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OL-KolumneWas sagt Ida zu… guten Vorsätzen?

REGION. Na, haben Sie schon ein bisschen mehr Sport gemacht oder sich überwunden, den Keller aufzuräumen? OL-Brauchtums-Kolumnistin Ida Lautenschläger wirft passend zum Jahresanfang einen Blick auf gute Vorsätze – und rät zur Gelassenheit.

„Am Baum der guten Vorsätze gibt es viele Blüten, aber wenig Früchte“

Konfuzius

 

Und jährlich grüßt das Murmeltier mit den Vorsätzen. Jedes Jahr an Neujahr werden die gleichen Ziele ins Auge gefasst: mehr Sport, gesunde Ernährung, mehr Zeit für Familie und Freunde, weniger Stress, umweltschonender Lebensstil. Die Liste ist lang. Das neue Jahr ist für viele ein Stichtag, Veränderungen endlich anzupacken.

Am 31.Dezember geht das Jahr zu Ende und über Jahrzehnte hinweg haben sich allerlei Traditionen und Bräuche etabliert, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue gebührend zu feiern. Als Alternative zum mittlerweile verbotenen Bleigießen gibt es das Wachsgießen. In manchen Teilen Deutschlands wird auch der Brauch des „Gläserwerfens“ überliefert. Um Mitternacht trinken die Hausbewohner gemeinsam aus einem Glas, das der Hausherr anschließend rückwärts über die Schulter wirft – getreu dem Motto: Scherben bringen Glück.

In Kasachstan ist die Tradition der Aussaat an Neujahr weit verbreitet. Hierbei gehen kleine Gruppen um die Häuser herum, wo sie beim Betreten des Hauses die Aussaat in Form von Roggen, Weizen oder Gerste auf die Besitzer streuen, um auf diese Weise eine reiche Ernte für das kommende Jahr zu symbolisieren.

Wenn eine Tür schließt, geht irgendwo eine andere auf. Wenn ein Song endet, beginnt im nächsten Augenblick ein neuer. Wenn ein Kapitel schließt, öffnet sich bereits ein weiteres. Und wenn ein Jahr zu Ende geht, begrüßen wir ein nächstes mit all seinen Möglichkeiten und Vorsätzen. Doch gefühlt 90 Prozent aller Vorsätze scheitern, weil zu viele Ziele auf einmal umgesetzt werden wollen. Oder wie Konfuzius es sagen würde: Es gibt viele Blüten, aber wenig Früchte.

Sich Gedanken über Vorsätze für das kommende Jahr zu machen ist gut. Viel wichtiger finde ich, sich kleinere und alltägliche Ziele zu stecken, wozu es meiner Meinung nach keinen Jahreswechsel bedarf. Das nimmt dem Ganzen den Druck. Im Grunde genommen ist jeder neuer Tag ein Neuanfang und eine Möglichkeit, seinem Ziel näher zu kommen – mit kleinen, aber kontinuierlichen Schritten. Eine Möglichkeit wäre, an einem Vorsatz pro Jahreszeit zu arbeiten. Im Russischen gibt es hierzu ein Sprichwort, das übersetzt heißt: Je langsamer du fährst, desto weiter kommst du. Im Deutschen kennt man es als „Eile mit Weile“.

Ein Grund, wieso Vorsätze zu schnell über den Haufen geworfen werden, ist die mangelnde Geduld. Die Geduld sollte man für die eigenen Ziele und Wünsche aufbringen und dem Zweifel keine Chance geben. Wenn man die Vorsätze auseinanderklamüsert, gelangt man sehr schnell zu der Erkenntnis, dass es sich lediglich um neue Gewohnheiten handelt. Und bis neue Verhaltensweisen zu Gewohnheiten werden, kann es bis zu 60 Tagen dauern. Alles im Leben passiert zum richtigen Zeitpunkt, auch wenn wir das oft nicht akzeptieren wollen und ungeduldig sind. Alles hat im Leben einen Sinn und passiert dann, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist und der Mensch dafür bereit, reif und empfänglich ist. Mein Vorsatz ist tatsächlich mehr Gedanken und Termine auf Papier festzuhalten und weniger in das digitale Viereckige zu tippen.

Mit diesem Sinnbild wünsche ich allen OL-Leserinnen und Lesern, dass Sie in ihrer Mitte und Ihrer Ruhe bleiben und darauf vertrauen, dass alles, was geschieht, seine Berechtigung hat. Ich wünsche Ihnen Gottes reichsten Segen, viel Liebe für sich und die Menschen um sich herum. Möge es ein gesegnetes, wunderbares und gutes Jahr werden, an dessen Ende wir sagen können: Gut gemacht! Bleiben Sie gesund, glücklich und geduldig.

Ida Lautenschläger, Jahrgang 1985, gebürtig aus Kasachstan, kam mit ihrer Familie als Aussiedlerdeutsche nach Deutschland und ist in Alsfeld heimisch geworden. Ihre Lieblingsbeschäftigung neben der Betreuung ihrer zwei Kinder: Steuerrecht sowie das Nachsinnen über Sprichwörter und Brauchtum.

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