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Ein Besuch im Begegnungscafe, in dem Geflüchteten geholfen wirdEin Stückchen „Wir schaffen das“ in Gemünden

GEMÜNDEN (lme). Als im Flüchtlings-Sommer 2015 besonders viele Menschen nach Deutschland kamen, wurde auch Gemünden für einige zumindest zeitweise ein Zuhause. Damals hatten Ehrenamtliche die Idee einen Platz zu schaffen, an dem sich Einheimische und Geflüchtete näher kommen können. Das Begegungscafé gibt es noch heute.


Mittwochnachmittag, kurz vor Fünf, gleich findet das Begegnungscafé im Bürgerhaus Nieder-Gemünden statt. Geflüchtete Menschen treffen hier einmal im Monat mit ‚Einheimischen‘ aufeinander, lernen sich kennen, trinken gemeinsam Kaffee, essen Kuchen und anderes Gebäck, Kinder spielen und alle unterhalten sich.

Ein Einblick in das Begegnungscafe. Foto: lme

Die Idee dazu entstand bereits 2015, in der Zeit, in der besonders viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Auch in Burg-Gemünden entstand ein Heim, wo Geflüchtete untergebracht wurden. „Man fuhr dort vorbei und dachte sich, man müsse etwas tun“, sagt Ulrich Kill aus dem Gemündener Ortsteil Ehringshausen.

Drei Leute der Flüchtlingsinitiativem die es bis heute gibt, sitzen an einem Tisch. Das Ehepaar Hannelore und Ulrich Kill sowie Rainer Lindner. Das Ehepaar ist schon etwas älter, Lindner geht mit der Hand durch seinen grauen Vollbart, alle drei sind gut gestimmt, denn gleich startet ihr Begegnungscafe. Sie wirken sympatisch, sie sind herzlich, man denkt: „Das Ehrenamt passt zu Ihnen.“ Lindner wird nachdenklich. „Wir leben hier in ‚Saus und Braus‘ und den anderen geht es dreckig“, sagt er. Im November des Jahres brachte ihn sein Gerechtigkeitsempfinden dazu, zu helfen.

 Foto: Lindner.

„Die Kanzlerin sagte: ‚Wir schaffen das!‘ Und trotzdem gab es so viel Kritik und Abneigung, man wollte ein Teil von dem sein, der dagegen hält“, sagt Ulrich Kill.

5 Uhr: Nach und nach treffen die Café-Gäste ein. Zur Begrüßung wird sich umarmt, jeder begrüßt jeden und dafür wird sich auch wirklich Zeit genommen, keiner wird übergangen. Es ist diese Herzlichkeit, die das Projekt auszeichnet.

„Doch das mit dem Begrüßen hat nicht schon immer so geklappt“, erzählt Ulrich Kill. „Anfangs war es für die Flüchtlinge komisch, dass wir uns zur Begrüßung die Hand geben, wir haben zu den Begegnungscafés am Anfang Übersetzer einsetzen müssen, bewusst haben wir ehemalige Flüchtlinge dazu eingesetzt, denn die sind mit beiden Kulturen vertraut und haben so nicht nur beim Umgang mit der Sprache geholfen.“

Neue Freundschaften

„Wir haben vor allem neue Freunde gewonnen. Und das ist nicht so dahingesagt, es haben sich wirklich Freundschaften entwickelt. Man lernt ‚diese‘ Fremden kennen und merkt, es sind Menschen wie du und ich mit ähnlichen Problemen und Sorgen. Oft war es eine Herausforderung“, sagt Lindner. „Man wurde mit schwierigen Situationen konfrontiert, teilweise war man selbst überfordert, man wollte den Menschen ja Trost spenden – aber wie? In Situationen, in denen Menschen zum Beispiel erfahren haben, dass ihre Familienangehörigen in der Heimat erschossen wurden, war es tatsächlich schwer.“

Viele neue Freundschaften wurden gefunden. Foto: Lindner

Lindner stützt sich seinen Ellenbogen auf den Tisch: „Letztendlich war alles eine Bereicherung“, sagt er. Lindner und die übrigen Organisatoren erzählen euphorisch, sind positiver Dinge und Stolz auf die Entwicklung der Flüchtlinge, die zu ihnen kommen.

Hannelore Kill hat sich vor allem um junge Flüchtlinge gekümmert: „Viele Kinder sind sehr erfolgreich in der Schule, zwei haben sogar einen Mathewettbewerb der Realschule gewonnen.“ Hannelore Kill strahlt, während sie erzählt. Sie wirkt wirklich stolz und geht noch einmal darauf ein, dass die Kinder in der Schule eine Chance sehen und den Willen haben, etwas zu erreichen.

Positive und negative Erfahrungen sehen die Drei als Bereicherung: „Ich würde nicht mal darüber nachdenken, diese Entscheidung rückgängig zu machen“, sagt Hannelore Kill. Den Organisatoren war klar, dass sie nicht nur positives Feedback für ihre Arbeit erhalten würden. Doch das Team ging aktiv auf Leute zu, die sich im Netz über das Café schimpften. „Das witzige war: sprach man sie darauf an, dann schämten sie sich“, sagt Hannelore Kill.

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