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Weltreligionstag 2017 – Was bedeutet Religion und Glaube für die Alsfelder?Was bedeutet Religion und Glaube für dich?

ALSFELD (ls). Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und das Judentum – egal welche, aber Religion hat bei vielen Menschen dieser Welt einen hohen Stellenwert. Pünktlich zum Weltreligionstag hat Oberhessen-Live nachgefragt: Was bedeutet Religion und Glaube eigentlich für die Alsfelder?

Religion gibt Kraft, Halt und Hoffnung. Religion wird aber auch für Krieg missbraucht und sorgt für Auseinandersetzungen zwischen den Gläubigen. Sind die einzelnen Religionen wirklich so unterschiedlich?

Hedwig Kluth, Dekanatsreferentin des katholisches Dekanats in Alsfeld:

Für Hedwig Kluth ist Religion unzertrennlich mit Gemeinschaft verbunden.

„Religion bedeutet Halt. Sie ist für mich untrennbar mit einer Gemeinschaft verbunden. Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder einen Hang zum Individualismus hat, in der vielleicht auch jeder seinen Glauben und seine Religion für sich alleine ausmachen möchte. Jeder hat seine eigene Form seinen Glauben und seine Religion auszuleben, aber trotz allem ist es die Gemeinschaft, die uns Halt gibt. Die Religion gibt uns Werte mit: Nächstenliebe, die Liebe Gottes und die Würde des Menschen. Werte, die uns Mensch sein lassen – und das lernen wir in menschlichen Begegnungen.

Religion gehört für mich zum Menschen dazu, selbst wenn dieser von der Institution Kirche enttäuscht wurde und austritt, so glaubt er doch oft trotzdem weiter. Ich glaube auch weiterhin, dass Religion trotz der schweren Zeit noch zeitgemäß ist, denn nur als Gemeinschaft, die für mich die Religion beschreibt, schaffen wir den Frieden. Papst Franziskus sagte zum Weltfriedenstag in seiner Rede, dass wir eine gewaltfreie Gemeinschaft aufbauen sollen und jeder Mensch für sich alleine ein Handwerker des Friedens werden kann.“

Die Macht des Glaubens, egal an was oder wen, ist sicherlich der Punkt, der für Menschen aller Nationen, Alter und Geschlecht der entscheidende ist. Die Macht – im wahrsten Sinne des Wortes – Berge versetzen zu können und somit den Mut und die Stärke zu haben sich einer Aufgabe zu stellen, welcher man sich als menschliches Individuum nicht zu stellen traut. Simon K.

Ben Meister, Zeugen Jehovas:

Religion bestimmt Ben Meisters Leben – und das ist gerade das, was Spaß macht.

„Religion bestimmt das ganze Leben, es ist das Wichtigste. Für mich ist es ein Unterschied, ob man einen Glauben hat oder ihn auslebt – ich persönlich nehme das Ausleben sehr ernst. Die Werte, die Religion für mich vermittelt und die für mich die Religion definieren, zählen für mich umso mehr. Und Nächstenliebe ist dabei das Wichtigste. Alle Menschen sind gleich viel wert, da wir auch vor Gott alle die gleichen sind.“

Adem Maden, Vorsitzender der türkisch islamischen Gemeinde in Alsfeld:

Adem Maden zusammen mit einigen Mitgliedern der islamischen Gemeinde in der neuen Moschee – Religion bedeutet nicht nur Nächstenliebe, sondern auch Offenheit.

„Religion ist unser Leben. Wir leben damit. Sie zeigt uns unsere Richtung – was wir leben und wie wir leben. Religion ist für uns Nächstenliebe und Fürsorge. Wenn jemand Bedarf hat, sollte man ihm helfen. Wir sehen jeden Menschen gleich – als Freund. Religion heißt mit Liebe aufnehmen und den Weg zeigen. Wir sind alle gleich, egal welcher Religion wir angehören. Auch der Glaube der unterschiedlichsten Religionen bleibt doch immer der Gleiche: Frieden und Nächstenliebe. Besonders weil die Religion missbraucht wird und in ihrem Namen Kriege geführt werden, sind Nächstenliebe und Frieden als Botschaft der Religion sehr wichtig. Wir müssen alle offen sein für andere Religionen und gemeinsam nach vorne blicken. Wir sind alles Menschen und alle gleich.“

Ich glaube Religion hat in der heutigen Zeit wenig Platz und dadurch verlieren wir den Blick dafür, was Religion uns bringt – nämlich Hoffnung.Lavinia E.

Peter Remy, evangelischer Pfarrer und Vorsitzender des Kirchenvorstandes in Alsfeld:

Für Pfarrer Peter Remy aus Alsfeld ist Religion allgegenwärtig und immer im Leben zu finden.

„Was Religion und Glaube für mich bedeutet? Nun, das ist ein weites Feld. Ich würde es gerne mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer beschreiben: ´Jesus ruft nicht zu einer neuen Religion auf, sondern zum Leben. Christsein heißt nicht in einer bestimmten Weise religiös sein, sondern es heißt Mensch sein. Nicht der religiöse Akt macht den Menschen zum Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben`. Das beschreibt es für mich ziemlich gut. Er meint damit, dass die Religion zumeist ein Irrweg ist, weil sie den Menschen aus dem Leben herausruft in eine vermeintlich heile Welt abseits des alltäglichen Lebens. Es gibt aber keinen Weg zum Glauben am alltäglichen Leben vorbei. Jesus ruft uns mitten ins Leben hinein, er ruft uns zu unserem einzigartigen, schönen und schweren Leben.

Ähnlich sagt es Paulus In seinem Brief an die Römer, wenn er schreibt: „Euer Leben soll ein vernünftiger Gottesdienst sein.“ Jeder Mensch ist auf seinen Platz berufen, jeder hat seine Aufgaben bekommen, damit das Leben funktioniert. In diesem Bewusstsein aktiv mein Leben zu leben, und dabei selbst ein Hoffnungsträger zu sein, das heißt für mich als Christ „glauben“, und so gehören auch Glauben und Vernunft zusammen, wie es Paulus sagt. In diesem Sinne ist Glauben immer zeitgemäß, er lässt mich tun oder lassen, was an der Zeit ist.

Im Glauben wird der Mensch auch frei zu ehrlicher Selbsterkenntnis. Wir Menschen sind zwiespältige Wesen, wir sind gut und böse, licht und dunkel, und wir bleiben es auch als gläubige Menschen. Das gilt übrigens auch für jede Religion. Religionen können dem Frieden dienen, aber sie bergen leider so wie alle Weltanschauungen auch ein hohes Gewaltpotential. Wesentlich für meinen Glauben ist darum auch die Gewissheit, dass Gott die Welt in seiner Hand hält.

Yeshma Kapoor, Hinduismus:

Freiheit, Hoffnung und Nächstenliebe – Religion für Yeshma Kapoor.

„Wir haben einen Körper bekommen, um zu leben. Wir haben Ohren bekommen, um Gutes zu hören. Wir haben Augen bekommen, um Gutes zu sehen. Wir haben einen Mund bekommen, um Gutes zu sagen und wir haben Hände bekommen, um Gutes zu tun. Wenn jemand zu mir nach Hause kommt, dann ist das nicht einfach nur Besuch, sondern er ist ein Freund. Er wird mit viel Herzlichkeit empfangen und wir trinken zusammen Tee. Dabei ist es mir völlig egal, welche Religion derjenige hat, im Grunde hat er doch den gleichen Glauben. Religion bedeutet für mich, den Menschen zu helfen. Es bedeutet Nächstenliebe, Freiheit und Hoffnung.“

Religion ist für mich auch nicht per se der eine oder andere Gott. Vielmehr ist der Glaube an sich für mich eine Form der Hoffnung. Eine Form der Hoffnung, die durch ihre entsprechenden inhaltlichen Überlieferungen, den Menschen Wege und Verhaltensweisen für ihr alltägliches Leben aufzeigen.Michael D.

Egal ob man nun an Allah, Gott, Jahwe, Brahma, den Propheten Mohammed, Shiva, Jehova oder an Jesus glaubt. Egal ob man streng traditionell, modern oder offen seinen Glauben und seine Religion auslebt – für die Alsfelder zählt mehr als das. Religion ist Hoffnung, Nächstenliebe und Halt. Religion ist der Mensch – und der ist überall gleich, egal welche Religion er hat.

*Die hervorgehobenen Zitate sind Aussagen von weiteren Vogelsbergern, die wir zum Thema Religion und Glauben befragt haben.