schule.

Mit dem Stück „Pink Panther“ zum Abschluss der Veranstaltung war nicht nur die Zeit der Zeugnisverleihung verstrichen, sondern es war nun auch die Schulzeit der 151 Abiturientinnen und Abiturienten vorbei. Sie werden ein letztes Mal gemeinsam feiern – der große Ball im Wartenberg Oval wartet noch auf sie.