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Kein Gründerzentrum aber dafür ein großes Gründernetzwerk für Jungunternehmen soll in Alsfeld entstehenEin Gründernetzwerk für Alsfeld

ALSFELD (ls). Alsfeld soll attraktiver für Gründer werden. Genau aus diesem Grund beauftragte die Stadtverordnetenversammlung die Stadt damit, Möglichkeiten für ein Gründerzentrum zu prüfen. Gesagt, getan. In der vergangenen Woche stelle Wirtschaftsförderer Uwe Eifert das schon ziemlich konkrete Projekt den Ausschussmitgliedern vor – das ist allerdings etwas anders als zunächst angedacht war.


„Es deutlich länger gedauert als gedacht, aber ich hoffe, dass es deshalb auch inhaltlich besser ist“, berichtete Wirtschaftsförderer Eifert bevor er in die Thematik einstieg. Ein Gründerzentrum für die Stadt, also eine Einrichtung, in der Jungunternehmen Unterstützung bekommen. Eine Gründer-Einrichtung soll die Stadt allerdings nicht bekommen. „Der Begriff Gründerzentrum klingt nach einem festen Gebäude, davon sollten wir uns frei machen. Viel mehr möchte ich hier ein Konzept für ein Gründernetzwerk vorstellen“, erklärte Eifert weiter.

Flexibles und vielseitiges Angebot durch Netzwerk

Dabei sei die Stadt flexibler und könne ein vielseitigeres Angebot bieten. Vor allem aber, müsse bei einem Gründernetzwerk nicht alles selbst gemacht werden, wie Eifert ausführte. Vielmehr biete man die Beratung und das Coaching durch weitere Anbieter wie beispielsweise die IHK oder aber die Vogelsberg Consult an. Aber auch die eigene Beratung seitens der Wirtschaftsförderung, die Fördermittelberatung, die Kontaktvermittlung oder die Kooperationsberatung würden unterstützt werden. Bei der Kapitalsuche würden lokale Banken helfen. Kontakt sei zu den Institutionen schon aufgenommen worden, wie der Wirtschaftsförderer auf Nachfrage von Stadtrat Heinrich Muhl bestätigte. Auch das Regierungspräsidium Gießen habe seine Unterstützung durch das Regionalmanagement Mittelhessen zugesagt.

„Überlegt haben wir uns außerdem, den jungen Gründern einen erfahrenen Gründerpaten zu Seite zu stellen, also jemand, der sich explizit kümmert“, sagte Eifert. Ein erfahrener Rechtsanwalt und auch ein Unternehmer sollen sich dafür schon bereit erklärt haben. Der Mittelpunkt des Netzwerkes laufe dennoch im Alsfelder Marktplatz zusammen, wenn auch ohne eigenem Gebäude.

Wettbewerb zur Namensfindung

Auch an Jungunternehmer, die noch in den Startschuhen stehen und noch keine eigenen Räume beziehen wollen, wurde gedacht: Co-Working-Space ist hier das Stichwort. „Darüber haben wir auch schon mit dem Besitzer des Postgebäudes gesprochen, der Raum zur Verfügung stellen würde“, erklärte der Wirtschaftsförderer. So könne man einen Sekretariatsservice, die bereits vorhandene Infrastruktur, Gemeinschaftseinrichtungen und die Netzwerke und Synergien nutzen.

Zwar sind die Pläne der Wirtschaftsförderung so bereits ziemlich konkret, mangelt es dennoch an einer Sache: Das Gründernetzwerk hat noch keinen Namen. „Es soll modern sein, aber nicht zu modern, dass es nicht mehr zu Alsfeld passt. Außerdem soll es die Besonderheiten der kleinen Stadt hervorheben“, erklärte Eifert. Sein Vorschlag: Ein Namenswettbewerb, um einerseits die Bekanntheit und die Akzeptanz des Netzwerkes direkt vom ersten Tag an groß zu halten und außerdem beziehe man dadurch auch die potentielle Zielgruppe mit ein.

Das Konzept scheint gelungen zu sein, Beanstandungen durch die Ausschuss-Mitglieder gab es nämlich keine. Die Vorlage werde jetzt an die Stadtverordnetenversammlung gehen und wenn die ihre Zustimmung erteile, dann mache man sich an die Umsetzung und an das Marketing, erklärte Eifert auf Nachfrage.

5 Gedanken zu “Ein Gründernetzwerk für Alsfeld

  1. @ Heinz Becker
    Ich halte ein Gründernetzwerk für eine einzelne Klein- bis Mittelstadt wie Alsfeld für keine gute Idee. Welches Interesse sollten denn alteingesessene und junge Alsfelder Unternehmen haben, viel Zeit zu investieren, um sich unter Umständen die eigene Konkurrenz heranzuziehen?
    Wenn überhaupt, dann muss der Impuls zu Neugründungen sich aus technisch-wissenschaftlichen Innovationen oder neuen Geschäftsideen/neuen Nachfrageentwicklungen im Dienstleistungsbereich ergeben. Hierbei muss man heute nicht nur über Branchengrenzen hinaus denken, sondern auch Zukunftstrends antizipieren; und dies mehr und mehr unter den Gesichtspunkten Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit.
    Ein Gründernetzwerk muss also mehr sein als eine Aktion „Alt hilft Jung“ (https://www.althilftjung.de/), wo erfahrene Senior-Unternehmer im Ruhestand den Junioren helfen, Fehler bei der Gründung und Führung ihres Startups zu vermeiden. Das Unterstützungspotenzial anderer Jungunternehmer schätze ich sowieso niedrig ein, es sei denn, diese suchten für den Ausbau eines eigenen Unternehmens Partner oder Franchisepartner für eine Firmen-Expansion.
    Ein Gründernetzwerk muss, wenn es dies schon nicht selbst leisten kann oder will (siehe Downgrade des ursprünglich angedachten Gründerzentrums!) enge Verbindung suchen zu Thinktanks, Zukunftsforschern, Raum-planern und Regionalentwicklern im Hochschulbereich. Hier wären die Hochschulen in Kassel und Fulda sicherlich gut geeignet. Desweiteren sollte eine offensive Marketingstrategie immer gleich mitgedacht werden, weil diese mit Zukunfts- bzw. Trendforschung, dem Aufspüren von regionalen Ressourcen und Kooperationsmöglichkeiten usw. sehr viel zu tun haben. Hierbei fällt mir der sog. „Konstruktive Journalismus“ (Fritz Lietsch) ein, dem WDR5 gerade gestern einen Beitrag widmete (https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/166/1660107/wdr5neugiergenuegtredezeit_2018-06-05_konstruktiverjournalismusfritzlietsch_wdr5.mp3). Hierbei geht es darum, durch systematische Recherche ungelöste Probleme aufzuspüren und gleichzeitig nach Anbietern Ausschau zu halten, deren Produkte oder Dienstleistungen zu deren Lösung beitragen könnten.
    Zuletzt müssen noch unterschiedliche Dimensionen von Neugründungen unterschieden werden. Neben Gründungen mit dem Potenzial zum industriellen Großproduzenten gibt es auch einen weiten Sektor der Kleinstunternehmen im Bereich der Grundversorgung (bedarfsorientierte Gründungen
    oder Entwicklungen im Handwerk und den Dienstleistungssektoren, Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomie- und Beherbergungsgewerbe, Betreuung, Gesundheit, lebensweltnahe Dienstleistungen, Kultur und Mobilität), wie er auch aktuell von Bund und Land gefördert wird (https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/aufruf_foerderung_von_kleinstunternehmen_der_grundversorgung.pdf). In beiden Bereichen ist es sinnvoll, statt der Entwicklungschancen einer einzelnen (Klein-)Stadt diejenigen eines größeren Raumes (siehe Vogelsbergkreis und angrenzende Teilregionen) in den Blick zu nehmen. Gerade wenn man an den prosperierenden Zweig des Wander- und Radtourismus denkt, dann braucht der natürlich Strecken mit vielen Stützpunkten. Andererseits brauchte ein Projekt „Verpackungsmaterial aus Gras“ (https://www.youtube.com/watch?v=swB5O1wdTWo), das sich hervorragend mit der Vogelsberger Verpackungsindustrie „verkuppeln“ ließe und zugleich eine hervorragende ökologische Problemlösung darstellt, natürlich ein entsprechendes Umland mit Graslieferanten.
    Aber jetzt vergleichen Sie einmal das hier skizzierte Profil eines qualifizierten Gründernetzwerks mit dem, was jetzt beispielsweise in Alsfeld geplant ist oder auch seit Jahren auf Kreisebene mit dem Regionalentwicklungskonzept (https://www.vogelsbergkreis.de/Regionalentwicklung.314.0.html) vor sich hin dümpelt: Da fehlen doch nachweislich und für jeden ersichtlich Sachverstand und Horizont! Was könnte auch im Vogelsbergkreis geleistet werden, wenn es nicht immer noch nach der Devise ginge: „Wann’s går niedt offällt, wann’s fehn doud, brache mer’sch aach wahrscheins niedt so ubedingt.“ Met em schine Gruß…

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  2. Ein Gründernetzwerk wie auch immer es aussehen mag ist für diese Stadt wichtig. Mitglieder sollten alteingesessene aber wichtig auch junge in Alsfeld entstandene Unternehmen sein. Ich denke das Herr Schneider (eigentlich will ich ihn nicht loben) das beste Beispiel und der ideale Ratgeber für die Neugründung eines Unternehmens und die Wichtigkeit der Vernetzung mit Poitik und bestehender Wirtschaft sein kann. Unser Wirtschaftsförderer kann durch die Wirren der Verwaltung und der Europäischen Genehmigungsverfahren helfen. Mehr wäre Wünschenswert, ist aber aus einem reinem Verwaltungsman nicht rauszuholen. Warum einen Namen suchen Gründernetzwerk Stadt Land Fluss, wäre doch ok. Warum müssen Antrifttal und Romrod das Rad neu erfinden.

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  3. @ Siotra Ener
    „Keine schlechte Idee, so ein Gründerzentrum.“
    Nur ein kleiner Hinweis: Geplant ist ein Gründer-NETZWERK. Wenn ich das richtig verstanden habe, eine Art Beratungsstelle für Startup-Unternehmer. Das mag bei Kleingewerbe noch funktionieren. Ansonsten halte ich das für überambitioniert. Hat die Stadt so viele Kapazitäten in der Verwaltung, dass sie das zusätzlich stemmen kann? Oder wird das die künftige Hauptbeschäftigung eines ehrenamtlichen Bürgermeisters?

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  4. Glaubt man der „Wirtschaftswoche“ und dem Innovationsatlas 2017 (siehe https://www.wiwo.de/erfolg/trends/innovationsatlas-2017-deutschlands-ideenschmiede-ist-der-sueden/20098478-all.html), dann liegen die Ideenschmieden in Deutschlands Süden. Aber offensichtlich soll sich das bald ändern. Auf dem Alsfelder Marktplatz sollen die Fäden eines Gründer-Netzwerks zusammen laufen, das allerdings schon im Vorfeld vom Gründer-Zentrum zum -Netzwerk downgegradet wurde. Nun ja.
    Doch wie realistisch ist die Chance, dass aus Felda-, Schwalm- und Lautertal demnächst die Silicon-Valleys des Vogelsbergs werden, indem man auf Deubelkommraus Firmengründungen pusht?
    Der Erfolg einer Idee hängt vom günstigen Zeitpunkt ab. Die Zeit muss dafür reif sein. Doch zuletzt hat gerade der KFW-Gründungsmonitor (https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Details_457280.html) einen weiterhin starken Rückgang der Gründungstätigkeit in Deutschland festgestellt. Lediglich 557.000 Gründer haben sich im Jahr 2017 zu einer eigenen Firmengründung entschlossen. Das entspricht einem Minus von 115.000 (= 17%)an Firmenstarts im Vergleich zum Jahr 2016.
    Grundsätzlich ist bei den Gründungsaktivitäten zwischen Notgründungen (Gründungen aus einer schlechten Arbeitsmarktsituation heraus) und Chancengründungen (Gründungen aufgrund einer innovativen Geschäftsidee) zu unterscheiden. Während es angesichts des boomenden Arbeitsmarkts leicht nachvollziehbar ist, dass die Zahl der Notgründungen drastisch zurückgeht, unterliegen Chancengründungen ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Erfreulicherweise zeigt sich bei diesen volkswirtschaftlich besonders bedeutsamen Gründungen ein gegenläufiger Trend. Mit 334.000 Gründern, die durch Entwicklung einer innovativen Geschäftsidee initiiert wurden, gab es 8 % mehr Firmengründungen als im Vorjahr. Allerdings sind hierbei besondere Rahmenbedingungen notwendig, allen voran eine gewisse Konzentration innovationsfördernder Faktoren (siehe Silocon Valley). Tatsächlich führen allein 76.000 von den 334.000 Chancengründern Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel technologischer Innovationen durch. Allerdings war zuletzt ein deutlicher Absturz gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, der durch den genannten Zuwachs erst teilweise ausgeglichen werden konnte.
    Wenn von innovativen Rahmenbedingungen als Voraussetzung eines Gründungsbooms gesprochen wird, muss man eines ganz klar sehen: Ein besonders innovatives Klima herrscht im Vogelsbergkreis nicht. Der neueste Innovationsatlas für die Bundesrepublik Deutschland (2017) sieht den Vogelsbergkreis im Vergleich zu den Regionen, die einen besonder hohen Anteil ihrer Brutto-Wertschöpfung für Forschung und Entwicklung ausgeben, gerade mal im unteren Mittelfeld. Das Berlin Institut nannte vor Jahren die Abwanderung der Intelligenz und die Tatsache, dass die zur Hochschulausbildung Abwandernden nur selten zurückkehrten, als einen Hauptgrund für die mangelnde Innovationsfähigkeit unserer Region. Und dass sich demnächst HighTec-Forschung und Hightec-Produktion ausgerechnet im Vogelsberg konzentrieren werden, ist nicht nur mit einem Seitenblick auf den eher kläglichen Ausbau des Glasfasernetzes sicher auszuschließen.
    Große Ideen haben die Superhirne des Vogelsbergs bisher nicht vorzuweisen. Nicht einmal im Bereich der touristischen Selbstvermarktung oder „Attraktivierung“ der von demografischer Austrocknung bedrohten Region. In diesem Zusammenhang denke ich eher an mediokre Aktionen wie „Vulkanregion Vogelsberg“ (kein Alleinstellungsmerkmal!) oder Peinlichkeiten wie „Vogelsbergsong“ und „Vogelsberg-Slogan-Wettbewerb“. Der Alsfelder Bürgermeister sollte durch diese Beispiele gewarnt sein. Wenn die Provinz-Politiker anfangen, sich auch für die kreativsten Köpfe der Region zu halten, ist Vorsicht geboten! Da bleibt am Ende nur die Clown-Nummer nach Art der Drohne Willi oder des nach ihr spitzbenamten FDP-Redners (https://www.youtube.com/watch?v=XVZZbQDlb6c).

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  5. Keine schlechte Idee, so ein Gründerzentrum. Besser als dieser Märchen-Käse. Und nennt es bitte nicht auch noch „Gebrüder-Grimm-Gründerzentrum“. Und auch nicht „Vulkan“-Gründerzentrum. Über diesen Vulkan-Schwachsinn ärgere ich mich schon länger als zehn Jahre.
    Wichtig: Ohne wirklich potente Finanziers wird das alles nichts. Eine Stadt, die selbst gerade unter dem Schutzschirm hervor kriecht, kann keine Gründer unterstützen, egal ob mit oder ohne Sparkasse.
    Wenn ich in diesem Zusammenhang das Wort Vogelsberg-Consult höre, kann ich nur lachen. Die frage ich, wenn ich wissen will, was warum nicht geht.
    Und noch eins: Die beste Förderung selbständiger Existenzen besteht in einer radikalen Entbürokratisierung. Den meisten Gründungen steht EU-weit ein solcher Wust von bürokratischen Hürden gegenüber, dass die Gründer nach ein paar Wochen die Lust verlieren. Wenn ich von vornherein zwei Mann fürs Büro brauche, um mich als einzelner Handwerker mit einem Hausmeister-Service selbständig zu machen, dann stimmt irgendwas nicht!

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    P.S.: Gründerzentrum für richtiges Deutsch
    „Der Mittelpunkt des Netzwerkes laufe dennoch im Alsfelder Marktplatz zusammen, wenn auch ohne eigenem Gebäude.“
    Welche Sprache ist das? Quenya oder Sindarin? Schöne Grüße aus Mittelerde. Wie muss es richtig heißen?
    – Mittelpunkt des Netzwerkes läuft I M Alsfelder Marktplatz zusammen? Da wäre doch dann der Mittelpunkt des Netzwerks, und hoffentlich oberirdisch. Kann dieser Mittelpunkt dann nochmals in einem Mittelpunkt zusammen laufen? Nein, das Netzwerk läuft vielleicht „im Alsfelder Rathaus zusammen“, wo dann der Mittelpunkt liegen soll. IM Marktplatz liegt dann hoffentlich nur das Glasfaserkabel, über das die Teilnehmer des Netzwerks miteinander kommunizieren!
    – …wenn auch ohne – wer oder was? – e i g e n e s Gebäude!!!

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