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Porträtaktion des BUND "So schmeckt der Vogelsberg" Heute: Der Demeterhof in HopfgartenVielfalt als ganz wichtiger und entscheidender Punkt

HOPFGARTEN (ol). Der BUND Kreisverband Vogelsberg möchte den Nachbarn Appetit machen beim Bauern um die Ecke einzukaufen, denn hier in der Region findet man Gemüse, Fleisch, Milch, Käse und Nudeln in bester Bio-Qualität. BUND-Mitglied Dieter Pappert aus Lauterbach hat vier landwirtschaftliche Betriebe porträtiert. Das zweite Porträt: Der Demeterhof in Hopfgarten.

Linsenanbau im Vogelsberg? Ja, das gibt es. Verantwortlich dafür ist Moritz Schäfer, der Betreiber des Demeterhofes Schwalmtal in Hopfgarten. Im Jahr 2011 hat er diesen Hof übernommen. Der ausgebildete Landwirtschaftsmeister, der zudem einige Semester ökologische Landwirtschaft studiert hat, war damals auf der Suche nach einem seinen Vorstellungen entsprechenden Betrieb und wurde schließlich in Hopfgarten fündig.

Die Verlagerung des Lebensmittelpunktes vom Siegerland in den Vogelsberg hat er nicht bereut. Schon immer wollte Moritz Schäfer Landwirt werden – das ist sozusagen sein Traumberuf, den er nun mit dem eigenen Hof verwirklicht. Und der Mitdreißiger sprüht vor Ideen, hat aber auch zugleich hohe Ansprüche. Sein Handeln richtet er danach aus, was das Ökosystem im Sinne von Nachhaltigkeit vertragen kann. Diese Richtschnur gilt für Ackerbau und Viehhaltung gleichermaßen – in beiden Bereichen ist sein Demeterhof tätig.

Im Vogelsberg sei er der einzige, der Linsen anbaut. Seine Belugalinsen eignen sich hervorragend für Salate, während man die grünen Linsen der Sorte Le Puy eher für Suppen und Eintopfgerichte nimmt. In ganz Hessen könne man die Betriebe, die Linsen anbauen, an einer Hand abzählen. „Linsenanbau macht viel Arbeit, ist aber sehr gut für die Biodiversität“ – so Moritz Schäfer. Hierbei muss man wissen, dass Linsen immer mit anderen Früchten in Mischkultur angebaut werden. Die Kombination Nackthafer, Linsen, Leindotter hat sich dabei für ihn bewährt. Die kombinierten Druschfrüchte müssen in etwa zur gleichen Zeit reif werden – die Ernte erfolgt mit einem Mähdrescher.

Kooperationen mit anderen Bio-Betrieben

Alle Samen landen zunächst in einem Tank beziehungsweise Silo. Die Trennung der verschiedenen Sorten ist aufwändig. Dabei sind mehrere Arbeitsschritte nötig, die von Hightech-Maschinen übernommen werden. Diese sortieren nach Größe, Gewicht, Form und Farbe der jeweiligen Früchte, wobei Siebe, Gebläse und sogar Kameras zum Einsatz kommen. Wichtig sind für Moritz Schäfer Kooperationen mit anderen Biobetrieben. Für sie übernimmt er Sortier-, Reinigungs-, Abpackarbeiten und einiges mehr. Arbeitsteilung und Effizienz sind auch für Biobetriebe keine Fremdworte, sondern teilweise betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten. Umgekehrt nimmt Moritz Schäfer andere Dienstleister in Anspruch – etwa Ölmühlen, die das Pressen seiner Ölfrüchte übernehmen.

Vielfalt ist für Moritz Schäfer in der Landwirtschaft wie auch als allgemeine Lebensphilosophie ein ganz wichtiger und entscheidender Punkt. Monokulturen sind lebensfeindlich und überdies auch anfällig. So baut er aus Überzeugung eine Vielzahl verschiedener Feldfrüchte an, was auch der tierischen Artenvielfalt zugutekommt. Neben den bereits erwähnten Linsen sind dies Roggen, Weizen, Dinkel, Emmer, Gold- und Braunlein, Lupinen, Ackerbohnen, Buchweizen und Kresse, um nur die wichtigsten Sorten zu nennen. Ein Großteil der oben genannten Feldfrüchte kann man in haushaltsüblichen Gebinden zu 500 Gramm oder ein Kilogramm am Hof selbst käuflich erwerben.

Möglich sind aber auch Gebinde bis zu 25 Kilogramm und (für Weiterverarbeiter etwa) darüber hinaus. Leindotteröl wird in Flaschen zu 250 Milliliter vertrieben. Ein Hofladen wurde vor Kurzem eröffnet – hier kann man die hofeigenen Produkte sowie einige weitere Biolebensmittel anderer Produzenten erwerben. Über den Verkauf ab Hof hinaus hat Moritz Schäfer ein umfangreiches Vertriebsnetz aufgebaut. So kann man seine Produkte in verschiedenen Geschäften, gastronomischen Betrieben und befreundeten Höfen im Vogelsberg, aber auch im Großraum Kassel, Siegerland und Marburg-Gießen erwerben. Einen genauen Überblick erhält man auf der schön gestalteten Internetseite des Demeterhofes Schwalmtal.

Nicht der Umwelt schaden

„Die Landwirtschaft darf der Umwelt nicht schaden“ ist das Credo von Moritz Schäfer. Dazu gehört, dass die Feldfrüchte über eine ausgeklügelte, neunjährige Fruchtfolge angebaut werden, wobei in den ersten beiden Jahren „Kleegras“ eine zentrale Rolle spielt, da hierbei Stickstoff im Boden gebunden wird. Der Demeterhof Schwalmtal setze keinen „zugekauften Stickstoff“ ein und halte sich an geschlossene Stoffkreisläufe. So gilt auch der Grundsatz, dass der Hof nur so viele Tiere hält wie er über die landwirtschaftlich genutzte Fläche ernähren kann. Wenn dann der Dünger der Tiere fachgerecht, gleichmäßig und zum richtigen Zeitpunkt auf die Flächen ausgebracht wird, entsteht kein Stickstoffüberschuss, der zur Nitratauswaschung führen kann.

Dieses Problem trete vor allem in der konventionellen Landwirtschaft mit hohem Stickstoffinput auf, so Moritz Schäfer. Bei seinen Tieren hat er sich für das „Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind“ entschieden. Hierbei handelt es sich um eine alte Nutztierrasse, die hinsichtlich Fleisch- und Milchproduktion noch nicht auf Höchstleistungen gezüchtet wurde. Die Herde von Moritz Schäfer besteht aus rund 120 Milchkühen und nochmal ebenso vielen Rindern als Nachzucht. Erzeugt werden jährlich rund 700000 Liter Milch, die in der Demeter-Molkerei Schrozberg in Franken weiterverarbeitet werden.

Ach übrigens: die Kühe auf Demeterhöfen tragen ihre Hörner. Das ist bei dem Hof von Moritz Schäfer nicht anders. Und – für ihn kam nur die Haltung von Wiederkäuern in Frage. „Schweine und Hühner scheiden da aus – sie sind Nahrungskonkurrenten für die Menschen“ – so die Überzeugung von Moritz Schäfer. „Überhaupt ist der Fleischkonsum in Deutschland zu hoch“ – so eine weitere Feststellung von ihm. Ein ausgewogenes Verhältnis bestehe etwa, wenn 1000 Litern Milch rund 25 Kilogramm erzeugtes Rindfleisch gegenüberstehen. Denn eine Milcherzeugung, ohne auch Fleisch zu erhalten, sei nicht möglich. Und Fleisch müsse ebenso wie Milch einen angemessenen Preis haben. Massentierhaltung lässt diese Produkte zu Ramschware verkommen.

Kein Idyll einer Landwirtschaft vergangener Zeiten

Das Betreiben einer ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft habe nichts mit dem hin und wieder insbesondere bei Verbrauchern vorzufindenden Idyll einer Landwirtschaft vergangener Zeiten zu tun. Davon ist Moritz Schäfer zutiefst überzeugt, denn er spricht aus Erfahrung, und sein Betrieb sei ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Landwirtschaft mit hohen ökologischen Ansprüchen wissenschaftlich fundiert und hoch innovativ sein kann und muss. Und viel Arbeit ist mit diesem Beruf immer verbunden. Auch wenn insgesamt zehn Leute auf dem Hof beschäftigt sind (Azubis für den Beruf Landwirt, junge Leute im Freiwilligen Ökologischen Jahr, Teilzeit- und Vollzeitkräfte, Praktikanten) bleibt noch mehr als genug Arbeit für den Betriebsleiter übrig. Schließlich trägt er die Verantwortung und kümmert sich um die Ausrichtung für die Zukunft.

Moritz Schäfer habe schon viel erreicht, zugleich aber auch noch viele Ideen. So probiert er jedes Jahr neue Kulturen aus, wie z.B. Kichererbsen oder Sonnenblumen. Zudem will die ökologische Saatguterzeugung als wichtiges Standbein weiterentwickelt werden. Der Hofladen bringt Umsatz, macht aber auch Arbeit – hier kann man auch das neue Produkt „Lupinenkaffee“ erwerben. Und immer wieder geht es um Vernetzung mit anderen Betrieben und Vertriebspartnern. Sein Hof ist fest in der Region verankert und hat sich einen guten Ruf erworben. Einige seiner Produkte sind auch als „Vogelsberg Original“ zertifiziert. Aber wichtiger als Regionalität ist für Moritz Schäfer die Qualität und das Erfüllen hoher ökologischer Ansprüche. „Wenn beispielsweise Schweine irgendwo im Vogelsberg unter schlechten Bedingungen gehalten werden, dann ist das zwar regional, aber trotzdem nicht gut“ – so bringt er seine Meinung auf den Punkt. Moritz Schäfer, ein Mann mit sozialer und ökologischer Werthaltung – es lohnt sich, ihn zu unterstützen.

Ein Gedanke zu “Vielfalt als ganz wichtiger und entscheidender Punkt

  1. Interessanter Artikel!
    Ich wünsche Herrn Schäfer viel Erfolg weiterhin und werde sicher in Kürze mal in seinem Hofladen vorbeischauen.

    Ein positiver Kontrapunkt zur im Kreis weit verbreiteten Tier-Massen-Haltung und den dazugehörigen negativen Begleiterscheinungen wie Monokulturen, Pestizideinsatz und den allseits bekannten und beliebten Güllesseen.

    Die Politik sollte mehr Betrieben beider Umstellung auf eine ökologischere Art der Landwirtschaft unter die Arme greifen. Und vor allem müsste die Subventionspolitik weiter zugunsten von „Öko-Betrieben“ geändert werden, damit nicht internationale Großkonzeren und Betriebe der Agrarindustrie weiterhin die Nutznießer dieser Subventionspolitik bleiben.

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