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Klosterspieltage: Nach Vorwürfen gegen den Bürgermeister steht die SPD selbst in der Kritik – Ein kommentierender Bericht: die große Vereinfachung und VerquickungKein Beifall für „Parteipolitik und Populismus“

ALSFELD. Die Klosterspieltage finden nicht mehr statt, weil erstens die Förderung ausgelaufen ist, und zweitens Johanna Mildner ihren Rücktritt als Regisseurin erklärt hatte – auch, weil die Zuschauerzahlen im zweiten Jahr zurück gegangen waren. Wer einmal dabei war, bedauert die Entwicklung. Für Alsfelds SPD scheint das Ende aber auch prima Anlass für Zoff zu sein: Man kritisiert Bürgermeister Stephan Paule, weil der die Theatertage habe unmotiviert fallen lassen. Stattdessen würde Paule lieber Geld „an einen Unternehmer zahlen, um die Einkaufsstadt Alsfeld im Internet zu bewerben“. Gemeint ist „Erlebnis Alsfeld“. Aber nun steht die SPD selbst in der Kritik.

 Die SPD betreibe mit den Klosterspieltagen Parteipolitik und Populismus, sind zwei Vorwürfe, die aus berufenem Munde kommen: von Beteiligten der Klosterspieltage sowie von dem indirekt kritisierten Projekt „Erlebnis Alsfeld“. Heißt konkret: In einer gemeinsamen Presseerklärung weisen Johanna Mildner selbst und Bürgermeister Paule die Kritik zurück, und zugleich meldet sich der Verkehrsvereinsvorsitzende Hartmut Koch zu Wort, wirft der SPD haltlose „Tatsachenverdrehung“ vor (siehe weiter unten).

In der Tat kommen bei der Lektüre einer SPD-Presseerklärung, in der Swen Bastian als SPD-Fraktionsvorsitzender und der Vorsitzende der Alsfelder SPD, Florian Sauermann, die Vorwürfe formulieren, schon spontan einige Fragen auf, die an der hehren Motivation zweifeln lassen. Die erste: Die SPD hat zusammen mit der ALA die Mehrheit im Parlament. Was hindert sie daran, einen Antrag auf Förderung der Klosterspieltage zu stellen – und ihn dann auch gleich durchzusetzen? Warum haben die Genossen das nicht schon längst getan? Dass es keine Förderung mehr geben würde, war längst bekannt

Interessant ist dabei der Status, den die SPD aktuell für die Klosterspieltage entdeckt hat: „Die vielbeachteten Klosterspieltage“ waren es demnach, die man „durchaus als Werbeschild nach innen und außen ansehen“ könne. Wären die Theateraufführungen so viel beachtet gewesen, wie hier anklingt, würde Johanna Mildner wahrscheinlich weiter machen. Dass im zweiten Jahr vor allem leere Stühle im Klostergarten glänzten, war das Hauptproblem – finanziell und für die Motivation. Die Spieltage waren ganz sicher eine kulturelle Bereicherung für die Stadt – aber mit insgesamt nicht mehr als tausend Besuchern über jeden Sommer auf keinen Fall ein „Werbeschild nach innen und außen“, wie es vollmundig weiter heißt.  Aber wo ein Wille zum Angriff ist, ist halt jede Übertreibung Recht.

Die Attacke gegen den Bürgermeister hat aber eine spannende, weitere Facette: Mit der neu entdeckten Kulturliebe könnte die SPD kraft Koalitionsmehrheit jedes Theater-Projekt anschieben. Da wird es noch interessant werden, wie die Genossen sich zu der angedachten Neuauflage der Marktspiele stellen. Die waren tatsächlich von Tausenden Besuchern viel beachtet worden – und hatten weit über die Region hinaus für Alsfeld geworben. Das Problem: Hauptinitiator der Marktspiel-Wiederbelebung ist der frisch gescholtene Bürgermeister Paule. Was macht die SPD? Eine E-Mail-Anfrage von Oberhessen-live zum Marktspiel blieb bislang unbeantwortet.

Stammtisch-Manieren beim Vergleich mit Erlebnis Alsfeld

Ganz weit hergeholt erscheint der Vergleich mit dem Projekt „Erlebnis Alsfeld“. Da werfen die beiden SPD-Aktivisten zunächst einmal locker alles zusammen: Kulturförderung und Wirtschaftsförderung – oder besser: Kultur versus Wirtschaft, denn das eine leide ja wohl unter dem anderen. Verdiener wäre nur ein Unternehmer, an den Paule „gerne Geld zahlen“ und so ein privates Internetportal unterstützen würde. An der Stelle verdienen die Kritiker die goldene Stammtisch-Himbeere für Vereinfachung und Verquickung.

Zunächst einmal heißt es seitens der SPD selbst ja schon „würde“. Heißt: Es gibt gar keine Förderung von Erlebnis Alsfeld durch die Stadt! Was tatsächlich passieren könnte, ist, dass Alsfeld mit Erlebnis Alsfeld ein Kundschaftsverhältnis eingeht. Die Stadt wirbt über die Internet-Kanäle von Erlebnis Alsfeld in bestimmten Bereichen für ihr Angebot, etwa für das TCA oder die Bäder – so wie Firmen auch, so wie die Stadt es bereits seit vielen Jahren in gängigen Zeitungen tut. Mehr nicht. Und dabei geht es um Summen von ein paar Hundert Euro, nicht um jenen fünfstelligen Betrag, den die Klosterspieltage als Zuschuss vom Bund bekamen und den nun Alsfeld aufbringen müsste. Da werden nicht nur Äpfel mit Birnen, sondern auch Lastwagen mit Gartenschaufeln verglichen.

Oder um es anders zu sagen: Der SPD geht es in diesem Beitrag augenscheinlich weniger  um die von ihr auch nie besonders beachteten Klosterspieltage, sondern um nichts anderes als sinnfreie Parteipolitik à la Berliner Reichstag. Falsch ist immer, was die Gegenseite tut. Auf dem Duz-Niveau kommunaler Politik hat solche unproduktive Lager-Denke aber meines Erachtens nichts verloren.

Ein Randgeschehen setzt das SPD-Gebaren übrigens noch in ein schräges Licht: Auf der SPD-Facebook-Seite hat sich eine Diskussion entwickelt zu dem Thema, in der aber offenbar kritische Töne nicht erwünscht sind. Die Kommentare und kritischen Nachfragen von Achim Spychalski-Merle, Geschäftsführer der PF Schweißtechnologie GmbH in Alsfeld, wer denn eigentlich hinter den SPD-Kommentaren steckt, wurden kurzerhand gelöscht. Das klingt nicht nach demokratischem Diskussionswillen, und das hatte die Alsfelder SPD in der Vergangenheit nicht nötig!

OL-Diskussion-1405

Dieser Screenshot beweist im Vergleich mit den noch vorhanden Kommentaren: Da wurde Kritisches gelöscht.

Axel Pries

„Parteipolitische Auseinandersetzung kontraproduktiv“

In einer gemeinsamen Stellungnahme weisen Bürgermeister Paule und Johanna Mildner die Kritik der SPD zurück. „Wir hielten es für kontraproduktiv, wenn das Thema jetzt Gegenstand einer parteipolitischen Auseinandersetzung im Stadtparlament würde,“ zeigen sich Mildner und Paule in einer Presseerklärung einig. Die Klosterspieltage hätten thematisch immer eng an das Thema Zusammenleben und Integration angeknüpft. Sie eigneten sich daher nicht für politischen Streit, sondern seien schon vom Ansatz her auf Konsens ausgelegt.

Die Absage der Klosterspieltage durch die Initiatoren Johanna Mildner und Andreas Berger sei bereits im Februar endgültig gewesen. Die Finanzierungsfrage, die nun in einer Pressemitteilung der SPD Alsfeld in den Mittelpunkt des Themas gerückt werde, sei nicht der Hauptgrund für die Absage gewesen. Vielmehr habe auch der leider sehr schlechte Publikumszuspruch im Jahr 2014 zu der Entscheidung beigetragen. „Die Entscheidung war eine rein persönliche, der sich auch Andreas angeschlossen hat,“ betonte Johanna Mildner. Man habe jedoch auch deutlich gemacht, dass man durchaus offen für eine neue Saison in 2016 sei, denn man sei sich mit der Stadt einig, dass der „Hintere Klostergarten“ als Theaterbühne für Alsfeld einen enormen Reiz bieten könne.

Vielleicht sei auch ein zweijähriger, statt des bisher praktizierten jährlichen Rhythmus, zum Beispiel im Wechsel mit den Alsfelder Kulturtagen, eine geeignete Organisationsform. Die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen Johanna Mildner und der Stadt werde  weitergehen, nicht zuletzt bei der von der Stadt Alsfeld veranstalteten Theaterreihe „Wintermärchen“, die jeden Dezember auf die Alsfelder Bühne gebracht werde.

Hilflosigkeit und das „haschen“ nach Aufmerksamkeit

Harsche Kritik äußert zugleich der Vorsitzende des Verkehrsvereins Alsfeld, Hartmut Koch. Diese Vereinigung Alsfelder Geschäftsleute fördert Erlebnis Alsfeld tatsächlich als neues Medium für die Mitgliedsbetriebe, ist aber ein unabhängiger Verein. Hartmut Koch, der zugleich als CDU-Stadtverordneter aktiv ist, schreibt in einem Leserbrief:

„Keine Erfolge vorweisen zu können und sich in die ‚Meckerecke‘ zu stellen, ist das Eine – bewusst die Unwahrheit zu verbreiten, ist verantwortungslos und sollte sich schon aus der öffentlichen Verantwortung einer Partei verbieten! Die derzeitige völlige Hilflosigkeit und das „haschen“ nach Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit um jeden Preis zeigen die aktuellen Medienaktivitäten der Alsfelder SPD Fraktion zum oben genannten Thema deutlich.

Keinerlei Recherche, kein Kontakt zu den Verantwortlichen, kein Telefonat mit Frau Mildner oder Herrn Berger zu den wirklichen Gründen der Absage für das Jahr 2015 bieten die „Basis“ der völlig unrealistischen Berichterstattung der SPD in der OZ und den digitalen Medien.

Das ist der reine Populismus sind sich Insider einig! Da werden angebliche Wirtschaftsförderungen ganz unkonkret kritisiert, mit den Klosterspieltagen finanziell in einen Topf geworfen, fehlende Argumente mit der Prognose der überregionalen Tourismuskraft dieses schönen, kleinen und überschaubaren Events ersetzt, und die Öffentlichkeit wissentlich fehl informiert.

Wer mit der veröffentlichten „Tatsachenverdrehung“ Kommunalpolitik betreiben will – und die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Akteuren und der Stadt Alsfeld glaubt damit belasten zu können, irrt und verliert drastisch an Glaubwürdigkeit in der Alsfelder Bevölkerung.

Hartmut Koch
Besucher und Unterstützer der Klosterspieltage“

5 Gedanken zu “Kein Beifall für „Parteipolitik und Populismus“

  1. Wo waren die kritischen SPD-Stimmen als, unter Bürgermeister Diestelmann, das ausgesprochen erfolgreiche Objekt „Theater Regional“ plötzlich eingstellt wurde? Damals fehlten angeblich 5000.– € pro Jahr. Und wo waren die kritischen Stimmen als unter Bürgermeister Becker die Marktspiele das Zeitliche segneten. Vielleicht liegt das daran, dass unter einem SPD-Bürgermeister das Bewußtsein der Genossen für wegfallende kulturelle Veranstaltungen nicht so wichtig ist?

  2. Politisch motivierte Kritik kann man getrost in die Tonne kloppen. Die Klosterspieltage waren Ergebnis unglaublicher Anstrengungen und Einsatzwillen, etwas für Alsfeld und vor allen Dingen für die Region zu tun; was mich zur Forderung drängt, die Gemeinden rundum in einem gemeinsamen Fördertopf mit einzubeziehen, zu bitten, einen Kulturfond „Klosterspieltage“ aufzulegen. Im Zeichen des Wandels im sogenannten „Ländlichen Raum“ sollten die Zeiten vorbei sein, dass jede kleine Gemeinde nur ihr Wohl im Auge hat. „Zusammen stehn, zusammen gehn“ > die Spieler um Johanna Mildner und Andreas Berger haben meine Hochachtung. Ich hoffe auf eine Neuauflage, bei der Komparsen aus der politischen Schauspielertruppe sicherlich helfen könnten, wenns auch nur beim Kulissen tragen ist.

  3. Das ist doch einfach nicht zu glauben! Während anderswo Städte und sogar Bundesländer für ähnliche Initiativen zur Stärkung des Einzelhandels viel Geld ausgeben nehmen die Einzelhändler in Alsfeld das selbst in die Hand. Das ist dann der SPD nicht mal eine Normale Werbemitgliedschaft wert??? Da werden gemäß OL Bericht vierstellige Beträge in Anzeigenwerbung lokaler Printmedien gesteckt aber kein dreistelliger Betrag einmalig im Jahr für Die Bewerbung des Gesamtstandortes unter der Dachmarke Erlebnis Alsfeld. Nicht zu fassen! Wir wollen das Erlebnis Alsfeld in seiner Gesamtheit und Fülle darstellen und die städtischen Bäder sind nicht dabei?

  4. Was Hedrich, Sauermann und allen voran Bastian aus der Alsfelder SPD gemacht haben ist wirklich mehr als traurig. Inhaltslos und ohne Linie, lediglich niederer ehemaliger Klassenkampfstammtischparolen a la wir hier unten und Paule mit den bösen Unternehmern sich bedienend dümpeln die Alsfelder Genossen vor sich hin. Dabei immer wegelagernd wartend auf irgendeine Nachricht aus dem Rathaus die man dann versucht ohne jegliche eigene Idee, Nachforschung oder gar Überprüfung auf Sinnhaftigkeit kübelweise Dank gesponserten Facebooknachrichten (ja die Genossen geben Zuckerberg Geld anstatt den Bedürftigen) Dreck aus zu schütten. Koste es was es wolle ohne Rücksicht auf Wirkung und vor allen Dingen Wahrheit. Arm! Naja wer sogar eine Bürgermeister Wahl in Alsfeld als SPD verliert, dem brennt beim Wasserkochen auch das Wasser an.

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