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Beratungszentrum Vogelsberg informiert sich über Arbeit der Suchthilfe FleckenbühlGemeinsam etwas erleben

VOGELSBERG (ol). Im November besuchten die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Beratungszentrums Vogelsberg den Hof der Suchthilfe Fleckenbühl in Cölbe – Schönstatt. Unter dem Motto „Gemeinsam was erleben“, wurde die Exkursion dazu genutzt den Kontakt und die Zusammenarbeit zwischen den Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen zu intensivieren und sich zusammen fortzubilden.

In der Pressemitteilung heißt es, die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter widmen einen Teil ihrer Freizeit der Information und Beratung von Menschen, die auf der Suche nach einem Ausweg aus der Sucht sind. Dabei werden die Ehrenamtlichen durch ihre eigene Geschichte als Betroffene/r oder Angehörige/r zu Lotsen für die ratsuchenden Menschen.

Der unbürokratischen Hilfe für Menschen, die von Sucht betroffen sind, hat sich auch die Suchthilfe Fleckenbühl verschrieben. Diese wurde 1984 von Selbstbetroffenen als eine therapeutische Selbsthilfegemeinschaft gegründet und hat seitdem unzählige Menschen in Not begleitet, sie gefördert und ist ihnen sogar ein Zuhause geworden. Mit dem Slogan „Aufnahme sofort“ wirbt die Suchthilfeeinrichtung für ihr Angebot. Zu jeder Tages- und Nachtzeit können Hilfesuchende um Aufnahme bitten und bekommen dann einen suchtmittelfreien Platz zum Leben und Arbeiten.

Der Hof Fleckenbühl wird nach den Richtlinien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bewirtschaftet und ist seit vielen Jahren demeter-zertifiziert. Die 120 Bewohnerinnen und Bewohner erwirtschaften ihren Lebensunterhalt und produzieren  ihre Lebensmittel zu großen Teilen selbst. Im Lauf der Jahre hat sich aus den bescheidenen Anfängen ein mittelständisches Wirtschaftsunternehmen entwickelt, das seine landwirtschaftlichen Erträge selbst verarbeitet und vermarktet, Essen für Kindergärten und Schulen kocht, Käse, Fleischwaren und Brot herstellt, einen Buffetservice und ein Umzugsunternehmen anbietet, sowie eine Jugendhilfeeinrichtung und einen Kindergarten betreibt.

Die Bewohner der Suchthilfe Fleckenbühl können sich beruflich qualifizieren, Schulabschlüsse nachholen und über die Mitarbeit in allen Bereichen der Einrichtung einen geregelten und sinnvollen Tagesablauf (wieder) erfahren. Die sichtbaren täglichen Erfolge tragen dazu bei, dass sich die Süchtigen stabilisieren und für die Zeit nach Fleckenbühl wichtiges Rüstzeug sammeln.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Beratungszentrums Vogelsberg waren die Erfahrungsberichte zweier Bewohner des Hofes sehr interessant. Manch ein Hilfesuchender aus dem Vogelsberg wäre bei der Suchthilfe Fleckenbühl gut aufgehoben, dachten sich wohl auch einige Berater. Besonders beeindruckend waren die Einblicke in die Organisation und das Zusammenleben, die die Bewohner selbst entwickelt und modifiziert haben.

Am Schluss des Tages und nach dem Genuss des guten selbstgemachten Essens, waren sich die Teilnehmer*nnen der Exkursion einig, dass das Angebot der Suchthilfe Fleckenbühl neben den professionellen Hilfsangeboten von ambulanter und stationärer Therapie eine wichtige und wertvolle Ergänzung darstellt und immer mitgedacht werden sollte, wenn Hilfesuchende in die Beratungsstelle kommen.

2 Gedanken zu “Gemeinsam etwas erleben

  1. …wie wenig oft Sozialarbeiter, Sozialpädagogen usw. in ihren Beratungsstellen von geeigneten Therapie-Einrichtungen und ihren Konzepten wissen. Selbst von denen, die sich nur wenige Kilometer entfernt, aber eben in einem benachbarten Landkreis befinden. So angespannt die Personalsituation in dem einen oder anderen Amt des Vogelsbergkreises auch sein mag; es sollte den Mitarbeitern ausreichend Gelegenheit gegeben werden, sich mit der Arbeitsweise der betreffenden Einrichtung(en) vertraut zu machen und ständig Kontakt dorthin zu halten. Die Technik bietet heute doch so viele Kommunikationsmöglichkeiten! Und die Qualität einer Therapie/Begleitung/Betreuung steht und fällt mit der Platzierung des Probanden in der richtigen Einrichtung! Richtig platzieren kann ich aber nur, wenn ich wirklich gute Kenntnisse über die Einrichtung(en) habe und den persönlichen Kontakt pflege.
    Sehr große Hoffnung setze ich momentan auf die Bestrebungen weitsichtiger Menschenfreunde, die Palliativ-Versorgung in unserem Landkreis endlich rflächendeckend einzurichten. Ein eigenes Sterbe-Hospitz zu installieren, müsste längst auf der Agenda der Kreisverwaltung stehen bzw. müsste ein freier Träger entsprechend unterstützt werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung und der dramatisch steigenden Zahl Hochbetagter empfinde ich das Fehlen einer solchen Einrichtung als klaffende Lücke im Netz der kommunalen Daseinsvorsorge.

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