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Kirche öffnet Region für Deutschlands größte NachbarschaftsplattformDer Hohe Vogelsberg vernetzt sich mit Nachbarschafts-App „nebenan.de“

VOGELSBERG (ol). Nachbarschaftshilfe im Vogelsberg: Einen Fahrradträger tageweise verleihen. Die Hin- und Rückfahrt der Kinder zum Schwimmbad absprechen. Zum besonderen Film im Lauterbacher Lichtspielhaus einladen. Hilfe beim Heckenschnitt oder dem Austausch der zwei gesprungenen Fliesen suchen. Ende April 2021 startet das Evangelische Dekanat Vogelsberg in der Stadt Herbstein und den Gemeinden Grebenhain und Freiensteinau die Nachbarschafts-App „nebenan.de“.

„Nachbarschaftshilfe wird im Vogelsberg großgeschrieben“, weiß Projektleiter Ralf Müller vom Evangelischen Dekanat. „Doch der Hobby-Radfahrer, der mir mit wenigen Handgriffen meine Fahrradschaltung justieren kann, fehlt mir dann vielleicht doch im Bekanntenkreis.“

Ausschließlich für Bewohnerinnen und Bewohner der drei Kommunen wird deswegen laut Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats ein Nachbarschaftsbezirk auf der bundesweiten App „nebenan.de“ geschaltet, berichtet Müllers Kollegin Franziska Wallenta: „Der Clou liegt darin, dass nur Menschen aus dem eigenen Nachbarschaftsbezirk Eintragungen lesen können.“ Beide weisen darauf hin, dass hier deutscher Datenschutz eingehalten werde, Kommunikation ohne Datenhandel und kostenfrei für Privatpersonen und Vereine.

Das Evangelische Dekanat Vogelsberg wurde vom Bundesverband der Diakonie als einer von bundesweit sechs Standorten ausgewählt, um diese größte deutsche Nachbarschafts-App im ländlichen Raum einzuführen. „Dörfer mit Zukunft“ nennt Tobias Wirth von der Diakonie Deutschland das Projekt, das Nachbarschaften fördern und intensivieren will. „Die Menschen sollen nicht am Bildschirm kleben, sondern über die App auch zur Haustürklingel des Nachbarn drei Straßen weiter finden.“ Auch Vereine und Organisationen seien eingeladen, ihre jeweiligen Termine tagesaktuell einzustellen und über Veranstaltungen zu berichten.

Die Nachbarschaft „Hoher Vogelsberg“ wird laut Pressemitteilung auf der Plattform Ende April 2021 eingerichtet. Schon im Vorfeld sind ab Ende März Ortsbeiräte, Vereine, Kirchengemeinden und andere Einrichtungen eingeladen, ihr „Organisationsprofil“ einzurichten, Termine und Berichte einzustellen und eifrig zu posten.

10 Gedanken zu “Der Hohe Vogelsberg vernetzt sich mit Nachbarschafts-App „nebenan.de“

  1. Ich muss jetzt mal den Skeptikern recht geben. Hinter jeder Geschäfstidee steckt doch der Gedanke Geld zu verdienen. So eine App mag für manche Zeitgenossen in der Großstadt ja zweckmäßig sein aber auf dem Land wird sie weniger Sinnvoll sein. Ich kann nur jedem „Zugezogenen“ empfehlen sich in Vereinen oder der Gemeindepolitik zu engagieren. Hier lernt man Leute kennen und es bilden sich Bekanntschaften oder gar feste Freundschaften. Die Organisationen und Institutionen mit denen nebenan.de zusammenarbeitet halte ich pers. für eine Art „Greenwashing“. Damit wird geschickt davon abgelenkt, dass hier schon längst Firmen wie Burda das Finanzielle Ruder übernommen haben und das der Konzern heute sein Geld nicht mehr mit Schnittmuster für Kleider macht, sollte eigentlich jedem klar sein. Trotz alledem wer Spaß dran hat es mal auszuprobieren – warum nicht.

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  2. da stecken kommerzielle firmen dahinter, die abkassieren wollen, deshalb ist das ganze aus meiner sicht unseriös, die wollen an adressen ran

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    1. Definit falsch, Herr Dr. Dumm! Die Plattform ist vom TÜV Saarland gemäß ISO 27001 zertifiziert (https://www.tuv.com/germany/de/informationssicherheit-iso-27001.html; da Sie promoviert sind, werden Sie selbst in der Lage sein, den Inhalt der ISO 27001 zu recherchieren).
      Jedoch müssen Sie nachweisen, dass Sie tatsächlich in einer der drei Kommunen leben: Es ist nämlich eine Nachbarschafts-App. Und sollte sich bei der Legitimations-Prüfung herausstellen, dass Sie überhaupt nicht berechtigt sind, einen Doktor-Titel zu führen und vielleicht sogar noch nicht einmal den Familiennamen Dumm führen – Dann erhalten Sie keinen Zugang.
      Das hat den Vorteil, dass nicht irgendwelche schein-promovierten Trolle Unsinn in die Welt setzen und sich dabei hinter einem Pseudonym verstecken.

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  3. Das Vogelsberger Dorfkind gibt seine Quellen leider nicht preis. Deswegen hier der Link zum Finanzierungsmodell von nebenan.de: https://hilfe.nebenan.de/hc/de/articles/115002722449-Wie-finanziert-sich-die-Plattform-
    Kurz gesagt: Die Plattform finanziert sich wie Wikipedia, nämlich über Spenden der Nutzer. Steigen Kommunen ein, zahlen diese eine geringe Gebühr pro Einwohner*in. Und auch (ausschließlich lokale!) Werbekunden zahlen. Geld erhielt die Plattform in 2020 auch über die Burda-Stiftung – ganz transparent unter dem Link benannt. – Wir würden uns als Dekanat auf unsaubere Finanzierungsmodelle nicht einlassen, haben das selbstverständlich vor Projektbeginn geprüft. Auch der Deutsche Städtetag arbeitet mit dieser Plattform zusammen.
    Die Nachbarschaftshilfe, wie vom „Dorfkind“ beschrieben, läuft in vielen Vogelsberger Orten gut – und darauf können wir stolz sein. Die App ist eine Hilfe dafür, dass das auch so bleibt. Und wer auch junge Menschen in die Nachbarschaftshilfe aufnehmen will, daneben auch Zugezogene, wird den Wert der Plattform rasch erkennen. Für die Hilfe über den Gartenzaun wird die Plattform nicht benötigt – da hat das „Vogelsberger Dorfkind“ recht. Aber Hand aufs Herz: Kennen Sie ALLE Nachbar*innen, auch drei oder vier Straßen weiter?
    Inzwischen haben sich übrigens alle drei Bürgermeister der Projektregion für die Einführung der Plattform ausgesprochen.

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  4. „Die Idee, die dahinter steckt, finde ich gut, sollte allerdings im ländlichen Raum überflüssig sein.“

    Die Idee, Nachbarschaften zu fördern und zu intensivieren, „sollte […] im ländlichen Raum überflüssig sein“? Vielleicht noch mal nachlesen: „‚Nachbarschaftshilfe wird im Vogelsberg großgeschrieben‘, weiß Projektleiter Ralf Müller vom Evangelischen Dekanat. ‚Doch der Hobby-Radfahrer, der mir mit wenigen Handgriffen meine Fahrradschaltung justieren kann, fehlt mir dann vielleicht doch im Bekanntenkreis.'“ Mit anderen Worten: Hier sollen doch offensichtlich bestehende Nachbarschaften durch eine Kommunikationsplattform, die für den einzelnen Teilnehmer kostenlos ist, unterstützt und nicht ersetzt werden. Das kann nicht falsch sein. Oder wollen Sie uns erzählen, dass das nachbarschaftliche Geben und Nehmen ohne Diskussionen, das Sie hier als Idealform der dörflichen Gemeinschaft beschreiben, durch die Digitalisierung (Stichwort „Dorf-Apps“) nicht noch zu verbessern wäre?
    Mit dieser Vogelsberger „Wir haben hier doch alles, was wir brauchen“-Mentalität stehen Sie vollkommen außerhalb der aktuellen Fachdiskussion. Siehe: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/316501/es-geht-darum-die-gemeinschaft-zu-bereichern

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  5. wenn Sie den OL-Lesern das Ergebnis Ihrer Recherchen (Wer steckt hinter „nebenan.de“ und wie refinanziert sich die Plattform?) zugänglich gemacht hätten und darlegen würden, warum Sie „ihren Nachbarn nur abraten“ können. Nach meinem Eindruck müssten Sie Ihren Nachbarn dann ebenso davon abraten, die Suchmaschine Google oder ein Smartphone zu benutzen.
    Die Betreiber der Plattform selbst erklären hierzu:
    (1) https://presse.nebenan.de/pm/das-geschaftsmodell-von-nebenan-de
    (2) https://spotfolio.com/2020/09/01/social-network-burda-ubernimmt-mehrheit-an-nachbarschaftsnetzwerk-nebenan-%E2%80%8Bde/
    Die Plattform bei wikipedia.de: https://de.wikipedia.org/wiki/Nebenan.de

    Ansonsten ist Ihre Argumentation nicht stichhaltig. Nebenan.de stellt ein digitales Hilfsmittel zur Verfügung, über das die Bewohner einer Gemeinde oder eines Wohnquartiers kostenlos und unkompliziert nachbarschaftliche Kontakte aufbauen und pflegen können. Dass sich alle Bewohner eines Vogelsbergdorfs untereinander kennen und helfen, ist ein gern verbreitetes Gerücht, mit dem vor allem politische Kreise hausieren gehen, die die Ausgaben für staatliche Daseinsvorsorge möglichst einsparen bzw. gering halten wollen. Nicht einmal so genannte Nachbarschaftshilfe-Vereine, die es in einzelnen Vogelsberg-Gemeinden gibt, können die gegenseitige Unterstützung gewährleisten. Das hat eine gemeinsame Untersuchung der Hochschulen München und Fulda zweifelsfrei bewiesen. Zitat: „Bürgerhilfevereine können es mittelfristig nicht leisten, als ‚Co‐Produzenten‘ der Daseinsvorsorge die Kommunen und Landkreise zu entlasten. Vielmehr müssen diese darin investieren, die selbst organisierten Dienste der Vereine zu fördern und zu stützen.“ (Quelle: https://www.hs-fulda.de/fileadmin/user_upload/Zentren_und_Verbuende/ZCMK/Meldungen/Alisch___Ritter_Forschen_fuer_die_alternde_Gesellschaft_BUSLAR.pdf).

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  6. Nachdem ich recherchiert habe wer hinter „nebenan.de“ steht, halte ich lieber Abstand davon und kann meinen Nachbarn auch nur abraten. WER und WIE diese App finanziert wird, kann man im Internet nachlesen.
    Die Idee die dahinter steckt finde ich gut, sollte allerdings im ländlichen Raum überflüssig sein. Ich als Dorfkind, kenne alle Einwohner und auf dem Dorf hilft man sich gegeseitig. Es ist ein geben und ein nehmen, da gibt es keine Diskusion und benötigt keine App.
    Darin liegt „Der Clou..“

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    1. Das Vogelsberger Do(r/o)fkind demonstriert hier gerade, wie leichtfertig im Dorf irgendwelche Gerüchte ausgestreut werden. Und so schnell wie die Urteile bilden sich auch die Vorurteile.
      Ich halte es für erwiesen, dass sich die schönen Dorfgemeinschaften, in denen man auch schnell mal ausgegrenzt wird, gerade dadurch in Zukunft verändern werden, dass man „mehr Platz für Städter schafft“ (https://www.giessener-allgemeine.de/vogelsbergkreis/mehr-platz-fuer-staedter-schaffen-90274575.html) und sich die Gemeinden entlang der stark frequentierten Verkehrsadern durch die ausgewiesenen Neubaugebiete an ihren Rändern mehr und mehr zu Schlafstädten entwickeln, deren zugezogene Neubürger wenig Sinn für das dörfliche Gemeinschaftsleben haben (wurde in einem OL-Beitrag bereits für Romrod festgestellt). Zusätzlich nimmt die Zahl der Auspendler zu, die oft über Stunden zur Arbeit unterwegs sind und früh raus müssen, früh zu Bett gehen oder spät heim kommen. Da bleibt weniger Zeit für das gegenseitige Geben und Nehmen.
      Ich denke vor allem aber an die auch auf dem Lande wachsende Zahl der Alleinstehenden. Diese können über Plattformen wie „nebenan.de“ viel leichter in Aktivitäten einbezogen werden. Natürlich hängt das nachbarschaftliche Klima immer von der Wesensart und dem Engagement derjenigen ab, die sich als Nachbarschaft organisieren.

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