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Kolumne von Manfred Schnell, Geschäftsführer der Aurum Vermögensmanagement GmbHBeginn eines Rohstoffsuperzyklus?

ALSFELD. Langsam wird es für jeden sichtbar, dass sich die Inflation in unser Leben schleicht. Bei den Lebensmitteln in den Supermärkten, bei den Baustoffen für die Häuslebauer oder an der Tankstelle sehen wir steigende Preise. Was ist die Ursache für diese Veränderungen? Darüber macht sich Manfred Schnell, Geschäftsführer der Aurum Vermögensmanagement GmbH in der Juli-Kolumne Gedanken. Die Kolumne im Wortlaut.

In der Vergangenheit zeigten die langjährigen Wirtschaftszyklen regelmäßig Auf- und Abschwünge. Seit der letzten Finanzkrise 2008 scheint es diese wirtschaftlichen Wellenbewegungen nicht mehr zu geben. Es wurde einfach keine Rezession mehr zugelassen. Jeder sich abzeichnende Abschwung wurde mit viel frischem Geld zugeschüttet. Dazu haben die Notenbanken die Spielregeln geändert. Die Zinsen wurden künstlich niedrig gehalten. Das führte zu einer höheren Verschuldung von Staaten und Unternehmen. Diese Gelder werden in unterschiedliche Aktivitäten gelenkt.

In Firmenrettungen, die durch die Coronakrise in Schieflage geraten sind, Kurzarbeitergelder, Staatenrettungen und massive Unterstützung des Gesundheitswesens. Um die Wirtschaft anzukurbeln, werden Stimulierungsprogramme auf den Weg gebracht. Die USA wollen 1,9 Billionen US-Dollar in Infrastruktur stecken oder auch Gelder direkt an Bürger verschenken. Die Chinesen arbeiten weiter an der Seidenstraße. Bei all den Projekten werden enorme Mengen an Rohstoffen gebraucht. Rohstoffe lassen sich nicht so einfach erschaffen wie Geld.

Es wird immer aufwändiger, die benötigten Rohstoffe zu fördern. Hierzu geht die Suche oft in immer entferntere Gegenden der Erde und der Aufwand wird höher. Die Gewinnung von Rohstoffen braucht auch eine längere Vorlaufzeit und kann nicht auf kurzfristige Entscheidungen der Politik reagieren.

Geld dient als Brandbeschleuniger

Es hat sich eine weltweite Geldschwemme ausgebreitet. Das von den Notenbanken zur Bewältigung der Lockdown-Folgen in Umlauf gebrachte Geld wird über kurz oder lang das allgemeine Preisniveau erhöhen. Das nun herumvagabundierende Geld hat auch die Eigenschaft, nicht dorthin zu fließen, wo es gebraucht wird, sondern dorthin, wo es die höchste Rendite findet. Das sind nun mal nicht die auf dem Boden stehenden Flugzeuge oder die im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffe. Es geht in die sowieso knappen Rohstoffe, die sehr begehrt sind und nicht beliebig vermehrbar oder gar kurzfristig verfügbar sind.

Erhöhte Nachfrage durch staatliche Umgestaltungspläne

Die Politik befördert durch staatliche Umgestaltungspläne die Nachfrage in bestimmten Bereichen. Durch die Dekarbonisierung im Rahmen des „New Green Deal“ werden vermehrt Metalle für Elektromotoren und Rohstoffe für Akkus benötigt. Die Nachfrage nach Kupfer und Lithium steigt enorm. Auch seltene Erden werden benötigt.

Selbst der Ölpreis steigt, obwohl dieser Anstieg nicht zu den weltweiten politischen Zielen passt. Durch die kritische Haltung der US-Regierung zu Fracking wird die Nachfrage nach herkömmlich gefördertem Öl wieder größer. Die Neue Seidenstraße verschlingt riesige Mengen an Baustoffen wie Stahl und Beton.

Inflation erhöht Preise von Value-Aktien

Ein weiterer Aspekt an der Börse ist zu beobachten. Wenn die Inflation moderat verläuft (bis ca. 4 %), sind weiterhin Wachstumswerte (Growth) gefragt. Bei einer höheren Inflation werden Value-Werte an der Börse erfolgreicher nachgefragt. Diese Unternehmen können ihre Preise oft besser am Markt durchsetzen. Hierzu gehören auch die Rohstoffaktien.

Die hohe Geldmenge hat bis jetzt die Preise an den Aktienmärkten, den Immobilienmärkten und im Edelmetallsektor steigen lassen. Diese Entwicklung haben viele Menschen beobachtet.  Jetzt sehen sie, wie sich langsam eine Welle an Preiserhöhungen in ihr persönliches Leben einschleicht. Dies wird durch erhöhte Rohstoffpreise ausgelöst. Dieser Anstieg der Rohstoffpreise steht erst am Anfang einer längeren Entwicklung.

Wie können Anleger auf diese Entwicklung reagieren?

Das funktioniert durch eine Veränderung der Gewichtung bei den Geldanlagen. Ausgewählte Rohstoffanlagen haben durch die Preisentwicklungen in diesen Sektoren das Potenzial, einen Inflationsausgleich im Depot zu erreichen. Somit kann jeder Anleger von dieser Entwicklung profitieren.

 

Disclaimer: Der obige Marktkommentar gilt nicht als Finanzanalyse i.S.d. § 34 b WpHG und spiegelt lediglich die Meinung des Verfassers wieder. Insbesondere stellt der Marktkommentar weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Finanzinstrumenten dar. Er dient ausschließlich zu Informationszwecken.

Anmerkung der Redaktion: Die Kolumne spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung von Oberhesssen-Live wieder.

Der Verfasser und redaktionell Verantwortliche ist:
Aurum Vermögensmanagement GmbH
Manfred Schnell
Bürgermeister-Haas-Str. 5, 36304 Alsfeld