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Und die Aufwertung der Jahnstraße zur Fahrradstraße - offener Brief an die Fraktionen im StadtparlamentAlsfelderin wünscht sich Tempo 30 für Alsfelds Hauptverkehrsader

ALSFELD (ol). Anne Schweisgut aus Alsfeld wünscht sich, dass sich die Fahrradverkehrsstruktur in Alsfeld verbessert. So möchte Sie zum einen ein Tempolimit von 30 km/h für die Trasse Schellengasse/Grünberger Straße/Alice Straße und fordert zum anderen die Aufwertung der Jahnstraße zur Fahrradstraße. In einem offenen Brief wendet Sie sich an die Fraktionen des Stadtparlaments und hofft auf deren Unterstützung. Der Brief im Wortlaut.

„Seit vielen Jahren engagiere ich mich mehr oder weniger erfolglos für eine Verbesserung der Fahrradverkehrsstruktur in Alsfeld. Aufgrund der kürzlich durchgeführten Kommunalwahlen sind Menschen mit Ideen und Visionen ins Stadtparlament eingezogen, beziehungsweise Menschen, deren politisches Engagement dem Wunsch entspringt, in Zukunft einiges besser zu machen. Das ist der Grund, warum ich Sie kontaktiere.

Ich werde an die Verwaltung der Stadt Alsfeld einen Antrag richten, der der Form nach von der Deutschen Umwelthilfe entworfen wurde. Konkret beantrage ich persönlich darin die Aufwertung von zwei Straßen.

  1. Ein Tempolimit von 30 km/h für die Trasse Grünberger Straße/ Alicestraße/Schellengasse. Entlang dieser Hauptverkehrsstraße läuft ein stark frequentierter Schulweg.
  2. Die Jahnstraße in Alsfeld soll zur Fahrradstraße aufgewertet werden. Die Jahnstraße wird von Fahrradfahrern häufig und gerne genutzt, da es in ihrem Verlauf eine nur für Fahrräder und Fußgänger nutzbare Unterführung der Bahngleise gibt. So können die am Stadtrand gelegenen Einkaufsmärkte gut und schnell erreicht werden. Darüber hinaus ermöglicht die Unterführung der A5  im Anschluss an die Jahnstraße einen schnellen Zugang zu den umliegenden Feldern und Wälder. Freizeitradler nutzen das in starkem Maße.

Ich habe hierfür die Unterstützung der Verkehrs- und Umweltverbände, hier der ADFC, BUND und VCD. Ich bitte Sie und Ihre Kollegen im Stadtparlament deshalb darum, mitzuhelfen, dass diese Anträge nicht sofort in den Papierkorb wandern, sondern eine Chance auf Erörterung im Stadtparlament bekommen.“

Diesen Brief hat Schweisgut jeweils an Michael Riese, Martin Räther, Achim Quehl und Tobias Behlen adressiert.

Mitte März hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Bürger in einer Mitmachaktion „Pop-up-Radwege Jetzt“ dazu aufgerufen, Vorschläge zu machen für Fahrradwege oder Geschwindigkeitsreduktionen. Mit Unterstützung der DUH konnten Bürger ihren Stadtverwaltungen über Bürgeranträge konkrete Straßen benennen, auf denen beispielsweise Pop-Up-Radwege, Fahrradstraßen oder Tempo 30 notwendig sind – und genau das hat Anne Schweisgut gemacht. Diesen Bürgerantrag konnte man über die Internetseite https://www.duh.de/pop-up-radwege-jetzt/ stellen. In Hessen sind Bürgeranträge formell nicht von der Gemeindeordnung vorgesehen – der Antrag ist also eher als eine Bitte zu betrachten, die nun auch öffentlich ans Parlament herangetragen wird, und nicht als ein formeller, offizieller Akt.

Der Antrag im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Deutsche Umwelthilfe hat vor einigen Wochen einen Antrag auf kurzfristige Umwidmung von Straßenflächen zu Fahrradspuren und Fußwegen sowie Tempo 30 für mehr Sicherheit und Klimaschutz im Straßenverkehr an Sie gerichtet. Hiermit möchte ich meine Unterstützung für diesen Antrag ausdrücken und diesen inhaltlich konkretisieren. Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr brauchen in Alsfeld viele Jahre Zeit. Dass es auch schneller, innerhalb weniger Wochen oder Monate gehen kann, haben im vergangenen Jahr viele Städte weltweit, aber auch einige deutsche Städte gezeigt.

So sind vielerorts kurzfristig Pop-up-Radwege, Fahrradstraßen und verkehrsberuhigte Straßen zum Spielen, Flanieren und Verweilen geschaffen worden. Die nach wie vor andauernde Corona-Pandemie war zwar Anlass, aber nicht Rechtsgrund für die Anordnung von Pop-up-Radwegen. Dieses schnelle Tempo bei der Verkehrswende muss auch in Alsfeld zum Standard werden. Ein Rechtsgutachten im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe zeigt auf, dass das erstmals im Rahmen der Corona-Pandemie erprobte, beschleunigte Vorgehen mit zunächst provisorischer Maßnahmenumsetzung auch unabhängig von infektionsschutzrechtlichen Erwägungen zulässig ist.

Das Gutachten zeigt die gesetzlichen Anforderungen an die Einrichtung von Radwegen und Fahrradstraßen. Zudem werden weitere Möglichkeiten für Städte zur schnellen Förderung des Fußverkehrs sowie zur Verkehrsberuhigung in Wohn- und Geschäftsvierteln aufgezeigt – sei es durch Geschwindigkeitsreduzierungen, Einbahnstraßenregelungen oder Diagonalsperren.

Somit hat auch Alsfeld weitgehende Handlungsoptionen zur Reduzierung des Verkehrslärms, Verbesserung der Luftqualität und Erhöhung der Aufenthaltsqualität, was auch dem lokalen Einzelhandel zugutekommt. Der Regelplan „Temporäre Einrichtung und Erweiterung von Radverkehrsanlagen“ der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr kann auch in Alsfeld als Planungsgrundlage für Pop-up Radwege dienen. Sämtliche erwähnten Unterlagen finden Sie auf dieser Website: https://www.duh.de/pop-up-radwege/

Ich beantrage hiermit, schnellstmöglich Straßenflächen zu Fahrradspuren und Nebenstraßen zu Fahrradstraßen umzuwidmen. Dafür eignen sich vor allem folgende Straßenabschnitte: Jahnstraße als Fahrradstraße. Damit die Menschen sicher zu Fuß und auf dem Rad unterwegs sind, muss die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf folgenden Straßenabschnitten dringend ganztägig auf 30 km/h reduziert werden: Schellengasse Alicestraße/Grünbergerstraße.

Ich bitte Sie um eine Eingangsbestätigung sowie um Rückmeldung innerhalb eines Monats nach Eingang meines Schreibens.

Mit freundlichen Grüßen

Anne Schweisgut

23 Gedanken zu “Alsfelderin wünscht sich Tempo 30 für Alsfelds Hauptverkehrsader

  1. In Alsfeld wird die Mobilitäts und Verkehrs Wende, wie schon in vielen anderen Städten,auch bald Realität werden.
    Da wäre ein Tempolimit von 30 km in der gesamten Stadt schon mal ein guter Anfang.
    Die Lebensqualität der Alsfelder Bürgerinnen und Bürger würde mit Sicherheit erheblich steigen.
    Vom Nutzen für den Klima und Naturschutz mal ganz zu schweigen!

  2. @Tom

    Alsfeld und radeln? Die Alsfelder die hier schreiben wissen kaum wie ein Fahrrad aussieht. Die Verkehrsführung in und um Alsfeld ist eine einzige Katastrophe und das schon sehr lange. Wenn möglich meidet doch jeder Alsfeld.
    Industriegebiete und Straßen werden den Verfall von Alsfeld nicht aufhalten.

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  3. Die Frau Schweisgut ist ein ganz toller Mensch, wenn sie es sich wünscht, dann hat es Hand und Fuß bzw. sie hat Recht.
    Alsfeld erstickt im Verkehr, die Holländer machen es vor es geht mit dem Fahrrad auch.

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    1. Sagt ausgerechnet der, der jede Woche mim Auto die ganzen Supermärkte im hiesigen Umkreis von xx Kilometern abfährt!?
      Sehr unglaubwürdig Herr Julius Cesar/Tyson/Feta/etc.!

  4. Wenn die Grünen erst mal dran sind habt Ihr ganz andere Probleme.
    Der Benziner wird dann sowieso abgeschafft, und es bekommt jeder einen Esel vor die Haustür gestellt.
    Die Grünen bestimmen dann ebenfalls wie oft der Esel furzen darf !!

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    1. Da irren sie sich aber gewaltig Ulrich!
      Die Situation haben wir doch schon lange.
      Ob die Grünen die nächste Kanzlerin stellen oder nicht, (Wovon man ausgehen sollte) spielt da keine entscheidende Rolle mehr.
      Ob das Ende der Verbrennungsmotoren, oder Tempolimits in Städten und auf Autobahnen bis hin zu Fahrverbote und extrem steigenden Energiekosten,so wie das Ende der fossilen Brennstoffe,viele dieser Maßnahmen sind schon lange eingeleitet,und andere werden in Kürze beschlossen und auch bald umgesetzt.
      Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Klimaschutz, der Zukunft unserer Kinder und den nachfolgenden Generationen, dürften die notwendigen Maßnahmen für Klima und Umweltschutz, noch erheblich verstärken, und beschleunigen.Die Verfassungsrichter haben unserer Lebensweise nach dem Motto, nach mir die Sinflut jetzt ein Ende gesetzt.
      Und das ist auch gut so!
      Im Sinne unserer Kinder, und der Welt!
      Es gibt nur die eine, eine zweite wird es für keinen mit oder ohne
      Geld geben!

  5. Die Ampelschaltung ist ohnehin so ausgelegt, dass man nur mit Tempo 30 eine grüne Welle hat. Für die, die das bis heute noch nicht gemerkt haben kann man von mir aus auch noch Schilder aufstellen…

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  6. Sehr geehrte Schreiberling des offenen Briefes,

    Anhang der Kommentare werden Sie feststellen müssen, dass die Alsfelder/Vogelsberger (noch) nicht reif sind für das Thema einer Verkehrswende.
    Diese rural Denkweise spiegelt sich auch im Ergebnis der letzten Kommunalwahl wieder. Weiter so!
    Gegen Laster wettern, aber die Anliegen anderer Verkehrsteilnehmer ignorieren bzw. als unsinnig diffamieren.
    Der politische Trend im Bund wird aber auch vor dem Vogelsberg nicht Halt machen und Veränderungen bringen.
    Kämpfen Sie weiter!

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  7. @ Es braucht nur gesunden Menschenverstand…
    01.05.2021 um 23:58 Uhr

    Dieser Menschenverstand fehlt leider den Verantwortlichen von Alsfeld. Eine Nachtruhe hatte man mal, dies ändert sich seit die Stadt es zuerst ignoriert und bis heute zulässt dass Schwerlaster 40t von der Autobahn abfahren um sich in der Kernstadt zu treffen um ihre Ladebrücken (Anhänger) zu tauschen. Das ganze findet nachts über eine Anlieger Straße in Hinfahrt und Rückfahrt statt. Das ist hausgemacht und wird von der Stadt, die die Möglichkeit hätte, nicht abgestellt. Auch Herr Bgm. Paule oder Herr Heinz CDU würde dort nicht wohnen wollen. Dieser Zustand ist der Stadt schon lange bekannt. Nachruhe ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr.

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  8. Wo wohnt denn die Antragstellerin? Nicht zufällig in der Jahnstrasse? Mal im Ernst: Im hinteren Teil der Jahnstrasse ist die Parkerei das Problem. Und Schellengasse und Alicestrasse sind doch so mit Ampeln zugepflastert, dass eher der durchfahrende Schwerlastverkehr das Problem ist, nicht der Tempo-30-Wahn der Deutschen Umwelthilfe.

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  9. Schwerlastverkehr ab Pfefferhöhe Richtung Marburg leiten, da wäre eine Umgehungsstraße sinnvoll! Alles andere kann auf der A5 bleiben oder die neue A49 nutzen, wenn sie denn Mal fertig wird. Und übrigens, der Radweg der Ernst-Arnold-Straße ist nur Richtung Krankenhaus zu befahren, anders herum gefährdet man auch Leben anderer!

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  10. Nice to have! Grundsätzlich gerne mehr Sicherheit für Radfahrer in Alfeld, aber das ist eine
    ziemlich egoistischer Antrag! Mit 30 durch Alsfeld, das kann nur jemand fordern, der noch nie durch Alsfeld und dann in Richtung anderer Städte musste, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen!

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  11. Viel wichtiger als eine Fahrradstraße ist ein Konzept gegen den wahnsinnigen Schwerlastverkehr in Alsfeld. Die Stadt die vor und nach der Wahl (Wahlkampfbroschüren und Koalitionsvertrag)schreibt dass der Schwerlastverkehr aus Alsfeld raus soll lässt zu dass mitten in Alsfeld, nachts umgebrückt wird und die Anwohner dadurch keine Nachtruhe mehr haben.
    Das sind Probleme die sofort gelöst werden sollten, die Forderung einer Fahrradstraße ist für Alsfeld zweitrangig gegenüber dieser krankmachenden Tatsache dass Lärm krank macht. Kann jeder im Internet nachlesen.

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    1. …und etwas guten Willen!

      „Die Forderung einer Fahrradstraße ist für Alsfeld zweitrangig gegenüber dieser krankmachenden Tatsache, dass Lärm krank macht.“

      Alsfeld ist nur leider kein Rechtssubjekt, kann also auch nicht kund tun, ob ihm Schwerlastverkehr oder Radfahrer lieber sind. Einzelne Bürger oder Bürgergruppierungen dagegen können das tun und ihre Interessen mit Hilfe von Argumenten zum Ausdruck bringen, die natürlich über subjektive Interessen hinaus gehen. Die nächtliche Lärmbelästigung der Anwohner bestimmter Straßen ist das eine, das Interesse an zügiger Belieferung und ungehindertem Warenverkehr das andere. Aber warum kann man nicht während einer bestimmten Anzahl von Nachtstunden – wegen mir 23:00 Uhr bis 5:00 Uhr morgens – den Schwerlastverkehr in Wohn- und Mischgebieten generell vermeiden resp. verbieten und den Durchgangsverkehr auf die vorhandene Autobahn umlenken?

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  12. Wo genau kann ich den Antrag stellen, das keine Lehrer und Beamte, welche nicht an der Schellengasse und Alicestrasse wohnen, beides übrigens Bundesstraßen, solche „Anträge“ in der Öffentlichkeit verbreiten dürfen?
    Ich als Anwohner der benannten Strasse fühle mich weder belästigt noch unsicher durch Tempo 50.
    Wir brauchen keine Freizeit-Fahrradfahrer, geht was Arbeiten!!!

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    1. Da gebe ich dem MICHA mal Recht, wer Fahrrad Ausflüge machen will, sollte das schöne Umland nutzen, aber mann sollte den Fahrradfahrern es auch möglich sich sicher zu bewegen.

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      1. wer fährt mit dem Rad zur Arbeit? Die Lehrer doch sicher auch nicht, der Lehrkörperparkplatz steht voll mit SU ’s

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  13. Tolle Idee! Und das geplante neue Industriegebiet wird zum Golfplatz. Dazu sperren wir noch die A5 zwischen zwischen Als-Ost und -West. Dann kann man direkt nach dem Golfen mit dem Fahrrad auf einem schönen breiten Radweg zum Burger King oder Mc. Donalds gelangen. Die paar armen Würstchen, die noch arbeiten müssen können sich dann ja kilometerweit mit ihrem Fahrzeug durch die Schweisgut-Zonen quälen. Schliesslich können ja die Radfahrer bei dieser globalen Herausforderung keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen.

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