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Zehn Jahre aquariohm: Sportlich, entspannend, nachhaltig und mit vielen Ideen für die ZukunftWie aus einer Schwimmbadruine ein Vorzeigeobjekt wurde

MÜCKE (ol). Das Jubiläum hätte zwar anders gefeiert werden sollen, einen kleinen Rückblick auf zehn Jahre aquariohm gab es innerhalb der Bürgergenossenschaft und des Fördervereins aber dennoch.

Es sah nicht gut aus für das Hallenbad Mücke, als sich um die Jahrtausendwende nicht nur ein mehr als sanierungswürdiger Zustand offenbarte, sondern auch eine große Finanzierungslücke im kommunalen Budget klaffte. Was dann in Gang kam, sei ein beispielloses Zeugnis bürgerschaftlichen Engagements, das vor zehn Jahren nach einiger Zeit der intensiven Planung zur Wiedereröffnung des Bades unter dem klangvollen Namen „aquariohm“ führte und einige Jahre später eine der schönsten Saunalandschaften der Region hervorbrachte. Ein Rückblick am Ende eines Jahres, in dem Förderverein und Bürgergenossenschaft gerne dieses besondere Jubiläum mit allen Beteiligten, den Mitarbeitern, den Menschen in Mücke und den mehr als 70.000 Besuchern jährlich gefeiert hätten.

„Als sich in den Jahren von 2003 bis 2007 abzeichnete, dass aus der Politik keine Konzepte zur Rettung des Hallenbades Mücke zu erwarten waren, gründeten wir im Juli 2007 mit insgesamt 150 Mitgliedern den Förderverein Hallenbad Mücke“, blickt Dr. Thorsten Reichel, damals der 1. Vorsitzende des Vereins, zurück. Auslöser dafür war laut Pressemitteilung des aquariohms die Schließung des Bades durch die Gemeindevertreter, gefolgt von einer Riesendemo: An die 700 Mücker Bürgerinnen und Bürger gingen damals für den Erhalt ihres Bades auf die Straße.

Der Aspekt der Finanzierung

Vorstand und Vereinsmitglieder versuchten zu schaffen, woran die Politik laut Pressemitteilung gescheitert war: die Erstellung eines tragfähigen Rettungskonzepts. Fragebogenaktionen, Fachmessen, Fachgespräche – der Verein drehte an vielen Schrauben. „Doch am Ende ging es natürlich um die Finanzierung“, so Reichel, dem es gemeinsam mit seinen Mitstreitern nicht nur gelang, ein Konzept zu erarbeiten, das nicht nur ein Umdenken in der Kommunalpolitik zur Folge hatte, sondern auch die Gründung der Genossenschaft und eine große Finanzspritze mit sich brachte: Ministerpräsident Volker Bouffier brachte im Herbst 2008 persönlich den Bescheid des Landeszuschusses in Höhe von 650.000 Euro zur Sanierung des Bades vorbei.

„Dass wir diesen Zuschuss aus dem Hallenbad-Invesitonsprogramm ‚HAI‘ bekommen haben, lag mit Sicherheit daran, dass unser Team in den Bereichen Fortführungskonzept, Investions-, Business- und Finanzierungskonzept schlüssige Papiere vorlegen konnte“, ist sich Karin Pichelmann, seit der Gründung des Vereins Schriftführerin, sicher. Nachdem im Juni 2008 auch die Gemeinde schließlich der Sanierung zustimmte, wurde im Mücker Hallenbad geplant, entkernt und gebaut – die Modernisierung des nunmehr werbewirksam in „aquariohm“ unbenannten Bades stets im Blick. Zwölf Wochenenden ehrenamtlicher Arbeit hat die Schriftführerin in ihren Aufzeichnungen dokumentiert, eine Einsparung von mehr als 50.000 Euro, die allein auf das ehrenamtliche Tun der Fördervereinsmitglieder zurückgeht. Im August 2010 konnte das sanierte Bad im Rahmen eines großen Familienfestes eröffnet werden.

Ehrenamtlich wurde das moderne Bad auch geführt und wird es immer noch, wenngleich Reichel, inzwischen Vorsitzender des Aufsichtsrates, erklärt, dass es von Anfang an Konsens war, den Geschäftsbetrieb professionell aufzuziehen und die Hilfe Ehrenamtlicher für besondere Aufgaben und Projekte wie Eventvorbereitung in Anspruch zu nehmen. Heute arbeiten 56 Beschäftigte in Hallenbad, Sauna und den dazugehörigen Bereichen. Das Thema „Events“ sehen sowohl Förderverein als auch Aufsichtsrat neben dem Angebot des Bades, dem Bistro und den Aqua-Kursen als wichtiges Standbein der Kundenbindung an. „Wir bieten mit alldem einen großen Mehrwert für die Menschen in Mücke, aber auch für die Gäste aus der weiteren Region“, ist sich Burkhard Köhl, Vorstandsvorsitzender der Bürgergenossenschaft Hallenbad Mücke, sicher. Zu diesem Mehrwert trägt auch die Saunalandschaft bei, die bei der Konzeptentwicklung zwar schon mitgedacht, allerdings erst im Jahr 2014 umgesetzt wurde.

Gesamtkonzept überzeugt

Doch nicht nur die Sauna ist ein Highlight in der Mücker Badelandschaft, vielmehr bestechen die Ideen und ihre Umsetzung durch ein Gesamtkonzept, wie Pichelmann aufführt: „Durch unser Bistro ist es gelungen, die Besucher länger im Bad zu halten. Der Aufenthaltsbereich ist freundlich gestaltet, Kinder und Erwachsene fühlen sich gleichermaßen wohl. Es gibt Angebote für Kindergeburtstage, auch unsere wachsende Anzahl an Aquakursen kommt sehr gut an.“ Eis und Pommes also, Planschen bei verschiedenen Temperaturen und mit einem aufblasbaren Hund, Aqua Fitness, Früh- oder Spätschwimmen: Die Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher werden gesehen und umgesetzt. Nicht zuletzt stehen auch Wellness-Angebote im aquariohm zur Verfügung. Der großzügige Gästebereich im Hallenbad hat sich darüber hinaus als Eventlocation bewährt: Lesungen finden hier in regelmäßigen Abständen statt, genauso wie die Impro-Show sowie verschiedene Konzerte oder Kochevents im Freien.

Ein weiteres großes Plus, das den Mitgliedern der Bürgergenossenschaft und des Vereins wichtig war, ist das Thema Nachhaltigkeit: Einen Großteil der Energie, die für den Hallenbad- und Saunabetrieb gebraucht wird, gewinne man über eine PV- und eine Holzschnitzelanlage. Die Speisen in den Bistros werden nach Möglichkeit mit regionalen Zutaten zubereitet – sogar einen kleinen Kräutergarten findet man auf dem weitläufigen Areal -, die Getränke werden in der Sauna in der Regel in Glasflaschen zur Verfügung gestellt, und für die Aufgüsse werden statt künstlicher Aromen schon längere Zeit nur noch natürliche Öle und Hydrolate verwendet.

Bei so vielen Ideen und Innovationskraft stellt sich natürlich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: „Wir erwirtschaften etwa 700.000 Euro Innenumsatz, die Gemeinde ist Eigentümerin und Verpächterin des Bades. Sie unterstützt das Bad derzeit mit einem jährlichen Zuschuss von 300.000 Euro. Das ist natürlich ein Riesenposten“, weiß Reichel, „aber wir haben gerade ein Gutachten erstellen lassen, aus dem hervorgeht, dass das aquariohm der Gemeinde auch einen wirtschaftlichen Erlös über den Zuschuss hinausbringt, etwa durch die Beschäftigung von Menschen, deren Wirtschaftskraft in der Region bleibt, durch die Funktion als Ausbildungsbetrieb und nicht zuletzt mit neuen Konzepten, nach denen das aquariohm ein gemeinsames Tourismuskonzept mit der Gemeinde und der örtlichen Gastronomie anstrebt: Fahrradtourismus, Wohnmobilstellplätze, ein Tourismusbüro im aquariohm.“

Diese Entwicklung spiegele das Ergebnis eines breiten Konsenses zwischen politischen Gremien, gemeindlicher Verwaltung und Bürgergenossenschaft wider. „Im Aufsichtsrat arbeiten wir mit den politischen Vertretern seit Jahren Hand in Hand zusammen, auch wenn es natürlich unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen gilt“, so der Vorsitzende Reichel. Das Tourismuskonzept soll allerdings erst umgesetzt werden, wenn sich die Pandemie in Deutschland wieder gelegt hat und eine Rückkehr zur Normalität mit Reisen, Schwimmbad- und Saunabesuchen, der Nutzung von Wellness- und Kursangeboten möglich ist und auch wieder Events in Hallenbad und Sauna stattfinden können.

„Wir hatten im Januar und Februar den umsatzstärksten Jahresstart unserer Geschichte“, gibt Köhl bekannt. Dann kam – wie für viele anderen Branchen ein Einbruch, aber: „Natürlich blicken wir nach vorn“, so der Vorstandsvorsitzende, der sich zuversichtlich zeigt, dass die Erfolgsgeschichte des aquariohms weitergeht: „Wir sind ein professionell geführtes Vereinsbad, das von der Leidenschaft und dem Engagement sowohl der Ehrenamtlichen als auch der Hauptamtlichen profitiert. Wir haben tolle Angebote und gute Ideen, wir sind verbindlich und nah bei den Gästen und wir haben einen wunderbaren Saunabereich, nachhaltig und mit einem wunderschönen Außengelände. Besser geht nicht …“