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Post an ausgewählte Vermieter verschicktLandkreis startet Umfrage zur Höhe der Mieten

VOGELSBERGKREIS (ol). Einigen Vogelsbergern dürfte bereits Post vom Landratsamt ins Haus geflattert sein. Der Kreis hat einige ausgewählte Vermieter gebeten, bei einer Umfrage mitzumachen. Die Datenerhebung soll helfen, die Situation am Wohnungsmarkt im Kreis besser einordnen zu können.

Schon in den Jahren 2012 und 2016 hat der Kreis eine solche Umfrage gestartet, um die Höhe der aktuellen Mieten zu erfragen. Jetzt, vier Jahre nach dem letzten Termin, sollen die Daten aktualisiert werden. Darüber informiert die Behörde in einer Pressemitteilung. Selbstverständlich ist die Teilnahme an der Erhebung freiwillig“, heißt es darin. Wie bei jeder Umfrage gilt jedoch: Je mehr mitmachen, desto genauer wird sie.

Konkret soll mithilfe der Daten die so genannte kommunale Unterkunftskostensatzung angepasst werden. Dort ist die Höhe der angemessenen Mieten für Empfänger von Grundsicherung geregelt.

Der Kreis arbeitet bei der Erhebung mit dem Forschungsinstitut Analyse & Konzepte aus Hamburg zusammen. „Das Institut verfügt sowohl über große Erfahrungen in der Erstellung von qualifizierten Mietspiegeln als auch in der Erstellung von Mietwerterhebungen. Auf der Basis dieser Erhebung werden dann die Werte der Unterkunftskostensatzung geprüft und fortgeschrieben“, heißt es in der Mitteilung.

Nähere Auskünfte zur Erhebung erteilt das Amt für Soziale Sicherung des Vogelsbergkreises unter der Telefonnummer 06641 / 977 -250 bzw. -750.

5 Gedanken zu “Landkreis startet Umfrage zur Höhe der Mieten

  1. „Post an ausgewählte Vermieter verschickt“
    So, so. Und nach welchen Kriterien ausgewählt? Den eindrucksvollsten Mietsenkungen der letzten 20 Jahre? Man könnte ja auch mal ausgewählte Mieter befragen. Z.B. solche, die gerade ’ne Räumungsklage am Laufen haben oder zum zweiten Mal ihre Miete nicht zahlen konnten!

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  2. Da bekommen doch Zeitgenossen regelmäßig Schaum vorm maskenverhüllten Mund, allein wenn sie sich vorstellen, es könnte jemandem „bedingungslos“ ein auskömmliches Grundeinkommen aufs Konto überwiesen werden, ohne dass er sich hierfür mit schmutzigen Händen bis zu den Ellenbogen quält und abrackert. Und um noch eine weitere Trennungslinie in unseren Sozialstaat einzuziehen, beharrt mindestens die Hälfte unseres Volkes auf dem „Abstandsgebot“, um sicher zu stellen, dass derjenige, der nicht „hart arbeitet“, noch weniger bekommt als der, der sich trotz harter Arbeit von seinem Lohn nicht reproduzieren kann, beispielsweise, weil die Miete für sein kärgliches Wohnquartier über die Hälfte seiner Arbeitseinkünfte aufzehrt. Die Angemessenheit von Kosten ist kein absoluter Wert. Hier entscheidet die Kostenrelation. Wenn mein Konto überläuft, weil der Staat mich im – „bedingungslosen“ – Erbfall nicht rupft oder ich – ebenfalls „bedingungslos“ – in Genuss der Wert- und Mietsteigerungen meines Immobilienbesitzes komme, ohne dass der Fiskus sich durch größere Abgabe-forderungen an meinem Wohlergehen beteiligt, dann kann ich auch für den Bund glattblättriger Petersilie fünf Euro auf die Theke des Öko-Hofladens legen.
    Springer-Erbin Friede, als „listige Witwe“ beim Ausbooten von Miterben bekanntermaßen hoch talentiert, oder Bertelsmann-Erbin Brigitte mit ihrer Bertelsmann-Stiftung haben durch ihr breites publizistisches Wirken dafür gesorgt, dass das eigene Schmarotzertum im öffentlichen Bewusstsein als schwer („schweres Erbe“ im Haus Springer, Mohn usw. = schwere Arbeit) gilt, während selbst der sog. „Mann auf der Straße“ von der Überzeugung tief durchdrungen ist, dass es dem allseits lauernden missbräuchlichen Bezieher von Sozialleistungen oder gar „Einwanderer in die Sozialsysteme“ beim Schmarotzen nur allzu leicht gemacht werde. Und siehe da, die gesamte Gesellschaft läuft mit einem Schielpflaster auf der Brille herum, das ausgerechnet den Bereich verdeckt, aus dem die Reichen traditionell ihren Reichtum schöpfen. Noch erstaunlicher: Es zieht eine Gauklertruppe durch die Medienlandschaft, die die Zuversicht verbreitet, dass sich dank der Pandemie-Krise hinsichtlich der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums Grundlegendes ändern müsse. Nie im Leben! Werden wir doch gerade Zeuge, wie den hart arbeitenden Solo-Selbständigen und kleinen Existenzgründern der erreichte Wohlstand beim „Überbrücken“ staatlich veranlasster Untätigkeit unter den Händen zerrinnt und die Leichtlohngruppen und Teilzeitkräfte mangels Rücklagen so ausbluten, dass sie im nächsten Urlaub wohl gerade noch auf den eigenen Schuldenberg kraxeln können.
    Das Thema Mieten müsste vor diesem Hintergrund vor allen anderen in den Fokus der sozialpolitischen Diskussion gestellt werden, gehen doch bei den meisten Bürgern bereits über die Hälfte des Einkommens dafür drauf, dass man sein müdes Haupt nicht unter einer Brücke oder in einer Bahnhofshalle zur Ruhe betten muss. Aber schon bei der Erhebung der Grunddaten auf diesem Gebiet herrscht nur wachsweiche Freiwilligkeit. Wer sich gern und oft über Mieterhöhungen einen Schluck aus der Pulle seiner Mieter genehmigte, wird sich wohl kaum danach drängen, dies der Kommune detailliert vorzurechnen. Aber vielleicht fehlt es in der Krise ja nicht an auskunftsbereiten Mietern, die auch nicht mit Zusatz-Informationen über den heimlichen Kostentreiber „Mietnebenkosten“ geizen. Man darf gespannt sein, welche Durchhalteparolen demnächst wieder neben der Autobahn plakatiert werden, um dem Vogelsberger vor Augen zu führen, in welchem Paradies er wohnen darf.

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    1. Wenn man sich schon völlig grundlos ein neues Auto kaufen soll, weil beim Daimler noch so viele unverkaufte Verbrenner auf dem Hof stehen (siehe https://www.tagesschau.de/wirtschaft/autoindustrie-kaufpraemie-101.html)… Warum dann nicht gleich die gesamte Existenz auf „Stütze“-Basis. Oder man schenkt jeder/jedem, die/der bis zum Stichtag Grundsicherung beantragt, ein schönes staatlich bezuschusstes E-Mobil.
      Sinnvoller: Neustart mit Corona und bedingungslosem Grundeinkommen (Link: https://www.fr.de/meinung/corona-coronavirus-wirtschaftskrise-bedingungsloses-grundeinkommen-olaf-scholz-13601317.html), denn egal wie man’s nennt: Was ist denn das grenzenlose Aufkaufen von Schrott-Anleihen oder die Übernahme der Lockdown-Miesen aller Bürger, die sich für die aktuelle Pandemie leider nichts mehr zurück legen konnten bzw. ihre Sparbücher und Lebensversicherungen schon in der letzte Banken- und Finanzkrise zwangsverballert haben, anderes?

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  3. …, wo lebt man am teuersten im ganzen Land?
    Und welche Mietkosten sind für diejenigen anzusetzen, die Grundsicherung beziehen und deren Miete daher „vom Amt“ überwiesen wird?
    Ein Teil der Regionalwerbung für den Zuzug in den Vogelsberg basiert auf der Aussage, Bau- und Mietkosten seien in unserer Region besonder günstig. Dies mag auch zutreffen, wenn man immer nur die Boom-Region Frankfurt/Rhein-Main als Vergleichsmaßstab heranzieht. Und im Zeichen der Digitalisierung (Stichwort: Home-Office!) könnten jetzt und erst recht in der schönen neuen Glasfasernetz- und G5-Zukunft ehemalige Wegzugsregionen an Attraktivität gewinnen, was dann aber zeitversetzt zu einem Anstieg der Mietpreise in heimischen Gefilden führen müsste oder vielleicht schon geführt hat. Ein differenzierter Mietspiegel könnte von daher interessante Aufschlüsse ermöglichen. Gleichzeitig sollte man sich allerdings hüten, langfristige Entscheidungen anhand von Faktoren zu treffen, die sich kurzfristig schnell verändern könnten. Niemand kann heute garantieren, dass man auch in zehn Jahren im Vogelsberg noch billig baut und mietet.

    Dies gilt erst recht im Bereich der Gewerbemieten, der durch die erwähnte Umfrage gar nicht erfasst wird. Warum erarbeitet der Kreis eigentlich keinen Gewerbe-Mietspiegel, wo doch ständig über verödende Innenstädte geklagt und das Ziel betont wird, die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen zu fördern? Angesichts existenzbedrohender Lockout-Beschränkungen müssten doch momentan die Gewerbemieten purzeln wie die Preise der allerletzten Stücke im Schlussverkauf. Doch es scheint ausgemacht, dass alle staatlichen Rettungsmaßnahmen für Kleinunternehmen den sicheren Profit von Laden- und Büroraum-Vermietern nicht antasten wollen. Ein sträfliches Versäumnis im Umgang mit öffentlichem Geld.

    Wie überhaupt auffällt, dass Kommunen dem Marktgeschehen am liebsten zuschauen wie die phlegmatische Mutter des Zappelphilipps in Struwwelpeter-Erfinder Heinrich Hoffmanns Bestseller: Und die Kommune guckte stumm auf dem ganzen Markt herum. Dabei drängt es sich doch förmlich auf, den erhofften Zuzug über Marktinstrumente (Bebauungspläne!) zu steuern. Derzeit gibt es einen Riesen Boom im Bereich sog. Kleinsthäuser unter 50 m² Grundfläche, die vor allem für die wachsende Zahl der Single-Haushalte interessant sind. Die Fertighaus- und Modulbau-Branche bietet längst ein umfangreiches Sortiment ebenso praktischer und energiesparender wie auch ästhetischer Wohnlösungen. Aber die Kommunen erschließen lieber Bauland wie in den 1950er Jahren. Was dort an Neubauten entsteht, muss – bis auf den Grundstückspreis – ebenso teuer bezahlt werden wie anderswo, lässt sich aber bei einem Wiederverkauf nur mit einem Vogelsberg-Abschlag wieder los schlagen. Hier stünden Besitzer von häufig demontier- und verkranbaren Kleinhausmodulen deutlich besser da. Sie nehmen ihr Haus einfach mit.

    Langer Rede kurzer Sinn: Mietpreisspiegel… „There’s much money in it!“

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