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Nach sechs Wochen Ferien hat der Unterricht wieder begonnen – so freuen sich junge Referendare und Referendarinnen über den SchulbeginnWieder zurück in der Schule

ALSFELD (ls). Heute steht die Einschulung der Erstklässler an. Ein aufregendes Ereignis für Kinder sowie Eltern. Bunte Schultüten, gefüllt mit allerhand Süßigkeiten, Schulranzen fast so groß wie die Kleinen selbst und eine Menge aufgeregter Kinder. In etwa so verläuft der erste Schultag der meisten Kinder. Doch sie sind nicht die einzigen die aufgeregt sind.

Auch für einige junge Lehrer oder angehende Lehrer im Referendariat ist der erste Schultag nach den ersten Sommerferien ein ganz besonders aufregender Tag. Nach sechs langen Wochen Sommerferien, in denen es weder Hausaufgaben, Schulklingeln oder Klassenarbeiten gab, zieht der Alltag wieder in die Klassenräume der Vogelsberger Schulen ein.

Für viele junge Referendare ist es die erste Einschulung aus einer anderen Perspektive – auch ein aufregendes Erlebnis, hinter dem allerdings mehr steht als lediglich einen Schulranzen, Stifte und Hefte zu kaufen. Was sie von diesem Schuljahr erwarten, was sie in den Ferien gemacht haben und worauf sie sich am meisten freuen, erzählen sie hier bei Oberhessen-Live.

Jana P., 25 Jahre alt, Referendarin an einer Grundschule

„Wenn ich an meine Einschulung damals zurückdenke – das ist jetzt schon 18 Jahre her – dann erinnere ich mich hauptsächlich daran wie aufgeregt ich war und wie stolz ich auf meine Schultüte war. Ich konnte es kaum abwarten die endlich auf zu machen. Das war irgendwie wie Geburtstag – ein ganz besonderer Tag. Heute sehe ich die Einschuldung irgendwie mit anderen Augen. Klar, ich stehe auf der anderen Seite und bin nicht mehr das kleine unbedarfte Kind mit der großen bunten Schultüte, sondern ich bin die Lehrerin – oder zumindest fast.

Ich bin schon ein bisschen nervös, nicht wegen der Einschulung an sich, da gibt es ja nicht so viel für mich zu tun, aber einfach, weil es für die Kinder ein ganz besonderer Tag ist. Außerdem ist es ein ganz anderes Gefühl wieder zurück an der Schule zu sein, dass kann man ganz schlecht beschreiben. Schon eine Woche bevor offiziell die Schule wieder anfängt, gibt es viel zu tun. Es finden Konferenzen statt, man muss den Stoff aufarbeiten und und und. Ob ich eine 1. Klasse zugewiesen bekomme weiß ich jetzt allerdings noch nicht genau, ich würde mich zumindest freuen. Angst habe ich nicht, warum auch? Das ist mein Traumjob und ich freu mich darauf. Trotzdem bin ich etwas nervös, das gehört einfach dazu. Man möchte alles richtig machen und wünscht sich natürlich mit den Kindern gut klar zu kommen. Für die ist dieser Tag natürlich etwas ganz Besonderes und da freue ich mich drauf die strahlenden Augen der Kleinen zu sehen.“

Ina G., 27 Jahre alt, Referendarin an einer gymnasialen Unterstufe

„Zum ersten Mal hatte ich in diesem Jahr richtige Ferien – vorher saß ich in den Ferien fast täglich am Schreibtisch. Die Sommerferien sind die einzigen richtig erholsamen Ferien, in denen man schon mal fünf Wochen frei hat. Die letzte Woche verbringt man dann aber doch am Schreibtisch, bereitet schon mal ein bisschen was vor, hat die ersten Konferenzen an der Schule und eventuell sogar noch Nachprüfungen einiger Schüler oder Schülerinnen. In diesem Jahr aber habe ich das schlechte Wetter oft ausgenutzt und gearbeitet. Ich bin noch Referendarin und habe bald meine Examen. Deshalb fiel die Erholungsphase relativ kurz aus – leider.

Eingeschult werden bei uns ja die neuen Fünftklässler – darauf freue ich mich sehr und bin meist in meiner ersten Stunde vor der neuen Klasse aufgeregter als die Kinder selbst. Nervös oder ängstlich bin ich trotzdem nicht und wenn, dann nicht aufgrund der anderen Lehrer oder der Kinder. Ich selbst mache mich eher nervös: schaffe ich das geplante Pensum? Wie wirke ich auf die Schüler? Schaffe ich es den Unterricht effektiv zu halten? Das macht mich eher nervös. Man muss eine Klasse immer erst einmal kennen lernen, um auch die einzelnen Stunden für die Schüler passend gestalten zu können. Naja, zugegeben ein bisschen Angst habe ich schon davor, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden oder tatsächlich in einer sehr chaotischen Klasse zu landen, mit der ich, aufgrund meiner bisher fehlenden Erfahrung, vielleicht Probleme haben könnte.

In diesem Jahr werde ich wohl keine 5. Klasse unterrichten, das ist sehr schade, weil ich das sehr spannend finde. Die Gefühle der Schüler sind oft gemischt an diesem Tag. Viele freuen sich, dass sie endlich wieder ihre Freunde sehen nach der langen Pause, andere sind wieder ängstlich. Sie kennen die neuen Lehrer nicht und befürchten, dass sie streng sein könnten oder ähnliches. Da gibt es eine gute Mischung aus fast allen Gefühlen. Wenn ich mich da an meine Einschulung zurück erinnere, dann weiß ich beispielsweise, dass ich sehr hungrig war und vor Nervosität die riesige Willkommens-Brezel noch vor dem Bild fast vollkommen aufgegessen hatte.“

Marco S., 26 Jahre alt, Referendar an einer Grundschule

„Für mich war es sehr viel Arbeit, die ich in den Ferien auch nicht liegen lassen konnte, denn je nachdem was du für ein Pensum bekommst, musst du das in den Ferien planen. Das kann im Alltag schon mal stressig werden. Auch als Referendar gibt es einiges zu tun, wir laufen auf das Staatsexam zu und irgendwie gab es da nicht wirklich Ferien. Meistens ist es ja so, dass man als Lehrer schon in der letzten Ferienwoche wieder in der Schule sein muss für Konferenzen und Planungen. Ob ich mich auf die Einschulung so wirklich freue ist schwer zu sagen. Vor mir liegt noch eine Menge Arbeit durch das Referendariat und das ist momentan alles sehr stressig.

Auch aufgeregt bin ich nicht. Aber prinzipiell ist man als Lehrer schon gespannt darauf wie die neuen Schüler sind. Man muss halt ganz klar unterscheiden, dass es ein Beruf ist und deshalb bin ich nicht aufgeregt. Klar für die Kinder ist da natürlich aufregend und teilweise vielleicht sogar ein bisschen ängstlich, aber das kann man schlecht pauschalisieren. Jeder tickt einfach anders. Das gehört dazu. Die ganz Kleinen bekomme ich aber in diesem Jahr nicht, sondern die etwas größeren – von daher bekomme ich von der Aufregung nicht ganz so viel mit, das ist dann auch für mich weniger spannend.“

 

Mit gemischten Gefühlen sind die jungen Referendare wieder an die Arbeit gegangen – der Schulanfang stellt ein besonderes Ereignis dar, an dem man viele neue kleine und etwas größere Persönlichkeiten kennen lernt. Ganz egal ob in die Grundschule oder in die 5. Klasse des Gymnasiums: Die Einschulung ist sowohl für Schüler, als auch für Lehrer ein aufregender Tag.

*Anmerkung der Redaktion: Alle Namen, Altersangaben und sonstige persönliche Angaben wurden auf Wunsch der Befragten abgeändert.