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Ambulant Betreutes Bewohnen von Kompass Leben bezieht neue Räume in HerbsteinSelbstbestimmtes Wohnen als zentrales Element von Inklusion leben

HERBSTEIN (ol). Seit Anfang des Jahres ist es wieder mit Leben gefüllt – das Doppelhaus an der Herbsteiner Hessenstraße, zentral gelegen und mit frisch renovierten Wohnungen. Eingezogen sind bisher sieben Personen – Menschen mit Unterstützungsbedarf, die hier im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) des sozialen Dienstleisters Kompass Leben selbstbestimmt wohnen und leben können.

Mit im Haus befindet sich ein geräumiges Büro, hier steht das ABW-Team zur Beratung von Interessenten, aber auch für die Koordinierung der Begleitung von Klienten zur Verfügung, heißt es in der Pressemitteilung von Kompass Leben. Das Ambulant Betreute Wohnen bietet den Menschen Begleitung zu einem selbstbestimmten Leben, dabei soll eine eigenständige Lebensführung, soziale Eingliederung und die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht und erhalten bleiben. Ziele seien unter anderem eine möglichst selbstständige Lebensführung und weitestgehende Unabhängigkeit von Betreuung zu gewährleisten.

„Je nach Bedarf der Menschen, die unser Angebot nutzen, ist das Unterstützung bei der Alltagsplanung, Erhaltung beziehungsweise Verbesserung von Mobilität und Orientierung, Bewältigung von behinderungs-, alters- und krankheitsbedingten Abbauprozessen, Stabilisierung der physischen und psychischen Gesundheit oder bei bürokratischen Angelegenheiten“, erläutert Isabell Linn. Als Teilhabecoach ist sie verantwortlich für Koordinierung, Steuerung und das Umsetzen der Teilhabeplanung der Klienten. Auch Begleitung bei Freizeitaktivitäten ist mit im Portfolio des Ambulant Betreuten Wohnens.

„Mensch im Mittelpunkt“ – das neue Wohnangebot von Kompass Leben folgt streng dem Motto des sozialen Dienstleisters. Foto: Traudi Schlitt

Hinter all dem steckt der Ansatz „Mensch im Mittelpunkt“, den Kompass Leben schon lange auf allen Ebenen seines Angebotes verfolge. „Unsere Klienten und ihre Vorstellungen bleiben im Fokus unseres Denkens“, führt Linn aus, „ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit hat oberste Priorität.“ Umso wichtiger war es für Kompass Leben, mit diesem Haus vielen Wünschen von Menschen mit Unterstützungsbedarf gerecht zu werden: Das Haus in der Hessenstraße bietet fünf Wohnungen; Platz für Wohngemeinschaften, für Paare und Singles.

Zentrale Lage

Durch die zentrale Lage mitten in Herbstein werden fußläufige Wege zum Einkaufen und zu anderen Anlaufstellen erleichtert – ein großes Thema für Menschen mit Einschränkungen, wie Isabell Linn weiß: „In den Ortskernen der meisten Städte gibt es zu wenige Wohnangebote für Menschen mit Unterstützungsbedarf, dabei würde gerade ein solches zentrales Angebot sehr zur selbstständigen Lebensführung beitragen.“ Sie bedauert, dass viele Vermieter noch nicht bereit seien, bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit verschiedenen Behinderungen anzubieten.

„Wir möchten auf lokaler und regionaler Ebene Strukturen schaffen, deren Basis ein gemeinsames Verständnis von Inklusion ist und auf der man Maßnahmen planen und organisieren kann, die es Menschen ungeachtet ihrer Einschränkung ermöglichen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, ihre sozialen Beziehungen ohne Barrieren zu pflegen und an der Gesellschaft teilzuhaben“, so Linn zur Intension von Kompass Leben. Der Dienstleister ist daher bestrebt, seinen Klienten diesen Wohnraum zur Verfügung zu stellen – in Herbstein ist dies mit der Immobilie an der Hessenstraße gelungen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Einzelwohnungen, auch unter Eigenregie der Bewohnerinnen und Bewohner, im ganzen Vogelsberg. In der zweiten Etage des Hauses in Herbstein wohnen Christiane Trabandt und Uwe Schott. Das Paar freut sich sehr über die moderne Ausstattung der Wohnung, die ihnen gleichzeitig genug Platz für eigene Möbel und individuelle Gestaltung lässt. Sie sind als erste eingezogen und wollen – so Christiane Trabandt – „nie wieder ausziehen“.

Zusätzliche Informationen:

Das Angebot Ambulant Betreutes Wohnen richtet sich an erwachsene Menschen mit vorrangig geistiger und/oder körperlicher Behinderung sowie seelischen Beeinträchtigungen. Sozialpädagogen, pädagogische Fach- und Assistenzkräfte unterstützen die Klienten durch individuell vereinbarte Teilhabe- und Assistenzleistungen bei einer selbstbestimmten Lebensführung. Gerne steht Isabell Linn für Informationen und Beratung rund um das Thema Betreutes Wohnen zur Verfügung. (Telefon: 06631 91182-222, Mail: i.linn@kompassleben.de).

Ein Gedanke zu “Selbstbestimmtes Wohnen als zentrales Element von Inklusion leben

  1. „In den Ortskernen der meisten Städte gibt es zu wenige Wohnangebote für Menschen mit Unterstützungsbedarf, dabei würde gerade ein solches zentrales Angebot sehr zur selbstständigen Lebensführung beitragen.“

    Das erscheint mir als sehr euphemistische Beschreibung eines (Mangel-)Zustands, der den an Einrichtungen zur Daseinsvorsorge besonders armen Vogelsbergkreis kennzeichnet. Im Grunde fehlt es allgemein schon an konsolidierten Ortskernen., während die Wohnangebote in Form von Eigenheimen an die Ortsränder wandern. Bezahlbares Wohnen auf dem Lande wird generell zum Problem und zum Untersuchungsgegenstand (siehe https://www.landkreistag.de/images/stories/publikationen/bd-142.pdf). Nur ganz vereinzelt stemmen sich problembewusste Gemeinderäte, Stadtverordnetenversammlungen oder Bürgermeister mit konkreten Wohnungsbau-Projekten in zentraler Lage gegen diesen Trend zur Verödung der Ortskerne. Besonders groß ist der Mangel bei Senioren, denen die Pflege eines Eigenheims zu beschwerlich geworden ist, die aber noch keine pflegerische Unterstützung brauchen (Beispiel: https://www.sueddeutsche.de/geld/wohnprojekt-gut-holz-1.4712641). Menschen mit körperlichen und physischen Einschränkungen sind da oft eher am Zug, weil ja die Einbeziehung von Senioren nicht unter das Modethema „Inklusion“ bzw. Integration fällt.

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