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Freie Wähler zu Besuch beim Bio Geflügelhof Scharmann in Bobenhausen IIEinblicke, wie ein Bio-Geflügelhof im Vogelsberg aussehen kann

BOBENHAUSEN (ol). Wie stellt man sich ein BIO-Geflügelhof im Vogelsberg vor? Was machen die da anders als auf einem „normalen“ Hof? Sollte man die Option, als Landwirt auf BIO umzustellen, als Chance für die Zukunft begreifen? Nachdem diese und andere Fragen in einer der jüngsten Fraktionssitzungen der Freien Wähler andiskutiert wurden und letztlich die ein oder andere Frage offen blieb, war man sich einig, einen Blick auf die Praxis zu werfen – gesagt, getan.

In der Pressemitteilung heißt es, Jens Scharmann von der Scharmann GbR aus Bobenhausen II erklärte sich bereit, seine Stallungen und Aufzuchtanlagen vorzustellen und den Kreistagsmitgliedern der Freien Wähler Rede und Antwort zu stehen. Seit 2018 betreibt er gemeinsam mit seinen Brüdern Steffen und Sascha eine Bio-Geflügelzucht auf dem Gelände eines ehemaligen traditionellen Milchviehbetrieb in Ulrichstein-Bobenhausen II. So aus der Pressemitteilung der Freien Wähler.

In einem konventionell betriebenen Geflügelmastbetrieb werden nicht selten bis zu 30.000 Tiere in einer Stallung gehalten. Auf dem Biohof Scharmann reduziert sich die Zahl der Tiere auf maximal 4.800 pro Stall. Die Tiere werden als Ein-Tages-Küken bei 37 Grad Raumtemperatur eingestallt und bei täglich reduzierter Temperatur über vier Wochen an eine Wohlfühltemperatur von etwa 23 Grad gewöhnt.

Anschließend wechselt die Räumlichkeit. Der Stall wird größer und bietet den nun auch befiederten Tieren die Option auf ein 20 000 qm großes Wiesen- und Freigelände zu wechseln. Die Fütterung der Tiere ist automatisiert und muss, so die gesetzliche Vorgabe, zu mindestens 50 Prozent aus selbst erzeugtem BIO-Futter bestehen.

Scharmann: Mit Leib und Seele Landwirt

Die Scharmanns haben sich bewusst für eine langsam wachsende Rasse und gegen eine konventionelle 5-wöchige Turboaufzucht entschieden, um ein besseres Tierwohl und höhere Fleischqualität zu garantieren. Weitere sechs Wochen wachsen die Tiere, bis sie ihr Schlachtgewicht von 2,3 kg erreicht haben. Danach werden die Tiere bei Ruhe und Dunkelheit eingesammelt und zu einem spezialisierten Schlachtbetrieb verbracht. Von dort erfolgt die Auslieferung an eine auf dem Markt erfolgreiche BIO-Kette.

Jens Scharmann ist sehr zufrieden mit den Bedingungen und den Ertragsaussichten seines „Gewerbes“. Schmunzelnd erklärt er abschließend: „Ich bin mit Leib und Seele Landwirt und für mich kommt nur Bio in Frage. Den Tieren geht es gut bei uns und wir haben ein ordentliches Auskommen.“

Die Mitglieder der Kreistagsfraktion der Freien Wähler wurden die eingangs erwähnten Fragen beantwortet. „Wir haben einen zunächst ‚optisch normalen‘ Bauernhof vorgefunden. Die modernisierten Stallungen erfüllen die gesetzlichen Vorgaben und die Tiere wirken entspannt und zufrieden. Statt Turbomast und Gestank finden wir freilaufende Küken und Hühner vor, die aggressionsfrei heranwachsen können“, freut sich Christel Hensel aus Freiensteinau, die über langjährige Erfahrung in der Fleischverarbeitung verfügt.

Auch der wirtschaftliche Aspekt stimme: Die Scharmanns haben bei Kauf und der Modernisierung des Hofes auf EU-Gelder zurückgreifen können und erzielen beim Verkauf in etwa den doppelten Ertrag pro Tier als ein konventioneller Mastbetrieb. Außerdem boome die Nachfrage nach BIO-Geflügel.

Treffen mit FW Ulrichstein

Lars Wicke, Fraktionsvorsitzender im Kreistag, bedankte sich für den interessanten Exkurs und machte abschließend deutlich, dass sich der Wandel in der Vogelsberger Landwirtschaft weiter fortsetzen wird. Naturschutz und Erhaltung der Landschaft kann nur im Einklang mit einem wirtschaftlichen Auskommen der Handelnden erreicht werden. Hierzu müssen Brüssel, Berlin und Wiesbaden gangbare Wege aufzeichnen.

Nach der Information in Bobenhausen II trafen sich die Mitglieder der Kreistagsfraktion noch mit den Mandatsträgern in Ulrichstein. Frank Schäfer, Fraktionsvorsitzender der FW Ulrichstein, begrüßte seine Kollegen aus dem gesamten Kreisgebiet und freute sich über den direkten Austausch. Nach einer Vorstellungsrunde wurden verschiedene politische Kernpunkte thematisiert und weiterer fortlaufender Austausch besprochen.

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