Juri Auel, Chefredakteur von Oberhessen-live
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KOMMENTAR zur gefährdeten Fusion von Antrifttal und KirtorfDie Beweislast liegt jetzt bei Künz

MEINUNG | ANTRIFTTAL/KIRTORF. Antrifttals Bürgermeister Dietmar Krist wirft seinem Kirtorfer Amtskollegen Ulrich Künz mangelnde Transparenz vor. Die Stadt Kirtorf soll wiederholt widersprüchliche und unzureichende Zahlen über ihren Haushalt geliefert haben. Deswegen sieht Krist die Fusionspläne mit seiner Gemeinde nun in Gefahr. Das ist ein harter Vorwurf, der nur eines für Künz bedeuten kann: Kirtorfs Bürgermeister muss so schnell wie möglich Klarheit schaffen, was an diesen Behauptungen dran ist. Ein Kommentar von Juri Auel.

In der Politik gilt der Grundsatz, dass ein Angeklagter unschuldig ist, bis seine Schuld zweifelsfrei bewiesen wurde, wenn überhaupt nur bedingt. Die Anklage kann Beweise vorbringen, welche der Angeklagte entkräften kann. Der Ankläger in unserem Fall heißt Dietmar Krist. Der Mann auf der Anklagebank: Ulrich Künz. Der Erstgenannte hat am Freitag sein Eröffnungsplädoyer gehalten. Nicht in einem Gerichtssaal, sondern etwas schlichter, im Dorfgemeinschaftshaus von Ohmes.

Eigentlich sollten dort die Gemeindevertreter den Weg für einen Bürgerentscheid freimachen, damit die Bewohner entscheiden können, ob sie demnächst mit Kirtorf eine neue Stadt bilden wollen. Die anwesenden Vertreter der Presse hatten damit gerechnet, Krist würde abschließend nochmals für das Referendum und den Zusammenschluss werben. So, wie er es die vergangenen Monate mehrfach getan hatte. Doch es kam anders.

Krist machte dort öffentlich deutlich, dass er sich von Kirtorf und dessen Bürgermeister Künz ungerecht behandelt fühlt. Die Stadt Kirtorf, so Krist, habe nur stückweise Zahlen zu ihrem Haushalt offengelegt. Und die Zahlen, die geliefert wurden, seien auf Nachfrage des Öfteren korrigiert worden.

Hat Künz versucht, die Antrifttaler zu täuschen?

Den Vorwurf der Vorsätzlichkeit nimmt Krist öffentlich nicht in den Mund, spricht dagegen lieber von Transparenz, an der es Kirtorf offensichtlich mangele. Doch zwischen den Zeilen kommt unweigerlich bei Beobachtern der Verdacht auf: Hat Kirtorf und damit Bürgermeister Künz versucht, die Antrifttaler mit frisierten oder unzulänglichen Zahlen über den Tisch zu ziehen, um so eine Fusion wahrscheinlicher zu machen? Sollte das stimmen, wäre das mehr als schlechter Stil – um es nett zu formulieren.

Sicher, es ist in politischen Kreisen ein offenes Geheimnis, dass Künz den möglichen Zusammenschuss über Jahre vorangetrieben hat und sich mit ihm versucht, ein ewiges Denkmal zu setzen. Doch kann man von einem solchen Ziel wirklich derart besessen sein, dass man dafür wichtige Daten zurückhält und versucht, eine ganze Gemeinde zu täuschen? Möglich ist es, doch Künz bestreitet das, bezeichnet die Vorwürfe als „Quatsch“.

Für Krists Variante der Geschichte sprechen zwei zentrale Faktoren. Erstens: Die unterschiedlichen Ergebnisse der verschiedenen Gutachten. Anders als bei anderen fusionierten Städten wie Oberzent im Odenwaldkreis war es den Verantwortlichen in Kirtorf und Antrifttal laut Krist nicht möglich, in mehreren Expertisen genau zu ermitteln, welche Steuern und Abgaben die Bürger einer neuen Stadt zu bezahlen hätten. Das ist ein möglicher Hinweis darauf, dass mit den zugrundeliegenden Daten irgendetwas nicht stimmen könnte. Sei es wegen Vorsatzes oder aufgrund von Schlamperei.

Fusion Kirtorf-Antrifttal: Die Bürgermeister Dietmar Krist und Ulrich Künz. Foto: archiv/jal

Fusion Kirtorf-Antrifttal: Die Bürgermeister Dietmar Krist und Ulrich Künz. Foto: archiv/jal

Und zweitens wären da die verschiedenen Karrierepunkte, an denen die beiden Protagonisten stehen. Krist ist ein junger Bürgermeister, der gerade anfängt in diesem Beruf und sich wohl nicht ganz freiwillig am Freitag die Blöße gegeben hat, öffentlich einzugestehen, dass das mit der Fusion im Moment vielleicht doch keine so gute Idee ist. „Das war der schwierigste Tag meiner Karriere“, sagte er dazu hörbar mitgenommen. Seine Glaubwürdigkeit dürfte durch diesen Schritt auf andere Themen bezogen extrem gelitten haben. Auf der anderen Seite steht Künz, Deutschlands dienstältester Bürgermeister, der nichts mehr zu verlieren hat und sowieso Ende diesen Jahres nach mehr als 40 Jahren in den Ruhestand gehen will.

Denkbar wäre aber auch, dass Krist kalte Füße bekommen hat. Käme die Fusion, wäre er seinen auf Zeit sicheren Bürgermeisterjob erst einmal los. Er könnte sich in der neuen Stadt neu wählen lassen, aber wer weiß schon, ob das klappt. „Ich bin Bürgermeister von Antrifttal und muss auf die Interessen der Gemeinde Antrifttal achten. Von Wahl zu Wahl zu denken halte ich für grundverkehrt. Persönliche Interessen haben hintenan zu stehen und liegen mir fern“, sagt Krist dazu.

So oder so liegt der Ball jetzt bei Künz in Kirtorf. Er ist in der Defensive und dazu gezwungen, auf die Beschuldigungen aus Antrifttal zu reagieren. Denn anders als im Gerichtssaal muss in der politischen Arena der Angeklagte seine Unschuld beweisen – und nicht der Ankläger die Schuld. Künz sollte also alles daran setzen, den Verdacht gegen sich umgehend, abschließend und nachvollziehbar aus der Welt zu schaffen. Oder falls die Bedenken zutreffen, sein Fehlverhalten zumindest zugeben. Nur so wird er seinen Ruf – und vielleicht sogar noch sein Lebenswerk – retten können.

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Studierte in Erfurt Staats- und Geschichtswissenschaften, ist Mitbegründer von Oberhessen-live und seit 2017 Chefredakteur des Magazins. Hat bei der HNA in Kassel volontiert, danach Stationen bei SPIEGEL ONLINE in Hamburg und der Süddeutschen Zeitung in München. Sammelt eine Auswahl seiner Arbeiten auf diesem Blog.

19 Gedanken zu “Die Beweislast liegt jetzt bei Künz

  1. Herr Künz, der Protagonist. Ein Held eines Werkes :-)

    Ein Bürgermeister der zu diversen Sitzungen nicht erscheint und dann noch absahnt. So kann man es auch machen.

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  2. Das was hier abgeht ist wirklich überflüssig. Aber irgendwie passt es in die Zeit. Populismus und einfach attackiert. Ich war und bin eigentlich ein Befürworter der Fusion. Im Moment glaube ich jedoch nicht das ich in einer Stadt leben möchte wo eine solche Atmosphäre herrscht. Sorry Antrifttal, hier muss keiner irgendein Schwanz an irgendeinem Hund sein. Dafür wäre das viel zu ausgeglichen gewesen. Lebt einfach weiter mit Euren Problemen, und wir mit unseren. Nur hört mit diesen Theater hier auf . Nehmt Euren super tollen handyspielenden in der Bevölkerung überaus geliebten BGM und klopft Mal bei Alsfeld an. Da kann man bestimmt ein überflüssiger Pickel am A**** von irgendeinem Hund werden.
    Nichts für ungut… Wir hätten unsere Zukunft in die Hand nehmen können. GEMEINSAM… Schade nur das uns die Chance genommen wurde. Aber das ist ja Demokratie… Wir bekommen die die wir Wählen…!

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  3. @ Herr Juri Aurel:
    Wäre es nicht mal eine Recherche wert, die hohen Wasser und Abwassergehren von Kirtorf zu hinterfragen?
    Im Abwasserverband mauscheln Künz und Konle schon lange herum. Natürlich auf Kosten der Bürger.
    Vielleicht sollten sie sich dem Thema mal annehmen, damit die Kirtorfer mal kapieren was da läuft.

    Herr Lanz, nun erklären Sie bitte mal wie sich das mit den Abwassergebühren verhält. So wie das hier zitieren, dürfte das ein Fall für die Staatsanwaltschaft sein.

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  4. Diese Fusion wäre genauso unsinnig gewesen wie dieser Gemeindeverband der anderen „Quetschengemeinden“ im VB.
    Alles nur Augenwischerei und Volksverdummung und am Ende wird nichts gespart! Bei Kirtal wäre es eine Bürgermeisterstelle eingespart die durch die Hintertür durch zusätzliches Personal oder Beförderung zum Teil wieder aufgefressen würde.
    Das einzige wäre gewesen das Antrifttal der Schwanz am Hund wäre der nix zu sagen hat und die Kohle geht nach Kirtorf.
    Beide sind einfach zusammen noch viel zu klein und kleinteilig um wirklich zu sparen.

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  5. Herr Lanz,
    Bitte erklären Sie mir mal genauer wie es rein rechtlich möglich ist, dass die Wasser- und Abwassergebühren mit den Anliegergebühren verrechnet werden können? Ich kann Ihnen gerade nicht folgen.

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  6. Lieber Hr Nichtversteher es ist schön das sie wissen was der Künz kann oder nicht kann sie wohnen bestimmt in Kirtorf weil sie so gut Bescheid wissen und ob ich was verstehe kann ich bestimmt erkennen

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  7. @Hans-Jürgen Lanz: Sie schreiben: “ Das Wassergeld ist so hoch damit die Straßenanliegerbeiträge erträglich sind…“
    Wer erzählt Ihnen den so einen Schwachsinn? Straßenanliegerbeiträge durch Wassergeld zu decken schafft nicht mal Künz… Kann es sein das Sie etwas verwechseln oder nicht verstehen?

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  8. Das so viel Hass im Spiel ist war mir nicht bekannt. Die Stadt Kirtorf sollte jede Art der Zusammenarbeit mit Antrifttal beenden. Beim Bauhof angefangen vielleicht betrügt ja Kirtorf da auch. Und nur zu Info. Das Wassergeld ist so hoch damit die Strassenanliegergebüren erträglich sind. Ihr in Antrifttal könnt ja 10000€ und mehr fdafür bezahlen

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  9. Kirtorfs neue Mitte wirft seine Schatten voraus.
    Der erste Nachtragshaushalt für das Denkmal Künz ist beschlossen. Das ist heute in der oz zu lesen.
    Antrifttaler, seid heilfroh dass dieser Kelch an euch vorübergezogen ist. Wir hätten die Ära Künz teuer bezahlt.
    Herr Herbst, nur wenige Katzenberger trauern Ihnen nach. Leben Sie wohl…..

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  10. Jaja, du und deine Mehrheit sind gegen die Fusion, Herr Insider.

    Komisch dass alle unter 40, mit denen ich spreche, für die Fusion sind.

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  11. Leider hat eine Minderheit im Parlament der Gemeinde Antrifttal den Bürgerentscheid zur Gemeindefusion verhindert. Antrifttal hat die Gespräche damit beendet. Wir als FWG/CDU-Fraktion Kirtorf sind der Überzeugung, dass grundlegende politische Entscheidungen, wie eine Fusion, nur auf Basis einer breiten Mehrheit beider Parlamente getroffen werden können. Solange diese, für uns unbedingt notwendige Mehrheit in Antrifttal nicht gegeben ist, sehen wir keine Grundlage für eine Wiederaufnahme oder Weiterführung der Gespräche.

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  12. Man kann es wirklich kaum fassen, dass keiner der Kirtorfer die hohen Wasser- und Abwassergebühren hinterfragt. Kirtorfer wacht endlich auf, zu spät ist es sowieso schon. Die Ära künz wird noch sehr, sehr teuer für euch.

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  13. Wir sind ebenfalls sehr froh, dass diese Fusionsträume jetzt ausgeträumt sind. Danke den fünf GV für ihre Aufrichtigkeit und Courage. Künz,Wössner, Herbst und co sollen bleiben wo der Pfeffer wächst.

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  14. Ihr Kirtorfer werdet euch noch wundern wenn euer König Künz mal abtritt und danach mal transparent alle Zahlen auf den Tisch kommen! Dann wird man sehen ob nicht Schulden in irgendwelchen Verbänden versteckt sind und warum ihr die höchsten Abwassergebühren Hessens bezahlen müsst.
    Die Fusion hätte König Künz nochmal zwei Jahre Amtszeit beschert um sein Denkmal neue Mitte noch selbst zu eröffnen.
    Jetzt werden wir sehen.

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  15. @Karl Wiegand
    „unabhängig von irgendwelchen Zahlen“?
    Fusionieren um jeden Preis? Für welchen Zweck? Die einzige Synergie wäre eine Bürgermeisterstelle weniger. Dafür käme auf Jahrzehnte Vetternwirtschaft und Kontrollverlust umso teurer für Antrifttal. Es ist jetzt schon schwierig genug einen „kleinen“ Bürgermeister wie in Antrifttal im Zaum zu halten. So wie er in die Fusion vorgeprescht hat. In größeren Städten bist du denen dann vollkommen ausgeliefert. Alles was du dann noch tun wirst – horrende Stadt-Rechnungen zu bezahlen, für deren größenwahnsinnige Projekte.

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  16. Ich bin selbst Katzenberger und weiß, dass die Mehrheit im Katzenberg gegen diese Fusion ist. Es kann und darf zum jetzigen Zeitpunkt keine Bürgerbefragung geben, da die Bürger keinen Einblick in Hintergrundwissen haben. Es gab eine Bürgerversammlung mit den Vertretern der Freiherr von Stein Stiftung, die noch nicht einmal wußten dass Antrifttal im VB liegt. Die Bürger gingen völlig verunsichert nach Hause. Es wurde lediglich für die Fusion geworben, mehr nicht. Warum die Fusion das richtige für Antrifttal ist, konnten die beiden Herren nicht erklären. Die Abgaben für die fusionierte Gemeinde konnte ebenfalls keiner berechnen. Was soll das Vorgehen?
    Als Künz an diesem Abend mit Zahlen konfrontiert wurde, wurde er unsachlich und warf mit Halbwahrheiten um sich.
    Die Gemeindevertreter haben ein gutes Zeichen gesetzt, indem sie den Bürgerentscheid erst mal aufs Eis legt. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Die viel besagte Augenhöhe, von der so oft die Rede war bedeutet auch, dass man dem Partner noch etwas Zeit lässt und ihm offene Fragen beantwortet,wenn er es für nötig befindet.

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  17. Diese Anschuldigungen furchtbar ! Dann sollen die Herren Krist doch mal Beispiele nennen und nicht einfach Beschuldigungen in der Raum werfen! Wieso liegt der Ball bei Kirtorf ? Die Fusion ist beendet fertig. Der Optimale Zeitpunkt wäre dieses Jahr gewesen eine Entscheidung zu treffen dies ist durch Matthias Krist wegen eigen Intressen verhindert worden. Ebenso seit Wochen von BGM Krist wer als Hauptamtlicher BGM in Sitzungen gelangweilt und dauernd am Handy spielt gehört das Gehalt gekürzt. Diese desintresse hat viel ausgesagt. Ich hatte danach erwartet das eingentlich die Kirtorfer dagegen sind da man sich auch nicht anbiedern muss und wieso wurden die offenen Fragen nicht an einen der ausreichenden Sitzungen gefragt dort war die Ekom und hätten alles direkt klären können.

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  18. Es gibt viele Bürger im Katzenberg und Kirtorf die für eine Fusion sind,unabhängig von irgendwelchen Zahlen. Durch die Vertreter der Gemeinde wurde die Abstimmung blockiert und das Volk in seiner Abstimmung für oder gegen eine Fusion ausgegrenzt und da liegt das Problem

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