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Eltern protestieren gegen Personalmangel, gekürzte Öffnungszeiten und mangelnde BildungsqualitätKita-Notfallplanung sorgt für Sorgen und Unmut bei. Homberger Eltern

HOMBERG OHM (lme/ls). Gekürzte Betreuungszeiten, aber trotzdem erhöhte Gebühren. Fehlende Betreuungsplätze, eine hohe Mitarbeiterbelastung, fehlende Erzieher und ungewöhnlich viele Krankheitsfälle. Notfallpläne regieren. Kurzum: in Hombergs Kitas und im Krabbelhaus liegt derzeit einiges im Argen. Genau deshalb sind rund 50 Eltern am Montagnachmittag auf den Marktplatz der Ohmstadt gekommen, um mit Bürgermeisterin Claudia Blum über die Situation und ihre Forderungen zu diskutieren. Der Grundtenor: es muss mehr in die Kleinkind-Bildung investiert werden.


Zunächst aber zum Anfang: Ärger über die Kitas und Krabbelstuben gibt es in Homberg Ohm schon länger. Neu ist das Thema also nicht. Bereits im vergangenen Jahr sorgten sie für Unmut bei den Eltern. Aufgrund des hohen Defizits entschied die Stadt in diesem Bereich Einsparungen zu erzielen, wobei zum vergangenen Jahr die letzte halbe Stunde in den Kitas Nieder-Ofleiden und Büßfeld gekürzt wurde. Auch die Personalstunden wurden in der Kita in Nieder-Ofleiden gekürzt.

Besonders in den Wintermonaten habe man das als Eltern zu spüren bekommen. Krankheitsbedingte Ausfälle, eine entsprechend dünne Personaldecke und Notfallpläne, die sich schlecht mit den Plänen von berufstätigen Eltern vereinbaren ließen.

Die Mütter bei der Demo auf dem Homberger Marktplatz. Alle Fotos: lme

Mit einem offenen Brief, haben sich die Eltern und Elternbeiräte bereits im März an den Magistrat und Bürgermeisterin Claudia Blum gewendet, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Darin hieß es, dass die Sparmaßnahmen nicht zulasten der Kinder erfolgen dürfe und man forderte die alten Öffnungszeiten und die ursprüngliche Personalsituation, um Homberg weiterhin für Familien attraktiv zu machen.

Bislang keine Besserungen in Sicht

Eine Veränderung gab es seit dem nicht, weshalb rund 50 Eltern an diesem Montagnachmittag auf dem Marktplatz demonstrierten und mit der Bürgermeisterin diskutierten. „Wir fühlen uns mit unseren Sorgen nicht ernst genommen. Die Fachkräfte sind überlastet und werden dadurch erst recht krank, wodurch noch mehr Betreuer fehlen“, heiß es seitens der Eltern.

Seit die Betreuungszeiten letzten Sommer ohne Vorwarnung gekürzt, die Gebühren aber erhöht wurden, werde die Situation in den Kitas immer schlimmer. Betreuungsplätze fehlen, die Erzieher würden über ihre Möglichkeiten belastet, Mitarbeiter kündigen, es komme kein neues Personal nach. Besonders bemängelt wurde dabei die Situation im Homberger Krabbelhaus, wo es sich um reine „Aufbewahrung“ der Kinder handelte, wie Julia Diehl-Wadewitz erklärte. Pädagogische Arbeit könne dort kaum noch geleistet werden.

Die Förderungen der Eltern wurden an eine Wäscheleine geheftet.

Bereits seit zwei Wochen müsse man aufgrund des Notfallplans einen Großteil der Kinder des Krabbelhauses selbst betreuen. Dort waren kurzfristig nur vier Erzieherinnen und eine Praktikantin da, was lediglich für zwei Gruppen ausreiche. Deshalb wurden Eltern gebeten, das Kind nach Möglichkeit zu Hause zu behalten, woraufhin zwei Gruppe gebildet wurden, damit Eltern ohne Betreuungsalternative ihr Kind unterbringen konnten.

Bürgermeisterin Blum weist Kritik von sich

„Die Krankheitswellen setzen uns alle unter Druck, aber wir haben immer versucht Lösungen zu finden“, rechtfertigte sich Hombergs Bürgermeisterin. Seit mehreren Monaten sei der Magistrat bereits auf der Suche nach neuen Mitarbeitern für die Kitas. Zwei würden nun eingestellt werden und zwei weiteren sollen im Sommer folgen. Der Personalschlüssel der Kitas sei – abgesehen der Krankheitswelle, die die Stadt überrollt habe – passend zu den gesetzlichen Vorgaben.

Viel mehr noch: Homberg leiste sich eine Personalstärke, die „wesentlich besser ist als die von benachbarten Kommunen“, wie Blum erklärte und wies die Vorwürfe aus dem Publikum zurück, wonach der hohe Krankenstand eine Folge der Einsparungen sei. Auch für die Verwaltung sei es ein Kraftakt die Notfallpläne aufzustellen.

Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum spricht von einem gut aufgestellten Personalschlüssel in der Kommune.

„Auch wir in der Verwaltung setzen uns jede Woche mit dem Thema auseinander und stellen die Notfallpläne auf, aber Sie stellen es hier in der Öffentlichkeit so dar, als sei es eine untragbare Situation“, sagte die Rathauschefin und bot eine Elternversammlung zum Thema an. Dass die aktuelle Situation allerdings für viele Eltern nicht tragbar ist, zeigte sich an der Reaktion der anwesenden Eltern.

„Ich zahle Geld, um mein Kind seit zwei Wochen selbst zu betreuen“, „Die Situation ist schlecht so wie sie ist, denn mein Kind muss Zuhause bleiben“, „Mein Arbeitgeber hat sich gefreut“, „Wir sind alle verängstigt“ und enttäuschte Gesichter waren die Reaktionen auf dem Homberger Marktplatz. „Sie sind besseres gewohnt, für Sie ist die Umstellung schwierig“, erklärte Blum. Kommende Eltern könnten sich darauf einstellen.

Kürzung der Öffnungszeiten kann nicht rückgängig gemacht werden

Ein weiterer Kritikpunkt waren die fehlenden Landesförderungen, durch die man allein in diesem Jahr auf rund 68.000 Euro verzichtet habe. Auch dafür solle sich die Stadt stark machen, denn das Geld hätte für die Qualität der Bildung und für Hilfskräfte verwendet werden können. „Man muss Homberg für die Zukunft attraktiv für Familien aufstellen – und das geht bei der Förderung der Kleinsten los“, hieß es seitens der Eltern.

Ein Bildungs- und Erziehungsplan wird selbst von den kleinen „Demonstranten“ gefordert.

„Wir wollen besser werden. Es geht nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus“, versicherte Blum. Gemeinsam wolle man für Homberg eine Lösung finden, sagte sie beschwichtigend, machte allerdings mit einem Punkt wenig Hoffnung: die Kürzung der Öffnungszeiten sei eine Anordnung des Landes gewesen, um das hohe Defizit von 1,6 Millionen Euro zu senken. Rückgängig könne man das nicht so schnell machen.