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Verleihung durch Minister Braun – Erklärung zu seiner Kandidatur für den CDU-VorsitzMichael Apel mit Bundesverdienstkreuz geehrt

ALSFELD/LAUTERBACH. Michael Apel ist eine hohe Auszeichnung zuteil geworden. Für sein langjähriges Engagement in der Europa-Union und der Kommunalpolitik wurde der Lauterbacher mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zu Gast war auch Kanzleramtschef Helge Braun – der erklärte, warum er nun CDU-Chef werden will.

Wenn es etwas gibt, das Corona und alle Viren die da noch kommen wohl überleben wird, dann ist es die manchmal bierernste, manchmal aber auch zum Glück nur neckisch gemeinte Rivalität zwischen der Kreisstadt Lauterbach und der Eben-Nicht-Kreisstadt Alsfeld. Und so sorgte Michael Apel am Samstagnachmittag für einen garantierten Lacher, als er sagte, er freue sich sehr, dass wegen ihm nun so viele Lauterbacher wie wohl noch nie im Alsfelder Rathaus zusammengekommen seien.

Apel sollte an diesem Nachmittag geehrt werden, mit einer hohen Auszeichnung: Dem Bundesverdienstkreuz – genauer: der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Dass die Feierstunde für den bekannten Lauterbacher ausgerechnet in Alsfeld stattfand, hatte der seinem Parteifreund Stephan Paule zu verdanken. Der ist nämlich nicht nur Alsfelds Bürgermeister, sondern auch der Vorsitzende der überparteilichen Europa-Union Vogelsberg – und dort ist Apel ebenfalls seit Langem aktiv. „Als Vorsitzender der Europa-Union freue ich mich, dass mit Michael Apel ein seit Jahrzehnten aktiver Europäer und Kommunalpolitiker diese Ehrung erhält“, sagte Paule.

Der Lauterbacher bedankte sich, für die Ehre, die ihm zuteil wurde und bei seinen politischen Weggefährten, darunter der Lauterbacher Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller und Stadtrat Lothar Pietsch.

Apel ist seit 1978 in der CDU und ein bekanntes Gesicht der Lauterbacher Stadtpolitik. Überreicht bekam er die Verdienstmedaille für sein Engagement von einem Bundesminister. Und wer hätte da besser gepasst als Helge Braun, Abgeordneter des Gießener Wahlkreises und damit zumindest für Alsfeld und andere Teile des Vogelsbergs zuständig, ebenfalls CDU-Mitglied, noch geschäftsführender Kanzleramtsminister und seit Kurzem auch offiziell Kandidat für den Bundesvorsitz der CDU.

Der Geehrte: Michael Apel. Foto: ol

Da blieb es nicht aus, dass Braun nicht nur Apel die Auszeichnung überreichte und ihn für dessen Dienste dankte, sondern im Gespräch mit der Presse auch etwas über seine eigenen Ambitionen für den Parteivorsitz – und die Corona-Bekämpfung der noch am Ruder verharrenden Regierung – sagte.

Der Griff Brauns nach dem Parteivorsitz kam für viele überraschend. Braun sagte, er habe bei der Kreisvorsitzenden-Konferenz der CDU vor Kurzem den Eindruck erhalten, dass es gut wäre eine Kandidatur für die Mitgliederbefragung zu haben, die einen „sehr starken“ Schwerpunkt auf die Themen „kooperativer Führungsstil, auch organisatorische Erneuerung der Partei und natürlich auch die Inhalte“ lege.

Auf die Frage, wie er für Erneuerung stehen wolle, wenn er doch als Kanzleramtsminister mit der Politik Angela Merkels in Verbindung gebracht werde, sagte Braun, er habe sich auch schon während seiner Regierungszeit für Zukunftsthemen eingesetzt und sich beispielsweise damit beschäftigt, was man gegen den Klimawandel tun könne. Daher glaube er, dass er sowohl inhaltlich, als auch was die Digitalisierung angeht, viel zur Erneuerung der CDU beitragen könne.

Zu seiner Vorstellung der Ausrichtung der Partei sagte Braun: „Die CDU muss immer die Partei der Mitte sein, aber sie muss einen persönlichen Arbeitsstil haben der ganz breite Differenzierungen zulässt.“ Ein Vorsitzender müsse deswegen gut integrieren können. Es sei falsch, bei der Partei von Lagern zu sprechen. Deswegen bauche man auch ein breit aufgestelltes Führungsteam. In der CDU suche man die Gegner nicht in den eigenen Reihen.

Die CDU ist in einer sehr, sehr schweren SituationHelge Braun

Ein parteiinterner Kritiker sagte über Brauns Kandidatur und als Anspielung auf seinen eigentlichen Beruf in der Presse, ein Narkosearzt sei das Letzte, was die CDU nun brauche. Die Süddeutsche Zeitung schrieb über Braun als Notarzt für die Partei. Gefragt, welcher Arzt er für die CDU denn nun sein wolle sagte Braun, dass ihn sein Beruf schon ein stückweit präge. „Diese Begeisterung, die ich habe, auch in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen“, nannte er als Beispiel. Man dürfe nicht drum herum reden: „Die CDU ist in einer sehr, sehr schweren Situation.“ Es gelte, angesichts der vier Landtagswahlen im kommenden Jahr die Partei schnell wieder fit zu machen. Die Kompetenzen aus der Intensiv- und Notfallmedizin seien bestimmt gut geeignet für diese Aufgabe.

Braun wurde auch gefragt, wie er die Unterstützung der Vogelsberger CDU bislang wahrnehme. Dabei ging er darauf ein, dass die heimischen Parteifreunde bei der letzten Suche der CDU nach einem neuen Chef Friedrich Merz wollten. Damals, so Braun, sei er aber nicht angetreten. „Ich habe aus der Vogelsberger CDU sehr, sehr viel Unterstützung erfahren“, schob er nach. Dies habe ihn sehr gefreut. Aus Respekt vor der Mitgliederbefragung solle es keine formalen Beschlüsse der Ortsgremien wie dem Kreisverband geben. Die Mitglieder sollten ein freies Mandat haben, so Braun.

Dies bestätigte auch später der Vogelsberger CDU-Chef Jens Mischak gegenüber OL und sagte: „Von einer Entscheidung des Kreisverbandes werden wir absehen, aber Helge Braun hat meine persönliche Unterstützung für seine Kandidatur.“ Einige Tage zuvor hatte Mischak bereits gesagt: „Jeder weiß, dass Helge Braun über sehr viele Sympathien im Vogelsbergkreis verfügt. Auch ich halte Helge Braun für einen ausgesprochenen sachlichen, fairen und um Ausgleich bemühten Menschen. Zu begrüßen ist auch, dass wir nicht mehr nur über Kandidaten aus NRW sprechen.“

Braun bei seiner Ansprache. Foto: ol

Bei dem Termin in Alsfeld sprach Braun in seiner Funktion als noch geschäftsführender Kanzleramtsminister auch über die Bekämpfung von Corona. Dort, wo es sehr hohe Inzidenzen zum Beispiel über 1000 gebe, müssten auch wieder Kontakte reduziert werden – vor allem für Ungeimpfte, aber auch für Menschen, deren Impfung schon länger zurück liegt. Die Maßnahmen der geplanten Ampel-Koalition reichten nicht aus, so Braun. Das Auslaufen der epidemischen Lage nationaler Tragweite sei eigentlich nicht zu erklären angesichts dieses „enormen Infektionsgeschehens“, welches das höchste bislang in der Pandemie sei. Durch das Nicht-Verlängern dieser Lage fällt die Rechtsgrundlage für viele Corona-Maßnahmen weg.

Die Ampel müsse nachbessern und es zumindest hart getroffenen Kommunen ermöglichen, weiterhin mit entsprechenden Maßnahmen auf die hohen Fallzahlen reagieren zu können, so Braun. Generelle Lockdowns seien immer der aller, aller letzte Schritt. Mit einer 2G-Plus-Regelung, also Einlass nur für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich auch noch getestet seien, könne jedoch eine so hohe Sicherheit hergestellt werden, dass ein genereller Lockdown in vielen Fällen sehr, sehr gut vermieden werden könne.

Um dauerhaft gut mit Corona durch den Winter zu kommen sei noch mehr Impfen wichtig. Damit seien auch Auffrischungsimpfungen gemeint.

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