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Prof. Dr. Harald Lesch über den Klimawandel als FluchtursacheDie Verantwortung trägt jeder selbst

VOGELSBERG (ol). Die Frage nach Fluchtursachen und deren Bekämpfung sei eines der bestimmenden Themen der Zeit. Doch nicht nur deshalb sei am Donnerstag vergangener Woche die evangelische Kirche in Nieder-Gemünden am Abend voll bis unters Dach gewesen. Kein Geringerer als Harald Lesch, der ganzen Nation bekannt aus seiner Fernsehsendung „Leschs Kosmos“ sei, sei auf Einladung der Flüchtlingsinitiative Gemünden in die alte Heimat gereist, um gewohnt locker, doch mit Nachdruck und Tiefgang, über dieses schwierige Thema zu referieren.



Wie es in der Pressemeldung heißt, begrüßte Rainer Lindner, vom Veranstaltungsteam, hocherfreut den gebürtigen Nieder-Ohmener, der seit vielen Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität in München lehre und der sich in vielen Themen – auch jenseits seiner naturwissenschaftlicher Kernfächer – zuhause fühle. Dennoch startete er seinen Vortrag – mit Erlaubnis der Pfarrerin auf der Kanzel der Kirche – mit einer ersten Desillusionierung: „Sie werden heute Abend keine Lösungen mit nachhause nehmen“, kündigte der Redner an, der sogleich in medias res ging: „Wir Europäer leben auf einem Glücksfall von Kontinent“, machte er deutlich: Rechtssicherheit und das Vorhandensein lebensnotwendiger Infrastruktur machten das Leben der Europäer so sicher und risikoarm wie nie.

Er könne sich nicht erklären, warum so viele Menschen dies nicht sähen, warum es ein Thema – das Flüchtlingsthema – geschafft habe, den Wahlkampf so sehr zu beherrschen, und wie es zu den Erfolgen für die Populisten kommen konnte. „Niemand verlässt seine Heimat freiwillig“, hatte Lesch zu bedenken gegeben. Selbst für ihn als Vogelsberger in München sei es nicht einfach, fügte er augenzwinkernd in seiner humorvollen Art hinzu, an diesem Abend immer wieder angereichert durch seinen nicht verlernten Vogelsberger Zungenschlag, was ihn vielen Anwesenden, die ihn ohnehin von früher noch kannten, einmal mehr sympathisch machte. Er sprach über das, was Heimat sei, dass sie dort sei, wo einen alle kennen, wo man sich wohlfühle und auskenne. Wo man die Sitten und die Sprache kenne und verstehe.

Ein Mann, der alles weiß, aber dennoch sympathisch bleibt und die Hoffnung nicht verliert: Prof. Dr. Harald Lesch. Foto: Traudi Schlitt

Problematisch sehe er, dass die Lebensbereiche solidarischen Zusammenlebens geringer werden, dass viele Dinge nur noch monetarischen Wert haben und dass der Egoismus die neue Art sei, Politik zu machen, etwa wenn der frischgewählte österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ankündige: „Ich mache die Mittelmeerroute dicht.“ Wie absurd aus naturwissenschaftlicher Sicht die Idee sei, ein Meer schließen zu wollen. Sich zu geben, als habe man dazu das Recht und die Fähigkeit, sei schlicht und einfach grenzenlos egoistisch, umso schlimmer, dass die Wähler es ihm offenbar zutrauten, sei Lesch deutlich geworden.

Klimawandel als Fluchtursache Nummer eins

Als Fluchtursachen machte der Redner viele Aspekte aus: Krieg, Vertreibung, Umweltkatastrophen, Armut. Dass an vielen dieser Ursachen in der Welt außerhalb Europas Deutschland und Europa nicht unschuldig seien, verdeutlichte er an den Beispielen der Waffenexporte aus Deutschland und auch der Exporte von Lebensmitteln in afrikanische Länder, die dort Teile der heimischen Landwirtschaft zerstörten. Fluchtursache Nummer Eins, also auf der Liste noch weit vor Krieg angesiedelt, sei der Klimawandel, sagte Lesch weiter. Laut einer Studie von UNHCR seien derzeit 25 Millionen Klimaflüchtlinge unterwegs, ein Anstieg auf 200 Millionen in der nahen Zukunft würde als realistisch angesehen.

Und dann sprach der Physiker und erklärte den über zweihundert Zuhörern anhand mitgebrachter Schaubilder den rasanten Anstieg der CO2-Konzentration seit 1850. Bis vor etwa dreißig Jahren seien die Veränderungen marginal gewesen, seither aber so hoch wie nie, führte Lesch aus und erläuterte den Zusammenhang von CO2-Konzentration, Erderwärmung, Eisschmelze, Wasserausdehnung und Naturkatastrophen. Ein Par-Force-Ritt durch Geschichte und Ursachenforschung mit unverhohlener Kritik an den politisch Verantwortlichen, die aus alldem, was Wissenschaftler zuverlässig erforscht hätten, keinerlei zielgerichtete Konsequenzen ziehen.

„Egal, was wir tun oder lassen, die Erde expandiert nicht, wir haben keinen zweiten Planeten in der Schublade“, so der eindringliche Appell des Wissenschaftlers und Naturphilosophen, der allein anhand der Wetterphänomene in diesem Jahr deutlich machte, dass die Naturkatastrophen unserer Zeit menschengemacht seien – und damit auch eine Fluchtursache, der das Potenzial zugetraut werde, bis zum Jahr 2100 zwei Milliarden Menschen auf den Weg zu bringen: „Wenn man nichts mehr zu essen hat und keinen Wohnraum mehr, dann wird man gehen.“ Dabei wies er noch einmal darauf hin, welchen Risiken sich Menschen aussetzen, die ihre Heimat verlassen, aber: „Es werden immer weiter und weiter Menschen kommen.“

„Die Verantwortung liegt allein beim Menschen“

Rainer Lindner von der Flüchtlingsinitiative Gemünden freute sich sehr über den Besuch von Prof. Dr. Harald Lesch. Foto: Traudi Schlitt

Dass die Folgen des Klimawandels am Ende auch Europa nicht verschonen werden, sehe man daran, dass bereits jetzt Teile des Kontinents wie die Iberische Halbinsel von klimabedingten Waldbränden erschüttert seien. Sein Fazit nach den vielen ernüchternden Fakten: „Die Verantwortung liegt allein beim Menschen“. Lesch forderte eine „Vollbremsung für das Klima“ – jeder Tag, an dem nichts passiere, mache es nur noch schlimmer. Dabei sei nicht nur die Politik gefragt, sondern jeder Einzelne: mit seinen Kaufentscheidungen, mit seinen Reisewegen und Transportmitteln, mit seiner Haltung gegenüber Flüchtlingen, auch mit seiner Haltung zu alternativen Energien. „Natürlich kann man immer fragen, was es nutzt, wenn die USA, China oder auch die EU ganz andere Politik machen, als es nötig wäre, doch für das, was dort passiert, sind wir nicht verantwortlich, nur für das, was wir selbst tun oder eben nicht tun.“

Der Vortrag von Harald Lesch sei gleichzeitig intensiv und unterhaltsam gewesen, nachhaltig, voller Informationen, voller unschöner Tatsachen, und dennoch nicht hoffnungslos. Denn tief in seinem Inneren sei Lesch doch Optimist, der glauben möchte, dass die Menschen es noch rumreißen. Zum Ende seines Vortrages auf der Kanzel teilte er noch eine seiner Lieblingsstellen der Bibel mit seinem Publikum: Das Hohelied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief. Auch damit kenne er sich offenbar aus.

14 Gedanken zu “Die Verantwortung trägt jeder selbst

  1. @Axel Werner Hofmann
    Wenn das Thema Ehrenamt in dem Oberhessen-live-Beitrag auch nur indirekt angesprochen wurde (Flüchtlingshilfe, Kritik an dem Rückgang von Formen solidarischen Zusammenlebens), so ist Ihre Kritik an den tiefgreifenden Widersprüchen öffentlicher Ehrenamtsförderung natürlich auch in dem Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise höchst angebracht. Zunächst fällt auf,
    dass ZUSÄTZLICHES ehrenamtliches Engagement von Politik und Wissenschaft für die Zukunft bereits mit der Begründung fest eingepreist ist, anders ließen sich die Versorgungsstrukturen in einer alternden Gesellschaft mit prognostizierter Pflegekrise nicht aufrecht erhalten. Von einem „Pflegemix“ in „lokalen Verantwortungsgemeinschaften“ zwischen professionellen stationären und ambulanten Pflegedienstleistern sowie im niedrigschwelligen (= weniger qualifizierten) Bereich operierenden Laienhelfern unter kommunaler Oberaufsicht ist da die Rede (siehe https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-sm/intern/downloads/Downloads_Pflege/Pflegemix_Handbuch_2015.pdf).
    Die Nagelprobe für dieses Denkmodell wurde mit der massenhaften Zuwanderung von Flüchtlingen eingeleitet, die ohne den selbstlosen Einsatz Hunderttausender von Freiwilligen, so unprofessionell dieser auch streckenweise gewesen sein mag (https://www.welt.de/debatte/kommentare/article153207250/Zu-viel-Nettigkeit-bei-den-Ehrenamtlichen.html), ganz sicher in einer gesellschaftlichen Katastrophe hätte enden müssen. Bund und Länderregierungen sahen hierin jedoch keine Obergrenze, sondern fuhren fort, die Belastbarkeit des deutschen Volkes und insbesondere bestimmter Berufsgruppen wie Lehrer, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen etc., noch zusätzlich durch die „Inklusion“ sämtlicher bisher in Sondereinrichtung betreuten Menschen auf die Probe zu stellen. Da kaum noch jemand weiß, wie diese „Herausforderung“ noch bewältigt werden kann, ist auch der Selbsthilfe-Gedanke wieder stark im Kommen. Wer sich in dem ganzen Chaos nicht mehr zu helfen weiß oder keine Hilfe findet, obwohl er dringend welche braucht, gründet jetzt selbst eine Selbsthilfegruppe. Anleitungen hierzu gibt’s schließlich zur Genüge im Internet (https://www.koskon.de/fileadmin/downloads/2014-07-08-Starthilfe-Gesamtmappe.pdf).

    Dass die Förderung von Ehrenamt und Selbsthilfe durch gut bezahlte Amts- und Mandatsträger aus Politik und Verwaltung erfolgt, ist doch nicht komisch, Herr Hofmann! Für die pflegenden Famililienangehörigen, ohne die die Betreuung von Alten und Behinderten auch im Vogelsbergkreis zusammenbrechen würde und die die nächste Generation der verarmten Rentner darstellen, hat sich doch bisher auch keiner der von Ihnen benannten Besserverdiener ein Bein ausgerissen. Oder haben Sie da mal was gelesen von flächendeckender Versorgung mit Tages- und Nachtpflegeplätzen, bezahlbaren Angeboten für haushaltsnahe Dienstleistungen, alternativen Wohnformen oder lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz? Angeblich erledigen das acht Nachbarschaftshilfe-Vereine und das Handlungsfeld Gesundheit und Pflege des Familienbündnisses Vogelsberg, assistiert von der Seniorenbeauftragten des Kreistags und dem Kreisseniorenbeirat. Letzterer hat ja erst kürzlich wieder medienwirksam behauptet, die Alten im Vogelsberg hätten alles, was sie brauchen.
    Sollten das alles Lügen sein, um die Bevölkerung zu täuschen und ruhig zu halten, wovon wohl auszugehen ist, dann wird es Zeit für eine grundlegende Monetarisierung des Ehrenamts auf dem Niveau der Sitzungsgelder von Sparkassen-Verwaltungsräten, Nebentätigkeitsvergütungen für Abgeordnete etc.

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  2. @Michael Hartmann 24.12.2017 um 8:24 Uhr
    >>…Dabei ist es ganz einfach den Menschenhandel zu stoppen.
    Alle, wirklich alle und jeden Anreiz zu stoppen, SOFORT.
    Kein Geld, keine Sachleistungen, keine Mittel für eine Rückreise…!
    Grenze so wie es das EU Land Dänemark macht schließen.<<

    Ihre Vorschläge in Ehren, aber leider ist nur im Bereich der Technologie die "einfache Lösung" die (ökonomisch) beste. Im Bereich der Humanwissenschaften wie auch in der Politik sind einfache Lösungen zumeist verheerend, weil mögliche Folgen und unerwartete Nebenwirkungen nicht bedacht werden. Denken Sie mal an die sozialdemokratischen Gesetzes-Missgeburten "Mindestlohn" und "Mietpreisbremse". Einfache Lösung – Effekt gleich Null. Warum? Wenn ich ein Gesetz beschließe, muss ich auch dessen Einhaltung garantieren können; durch ausreichende amtliche Kontrollen und eine Justiz, die Verstöße zeitnah und mit genügend Abschreckungswirkung ahndet. Und ich brauche Arbeitgeber/Vermieter, die sich an Gesetze halten, und Arbeitnehmer/Mieter, die sich nicht "arrangieren", sondern Gesetzesverstöße mutig anzeigen.
    Grenze schließen… Schon mal was von Schlepperbanden gehört? Jeden Anreiz stoppen… Die Schlepperindustrie wirbt mit Handgeld, Auto, Haus für jeden Flüchtling und das bei einer "Kundschaft", die überwiegend wenig gebildet und von ihrer Kultur her irrational ist. Vielfach stehen die Leute in ihrer Heimat mit dem Rücken zur Wand, was selbst kühle Rechner zu waghalsigen Abenteuern und dazu verleiten würde, alle Hoffnungen auf eine Karte zu setzen. Glauben Sie, die bezahlten kein Geld mehr an die Schleuserbanden oder ließen sich nicht mehr für die Reisekosten in Geiselhaft nehmen, weil Sie denen im fernen Germania Geld- und Sachleistungen gekürzt haben? Und wenn Sie die (allerdings wirklich irren) Rückkehrkosten für Einwanderer ohne Asylperspektive einsparen wollen, dann haben Sie eben noch mehr Armutsmigranten an der Backe. Alle Ihre Lösungsvorschläge werden aus denselben Gründen nicht funktionieren wie Mindestlohngesetz und Mietpreisbremse.
    Auch Merkels einsame Entscheidung, im Sommer 2015 ein paar Busladungen durchzuwinken, die die Kroaten an die slowenische und österreichische Grenze gekarrt hatten, damit sie ihren Asylantrag bitte bei den lieben Nachbarn stellten [bekanntlich löste diese Geste in den folgenden Wochen eine Massenzuwanderung von einer knappen Million Willkommensku(ltu)rgästen aus], war im Grunde so eine "einfache Lösung", deren Folgen man nicht bedacht hatte. Leider neigt der bundesdeutsche Gutmensch zu solchen hirnrissigen Aktionen in besonderem Maße, weil er sich hierdurch von seinen immerwährenden Schuldgefühlen zu befreien und seine Weltrettungsphantasien zu realisieren hofft. Von der politischen Führung ist aber zu erwarten, dass man vor solchen Entscheidungen ein Verfahren in Gang setzt, das man POLITIKFOLGENABSCHÄTZUNG nennt und das uns und der Welt in unserer Geschichte so viele Kosten und so viel Leid hätte ersparen können, dass wir uns auch unsere (teilweise ja berechtigten) Schuldgefühle heute sparen könnten! Die menschenwürdige Aufnahme von ein paar kroatischen Busladungen hätte man mit Hilfe des THW, ein paar Sanitätskompanien der Bundeswehr und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe an der Grenze schon bewältigen können. Dasselbe gilt für die solidarische Unterstützung der Nachbarländer in den Wochen danach. Wäre halt mit etwas Aufwand verbunden gewesen. "Wir schaffen das" = "Ihr schafft das schon!" war halt einfacher. Und eine gnadenlose Dummheit. Wer danach immer noch Merkel wählt… Denn sie wissen nicht, was sie tun.
    Und was sind jetzt die langfristigen Folgen? Gestern berichtete die Tagesschau, dass die Tafeln ihre Hilfeleistungen kontingentieren müssen, weil diese überwiegend von Migranten in Anspruch genommen werden. Es reicht nicht mehr für alle. Und die Schwächsten, die alten Leute mit den Armutsrenten, die man gerade erst mühsam dazu gebracht hatte, ihre Scham zu überwinden und solche sozialen Dienste in Anspruch zu nehmen, die kommen jetzt nicht mehr! Siehe https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-23357.html. Eine Steilvorlage für die AfD! Ja, so ist das, wenn zu "gut gemeint" auch noch "schlecht gemacht" und "dumm gelaufen" kommen.

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  3. Genau das meine ich Herr Leser !
    Haben Sie ihre eigene „geistige Einschränkung“ nun bemerkt oder soll ich Ihnen das mal genauer erklären?

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  4. Es ist nur komisch, dass die Befürworter von Ehrenamt und die, die andere dazu animieren wollen, selbst in gesicherten Positionen sitzen und sich ihre Täigkeit fürstlich belohnen lassen, dazu gehört auch die Garde der Politiker auf allen Ebenen, die für ihre „Nebentätigkeiten“ in diversen Gremien gut bezahlt wird, die Kirchenoberen stehen dem in nichts nach.
    PS. Ich habe für meine Jahrzehnte lange Tätigkeit im Ehrenamt nur etwas „Zeilengeld“ zur Deckung meiner Kosten bekommen, den Rest habe ich aus eigener Tasche draufgelegt. Heute hingegen leisten sich auch im heimischen Kreis viele Organisationen hingegen „bezahlte Schreiberlinge“.

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  5. @ Josie Berger
    >> Wir müssen wieder wie die Kinder (schmerzhaft) das Teilen lernen und unsere eigenen Wünsche nicht über das (grenzenlose) Gemeinwohl stellen. <<
    Ich warne dringend davor, die derzeitige Flüchtlingskrise mit höchst ambivalenten "Wir müssen wieder…"-Appellen lösen zu wollen. Dies funktioniert weder auf nationaler Ebene noch – und dort schon gar nicht – im internationalen Maßstab. Nein, wir müssen die magische Vorstellungswelt der Kinder inklusive des ganzen esoterischen Geschwurbels der letzten Jahrzehnte und der selbstbetrügerischen Tschakka-Blenderwirtswchaft aus irgendwelchen Manager-Seminaren (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/blenderwirtschaft-tschakka-162053.html) endlich ablegen und die längst überfällige zweite Aufklärungsperiode einleiten. Die Wahrheit mag schwer zu ertragen sein. Doch das ist keine Entschuldigung für Naivität und Blauäugigkeit. Die Flüchtlingsströme sind nicht nur eine Folge globaler Wirtschaftskriege, sie sind auch selbst eine Waffe, mit der unsere freiheitlichen westeuropäischen Gesellschaften destabilisiert werden können. Daher ist die Beschränkung auf rein humanitäre Aspekte falsch.

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  6. @Michael Hartmann
    Harald Lesch „startete […] seinen Vortrag […] – mit einer ersten Desillusionierung: „Sie werden heute Abend keine Lösungen mit nachhause nehmen“. Genau da liegt doch das Problem, das uns „Normalmenschen“ in Angst und Schrecken versetzt und den Rechtspopulisten (die auch nur Scheinlösungen anbieten) die Protestwähler in Scharen zutreibt. Weil man Probleme nie gelöst, sondern immer nur beschönigt, vertagt oder in die Zukunft und auf nachfolgende Generationen verschoben hat, haben sie ein derartiges Ausmaß angenommen, dass selbst die wissenschaftlichen Eliten nur noch die Schultern zucken können und sich in moralische Appelle flüchten. Leschs „unverhohlene Kritik an den politisch Verantwortlichen, die aus alldem, was Wissenschaftler zuverlässig erforscht hätten, keinerlei zielgerichtete Konsequenzen ziehen“, erscheint mir an dieser Stelle ohne einen selbstkritischen Blick auf die Wissenschaft, die sich beständig den ökonomisch Mächtigen mit Gefälligkeitsergebnissen unverhohlen andient (siehe https://www.youtube.com/watch?v=NyL50-O29YQ), absolut unredlich.

    Zu den menschengemachten Naturkatastrophen unserer Zeit als „eine Fluchtursache, der das Potenzial zugetraut werde, bis zum Jahr 2100 zwei Milliarden Menschen auf den Weg zu bringen“, gibt es wahrscheinlich genau so viele unterschiedliche Expertengutachten wie es Interessengruppen gibt, die diese Gutachten finanzieren. Heuchlerisches Verständnis für die Fluchtmotive von Armutsimmigranten („Wenn man nichts mehr zu essen hat und keinen Wohnraum mehr, dann wird man gehen.“) ist blind für die sozialen und politischen Folgen der Massenzuwanderung in den Ländern, die das Ziel der Flüchtlingsströme sind. Wohin bitte sollen denn diejenigen fliehen, die in unseren Städten obdachlos sind und vom Flaschensammeln oder den Almosen der „Tafeln“ leben? Nach Afrika? Bereits jetzt kommt es innerhalb unserer Sozialsysteme zu Verteilungskämpfen zwischen „unseren“ Armen und den Zuwanderern (https://www.stern.de/wirtschaft/die-tafeln–der-verteilungskampf-am-unteren-ende-der-gesellschaft-6871918.html). Vielleicht veranstaltet man zur Entlastung ja demnächst internationale Austauschprogramme zwischen deutschen Leistungsbeziehern und Armutsflüchtlingen aus aller Welt unter Federführung der Bundeszentrale für politische Bildung. Armut in ihrer interkulturellen Vielfalt hautnah erleben! Das fördert das gegenseitige Verständnis. „Es werden immer weiter und weiter Menschen kommen.“ Ach ja? Da werden die Leute vom Rand dieser Gesellschaft wohl endlich mal wählen gehen. Sie werden allerdings diejenigen wählen, die ihnen versprechen, die Zuwanderung notfalls mit Gewalt zu stoppen. Und hierbei wird reichlich Gelegenheit zur „Bürgerbeteiligung“ gegeben werden. Man sollte aus den Weimarer Erfahrungen eigentlich gelernt haben, was im Deutschen Volk vorgeht, sobald die Straßen unsicher werden. „AfD marschiert, Achtung! Die Straße frei!“

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  7. Hallo Herr Leser,
    das ist nur eine postfaktische Wahrheit, belegen Sie ihre Behauptung.

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  8. Hallo Herr Hartmann,
    es ist keinesfalls zu bedauern, das Sie (wie auf OL selbst schon mal kund getan) aus der Kirche ausgetreten sind.
    Ansonsten hätte ich mich für Sie geschämt.
    Frohe Weihnachten

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  9. Herr Lesch, Sie sprechen mir aus der Seele. Kürzlich fragte mein Sohn: „Mama, wo ist das Schlaraffenland?“ und das Erste was mir einfiel war: „dein zu Hause.“ Ich kann jeden verstehen, der für seine Familie nach lebenswerteren Lösungen sucht. Shopping Queen ist genauso wenig eine Berufsbezeichnung wie Flüchtling. Also tuen wir bitte nicht so, als wären nur „die anderen“ das Problem. Denken wir mal darüber nach, was es für Arbeitnehmer bedeutet, wenn die eigene Firma mit einer garantierten Lieferung bis Heiligabend wirbt. Brauchen wir wirklich begehbare Kleiderschränke? Ja, wir müssen die Armut in Deutschland mindern – das können alle, die das gegenüberliegende Blatt der Schere bedienen jetzt schon freiwillig tun. Ein Blick in die Welt zeigt uns – im Durchschnitt sieht es hier gar nicht so übel aus. Wir müssen wieder wie die Kinder (schmerzhaft) das Teilen lernen und unsere eigenen Wünsche nicht über das (grenzenlose) Gemeinwohl stellen. Frohe und friedliche Weihnachten euch allen.

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  10. …Dabei ist es ganz einfach den Menschenhandel zu stoppen.
    Alle, wirklich alle und jeden Anreiz zu stoppen, SOFORT.
    Kein Geld, keine Sachleistungen, keine Mittel für eine Rückreise…!
    Grenze so wie es das EU Land Dänemark macht schliessen.

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  11. Korrektur (Sorry!):
    Denn der Kreispolitik fehlt es an Köpfen und Ideen. Vogelsberger Lokalpatriotismus und Folklore mögen kurzfristig Wählerstimmen bringen und [die] den Provinzfürsten ihre Machtpositionen erhalten…

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  12. Der Name Harald Lesch, dessen Sendungen ich mir häufig ansehe, ruft bei mir die Auswirkungen des Brain Drains im Vogelsberg wach. Kluge Köpfe werden hier wahrscheinlich ebenso häufig geboren wie in anderen Regionen Deutschlands auch. Doch die Intelligenz wandert ab. Zurück bleiben die zweite und dritte Garnitur (http://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,79656). Dies macht sich nach meiner Wahrnehmung besonders schmerzhaft bemerkbar, wenn es darum geht, auf Kreisebene – unter Einbeziehung qualifizierter Formen von Bürgerbeteiligung – wirklich zielführende Maßnahmen zur Gegensteuerung und Bewältigung des demografischen Wandels zu entwickeln. Eine differenzierte Einwanderungspolitik, die intelligente und integrationsfähige Menschen aus anderen Erdteilen zu uns in die Provinz holte, erschiene mir da als verlockende, ja geradezu überlebensnotwendige Lösung. Denn der Kreispolitik fehlt es an Köpfen und Ideen. Vogelsberger Lokalpatriotismus und Folklore mögen kurzfristig Wählerstimmen bringen und die Provinzfürsten ihre Machtpositionen erhalten… Die Zukunft ist damit nicht gewonnen. Im Gegenteil: Wie die Überalterung der Gesellschaft, der Pflegenotstand usw. in den nächsten Jahrzehnten bewältigt werden sollen, bleibt in dem aktuellen Regionalentwicklungskonzept des Vogelsbergkreises bis 2020 vollkommen offen. Angemessene Versorgungsstrukturen werden nicht geschaffen.
    Wenn Lesch sich in seinem Nieder-Gemündener Vortrag auf den Klimawandel als Ursache einer weltweiten Völkerwanderung fixiert und keine Erklärung dafür findet, dass das Flüchtlingsthema die letzte Bundestagswahl beherrscht und den Rechtspopulisten so viel Zulauf gebracht habe, so sehe ich darin ein Zeichen dafür, dass auch so ein hoch gebildeter und differenziert denkender Wissenschaftler wie der Münchner Astrophysiker letztlich nach einer monokausalen Vereinfachung für eine vielschichtige Problematik sucht, die das Fassungsvermögen eines einzelnen übersteigt. Niemand verlasse seine Heimat freiwillig, so heißt es in dem obigen Beitrag, habe Lesch zu bedenken gegeben. Aber was soll denn da mit welchem Ergebnis von denen „bedacht“ werden, die erleben müssen, dass ihre Politiker schon für den demografischen Wandel – ganz ohne Flüchtlingsproblematik – kein Konzept haben, das ihnen eine sichere Zukunft bietet. Die dann – rein unter demografischen Gesichtspunkten – angesichts einer unkontrollierten und – siehe oben – für unkontrollierbar erklärten Zuwanderung vor die Alternative gestellt werden, entweder zu „verdursten“ (Bevölkerungsschwund) oder zu „ersaufen“ (massenhafte Armutsimmigration)? Die Politik, Verwaltung und Polizeiorgane als unfähig erleben, mit einwanderungsbedingter Kriminalität, islamistischem Terror und aus den muslimischen Kommunities erwachsendem Antisemitismus auch nur ansatzweise fertig zu werden? Die feststellen müssen, dass die nationale Solidarität nicht einmal ausreicht, damit Bund und Länder den ohnehin schon klammen Kommunen die Ausgaben für Unterbringung und Integration der Flüchtlinge ersetzen, während man gleichzeitig an die Solidarität der Ehrenamtlichen appeliert, für Abhilfe zu sorgen, wenn ein Afrikaner im November ohne Winterkleidung vor der Tür steht? Die zusehen müssen, wie in den Großstädten der Wohnraum unbezahlbar wird, während Hunderttausende Illegaler die Metropolen stürmen, weil man nur dort den „schnellen Euro“ machen kann, um der eigenen Sippe möglichst schnell Geld schicken zu können?
    Lesch spricht von europäischer Verantwortung bzw. unverantwortlichem Handeln (Beispiele Waffenhandel und EU-Exporte von Schlacht-„Abfällen“), die uns die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen müssen. Von „Fluchtursachenbekämpfung“ angesichts des Klimawandels ist die Rede. Doch gleichzeitig überholt die Biodiversitätskrise, die nur zu einem kleineren Teil klimabedingt ist, das ganze CO²-Gesummse. Und bestehen nicht auch in den Herkunftsländern der Flüchtlinge Verantwortlichkeiten für Fluchtursachen? Stichwort: Korruption der dortigen Eliten, explosionsartige Bevölkerungsvermehrung trotz sinkender Fähigkeit, ihre Bevölkerung auch zu ernähren. Gloria von Thurn und Taxis, sicher nicht gerade eine berufene Analytikerin globaler Zusammenhänge, wurde noch wegen ihres Hinweises auf „schnaxelnde Schwarze“ verlacht. Harald Lesch bietet zu diesem Thema nur intellektuelle Spielereien an, die vom Kern des Problems eher ablenken (https://www.youtube.com/watch?v=yhFJyowZ2YA). Tatsache ist jedoch dies: https://www.youtube.com/watch?v=YsRQNu9Jg7k! Fluchtursachenbekämpfung, das schwant immer mehr Menschen, ist lediglich eine politische Sprechblase. Eine Lösung der Zuwanderungsproblematik ist hiervon in keiner Weise zu erwarten. Und die Zahl derer wächst, die nicht nur erkennen, dass sie in diesem Punkt getäuscht werden. Sie sehen auch, dass die gesamte so genannte Flüchtlingskrise, in Wahrheit müsste man von internationalem Menschenhandel sprechen, längst zum Kerngeschäft der internationalen organisierten Kriminalität geworden ist. Hier werden die Mittelschichten in Afrika, dem nahen Osten und Asien planmäßig abgezockt. Diese „globale Geschäftsidee“ schwemmt mehr Geld in die Taschen von Kriminellen und korrupten Eliten (auch in Europa!!!), als sämtliche Geschäftszweige (z.B. Drogenhandel) zuvor. Hier wird auch ein Großteil des Geldes verdient, das in Rüstungsgeschäfte mit Waffenproduzenten auf der ganzen Welt fließt. Organisierte Kriminalität durch Menschenhandel unterwandert schleichend alle Gesellschaftssysteme (Korruption) und macht nach und nach sämtliche Staaten und Gesellschaften dysfunktional.
    Herr Lesch mag Recht haben: „Die Verantwortung liegt allein beim Menschen“. Aber vielleicht ist die „Vollbremsung für das Klima“ nur eine Lösung, die sich aus einer Art Gutmenschen-Skotom ergibt. Und während der Gutmensch noch mit dem Fahrrad zum Ökoladen fährt, um das mitgebrachte Jutesäckchen mit Fairgehandeltem zu füllen, verbünden sich die internationalen Menschenhändlerbanden mit deutschen Bankern und Milliardären gegen die Staaten, in denen Rechtspopulisten mit faschistischen Terrorregimen verlogene Schaukämpfe zur Verteidigung traditioneller Werte veranstalten. Aber es ist ja Weihnachten. Und da kanzelt man von der Kanzel dann die ab, die schon mal einen Blick in die drohende Zukunft gewagt haben und finden, dass der Bundeskanzler Kurz in Österreich vielleicht gar nicht so egoistisch ist, wenn er versucht, den Nährboden der internationalen Völkerwanderungskriminalität auszutrocknen. Vielleicht reißt ja der „es“ noch rum. Denn „die Menschen“ werden hierzu nicht in der Lage sein. Sie haben Angst, und das zu Recht. Und wenn sie demnächst mehrheitlich AfD wählen, hat das vielleicht mit dem Versagen derjenigen zu tun, die – trotz Stern von Bethlehem – keine Orientierung geben können, weil sie selbst diese längst verloren haben.

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  13. Coole Idee, 2 Milliarden Sozialhilfeforderer in 2100, also in ca. 80 Jahren !
    Europa hat nur 600 Millionen Bürger, und nach Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien etc. wollen die bestimmt nicht.
    Also, das Dekanat ist ein Jobmotor mit Zukunft.
    Ein Ding ist sicher, der angebliche Klimawandel tötet uns nicht.

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