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Wieder gut in den Unterricht gestartet: Wie die Astrid-Lindgren-Schule unter Abstands- und Hygieneregelungen läuftGroße Freude auf beiden Seiten – die Auflagen gut bewältigt

GREBENAU (ol). Von einem Tag zum anderen war alles anders: Mitte März mussten die Schulen corona-bedingt schließen und Eltern, Kinder und Lehrkräfte standen vor einer riesengroßen Aufgabe: Sich voneinander fernhalten und dennoch im Kontakt bleiben, das Lernen zuhause vorbereiten und umsetzen, grundschul- und kindgerecht, mit Freude und gerne auch ein wenig Lernerfolg. Was für alle Beteiligten Neuland war, sieht die Astrid-Lindgren-Schule in Grebenau rückblickend als gut gelungen an.

„Zum einen haben unsere Lehrerinnen den Kindern gute Methoden und Motivationen an die Hand gegeben – die Gummibärchenpost beispielsweise oder für die Größeren Aufgaben per IServ, E-Mail oder Padlet, einer Möglichkeit für ein digitales Klassenzimmer“, berichtete vor wenigen Tagen Schulleiterin Susanne Sündermann-Otto laut Pressemitteilung der Schule. „Zum anderen haben auch die Eltern vorbildlich mitgezogen. Gemeinsam mit den Kindern konnten wir die letzten Monate gut bewältigen.“ Umso größer ist nun die Freude, die Schule wieder über die Notbetreuung hinaus öffnen zu dürfen. Seit Mitte Mai bereits ist die Grundschule im Gründchen auf dem Weg in eine neue Normalität, und diesen Weg gehen Schulgemeinde, Kinder und Eltern gemeinsam und zuversichtlich.

„Zum einen haben wir das große Glück, dass wir innerhalb unseres Gebäudes viele mobile Trennwände haben, die es uns problemlos ermöglichen, die Fläche der Klassenräume zu verdoppeln“, zeigen Lehrkräfte und Schulleitung bei einem Rundgang durch die Einrichtung. Aufgeteilt in A- und B-Gruppen sind die 76 Schülerinnen und Schüler der Astrid-Lindgren-Schule; jeweils acht Stunden in der Woche werden sie nun vor Ort beschult, für die andere Zeit bekommen sie Aufgaben mit nach Hause.

Malen als Dankeschön für die Eltern – die Kinder sind mit Freude dabei! Fotos: Traudi Schlitt

„Neue Inhalte wie eine neue Zahl oder neue Wörter kann man so in der Schule einführen, die vertiefenden Übungen können dann zuhause stattfinden“, lautet eine Methode, die sich unter Corona-Bedingungen etabliert hat. Nach wie vor sei dafür viel Mitwirkung im Elternhaus gefragt. „Da wir eine kleine Schule sind, kennen wir unsere Kinder wirklich sehr gut“, so ein Fazit von Sündermann-Otto, „daher können wir ihnen mit vielen Angeboten sehr entgegenkommen.“

Doch die neue Art Unterricht zu planen und umzusetzen ist nur ein Aspekt des Schullebens in Corona-Zeiten. Ein ganzes Hygiene- und Abstandskonzept musste die Schule genau wie alle anderen öffentlichen Einrichtungen erarbeiten. „Bei der praktischen Umsetzung des Konzepts zeigte sich die Arbeit des Hausmeisters von unschätzbarer Hilfe, ebenso wie die Bereitschaft des Reinigungsteams, die Arbeitszeiten entsprechend anzupassen“, unterstreicht die Schulleiterin, wie viele kleine Stellschrauben zu drehen sind, damit am Ende ein großes Ganzes gelingt.

Einige Änderungen standen an

Neben den guten Möglichkeiten, die die Erweiterung der Klassenräume bietet, ist dies beispielsweise eine veränderte Ein- und Ausgangssituation, das Einrichten von Einbahnstraßen, das Markieren von 1,5-Meter-Abständen im Gebäude und auf dem Weg zum Bus sowie – überaus kreativ gelöst – der Gang zur Toilette. „Jedes Kind hat einen ‚Klostein‘ mit seinem Namen darauf“, erläutert Sündermann-Otto dieses so sichere wie kindgerechte System: „Ist es auf der Toilette, legt es seinen Namensstein in eine Schale vor dem Eingang. So wissen alle anderen, dass sie da gerade nicht rein dürfen.“

Nützlich und schön: Die Namenssteine der Kinder.

Und schön aussehen tut die Sammlung mit den vielen Steinen auch noch. So wie überhaupt die ganze Schule ihr Gesicht unter den erschwerten Bedingungen fast noch ein wenig mehr strahlen lässt. Nicht nur, weil alle froh sind, sich endlich wieder einmal zu sehen, sondern auch, weil viele kleine Zeichen die Hoffnung ausdrücken, diese Zeiten wohlbehalten und gesund zu überstehen: Regenbogenbilder an vielen Fenstern und andere Gemälde, mit denen die Kinder ihre Freude darüber zeigen, wieder in der Schule zu sein. In den Klassen entstehen jetzt auch Grüße für die Eltern, denen die Kinder für die Betreuung während der Schulschließung danken, die sicherlich für viele Familien oft auch anstrengend war.

Froh, wieder gemeinsam zur Schule zu gehen

So ist es kein Wunder, wenn alle – sowohl die Lehrerinnen als auch die Schülerinnen und Schüler – unisono verkünden, dass sie sehr froh sind, sich wieder gemeinsam in der Schule zu treffen. „Vielleicht ist diese Freude auch mit ein Grund dafür, dass die Kinder alle Maßnahmen wirklich diszipliniert und klaglos mittragen“, freut sich das Lehrerinnenteam. Selbst in den Pausen halten sich die Sechs- bis Zehnjährigen an die Abstandsregeln. Versetzte Pausenzeiten für die ohnehin schon halbierte Schülerzahl, ein riesengroßes Gelände und viele Spielmöglichkeiten tragen dazu bei. „Es ist bei allen Kindern die Einsicht da, und es gelingt uns auch eine gute Kommunikation mit den Eltern, die stets wissen, wie wir hier vorgehen und wie es ihrem Kind damit geht“, ergänzt Sündermann-Otto.

Wissen, wie es geht, ist das A und O.

Mit weit geöffneten Türen und Fenstern, liebevoll umgesetzten Regeln und ganz vielen gemalten Regenbögen ist die Grundschule im Gründchen damit auch in Zeiten von Corona ein Ort, an dem sich alle wohlfühlen und der, obwohl vieles anders ist als gewohnt, den Kindern einen vertrauten Raum zum Lernen mit Strukturen und Begegnungen bietet.