Gesellschaft5

Kabinettsausschuss Demografie tagte in AlsfeldAlsfeld als Beispiel für gelungene Demografiepolitik

ALSFELD (ol). In der vergangenen Woche tagte der Kabinettsausschuss Demografie in Alsfeld – ganz bewusst, wie Staatsminister Axel Wintermeyer erklärte. Die Stadt ist nämlich ein hervorragendes Beispiel für eine aktive Demografiepolitik.

Der Kabinettsausschuss Demografie tagte am Freitag unter Vorsitz des Chefs der Staatskanzlei Staatsminister, Axel Wintermeyer, in Alsfeld öffentlich. „Wir sind ganz bewusst hier in Alsfeld. Denn die Stadt steht, wie ganz viele andere Städte und Kreise, vor der Herausforderung, den demografischen Wandel gestalten zu müssen“, erklärte Wintermeyer.

Foto: tsz

Die Hessische Landesregierung kümmere sich seit vielen Jahren intensiv um dieses Thema – und zwar vernetzt. Wenn man heute die ländlichen Räume in den Blick nehme, dann seien daran inhaltlich alle Ministerien und die Staatskanzlei beteiligt. Hessen sei bundesweit eines der führenden Länder bei der Gestaltung des demografischen Wandels und unterstütze die Regionen in vielfältiger Weise – auch Alsfeld profitiert von den Maßnahmen wie denen zur Verlagerung von Arbeitsplätzen in den ländlichen Raum.

Der Minister betonte, dass Alsfeld ein „hervorragendes Beispiel“ für eine „aktive Demografiepolitik“ des Landes sei. „Wenn ein Standort attraktiv bleiben soll, hängt dies immer auch von existierenden Arbeitsplätzen vor Ort ab. So wird die Lehrkräfteakademie, die bisher in Frankfurt, Wiesbaden, Gießen und Kassel untergebracht ist, auf Initiative der Landesregierung vollständig an den beiden neuen Zentralstandorten Alsfeld und Gießen konzentriert werden“, stelle Wintermeyer klar.

Der Vogelsberg und das Finanzamt Alsfeld-Lauterbach seien außerdem die größten Gewinner der Reform der Steuerverwaltung. Unter dem Strich aller Reformschritte werde das Finanzministerium zusätzlich über 100 heimatnahe Arbeitsplätze anbieten. Alsfeld sei einer der Gewinner bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen der Landesverwaltung in den ländlichen Raum.

Ländlichen Raum für junge Menschen attraktiv halten

Im Fokus des Kabinettsausschusses stand weiterhin, was man der Abwanderung junger Menschen in die Ballungsräume entgegenhalten und wie man die ländlichen Regionen für Jung und Alt attraktiv gestalten kann. Mit dem Aktionsplan „Starkes Land – gutes Leben“ bündelt die Landesregierung hierzu eine Vielzahl von Maßnahmen. Der weitere Breitbandausbau und eine voranschreitende Digitalisierung als Brücke zwischen Ballungsgebieten und dem Land als Standortfaktor waren ein weiterer Themenschwerpunkt.

So könne zunehmend von zu Hause gearbeitet werden, was an einigen Tagen lange Wege spart und für viele Menschen ein Argument ist, in der Heimat zu verbleiben. Auch die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen spielt eine gewichtige Rolle, die die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten oder Behördengebäuden ermöglicht und so z.B. Fahrtwege spart.

Darüber hinaus gilt es, das Vereinsleben hessenweit attraktiv zu gestalten. „Besonders im ländlichen Raum muss alles getan werden, um ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen. Vereine beleben das Dorfleben, schaffen Erlebnisse und bieten Treffpunkte, die Gemeinschaft stiften“, sagte Wintermeyer. „Deshalb fördern wir die Digitalisierung der Vereine in diesem Jahr mit rund zwei Millionen Euro. So können diese moderner arbeiten.“

Im Rahmen des Aktionsplanes „Starkes Land – gutes Leben“ richte die Landesregierung auch einen besonderen Blick auf die Jugendbeteiligung. Mit dem Hessischen Demografie-Preis zeichnet sie vorbildliche Projekte in Hessen aus und sie fördert Koordinierungszentren für das bürgerschaftliche Engagement, seit 2022 übrigens auch im Vogelsbergkreis. Zudem wird das Land unterstützen, wenn es darum geht, mehr kulturelle Veranstaltungen im ländlichen Raum anzubieten.

Rundgang durch die Stadt

„Wir haben uns heute von der Frage leiten lassen, was zu tun ist, um Orte jenseits der großen Zentren zu stärken und zur Heimat zu machen. Wenn Familien hier eine gute Infrastruktur vorfinden, kann es hochattraktiv sein, mehr Wohnraum für weniger Geld anzumieten oder zu kaufen und womöglich mit einer guten digitalen Infrastruktur die weite Anfahrt zur Arbeit nicht jeden Tag machen zu müssen“, erklärte der Staatssekretär. Er dankte an dieser Stelle auch allen Ehrenamtlichen, die in diesen Regionen oft maßgeblich daran beteiligt seien, vielfältige Angebote für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten.

Bei einem Rundgang durch die Stadt erläuterte Bürgermeister Stephan Paule im Anschluss an die Sitzung die Ansätze zur Steigerung der Attraktivität des Zentrums und der Altstadtsanierung. Das Land hat die Innenstadtbelebung Alsfelds alleine von 2016 bis 2021 mit über sieben Millionen Euro gefördert. „Ich danke Herrn Bürgermeister Paule für sein Engagement. Städte und Kommunen sind hessenweit wichtige Partner und Akteure bei der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse, so dass es sich überall gut und gerne leben lässt“, erklärte der Demografiebeauftragte abschließend.

5 Gedanken zu “Alsfeld als Beispiel für gelungene Demografiepolitik

  1. „Das Land hat die Innenstadtbelebung Alsfelds alleine von 2016 bis 2021 mit über sieben Millionen Euro gefördert.“
    Ich förder mir die Welt – Axelschnaxelmax – wie sie mir gefällt. Pipi Förderstrumpf vom Kabinettsausschuss Demokratie und seine Entourage liefern mal wieder ein demografisches Kabinettsstückchen. Nur irgendwie bleibt unerfindlich, welche Förderknete im Rahmen welcher Maßnahme wirklich was gebracht hat. Wo sind sie denn ganz konkret, die „hervorragenden Beispiele für aktive Demografiepolitik des Landes“?
    Allenthalben Gemeinplätze: „Städte und Kommunen sind hessenweit wichtige Partner und Akteure bei der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse, so dass es sich überall gut und gerne leben lässt.“
    Sind denn in Hessen und insbesondere in Alsfeld gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land schon hergestellt? Oder leben wieder nur die hier „gut und gerne“, die beispielsweise zu den Privilegierten des öffentlichen Dienstes gehören, der es sich wohl überall im Land gerne gut gehen lässt? Aber wenn Alsfeld „wie ganz viele andere Städte und Kreise, VOR der Herausforderung steht, den demografischen Wandel gestalten zu müssen“, scheint es damit ja nicht all zu weit her zu sein. Den immer gleichen „Leitfragen“ zu den sattsam bekannten Demografieproblemen folgen mal wieder die ebenfalls schon seit vielen Jahren bekannten Rezepte: „Wir haben uns heute von der Frage leiten lassen, was zu tun ist, um Orte jenseits der großen Zentren zu stärken und zur Heimat zu machen.“
    Na, und was? „Wenn Familien hier eine gute Infrastruktur vorfinden, kann es hochattraktiv sein, mehr Wohnraum für weniger Geld anzumieten oder zu kaufen und womöglich mit einer guten digitalen Infrastruktur die weite Anfahrt zur Arbeit nicht jeden Tag machen zu müssen“, erklärte der Staatssekretär.
    Wenn, wenn, wenn… Wenn hier in Alsfeld die Infastruktur gut ist, ist sie es aber schon im Nachbarort – wie in den allermeisten Nachbarorten – nicht mehr. Und da eben nicht alle in Alsfeld wohnen können (aber vielleicht gern würden), ist es bald Essig bei „mehr Wohnraum für weniger Geld“. Die Nachfrage treibt die Mieten und Preise. Handwerker kriegt man in Alsfeld so schwer wie anderswo. Das Baumaterial, Strom und Gas sind hier ebenso teuer wie in den Ballungsgebieten. Und wer arbeitet schon größtenteils im Homeoffice? In fünf Jahren sind die aufgezählten Vorteile vielleicht auch in Alsfeld schon wieder Geschichte.
    Bleibt mal wieder nur, „an dieser Stelle auch allen Ehrenamtlichen“ zu danken, „die in diesen Regionen oft maßgeblich daran beteiligt seien, vielfältige Angebote für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten.“ Der Wald steht schwarz und schweiget / Und aus den Wiesen steiget / der weiße Neben wunderbar…

    51
    1
    1. Korrektur: Kabinettsausschuss Demokratie = Kabinettsausschuss Demograie / Neben = NEBEL !!! Versteht ja sonst keiner.

      Und zum „Erfolg“ der Demografie im Vogelsbergkreis:
      „Wie die demografische Entwicklung in Hessen zukünftig aussehen könnte, hat das Statistische Landesamt in einer regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung ermittelt. Den Ergebnissen zufolge könnte die Bevölkerungszahl zwischen 2018 und 2040 landesweit um ein Prozent zunehmen. Ein Wachstum wird für das Rhein-Main-Gebiet und die Stadt Kassel erwartet, allen voran für die Städte Frankfurt am Main und Darmstadt mit einem Anstieg von 16 beziehungsweise 15 Prozent. Im Kontrast dazu würden die schon bisher von einem Bevölkerungsrückgang betroffenen Regionen bis 2040 weitere Einwohner verlieren. Der mit Abstand größte Verlust wird mit 23 Prozent für den Vogelsbergkreis prognostiziert. Die Kluft zwischen den wachsenden und schrumpfenden Regionen nimmt damit weiter zu.“
      Quelle: https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/bevoelkerungsentwicklung-regional-hessen.html

      12
      1
    2. Der weiße Nebel aus schwarzer Rhetorik… Wer kennt ihn nicht. Und nur wenn der Mond aufgegangen ist, können die vom Schicksal weniger Begünstigten auch in denselben schauen. Wer kann denn heute noch bauen oder die größere Wohnung mieten, die ja auch zu aktuellen Kosten beheizt werden will? Komisch: Nicht nur Gas und Strom kosten plötzlich das 5-fache, sondern auch meine guten alten Holzbriketts, letztes Jahr für 1,90 € im 10 kg-Paket, jetzt aktuell für 15,00 €!

      25
      2
  2. Die Vereine Sterben das wollen sie nicht hören aber es ist so.In den Innenstädten machen immer mehr Geschäfte zu. Und an der Digitalen Infrastrucktur zeigt sich unsere Unfähigkeit .Wir sind in einer Sackgasse, mit einem weiter so kann es nicht weiter gehen.

    61
    11

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren