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Storndorf hatte Besuch aus ganz Europa und nur wenige haben es gemerktBuschtaxi-Treffen: „durchatmen endlich zu Hause“

STORNDORF (cdl). Über tausend Fahrzeuge waren zum 15. Buschtaxi-Treffen vom 9. bis 11. September rund um das Gelände des Stehrodroms in Storndorf gekommen. Gerade in den Tagen vor und nach der Veranstaltung dürften die auffälligen Fahrzeuge vielen Verkehrsteilnehmern im Vogelsbergkreis aufgefallen sein.


Während der Veranstaltungstage merkte man gar nicht, dass sie da waren, so entspannt ging es auf den Wiesen rund um die Ideenschmiede zu. Aus 19 Nationen waren die Teilnehmer aus ganz Europa angereist und ein Teilnehmer kommt sogar seit Jahren regelmäßig aus Übersee mit seinem Gefährt aus den USA.

Schon beim Betreten des Geländes fiel auf, dass es sich um eine ganze eigene Welt und einen eigenen Menschenschlag handelt. Obwohl sich knapp über 2.000 Menschen auf dem Areal verteilt haben dürften, war es auffällig leise, niemand rannte, keine laute Musik – eben eine ganz entspannte Atmosphäre. Ganz unweigerlich kommt dabei Fernweh auf. Denn wer kennt die zu einer Art Wohnmobil mit Allradantrieb umgebauten Autos nicht? Ein Sinnbild für die nächste Abenteuerexpedition, ganz gleich ob in Afrika, Australien, Sibirien oder Alaska. Ab in die Wildnis und dabei immer das eigene Hotel im Gepäck.

Bei über tausend Fahrzeugen mit zum Teil sehr individuellen Aufbauten haben Fahrer und Autos unendlich viele Geschichten zu erzählen und genau das machen auch viele der Abenteuerlustigen. Daher sind bei einigen Fahrzeugen die Adressen der eigenen Webseiten aufgedruckt. Hier teilen sie ihre Geschichten und Fotos mit Gleichgesinnten und Interessierten. Jedoch ist das nicht so persönlich, wie sich auf dem „größten Land Cruiser Treffer der Welt“ direkt miteinander auszutauschen.

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Wer es sich nicht gerade gemütlich gemacht hatte, schlenderte über das weitläufige Gelände.

Der Name Buschtaxi steht mittlerweile sinnbildlich für eine Vielzahl von Fahrzeugen

Kurz hinter dem Eingang hat der Namensparton des Buschtaxis, der Autohersteller Toyota, seinen eigenen Stand mit Neufahrzeugen und Aufbauten errichtet. Der Name Buschtaxi geht auf den Toyota Land Cruiser zurück, da ein Modell diesen Namen trug. Heute steht der Name sinnbildlich Hilux, FJ Cruiser, 4Runner, Megacruiser und viele Fahrzeuge mehr.

„Unsere Hauptkunden sind Menschen mittleren Alters, die entdeckt haben, dass es im Leben noch etwas anderes als Karriere gibt“, erklärte ein Mitarbeiter vom Team Toyota. Sobald die Kinder aus dem Haus seien und man finanziell abgesichert sei, würden diese Menschen auf Entdeckungsreise gehen. Er empfahl: „Gehen sie auf die Wiesen rund um das Gelände, dort werden Sie faszinierende Geschichten hören.“ Und er hatte recht, sobald man sich durch das ganze ‚Sprachen-Wirrwarr‘ durchgekämpft hatte – denn es sprachen beileibe nicht alle der 19 Nationalitäten englisch, bekam man von den abenteuerlichsten Expeditionen berichtet.

Mit seinen eigenen Kunden mag er dabei vielleicht recht gehabt haben. Aber auf dem Gelände befanden sich Menschen sämtlichen Alters vor ihren mobilen Behausungen. Gruppen aus jungen Holländern, Slovaken, die genannten Ehepaare mittleren Alters, aber auch Familien mit jungen Kindern und Halbwüchsigen oder der einzelne Abenteurer alleine mit seinem Gefährt. Demzufolge war ein Stereotyp schlicht nicht zu finden.

Dass die Buschtaxi-Treffen Besucher nur aus reisenden bestehen, wollte der Veranstalter Alexander Wohlfahrt aus Weingarten nicht ganz gelten lassen. Es mag zwar den Anschein haben, aber es seien wie jedes Jahr auch viele Besucher gekommen, die die Vehikel als Arbeitsgeräte, für sportliche Wettkämpfe oder sogar als Alltagsfahrzeuge nutzen. Hinzu kämen die Hobbybastler, die die Fahrzeuge restaurieren und das ganze Jahr in der Garage stehen haben und ihre Oldtimer aus den 70er-Jahren hier und andernorts präsentieren.

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Wie viele andere war der Fahrer endlich zu Hause angekommen und hat es sich zu Hause gemütlich gemacht.

Buschtaxi-Treffen: in zentraler Lage Europas in Storndorf eine Heimat gefunden

„Durchatmen endlich zu Hause“, so ein beliebter Spruch der Buschtaxi-Fahrer, sobald sie auf dem jährlichen Treffen eintreffen. „Den Spruch habe ich in den letzten Jahren schon oft gehört, das ist kein Witz. Es ist eben eine große Familie“, so Wohlfarth. „Bei uns gibt es kein Halligalli, keine Livemusik, keinen Schnaps und keine Cocktailbar. Ab 22 Uhr wird kein Bier mehr ausgeschenkt. Das haben sowieso alle selbst dabei und sitzen an Lagerfeuern und unterhalten sich“, erklärt der Süddeutsche. Auf dem Programm stehen Diavorträge, Workshops und vor allen Dingen der persönliche Erfahrungsaustausch der Reiseenthusiasten und Buschtaxi-Liebhaber.

Seit dem Jahr 2013 hat das Treffen in Storndorf ein neues zu Hause gefunden. Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände sei es Wohlfahrt wichtig gewesen, eine möglichst zentrale Lage in Europa zu haben und die habe er hier gefunden. Das Buschtaxi-Treffen habe auch schon in der Nähe, nämlich in Beuern stattgefunden. Das sei ähnlich zentral gelegen. In den Anfangsjahren sei man in Münster und vielen weiteren Standorten gewesen. Gerade in Grenzregionen habe man feststellen müssen, dass man weniger Buschtaxi-Fahrer aus ganz Europa anspricht und sie dann vermehrt aus einer Region kommen. Daher habe er in ganz Hessen nach einem geeigneten Standort gesucht.

Die „Wirtschaftsförderung Hessen“ habe ihn auf mehrere Standorte aufmerksam gemacht, darunter das Stehrodrom. Jetzt wolle man aus Storndorf gar nicht mehr weg. „Der Vogelsberg ist wunderschön. Hinzu kommt, dass uns auch die Gemeinde Schwalmtal mit offenen Armen aufgenommen hat. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Gemeinde Schwalmtal“, so Wohlfahrt. Bürgermeister Timo Georg habe sich regelmäßig vor und nach den Buschtaxi-Treffen bei ihm erkundigt und im Vorfeld organisatorische Hilfe angeboten.

Deshalb soll Storndorf auch im kommenden Jahr für einige Tage das „zu Hause“ von Gästen aus ganz Europa werden, weil bei den expetitionsfreudigen Weltreisenden der Vogelsberg schon lange kein unbekannter Ort mehr ist.

Jede Menge Buschtaxis und Eindrücke in der Bildergalerie

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