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Wahlkampfauftakt der Jungen Union Hessen in der Alsfelder StadthalleStanding-Ovations für Daddy Cool

ALSFELD (ls). Eins muss man der Jungen Union Hessen lassen: Mit einem solchen Event in die heiße Phase des Wahlkampfes zu starten, war schon etwas ganz anderes, als man von einer üblichen Wahlkampfveranstaltung erwartet. Statt in schier endlosen Reden über Wahlziele zu versinken, gab es eine unkonventionelle Atmosphäre, Motivationsreden gepaart mit Kritik an der SPD, ein klares Nein zur AfD, Popmusik, Wahlkampfziele, Bier und  Standing-Ovations für Daddy Cool alias Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier.

Dass einem CDU-Spitzenpolitiker der Spitzname „Daddy Cool“ verpasst wird und der genau das „schön“ findet, ist schon außergewöhnlich. Wenn es sich dabei allerdings um den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier handelt und man den Politiker in Aktion erlebt, dann wird klar woher der Name kommt. Stimmgewaltig, ausdrucksstark und mitreißend forderte er die gut 70 Zuhörer in der Alsfelder Stadthalle auf, auch die restlichen 36 Tage bis zur Landtagswahl für eine gute Zukunft für dieses Land zu kämpfen, eine Politik zu betreiben, die etwas nützt – und erhielt dafür am Ende tosenden Applaus und Standing-Ovations.

Doch zunächst zurück zum Anfang: Die Junge Union Hessen hat zur Wahlkampfauftaktveranstaltung nach Alsfeld geladen. Mit unter die Zuhörer mischten sich JU-Landesvorsitzender Dr. Stefan Heck, Hessens CDU-Generalsekretär Manfred Pentz, der CDU-Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel, der Vogelsberger Kreisvorsitzende Dr. Jens Mischak und natürlich die CDU-Direktkandidaten Michael Ruhl für den Vogelsberg und Max Schad für Main-Kinzig I.


Die Direktkandidaten zusammen mit Caroline Bosbach auf der Bühne. Fotos: ls

Nachdem das Licht in der Halle erlosch, bunte Spotlights angingen und Survivors „Burning Heart“ in der Halle ertönte ergriff zunächst Caroline Bosbach das Wort und leitete den Nachmittag ein. „Wir müssen alles tun, müssen uns Seite an Seite zeigen, dass wir die Wahl gemeinsam gewinnen können“, erklärte Bosbach. Die Junge Union sei der Motor der Partei und damit die Politik der Zukunft.

Aktuelle Themen aus der Politik diskutiert

Dem stimmte auch der JU-Landesvorsitzende Dr. Stefan Heck zu – formulierte es allerdings schärfer und sparte auch nicht an Kritik an der SPD. „Wenn man heute draußen unterwegs ist, dann merkt man: Es hat sich etwas verändert“, sagte er und leitete zu den aktuellen Geschehnissen in Chemitz und im Hambacher Forst über, um zu demonstrieren, dass die CDU eine Kraft der Mitte sei und genau das, den noch unentschiedenen Wählern klar gemacht werden müsse.

JU-Landesvorsitzender Dr. Stefan Heck.

„Wir wollen nichts mit Rechtsextremisten und auch nichts mit Linksextremisten zu tun haben. Wir sind die einzige Partei die sowohl nach rechts und auch nach links eine klare Abgrenzung haben“, erklärte der Landesvorsitzende.

Eine weiteres Thema: Die SPD-geforderten Neuverhandlungen im Fall des umstrittenen Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. Hier fand Heck klare Worte: „Die SPD hat den Laden nicht im Griff, wir sollten die Kontrolle behalten“. Auch Generalsekretär Manfred Pentz sparte nicht an Kritik an der SPD, bezog die allerdings mehr auf die Kampagne der politischen Gegner und bezeichnete die sogar als „Lügenkampagne“. Laufe man von Haus zu Haus und unterhalte sich mit den Menschen, dann sehe man, dass es ein anderes Bild sei, als das, wie es die SPD darstelle, erklärte Pentz. Auch erkläre die SPD nicht, wie sie ihre Ziele erreichen wolle.

Generalsekretär Manfred Pentz.

Ziele für den Wahlkampf vorgestellt

Stichwort Ziele: Die wurden im Anschluss vorgestellt, denn nach den 100 Forderungen, die bereits öffentlich bekannt gegeben wurden, setzte sich die Junge Union Hessen außerdem mit vier Themenbereichen stärker auseinander, die im Zuge des Wahlkampfes ein besonderes Augenmerk bekommen: Die Innere Sicherheit, die Bildung, Digitales und Verkehr und das Zusammenleben. Beispiele waren hierbei mehr Polizei auf den Straßen, mehr öffentliche Kameras, keine Einheitsschulen, die Gleichstellung von Stadt und Land, eine flächendeckende Breitbandversorgung oder aber die Demokratieerhaltung.

Und dann endlich war es so weit: Das Licht wurde gedämmt. Boney Ms Klassiker erfüllte den Raum und „Daddy Cool“ alias Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier höchstpersönlich betrat die Halle. Auch Bouffier fand gewohnt klare Worte und machte nach einem Rückblick in seine JU-Zeit klar, dass die jungen Politiker noch immer mehr sein sollten: Eine Gemeinschaft, die für etwas steht. Für die restlichen 36 Tage bis zur Wahl forderte der Ministerpräsident die jungen Christdemokraten auf, zu laufen und zu kämpfen. „Die Ereignisse in Berlin stoßen die Menschen ab. Unsere Aufgabe ist es das Vertrauen der Menschen wieder aufzubauen“, erklärte der Spitzenpolitiker.

Ministerpräsident Volker Bouffier betritt die Halle.

„Jede Stimme für die CDU ist eine Stimme für die Zukunft“

Die Zukunft, so Bouffier weiter, entstehe hier und sie gehöre nicht den Menschen, die sie vorsätzlich schlecht machen, denn dann könne sie nicht fröhlich werden. „Die Zukunft sollte nicht den Miesmachern gehören. Wir haben gute Karten, wir müssen sie nur im richtigen Moment ausspielen“, forderte er. Die ersten Umfrage-Werte seien nicht wichtig, alles was zähle sei die Wahl selbst und dabei solle man dafür sorgen, dass die AfD so wenig Stimmen wie möglich erhalte, denn sie sei „keine Alternative“ für Deutschland.

Einen Rat gab „Daddy Cool“ den jungen Christdemokraten am Ende dann auch noch mit auf den Weg: „Überlasst die Zukunft nicht den anderen“. Jede Stimme für die CDU sei eine Stimme für die Zukunft des Landes. Damit nahm die etwas andere Wahlkampfveranstaltung der Jungen Union ein Ende. Zwar wurden mit viel Motivation und prominenten Gästen die Ziele des Wahlkampfes vorgestellt, doch wie diese realisiert werden können wurde auch hier nicht gänzlich deutlich. Dennoch, ein Wermutstropfen bleibt: Die Wahlkampfveranstaltung der Jungen Union Hessen war unkonventionell, außergewöhnlich, direkt und wird den Anwesenden sicherlich in Erinnerung bleiben.

Weitere Eindrücke gibt es hier:

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Studierte in Gießen Germanistik und Kunstgeschichte. Absolvierte ab 2016 ihr Volontariat bei Oberhessen-live und ist seit 2018 Redakteurin bei dem Online-Magazin.

5 Gedanken zu “Standing-Ovations für Daddy Cool

  1. …und wer in der Jungen Union als bis zu 35-Jährige(r) noch verrückt nach ihrem/seinem Daddy ist, muss wirklich verrückt wie ein(e) Irre(r) sein. Aber vielleicht hat er/sie ja auch ein fettes Erbe zu erwarten und muss bis dahin noch alles machen, was der coole Daddy von ihr/ihm verlangt. Und wo die Partei-Grufties das Sagen haben, ist es halt schwer, erwachsen zu werden.
    Aber in der Alsfelder Stadthalle unterhält sich der Landes-Babo mit den Kreis-Chabos und deren jugendlichem Gefolge im Ghetto-Slang der Besserverdiener und Motivationstrainer über die Zukunft unseres Landes und vor allem natürlich die HEIMAT, wo der heimische Vogels-Babo in der türkeistämmigen Diaspora (sprich: in der Gang-Szene) dafür sorgt, dass es in dieser auseinander fliegenden Gesellschaft wenigstens hier und da noch einflussreiche RESPEKTspersonen gibt. Da wundert es einen nicht, dass die Partei-Babos und die Türkei-Babos eine große Seelenverwandschaft mit den Mafia-Paten oder sonstigen Unterweltgrößen empfinden und sich im Zweifelsfall genau so selbstverständlich über Recht und Gesetz hinwegsetzen; siehe CDU-OB Wallman im Frankfurter Halbweltsumpf (https://www.zeit.de/1989/10/stadt-der-unbegrenzten-moeglichkeiten/komplettansicht), dem richtigen Nährboden auch für die Steuerfahnder-Affaire und ein bevorzugtes Biotop des „Zaunkönigs“, nach dem eine Liechtensteiner Stiftung für illegale Vermögenstransfers der CDU benannt wurde (https://www.stern.de/politik/deutschland/steuerfahndung-frankfurt-eiskalt-abserviert-3739298.html). Und was scheren einen als CDU-Innenminister die Vorschriften eines Personal-Auswahlverfahrens (https://www.welt.de/regionales/frankfurt/article106156902/Schallende-Ohrfeige-fuer-Bouffier-und-Rhein.html) oder als CDU-Ministerpräsident Verfassung und Arbeitnehmerrechte im Zuge der Privatisierung der Uni-Kliken Gießen-Marburg (https://www.wetterauer-zeitung.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Uniklinik-Privatisierung-teils-verfassungswidrig;art71,56747). Von allen im Bundestags herumlungernden Parteien haben groteskerweise nur die „Newcomer“ eine halbwegs weiße oder sagen wir leicht bekleckerte Weste. Aber was soll’s denn. Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Wenn du den coolen Daddy liebst, ihn wieder in den Landtag schiebst. Und wenn was schief geht… Lass es wie einen Unfall aussehen!

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  2. Vorsicht Kalauer: Gemessen an dem, was Junge Union und Erwachsenen-CDU für die Wahrheit halten, können die übrigen Parteien aber noch lange lügen ohne rot zu werden bzw. – jedenfalls scheint das das Ziel der SPD zu sein – so lange zu lügen, bis sie wieder rot werden. Auch die SPD hat ordentlich Leichen im Keller (z.B. die ganze „Agenda 2010“ und eine Reihe recht sonderbarer Kanzlerkandidaten) und stellt sich der Wahrheit nicht, dass die jetzt verteilten sozialen Wohltaten den Wählern bröckchenweise zurück geben, was man ihnen zuvor gestohlen hat. Und von der Rolle der FDP bei der Ruinierung unseres politischen Systems, man denke nur an die auf Strafvereitelung im Fall von NS-Verbrechern (https://eden.one/pdf/2212.pdf) gerichteten Aktivitäten von FDP-Politikern wie Thomas Dehler und Ernst Achenbach (http://www.antirassismus-telefon.de/images/a/a5/Eq-VVNAchenbach.pdf) [für die aber auch ein SPD-Justizminister die Mitverantwortung trägt, siehe https://www.welt.de/geschichte/article158649685/So-kamen-NS-Seilschaften-zur-rettenden-Verjaehrung.html}, die enge Verbindung der Partei mit der Versicherungswirtschaft, die Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch die FDP-Wirtschaftsminister Friedrichs und Graf Lambsdorff (https://www.sueddeutsche.de/politik/flick-affaere-die-gekaufte-republik-1.804859), den halbseidenen FDP-Minister Möllemann („Superstaatsmann Mümmelmann“), den lächerlichen Spaß-Wahlkämpfer und Außenamts-Dilettanten Westerwelle, das ebenso lächerliche Gastspiel der FDP-Boygroup im 2. Kabinett Merkel oder so Kleinigkeiten wie die „Fluppen-Affaire“ (https://www.stern.de/politik/deutschland/-fluppen-affaere–wie-fdp-abgeordnete-zigaretten-schmuggelten-3065366.html) oder die kleinen Schmierigkeiten eines Rainer Brüderle. Nein, dass die etablierten Parteien sich nun öffentlich über den Rechtspopulismus empören und den Kopf darüber zerbrechen, mit welchen Salben und Tinkturen aus der politischen Feldapotheke man die AfD wieder los werde, ist der Gipfel der Verlogenheit. Sie haben durch ihr eigenes Verhalten den Aufstieg der Rechten gefördert, und genau so war es vor 1933!

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  3. Die CDU-Parteijugend hatte zum Wahlkampfauftakt in die Alsfelder Stadthalle geladen. Und OL-Redakteurin Luisa Stock zeigt sich beeindruckt, dass die JU Hessen „mit einem solchen Event“ in die „heiße Phase des Wahlkampfes“ starte, mit einer Wahlkampfveranstaltung außerhalb des üblicherweise Erwartbaren. Ich persönlich hätte da jetzt trotzdem mehr kritische Distanz erwartet. Aber Frau Stock zieht es vor, mittendrin statt nur dabei zu sein und himmelt die erschienene Parteiprominenz im überschaubaren Kreis von gerade mal 70 um entfesselte Begeisterung bemühten Parteijugendlichen demonstrativ an.
    Beim Thema Junge Union und Jugendlichkeit habe ich eh schon so meine Schwierigkeiten. Da fällt mir spontan die Diagnose „Progeria infantilis conservativa“ ein, eine Art kindliche Frühvergreisung, wie sie Philipp Amthor (CDU), dem mit 25 Jahren jüngsten direkt gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages zueignet. Die „taz“ (http://www.taz.de/!5495644/) schrieb über den nerdig wirkenden Nachwuchskonservativen: „Da sein Vater sich aus dem Staub machte, nachdem ihm bewusst geworden war, dass er statt eines Kindes einen Greis gezeugt hatte, sprang Opa mit der Erziehung ein.“ Das könnte die frühe Hinwendung zur CDU erklären, deren Jugendorganisation Mitglieder bis 35 aufnimmt. Aber im Fall der Alsfelder Auftaktinszenierung ist es ja umgekehrt: Die Altvorderen aus der Partei, allen voran Landesvorsitzender und Ministerpräsident Volker Bouffier (67), sind gekommen, um zu schmissiger Mucke einen „jugendlichen Auftritt“ hinzulegen. Hierbei unterstützen soll eine Event-Dramaturgie, die man sich gleichermaßen vom liturgischen Ablauf der hl. Messe als von der Motivationsveranstaltung eines Strukturvertriebs abgeschaut zu haben scheint, wo grundlose Begeisterung Pflicht ist (https://www.omnisophie.com/dd232-tschakka-tschakka-grundlose-begeisterung-ist-pflicht-januar-2014/). Tschakka, tschakka, ich schaffe alles, was ich will. Und bei zuckenden Lichteffekten wird selbst eine Spiegelglatze zur Partykugel.
    Was dann von den mehr oder minder spannkräftig-dynamischen Rednern vorgetragen wird, ist dann allerdings doch eher das Gewohnte: Hemmungsloses Eigenlob einerseits, Herabsetzung aller Kritiker, insbesondere natürlich der Oppositionsparteien und Konkurrenten im Landtagswahlkampf andererseits.
    Vogelsberg-Direktkandidat Michael Ruhl preist den dank Vollbeschäftigung drohenden Fachkräftemangel als eine Leistung der Landesregierung, die man sich vor zehn Jahren noch gar nicht habe vorstellen können. Max Schad aus dem Nachbarwahlkreis Main-Kinzig I spricht von einer „Wahnsinnsbilanz“ und davon, dass man „wirklich was hinbekommen“ habe, was nun aber auf dem Spiel stehe, weil es ausgerechnet von rechts (AfD = nichts drauf, außer Zahnbelag) in Frage gestellt werde. Darum kämpfe man „für Wahrhaftigkeit“.
    In diesen Kampf wirft sich nun auch – zu den Klängen des 1976er Disco-Hits „Daddy cool“ – der gern schon mal volkstümlich-„touchy“ auftretende Landesvater Bouffier. Nach einem glorifizierenden Resümee sämtlicher CDU-Legislaturperioden werden alle oppositionellen Kritiker in Bausch und Bogen bezichtigt, ein Land, „das so gute Situationen hat“ [hä?], vorsätzlich schlecht zu reden. Gegen so viel unsachliche Realitätsverweigerung hilft dann wohl nur noch das argumentum ad personam: Schaut euch doch an, wie griesgrämig die durch die Welt laufen; da bekomme man „ein Gefühl“ dafür, dass „unsere Zukunft“ mit denen „jedenfalls nicht fröhlich“ werde.
    Sieht so ein Kampf für Wahrhaftigkeit aus? Die für den Jubel zuständigen jüngeren „JU-Mitglieder und -sympathisanten“, die da tapfer Papptafeln mit der Aufschrift „Daddy Cool“ (Gedächtnisstütze für den Stargast?) in die Höhe halten, dürften dies kaum bezweifeln. Denn an wie viele CDU-Legislaturperioden praktizierter Wahrhaftigkeit werden die sich schon erinnern?
    Mir, dem schon angejahrten „homo politicus“, kommen da jedenfalls so einige in den Sinn. Der Name Walter Wallmann fällt mir zu allererst ein, dessen Amtszeit als Frankfurter Oberbürgermeister durch die (Unterwelt)“Affaire Staatskanzei“ (http://www.taz.de/!1737531/) überschattet war, und der es als Hessischer Ministerpräsident (1987 bis 1991) nicht besser konnte, sondern aufgrund eines vertuschten Reaktor-Störfalls im Kernkraftwerk Biblis und einer Affaire um seinen Kanzleichef Gauland (heute AfD-Vorsitzender) sehr bald das Vertrauen der Bevölkerung verlor. Im Zuge der Aufdeckung der CDU-Spendenaffaire (Januar 2000) räumte der ehemalige hessische CDU-Vorsitzende Manfred Kanther ein, im Jahre 1983 insgesamt 8 Millionen DM der Landes-CDU ins Ausland transferiert zu haben und Rücküberweisungen als „Jüdische Vermächtnisse“ oder Kredite getarnt zu haben. Auch die Ära des hessischen CDU-Vorsitzenden (seit 1998) und späteren Ministerpräsidenten (1999 – 2010) Roland Koch war von zahlreichen Affairen und Skandalen geprägt (fr.de/politik/skandal-chronik-die-affaeren-des-roland-koch-a-999827) in deren letzte, die sog. „Stimmenkauf-Affaire“, auch Volker Bouffier involviert war. Bouffiers Zeit als hessischer Innenminister war nach Darstellung der Süddeutschen Zeitung ebenfalls mit Skandalen gepflastert (https://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-der-nachfolger-volker-bouffier-skandale-pflastern-seinen-weg-1.949133). Und als Ministerpräsident? Bouffier, den das Politmagazin Cicero als „zähen Burschen“ (https://www.cicero.de/innenpolitik/volker-bouffier-zaeher-bursche/55238) und die „taz“ als „affairenresistent“ (http://www.taz.de/!5421187/) beschreibt, hat auch da reichlich geliefert (siehe z.B. https://www.welt.de/regionales/hessen/article136420088/Umstrittener-Briefwechsel-zwischen-RWE-und-Bouffier-wegen-Biblis.html oder https://meedia.de/2018/08/23/bouffier-und-die-fr-warum-hessens-ministerpraesident-der-rundschau-jegliche-interviews-verweigert/).
    Der Brüller: Bouffier will tatsächlich „Mit Erinnern gegen Populisten und Demagogen vorgehen“ (siehe https://www.echo-online.de/politik/hessen/hessens-ministerprasident-bouffier-mit-erinnern-gegen-populisten-und-demagogen-vorgehen_19063320#). Dabei gibt es keinen besseren Grund, AfD zu wählen, als sich im Sinne der obigen Beispiele an den Jahrzehnte währenden Kampf der CDU um Wahrhaftigkeit zu erinnern.
    ______________

    P.S.: Wenn zu den Pleiten auch noch Pech und Pannen kommen… Haben Sie sich mal den Text des Musikstücks angesehen, zu denen Volker Bouffier triumphal in die Alsfelder Stadthalle eingezogen ist? Hier ein Auszug in deutscher Übersetzung:
    Sie ist verrückt wie eine Irre.
    Was ist mit Daddy Cool?
    Ich bin verrückt wie eine Irre.
    Was ist mit Daddy Cool?
    (gesprochen)
    Sie ist verrückt nach ihrem daddy.
    Oh, sie glaubt an ihn.
    Sie liebt ihren Daddy.
    Daddy, Daddy Cool
    Daddy, Daddy Cool
    Daddy, Daddy Cool
    Daddy, Daddy Cool
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    Also ich finde so einen Text auf einer JU-Veranstaltung zumindest „schwierig“. Das „w“ könnte man auch durch ein „m“ ersetzen.

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  4. Respekt. Haben sich die Herren und Damen wieder gegenseitig gelobt. Wieviel Jahr ist die CDU nun schon an der Regierungsspitze und seitdem habe ich das Gefühl das es nicht besser wird. Und nicht nur Ich. Die meisten Wähler wünschen sich eine Partei die für die Menschen im Lande eintritt und nicht das Geld der Steuerzahler in der Welt verjuchtelt. Gibt es hier im Ländel nicht genug zu tun?
    ( Altersarmut, Bildung, Energiewende, marode Strassen,Schulen und Brücken um nur ein paar Beispiele zu nennen). Der geschätzte Leser findet bestimmt noch mehr Probleme die es vor 20 Jahren noch nicht gab :-)
    Und jetzt tut ebendiese CDU so als wenn Sie die Lösung für alle Probleme wäre. Was für eine Farce.

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  5. Opposition in Hessen ist kein Ponyschlecken. Denn die Regierungspartei CDU strotzt vor Selbstbewusstsein. Wer Missstände anprangert, wie SPD, Linke und FDP, redet ein blühendes Land vorsätzlich schlecht. Und die AfD hat noch nichts geleistet und auch „nichts drauf außer Zahnbelag“, kalauert der Direktkandidat aus dem Nachbarwahlkreis, Max Schad.
    Das Feuerwerk der Selbstgefälligkeit, das da vor, von und mit „Daddy Cool“ Volker Bouffier abgebrannt wird, ist allerdings eine äußerst intime Veranstaltung. Ganze 70 Besucher haben sich in der Alsfelder Stadthalle eingefunden, um sich in einer kunstvoll illuminierten Zirkusatmosphäre bei Bier, Würstchen und beziehungsreichen Popmusik-Klassikern selber froh zu machen. Licht aus! Spot an und die vorgedruckten „Daddy Cool“-Schilder hoch halten. Und dann tritt der große Realitäts-Filter in Aktion.
    „Wir sind die einzige Partei die sowohl nach rechts und auch nach links eine klare Abgrenzung haben“ (O-Ton Stefan Heck). Das haben Pferde mit Scheuklappen auch. Die machen dazu allerdings ziemlich lange Gesichter. Dagegen ist heute Frohsinn angesagt. „Unsere Zukunft wollen wir doch nicht denen überlassen“, wettert Daddy Bouffier suggestiv, „die nur griesgrämig durch die Welt laufen.“ Die brauche man doch nur ankucken, um ein Gefühl dafür zu haben, dass die Zukunft mit denen nicht fröhlich werde. Die brauche man gar nicht, findet auch Max Schad. Weil man eine „Wahnsinnsbilanz“ vorzuweisen und wirklich etwas hinbekommen habe. Und man kämpfe für Wahrhaftigkeit. Die man natürlich gepachtet hat.
    Nein, Verständnis für diejenigen, die die Realität nicht fröhlich macht, kann man von dieser Versammlung vorgealterter Klassensprecher nicht erwarten, die sich gegenseitig dafür loben, dass nach dem Milchgeldeinsammeln die Kasse stimmt.
    In der Hessenschau vom heutigen Abend wird über 2000 Lehrer und Erzieher berichtet, die in Kassel und Frankfurt für bessere Unterrichtsbedingungen demonstrieren (https://www.hessenschau.de/tv-sendung/lehrer-und-erzieher-demonstrieren-in-frankfurt-und-kassel,video-72714.html). Nein, mit solchen Realitätsverweigerern ist das fröhliche Hessen natürlich nicht zu machen. Und die Haben was ganz wichtiges nicht verstanden, was alle Redner ihren wenigen Zuhörern eingehämmert haben: Bei der Landtagswahl Ende Oktober geht es um die ZUKUNFT Hessens. Nicht um die hässliche Gegenwart.

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