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Absagen und alternative AngeboteEvangelisches Dekanat Vogelsberg informiert über Konsequenzen aus der Corona-Krise

VOGELSBERGKREIS (ol). Die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus ist eine schwerwiegende Bedrohung, die alle Bevölkerungsgruppen vor große Herausforderungen stellt und mit Einschränkungen konfrontiert. Alle großen und auch kleinen Veranstaltungen werden auf Anraten von Expertinnen und Experten abgesagt, und so haben auch die Kirchen in diesem Sinne reagiert. Nun wurden aber auch Gottesdienste verboten. Was bedeutet das für die Kirche und die Gemeinden in der Region?

In der Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats heißt es, nachdem die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) schon Ende vergangener Woche eine ganze Reihe von abzusagenden Veranstaltungen bekanntgegeben hatte, hatten die Verantwortlichen in Darmstadt zunächst an den Gottesdiensten festgehalten. Parallel zu der Entscheidung der Kirchenleitung, auch die Gottesdienste abzusagen, veröffentlichte die Landesregierung ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise; Gottesdienste wurden damit verboten. Nun also fallen diese flächendeckend aus, und das gerade in Zeiten, in denen Menschen Zuspruch und Gemeinschaft brauchen. Was bedeutet das für die Kirche und die Gemeinden in der Region?

Dr. Dorette Seibert, Dekanin im Evangelischen Dekanat Vogelsberg, blickt besorgt auf die Situation, in der viel Unsicherheit herrscht und Menschen Trost und Stärkung benötigen. „Doch wenn wir in der Krise bestehen und unsere Mitmenschen wie uns selbst schützen wollen, dann müssen wir schweren Herzens auf Versammlungen verzichten. Leider gehören dazu, wie wir gesehen haben, auch Gottesdienste, Besuchsdienste, Chorproben und alle anderen Arten von spirituellen und geselligen Zusammenkünften, aus denen Menschen bisher Trost und Zuversicht gewinnen konnten.“

Seelsorgerliche Gespräche mit dem Pfarrer und der Pfarrerin bleiben möglich

Ganz besonders hart trifft dies Menschen, die den Tod eines Angehörigen oder Nahestehenden betrauern müssen. Seelsorgerliche Gespräche mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin bleiben natürlich möglich, wobei auch hier zunächst auf telefonischen Kontakt zurückgegriffen werden sollte. Trauergottesdienste selbst können allerdings nicht mehr stattfinden. Bestattungen sind derzeit nur noch im engsten Familienkreis möglich, die Trauerhallen dürfen in der Regel nicht mehr genutzt werden.

Doch auch dies ist – wie alles derzeit – eine Momentaufnahme in einer sich rasant verändernden Situation. Die Folgen der Krise treffen auch Familien mit ganz persönlichem spirituellen Bedarf: „Auch Taufen und Trauungen in Gottesdiensten können zurzeit nicht stattfinden. Die Kirchenleitung weist darauf hin, dass in besonderen Notsituationen Taufen auch im häuslichen Rahmen möglich sind. Selbst für die Konfirmationen werden wir voraussichtlich neue Termine und/oder andere Formate finden müssen “, so Seibert, die von Seiten der betroffenen Menschen auf Verständnis hofft.

Obwohl all diese Maßnahmen tiefe Einschnitte in die Gemeinschaft bedeuten, möchten die evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat für die Menschen, die sie brauchen, da sein. Das geschieht, indem zum einen Telefonbereitschaften in den Gemeindebüros bzw. den Pfarrämtern errichtet wurden. Inwieweit die Portale von Kirchengebäuden zur persönlichen Andacht einzelner Personen geöffnet werden können, hängt von den weiteren Entwicklungen ab. „Wir sind bei allen Maßnahmen und Angeboten im engen Austausch mit unserer Landeskirche und den Gemeinden“, unterstreicht Dekanin Seibert. „Gleichzeitig werden wir alles tun, um in dieser Situation die größtmögliche Sicherheit herzustellen und die gesetzlichen Vorschriften zu befolgen. Tagesgenaue Infos dazu wird es auf der Homepage des Evangelischen Dekanats geben.

„Wir werden uns diesen Herausforderungen stellen und auf Gottes Beistand vertrauen“

Neben den vielen abgesagten Veranstaltungen fallen auch auf der Verwaltungsebene wichtige Zusammenkünfte wie die Dekanats- und der Kirchensynode aus. Fraglich ist derzeit auch, wie die Evangelische Kirche das Osterfest, die höchste Feier im Kirchenjahr, begehen wird. „Wir werden Formate finden“, zeigt sich die Dekanin zuversichtlich. Es sind herausfordernde Zeiten für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. „Wir werden uns diesen Herausforderungen stellen und auf Gottes Beistand vertrauen“, macht Seibert Mut – und den hat die Dekanin auch selbst in einer Situation, die zwar unübersichtlich und sehr dynamisch ist, aber eben auch zeigen kann, was in den Menschen steckt, wie Solidarität gelebt werden kann und was Glaube vermag:

„Ich bin mir sicher, dass wir im Lauf der Zeit kreative Ideen für solidarische Aktionen in den Kirchengemeinden kennenlernen werden. Schon heute kann man zum Beispiel zum Läuten der Kirchenglocken gemeinsam beten und Hilfe und Beistand für die Menschen erbitten, die zum Beispiel erkrankt sind oder alleine leben. Wir sind als Christinnen und Christen gemeinsam unterwegs. Wir leben als Gemeinschaft aus dem Vertrauen auf Gottes Gegenwart. Wir stehen einander bei und unterstützen Menschen in Not. Es wird neue, spannende Kommunikationsformen und Kooperationen geben – auf jeden Fall bleiben wir mit unseren Menschen verbunden“, blickt die Dekanin nach vorne und versichert: „Trotz dieser Einschränkungen, die uns als Kirche, als ein Ort der Gemeinschaft von Menschen, bis ins Mark treffen, werden wir für die Menschen, die sich an uns wenden und uns brauchen, da sein.“

Informationen zum Umgang der Kirchen mit Corona findet man auf der Homepage des Evangelischen Dekanats (www.vogelsberg-evangelisch.de) und auf der Homepage der EKHN (www.ekhn.de). Dort findet man auch Gottesdienstangebote für Zuhause.