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Präsident des Deutschen Tierschutzbundes zu Gast im Alsfelder TierheimGebell, Lebensfreude, Streicheleinheiten und Wünsche

ALSFELD (akr). Es war schon ein besonderer Tag für das Alsfelder Tierheim. Dort erwartete man einen nicht alltäglichen Besuch: Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, hat gemeinsam mit Ute Heberer, der zweiten Vorsitzenden des Landestierschutzverbands Hessen, auf ihrer gemeinsamen Tierheim-Tour durch das Land Halt in Alsfeld gemacht, um sich vor Ort ein Bild zu machen, wo genau der Schuh in den Heimen drückt. Ein Rundgang zwischen lautem Gebell, Lebensfreude, Streicheleinheiten und Wünschen.


Thomas Schröder sitzt in einem Zwinger im Alsfelder Tierheim und wird gerade von zwei jungen Tierschutz-Reporterinnen interviewt, schließlich ist es ja auch kein alltägliches Ereignis, den Präsidenten des Tierschutzbundes bei sich im Tierheim zu haben. Während er sich den Fragen der beiden Mädels stellt, herrscht im Zwinger um ihn herum wildes Gewusel: Es wird gespielt, geschmust, herumgerannt, geschlafen und gebellt – es ist seit Donnerstag das Zuhause von 14 Mischlings-Welpen aus Rumänien.

Rundgang durch das Tierheim startet

Dann geht auch schon die Tour durch das Alsfelder Tierheim los, naja fast. Zunächst versammelt man sich vor dem Pfotencafé, damit der Präsident ein paar allgemeine Infos zum Tierheim erhält. Lange Zeit bleibt jedoch nicht, ein enger Zeitplan muss eingehalten werden, in knapp drei Stunden wird Schröder nämlich im Tierheim in Lich erwartet. „Es ist ein kleines, überschaubares, aber gut gefülltes Tierheim“, lacht die erste Vorsitzende Ann-Catrin Schmidt und fängt an, ein bisschen über das Tierheim und den Verein zu erzählen.

Präsident Schröder bekommt zunächst ein paar allgemeine Infos. Fotos: akr

Der Vorstand bestehe derzeit aus neun Mitgliedern, die das allesamt komplett im Ehrenamt übernehmen. Unterstützt werde der Verein von 16 Hauptamtlichen, viele würden in Teilzeit arbeiten. 33 Katzen, 40 Hunde und zehn Kleintieren schenke das Alsfelder Tierheim momentan ein Zuhause. „Normal haben wir so 30 bis 35 Hunde, aber durch die große Gruppe von Welpen sind es jetzt ein paar mehr“, lächelt Schmidt und die Blicke der Gäste wandern zu den süßen Fellnasen hinter ihnen.

An den Einzelzwingern entlang, wird am Zwinger von Teddy ein kurzer Halt eingelegt. Er ist einer der wenigen Hunde, der alleine lebt. „Teddy spring über alle Zäune, deswegen ist der Zwinger auch oben geschlossen“, erklärt Schmidt. Dann macht sich die ganze Gruppe auf den Weg zu den Hunden mit Handicap, unter anderem geht es an Chanel, Finja, Nevada und Minnesota entlang. Es wird gebellt, an die Zwinger gesprungen und vor Freude mit den Schwänzen gewedelt. Immer wieder wird kurz gestoppt und verschiedene Fragen des Präsidenten beantwortet.

Immer wieder werden kurze Stopps eingelegt, um Fragen zu beantworten.

Mit viel Lebensfreude begeistert

Rechts vom Eingang des Tierheims warten schon die Hunde Kholaya, Sirius und Akotas auf die Truppe. Doch bevor es nach draußen geht, muss noch ein ganz wichtiges Hilfsmittel her: Die Rollstühle, extra angefertigt, um den drei gehandicapten Tieren das Laufen zu ermöglichen. „Die Hinterläufe der drei sind teilweise gelähmt. Die Hündin Sirius kann sie noch ein wenig bewegen, allerdings hat auch sie keinen richtigen Halt“, erklärt Tierärztin Natascha Hirschmann.

Das sei schon eine Herausforderung gewesen, als die drei im Herbst letzten Jahres aus Rumänien zu ihnen nach Alsfeld kamen. Welchen Schicksalsschlag die drei erleiden mussten, das wisse man nicht. Vermutet werde ein Unfall. Doch von Leid ist jetzt absolut nichts mehr zu spüren. Kaum sind die Fellnasen in ihre Rollstühle geschnallt, flitzten sie voller Freude und Elan los. Die Lebensfreude der kleinen Rollstuhlfahrer beeindruckt Schröder sichtlich.

Auf die Plätze, fertig, los.

An einem der Zwinger im Tierheim legen die Besucher einen längerer Halt ein. Dieser Bereich sei mit einem wichtigen Anliegen verbunden. „Wir hoffen, dass hier irgendwann ein richtiger Quarantänebereich entsteht“, blickt Schmidt hoffnungsvoll in die Zukunft. Das sei nämlich eines der zwei großen Projekte, die auf der Wunschliste des Vereins stehen. Der andere Wunsch sei der eines kleinen Waschhauses mit einer Industriewaschmaschine und einem Industrietrockner. „Bei uns laufen sieben Tage die Woche die Waschmaschinen und Trockner“, erklärt Schmidt die Problematik. Kittel, Decken, Handtücher, Körbchen – alles muss gewaschen werden und bei nur drei Maschinen würden diese eben rund um die Uhr laufen müssen.

Einem großen Wunsch ein Stück näher gekommen

Etwa 20.000 Euro würde die Industriewaschmaschine zusammen mit dem Trockner kosten. Geld, das das Tierheim, das sich durch Spenden finanziert, nicht habe. Doch dabei bleibe es nicht: 10.000 bis 15.000 Euro würden noch für den Umbau der alten Flohmarkthütte zum Waschhaus hinzukommen. Schröder zögert nicht lange: „Ich schlage euch einen Deal vor“, sagt er und lächelt. „Ihr bekommt 2.500 Euro, um eurem Projekt „Waschhaus“ näher zu kommen. Wenn ihr es bis zum 1. September schafft, 5.000 Euro durch Spenden aufzutreiben, dann gibt es nochmal 2.500 Euro“. Damit hätte das Tierheim rund die Hälfte der Kosten für die zwei Geräte zusammen. Der Hausmeister Karl-Heinz Fiolka zögert ebenfalls nicht lange und steckt Schmidt schon die ersten 50 Euro zu. Schmidt fällt Fiolka vor Freude in die Arme.

Schröder nahm sich für die Wünsche und Sorgen des Tierheims Zeit.

Noch immer stehen alle um die hoffentlich künftige Quarantänestation. Mehr als 100.000 Euro stehen hierbei zur Debatte. „Solche großen Projekte brauchen viel Zeit, um umgesetzt zu werden, es sind damit ja nicht nur die Kosten für den Umbau verbunden“, sagt der Präsident, der auch zugleich einen guten Vorschlag parat hat. In der Vergangenheit habe er schon des Öfteren Schiffscontainer umgebaut, seiner Meinung nach sei das eine mögliche Variante, weil es kostengünstiger und schneller zu realisieren sei.

Für Schmidt und ihr Team eine mögliche Lösung, denn ein kleines Gartengrundstück am Tierheim könne dafür genutzt werden. Um jedoch eine richtige Quarantänestation für die rund 100.000 Euro errichten zu können, bedarf es Schröder zu folge die Hilfe der Politik, die Kommunen müssen in die Pflicht genommen werden. Solch hohe Kosten seien einfach nicht alleine zu stemmen.

Streicheleinheiten und Spaß im Katzenlesezimmer

Bevor es zu den Kleintieren und Katzen geht, wirft der Präsident noch einen Blick in den neuen Tierarztraum, in dem zuvor die Futterküche zu finden war. Im Katzenzimmer mit angrenzendem Außenbereich wenig später angekommen, herrscht kein wildes Gewusel wie bei den Welpen. Nur Kater Günther ist da. Nach einem kurzen Besuch geht es eine kleine Treppe nach oben. Schmidt zeigt dem Präsidenten das Zimmer der Kleintiere und geht gemeinsam mit ihm und allen anderen ins Katzenlesezimmer – und hier herrschte schon reger Betrieb.

Auch im Katzenlesezimmer war einiges los.

Die Tierschutzkinder Bettina, Jessica und Nimue schmusen und spielen mit den flauschigen Bewohnern des Lesezimmers. Ein grauer Schmusetiger liegt gerade in dem kleinen Hochbett und schläft. Doch die vielen Menschen machen ihn wach, jetzt ist auch bei ihm Schmusen und Spielen angesagt. Allzulange Zeit, die Vierbeiner zu bespaßen bleibt allerdings nicht, schließlich ist schon viel Zeit vergangen und das Tierheim in Lich wartet. Bevor der Präsident und die Mitglieder des Landestierschutzverbundes Hessen sich auf den Weg machen, bekommt Schröder noch ein Plakate überreicht, dass die Tierschutzkinder mit viel Liebe gestaltet haben.

Dann geht es auch schon zurück in Richtung Pfotencafé, wo der Präsident noch einige Fragen beantwortet, bevor sich die Truppe zum nächsten Tierheim aufmacht. „Hier herrscht eine tolle Stimmung, schon beim Reingehen. Man sieht richtig, dass die Menschen hier für die Tiere leben“, lobt der Präsident. Besonders hervorzuheben sei für ihn die tolle Jugendtierschutzarbeit, die Gruppenausläufe für die Hunde und natürlich auch der liebevolle und zeitintensive Umgang mit den vielen gehandicapten Tieren. Das Tierheim leiste trotz der finanziellen Lage eine tolle Arbeit. „Ich komme gerne wieder“, lächelt der Präsident und verabschiedet sich.

Viele weitere Eindrücke des Rundganges gibt es hier:

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