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Die 2. Internationale Jugendklimakonferenz in Hopfmannsfeld war ein voller Erfolg – und hinterlässt AufbruchstimmungVogelsberger Klimabotschafter ziehen raus in die Welt

HOPFMANNSFELD (ol). „Die Zeit ist reif“ war auf großen Bannern im Hopfmannsfelder Pfarrhof zu lesen, in dem jetzt vom 31. Oktober bis zum 3. November die 2. Internationale Jugendklimakonferenz des Evangelischen Dekanats Vogelsberg unter dem Motto „Fleisch-Karotte-Käfer – Ernährungsstile der Zukunft“ stattgefunden hat. „Die Zeit ist reif für viel Nachhaltigkeit“ sangen auch die beiden Musiker Kathrin Wiegand aus Dirlammen und Killian Jäkel aus Gießen bei ihrem Auftritt während des Eröffnungsgottesdienstes in der Hopfmannsfelder Kirche am Donnerstagabend. Und dass die Zeit reif ist, genau jetzt gemeinsam etwas zu bewegen – das war an allen vier Tagen der Konferenz in Hopfmannsfeld deutlich zu spüren.

Rund 35 Klimabotschafterinnen und –botschafter sowie zahlreiche Interessierte im Alter zwischen 13 und 66 Jahren aus dem Vogelsbergkreis, verschiedenen Städten Deutschlands sowie aus Mexiko, Argentinien, Togo, Indien und Brasilien waren am Donnerstagabend in Hopfmannsfeld, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Lautertal im mittelhessischen Vogelsbergkreis, angereist. Auch einige Bewohner des idyllischen 300-Seelen-Örtchen sowie dem Umland hatten sich für den Klimagipfel angemeldet oder waren ganz spontan vorbeigekommen. Gemeinsam wurde gelernt, diskutiert, hinterfragt, ausprobiert, gekocht, gegessen, getanzt und gelacht.

Mawuli Assimadi (rechts) aus Togo ist Stipendiat der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland). Er hat in einem Workshop über den Klimawandel in seiner Heimat gesprochen. Alle Fotos: Patricia Luft

Alle Konferenzteilnehmer hatten dieselbe Mission: Sich auszutauschen und schlau zu machen über Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Ernährung, Grüne Reformation und Bewahrung der Schöpfung. Das Ziel: „Jeder Klimabotschafter soll Fachwissen, Ideen und Motivation zur Gestaltung von nachhaltiger Zukunft mitnehmen und nach der Konferenz in seine Lebenswelten tragen“, erklärt Jutta Marth-Steckenreuter, Dekanatsjugendreferentin beim Evangelischen Dekanat Vogelsberg.

Die jungen Leute, die in verschiedenen Netzwerken wie der Evangelischen Jugend Hessen und Nassau, dem DRK, in Vereinen oder umliegenden Kirchengemeinden aktiv sind, sollen so in der heimischen Region und darüber hinaus gemeinsam aktiv werden und als Multiplikatoren und Umweltbotschafter fungieren.


Auch für „Klimakids“ gab es einen Workshop: Die Kinder haben eine „Klimakuh“ gebastelt und ihre Ideen darauf festgehalten. Annika Gramoll vom Zentrum für gesellschaftliche Verantwortung der EKHN fragte die Kinder dann nach ihren Ergebnissen.

Vielfältige Gäste aus Initiativen, Politik und Wissenschaft

Verschiedene Fachvorträge und Gespräche mit Referenten aus Wissenschaft, Religion, Politik und Alltag wurden angeboten, wie zum Beispiel von Dr. Maren Heincke vom Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EHKN) in Mainz, Christian Hendrichs, Vorstandsmitglied im Paritätischen Bildungswerk Hessen und Referent zum Thema globale Ernährung, oder Dr. Karsten Schulz, Referent für Evangelische Jugend in ländlichen Räumen bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (AEJ). Auch der Erste Kreisbeigeordnete des Vogelsbergkreises, Dr. Jens Mischak, war zu Gast und sprach mit den Jugendlichen unter anderem über die Vielfalt der regionalen Produkte, die der Vogelsbergkreis zu bieten hat.

Neben Bibelarbeit und Diskussionsrunden kam das Praktische ebenfalls nicht zu kurz: Auch Exkursionen standen auf dem Programm, zum Beispiel zu einem Ziegenhof in der Nachbarschaft. Zudem konnten die Jugendlichen verschiedene Workshops mitmachen und zum Beispiel Gedichte mit der promovierenden Ecopoetryslammerin Katharina Kalinowski zum Thema Nachhaltigkeit verfassen, mit der reflektierten Anglerin Maria Hoyer Forellen räuchern, mit dem fernsehbekannten Extrembotaniker Jürgen Feder essbare Pflanzen am Wegesrand sammeln, mit dem Landfrauenverein ohne Strom Brot backen im Hopfmannsfelder Backhaus oder mit Gartenpädagogin Heike Günther Hagebuttenmarmelade, Nussbutter und Jungmetzger Thomas Fahrenbach Wurst selbst herstellen.

In Diskussionsrunden tauschten sich die Teilnehmer über Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Ernährung, Grüne Reformation und Bewahrung der Schöpfung aus.

„Uns war es wichtig, dass die Jugendlichen einen neuen Zugang zu Lebensmitteln erfahren, sich ausprobieren können und Spaß daran haben, Sachen mit allen Sinnen selbst zuzubereiten“, erklärt Sophie Schramm vom Gemeindepädagogischen Dienst des Evangelischen Dekanats Vogelsberg. „Wir wollten, dass die Jugendlichen Lebensmittel wieder zu schätzen wissen und somit hoffentlich künftig bewusster konsumieren, darauf achten, woher die Sachen stammen und weniger wegschmeißen.“


Wer sich zwischen dem breiten Angebot auch einmal zurückziehen und seine Gedanken sammeln wollte, der konnte dies in der Hopfmannsfelder Kirche tun. Diese war während der ganzen vier Tage geöffnet und lud bei bunter Beleuchtung auf kuscheligen Decken und Kissen zum Entspannen und sich Besinnen ein. Aufgebaut war in der Kirche zudem ein „Klimabaum“, an dem die Jugendlichen sowie die Besucher ihre Gedanken und Anregungen auf Zetteln befestigen konnten. Auch Notizbücher für persönliche Gedanken sowie verschiedene Fachbücher zum Klimawandel lagen in der Kirche aus.

Christian Hendrichs, Vorstandsmitglied im Paritätischen Bildungswerk Hessen, referierte zum Thema globale Ernährung.

Kirchenpräsident besuchte alte Heimat

Am Samstag schaute auch Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), in Hopfmannsfeld vorbei. Jung, der in Schlitz und Lauterbach zur Schule gegangen war und jahrelang als Pfarrer in Lauterbach sowie als Dekan im Altdekanat Vogelsberg tätig war, freute es besonders, „zurück in die alte Heimat zu kommen und viele alte bekannte Gesichter auf der Jugendklimakonferenz wiederzusehen“.

Bereits am Donnerstagabend hatte sich Jung anlässlich des Reformationstages am 31. Oktober im diesjährigen Reformationsgottesdienst in Wiesbaden für ein starkes gesellschaftliches Engagement der Kirche, beispielsweise in Fragen des Klimaschutzes, ausgesprochen. Die EKHN hatte das Thema Klimawandel in diesem Jahr in den Mittelpunkt ihrer zentralen Reformationsfeier gestellt. Volker Jung erteilte dabei allen Stimmen eine Absage, die der Kirche nahelegten, sich aus politischen Fragen herauszuhalten.

„Wer sich von Gottes Wahrheit und seiner Liebe leiten lässt, sieht nicht nur den Nächsten mit anderen Augen, sondern auch diese Welt“, sagte Jung. So sei die Welt den Menschen nach christlichem Verständnis „von einem liebenden Gott anvertraut worden, dass wir sie bebauen und bewahren.“ Jung betonte: „Deshalb kann und darf es uns nicht egal sein, ob wir mit der Art, wie wir leben, den nächsten Generationen die Lebensgrundlagen entziehen.“


Bei verschiedenen Workshops konnten die Jugendlichen zum Beispiel Brot backen – ganz ohne Strom im Hopfmannsfelder Backhaus.

Auch in Hopfmannsfeld machte er vor den Konferenzteilnehmern deutlich: „Die Welt und das Leben sind ein Geschenk Gottes. Wir sind in einer Phase, in der ein menschengemachter Klimawandel die Welt verändert. Wenn es so sein soll, dass auch die nächsten Generationen noch in dieser Welt leben können, dann müssen wir etwas tun!“ Weiterhin lobte der Kirchenpräsident die Vogelsberger Jugendklimakonferenz: „Wir sind stolz darauf, dass solche Veranstaltungen in unserer Kirche stattfinden – vor allem auf dem Land.“

Ein dringendes Anliegen, auch für Dekanatsjugendreferentin Kristina Eifert: „Uns war es besonders wichtig, dass wir mit der Jugendklimakonferenz weiterhin politische Dialogräume auf dem Land schaffen, denn hier findet Klimawandel statt, nicht nur in den Städten.“ Eifert weiter „Die kommende Transformation wird sich auf das Leben auf dem Land auswirken. Jetzt müssen wir Landbewohner, solidarisch mit allen Menschen weltweit, die auf dem Land wohnen und es bewirtschaften, die Zukunft nachhaltig gestalten, die Expertise liegt in diesem Thema bei uns.“

Einer von zahlreichen Workshops: Hagebuttenmarmelade selbst machen.

Ende der Veranstaltung steht für Neubeginn im alltäglichen Handeln

Kristina Eifert, Jutta Marth-Steckenreuter und Sophie Schramm, die bei der Organisation der Klimakonferenz, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird, tatkräftig von Ehrenamtlichen unterstützt wurden, sind sich einig. „Es war eine sehr gelungene Konferenz und eine sehr bereichernde Zeit.“


Aus all den Ergebnissen, Anregungen, Kritikpunkten und Ideen soll jetzt ein „Päckchen“ gepackt werden, das die Klimabotschafter nun in ihre verschiedenen Gremien und Alltagswelten tragen sollen, um die Nachricht zu verbreiten: „Die Zeit ist reif für viel Nachhaltigkeit“, denn: „There is no Planet B!“

Auch Vertreter aus der Politik waren auf der Konferenz zu Gast, zum Beispiel der Erste Kreisbeigeordnete des Vogelsbergkreises, Dr. Jens Mischak.

Dieses Päckchen wird aber auch an wichtige Vertreter in Kirche, Politik und Wirtschaft gesendet, um Entscheidungsträger auf allen Ebenen für eine nachhaltige, lebenswerte Zukunft zu begeistern. Das wichtigste sind jedoch die Menschen selbst, die in kleinen Schritten und mit Freude an Veränderungen Transformation bewirken.

Deswegen steht das Ende der Veranstaltung für einen Neubeginn im alltäglichen Handeln von allen Beteiligten: „Wenn viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Die Konferenzteilnehmer und Teilnehmerinnen wünschen sich für die Zukunft: „Machen auch Sie mit!“

Kathrin Wiegand aus Dirlammen und Killian Jäkel aus Gießen bei ihrem Auftritt während des Eröffnungsgottesdienstes in der bunt beleuchteten Hopfmannsfelder Kirche am Donnerstagabend.



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