Foto: Bundeswehr/M. Tessensohn

Panorama0

Reihe von Fehlern führte zu tödlichem AbsturzUnfallbericht zum Hubschrauberabsturz in Mali

FRITZLAR/MALI (ol). Rund eineinhalb Jahre ist es her, als im Juli 2017 ein Kampfhubschrauber vom Typ Tiger der Bundeswehr im Norden Malis abstürzte. Dabei kamen zwei in Fritzlar stationierte Bundesmehrpiloten ums Leben. Jetzt wurde der Unfallbericht vorgelegt, in dem unter anderem von Schlampereien und Fehlern der Herstellerfirma Airbus Helicopters die Rede ist.


Im Juli 2017 berichtete Oberhessen-live von dem tragischen Hubschrauberunglück in Mali, bei dem die beiden in Fritzlar stationierte Piloten ums Leben kamen. Die beiden Piloten seien gemeinsam mit einer weiteren Maschine des gleichen Typs im Auftrag der Uno auf dem Weg zu einer Mission nördlich des Bundeswehrcamps in Gao unterwegs gewesen sein.

In einem Spiegel-Online-Bericht aus dem Juli 2017 hieß es, der Pilot des zweiten Hubschraubers, der direkt hinter der Unglücksmaschine flog, habe beobachtet, dass die „Tiger“ plötzlich und ohne Notruf nach vorne abgekippt sein soll und sofort im Sturzflug zu Boden ging. Die zwei Piloten sollen keine Überlebenschance gehabt haben.

Schon damals gab es keinerlei Hinweise für einen Abschuss der Maschine. Alles habe auf einen technischen Defekt hingedeutet. Das bestätigte vor eineinhalb Jahren ein Sprecher der Bundeswehr gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Unfallbericht legt Fehler vor

Wie die Süddeutsche jetzt berichtet, legt der Unfallbericht des für die Flugsicherheit in der Bundeswehr zuständigen Generals vom 7. Dezember nun offen, dass die Piloten die einzigen Beteiligten waren, die vor dem Absturz alles richtig gemacht hätten. Eine Reihe von Umständen soll laut Bericht zu dem Absturz geführt haben. Die Rede sei von einer Ereigniskette, in der gleich zu Anfang Schlampereien und Fehler der Herstellerfirma Airbus Helicopters stehen. Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittele mittlerweile gegen drei Techniker des Unternehmens wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, weil sie die Hauptrotorsteuerung falsch eingestellt haben sollen.

Doch nicht nur die Techniker sollen einen Fehler gemacht haben, sondern auch die Bundeswehr. Verantwortliche sollen ihre Prüfpflichten nicht gekannt haben. Dabei soll es schon früh Hinweise gegeben haben, das etwas nicht stimme. Gegenüber der SZ sagte die Staatsanwaltschaft, es sei derzeit noch nicht absehbar, ob auch gegen weitere Personen ermittelt werde.

Maschine musste bereits 2016 in eine Werkstatt

Ein Jahr vor dem Unglück soll die Maschine bereits in eine Werkstatt gemusst haben, weil das System einen „sporadisch auftretenden Fehler in der Flugsteuerung“ meldete, heißt es in dem Artikel weiter. Nachdem Teile ausgetauscht wurden, musste die Hauptrotorsteuerung neu eingestellt werden. Beauftragt wurde ein Team von Airbus-Technikern.

Später habe sich herausgestellt, dass das Personal, das Airbus schickte, die Arbeiten gar nicht hätten ausführen dürfen, weil sie nicht über die „erforderliche Qualifikation zur Durchführung beziehungsweise Abnahme der Einstellarbeiten an der Hauptrotorsteuerung“ verfügten, heißt es in dem Unfallbericht. Dass sie den Hubschrauber an einem falschen Bezugspunkt ausrichteten, soll dem Bericht zufolge von allen Beteiligten unbemerkt geblieben sein.

Airbus Helicopters erklärte laut Artikel in der SZ, man habe zur Kenntnis genommen, dass die fehlerhafte Einstellung der Rotorsteuerung „ein Faktor in der Ereigniskette war, die zu dem Unfall geführt hat“. Prüfer der Bundeswehr seien dazu verpflichtet, die Arbeiten zu kontrollieren. Dem verantwortlichen Personal sei diese Vorschrift aber nicht bekannt gewesen. Sie seien davon ausgegangen, dass die Industrie die Aufgabe übernehme. Sie seien allerdings auch von der Ausbildung her nicht in der Lage gewesen sein, alles auf die Richtigkeit zu überprüfen.

In Deutschland soll der Hubschrauber 50 Stunden geflogen sein, bevor er nach Mali verlegt wurde und rund 90 Stunden im Einsatz war. Doch erst im Juli 2017 habe sich der Fehler in der Rotoreinstellung bemerkbar gemacht – und der endete tödlich. Die SZ berichtet davon, dass die Piloten es eilig gehabt hätten und Höchstgeschwindigkeit geflogen seien. Der Autopilot soll eingeschaltet gewesen sein, doch der Bordcomputer habe mit Werten gearbeitet, die die aufgrund der falschen Grundeinstellung nicht stimmten. Deshalb soll sich der Autopilot unbemerkt abgeschaltet haben und die Piloten sollen keine Chance gehabt haben, noch einzugreifen.