Gesellschaft0

Jörn Sündermann für die Presse-AG der Albert-Schweitzer-SchuleAlles anders, alles weniger – Weihnachten im Corona-Taumel

ALSFELD (ol). In vielen Städten sind die Weihnachtsmärkte durch die Corona-Pandemie abgesagt. Konzerte und ähnliche Veranstaltungen fallen aus, doch wie steht es eigentlich um die Kultur in Corona-Zeiten und was macht die Albert-Schweitzer Schule mit den Veranstaltungen, die traditionell in der Weihnachtszeit stattfinden? Jörn Sündermann aus der Presse-AG der ASS sich umgehört. Der Artikel im Wortlaut.

Seit etlichen Monaten ist das Corona-Virus in jeder Nachrichtensendung Thema. Nun gelten, wie jeder weiß, seit dem 1. November wieder strengere Regeln, also ein „kleiner“ Lockdown. Unter dem Virus leiden unter anderem auch das kulturelle Leben, die Gastronomie und die Hotelbranche sowie das Weihnachtsfest.

Zum Beispiel werden wir all die schönen Dinge, die wir mit Weihnachtsmärkten in Verbindung bringen, vermissen. Und sollten sie stattfinden, dann nur mit speziellen Corona-Regeln. Doch immer mehr Städte sagen ihren Weihnachtsmarkt ab, denn die Lage entwickelt sich dynamisch und es gibt häufig neue Verordnungen der Krisenstäbe.

Auch in Hessen gibt es wieder besondere Regeln, die auch die Schulen betreffen. Schülerinnen und Schüler müssen nun auch in der Unterrichtsstunde und auf dem Pausenhof eine Maske tragen. Auch das Mischen von Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Klassen ist untersagt, so dass auch gemeinsame Weihnachtsaktionen entfallen müssen. So entsteht die Frage, was mit dem jährlichen Weihnachtskonzert oder ähnlichen Veranstaltungen ist? Findet der Musikunterricht für die Schülerinnen und Schüler statt, die ein Instrument spielen? Diese Fragen habe ich Antje Margolf, die Fachsprecherin für das Fach Musik ist, in einem Interview gestellt, schriftlich per E-Mail aufgrund der Coronapandemie.

Die Antwort der begeisterten Musiklehrerin begann mit einem schönen Satz: „Schön, dass auch, wenn die Musik nicht klingen kann, wenigstens an sie gedacht wird“. Die erste Frage, die ich ihr gestellt habe, war, ob das alljährliche Weihnachtskonzert stattfindet und wenn ja, unter welchen Hygienemaßnahmen. Sie antwortete, dass das Adventskonzert leider abgesagt werden musste. Es hätten nur das Orchester und die Streicher der Orchesterklasse 6 und ein paar Solisten ohne Gesang und Bläser auftreten können. Sowieso wäre es ein Problem geworden, unbegrenzte Massen an Zuschauern in die Kirche zu lassen. Weitere Fragen waren, ob die Streicher, Blasinstrumente oder die Bands in den besonderen Zeiten proben dürfen.

Musik verbindet, wie hier ein Bild vom Schulkonzert der Albert-Schweitzer-Schule im vergangenen Jahr zeigt. Doch in diesem Jahr fällt vieles aus. Foto: Traudi Schlitt

In der Mail schrieb sie, dass seit November sowohl das Orchester als auch die Rockband nicht mehr proben dürfen. Die Streicher der 6.Klasse und die Bläser der 5. Klasse, die in den Räumen der Musikschule untergebracht sind, dürfen aber noch proben, da in der Musikschule ein anderes Hygienekonzept gilt als in der Albert-Schweitzer-Schule. Ich fragte Antje Margolf außerdem, ob sie denkt, dass es sich auf die Motivation und die Stimmung auswirkt, wenn die Konzerte und Auftritte dieses Jahr nicht sattfinden können. Sie schrieb, sie könne nur Vermutungen anstellen, doch befürchtet sie, dass ein Großteil der aktiven Sängerinnen und Sänger nicht mehr in die Ensembles zurückkommen wird, weil sie sich an das Chillen zu Hause und den vermehrten Internetkonsum gewöhnt haben könnten.

Der Hunger nach Aktivitäten und der musikalischen Gemeinsamkeit könne nach Corona aber auch erst recht groß werden und die Schule können einen Boom in den Ensembles erleben. Alles scheint möglich und vorherzusagen ist nichts… Als Abschlusssatz schrieb sie: „Ich kann nur aus meiner persönlichen Sicht sagen, dass es mein erstes Weihnachten seit meinen Kindergartentagen sein wird, wo ich nicht die Auftritte und Konzerte bis zum Heiligen Abend zähle. Was mir oft zu viel gewesen ist, fehlt jetzt unheimlich und eben vor allem die Gemeinschaft, mit anderen Musik zu machen“.

Doch nicht nur im Kleinen fällt Kultur in diesem Jahr aus oder findet nur auf Sparflamme statt: In Dresden beispielsweise fand am 31. Oktober für die Schauspielerinnen und Schauspieler in der Semperoper die letzte Aufführung vor dem „kleinen“ Lockdown statt. Sozusagen ein Abschied auf Zeit. Als Premiere wurde die Zauberflöte von Mozart aufgeführt. Nur unter strengen Hygienevorschriften, wie zum Beispiel, dass die kühle Frischluft aus den Lüftungsschlitzen in den Sitzen der Zuschauer nach oben unter die Decke steigt und die Atemluft der Besucher mitnimmt.

Auf diese Weise kann sie sich nicht in dem Saal verteilen. Was jedoch auch ein Problem darstellte, da die Betrachter der Oper nicht durch die Lüftungsgeräusche gestört werden durften. Eine weitere Hygienevorschrift war, dass nur 331 Menschen der Musik lauschen konnten. Zum Abschluss, bei dem sich die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht wie sonst die Hände halten durften, überbrachten sie noch eine Botschaft auf einem Schild: „Kultur bildet Gesellschaft“.

Noch im letzten Jahr eins der Highlights des Weihnachtskonzerts: Der Oberstufenchor der Albert-Schweitzer-Schule. Foto: Traudi Schlitt

Eine andere Folge der Coronapandemie ist auch, dass in immer mehr Städte der Weihnachtsmarkt abgesagt wird, da man das Virus von einem Stand zum anderen trägt. Auch der Abstand kann nicht so gut eingehalten werden. Deshalb haben zum Beispiel Städte wie Hamburg, Köln, Frankfurt am Main, Gießen oder Karlsruhe die Märkte abgesagt. Auch in Alsfeld, Lauterbach und auch in Schlitz wurde der alljährliche Weihnachtsmarkt abgesagt, doch sollen die Straßen mit Lichtern und geschmückten Weihnachtsbäumen verschönert werden.

Zum Schluss lässt sich sagen, dass das Corona-Virus der Kultur schadet. Gerade zu der Adventszeit ist es schön, wenn man mit Freunden auf einen Weihnachtsmarkt gehen, Konzerte besuchen und Weihnachtsfeiern genießen kann. Man kann hoffen, dass das diesjährige Fest ein wenig Normalität bereithält. Ein Hoffnungsschimmer gibt es, da die Länder planen, dass in dem Zeitraum vom 21. bis zum 27. Dezember, auch mehrere Personen, wenn auch in beschränkter Anzahl, zusammenkommen können, doch eine Quarantäne wird nach dem Fest empfohlen.