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Kompass Leben schafft Begegnungstätte am Markt 12„Wir wollen zeigen, was Menschen mit Behinderung können“

ALSFELD (ol). Dass sich auf dem Alsfelder Marktplatz so einiges tut, ist nicht zu übersehen. Auch das Haus „Zum Schwanen“ am Markt 12 soll bald wieder mit Leben gefüllt werden. Mit viel Leben, denn hier plant Kompass Leben die Eröffnung einer inklusiven Begegnungsstätte mit Ladengeschäft, Workshop-Bereich, Ausstellungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten und einem vielfältigen Dienstleistungsangebot, das einige Neuheiten für Alsfeld bereithält.

In der Pressemitteilung von Kompass Leben heißt es, nachdem es bereits in einer ersten Info-Veranstaltung um eine mögliche Produktauswahl und Veranstaltungs- und Workshop-Reihen gegangen war, stellten Frank Haberzettl (Vorstand), Micheal Dippel (Werkstattleiter Alsfeld) und Berthold Sommer (Verantwortlicher Projekte) ihr Konzept nun im Rahmen einer zweiten Veranstaltung am Markt 12 vor. Neben Bürgermeister Stephan Paule und Wirtschaftsförderer Uwe Eifert waren Interessierte aus den angrenzenden Geschäften gekommen sowie Künstlerinnen und Künstler, die hier Möglichkeiten bekommen sollen, ihre Werke zu präsentieren und auch zu verkaufen.

„Wo kann man mehr in der Mitte sein als auf dem Alsfelder Marktplatz?“ Mit dieser eher rhetorischen Frage startete Frank Haberzettl seine Ausführungen zur Motivation von Kompass Leben, genau in diesen Räumen Begegnung zu schaffen, das Arbeiten und Wirken von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu bringen, diese zu einem selbstverständlichen Teil des Ganzen werden zu lassen. Dabei betonte er, dass „Markt 12“, wie die Räumlichkeiten auch offizielle heißen werden, nicht als soziales Projekt gedacht sei, sondern als Laden mit Ansprüchen sowohl an die kommunale Inklusion als auch die regionale Ökonomie.

Konzept, dass sich ständig weiter entwickeln soll

„Wir wollen zu einer dauerhaften und attraktiven Einrichtung für die Stadt und ihre Menschen werden“, stellte Haberzettl fest und präsentierte bereits vorhandene Ideen eines Konzeptes, das sich ständig weiterentwickeln wolle: Laden für hochwertige regionale Erzeugnisse wie Handwerk, Kunst und Lebensmittel, Infoladen mit Steckbriefen aller Kooperationspartner, die „Markt 12“ als Schaufenster für ihr eigenes Geschäft nutzen können, Stehcafé und Veranstaltungsort, sozialraumorientierte Arbeits- und Produktionsstätte, stadtnahe Dienstleistungen.

Eine kleine, aber interessierte Runde hatte sich zur zweiten Info-Veranstaltung zum Projekt „Markt 12“ eingefunden. Fotos: Traudi Schlitt


All das führten Michael Dippel und Berthold Sommer aus: „Wir wollen zeigen, was Menschen mit Behinderung können“, definierte der Werkstattleiter ein Anliegen der „Werkstatt in Aktion“, die im „Markt 12“ geplant sei. Mit einer Mitmach-Werkstatt, der Fertigung von Eigenproduktion und Dienstleistungen wie Botengängen, Verteilen von Flyern, Aufbauhilfen bei Veranstaltungen auf dem Marktplatz oder der Aufbewahrung und Austragen von Einkäufen wolle man „nach draußen gehen“.

Das Angebot, das bereits aus den Werkstätten von Kompass Leben bekannt sei und von Kunden wie Vereinen, Privatpersonen und Unternehmen sehr geschätzt werde, gebe dies her und könne auch in Alsfelds Mitte präsent sein. „Wir stellen fest, dass gerade das Arbeiten unter realistischen Bedingungen wie beispielsweise in den Schulbistros, die wir versorgen und betreiben, für unsere Menschen eine wichtige Erfahrung sein kann.“ Gleichzeitig sieht Dippel mit dem Angebot aber auch „eine Bereicherung für den Marktplatz“.

Eine spannende, lebhafte Geschichte

„Je mehr wir uns damit beschäftigen, umso mehr Ideen bekommen wir“, begeisterte sich Berthold Sommer für „Markt 12“: „Wir könnten beispielsweise einen Hochzeitsservice anbieten für die Sektempfänge nach den Trauungen, da müssten sich die Gäste und Freunde um nichts mehr kümmern.“ Mit im Boot sei auch der Alsfelder Fotograf Gerd Ludwig, der eigens eine Postkartenserie für das Projekt freigebe, auch andere Künstler wie Bodo Rune haben bereits ihre Mitwirkung zugesagt. „Es wird also durchaus eine spannende, lebhafte Geschichte werden“, lautete der Ausblick.

Ein dauerhaftes, attraktives Angebot für Alsfeld kündigte Kompass-Leben-Vorstand Frank Haberzettl an.

Eine weitere Funktion komme dem Laden auch als Event-Location am Markt vor. Geplant sind Workshops, Lesungen, Ausstellungen und kleine Märkte und Themenabende, aber auch die Teilnahme an den Veranstaltungen am Marktplatz und in der Altstadt, skizzierte Berthold Sommer weitere Planungen. Ganz konkret werde dies schon in Kürze: Anlässlich der nächsten Baustellenparty auf dem Marktplatz könne er sich gut eine Teilnahme von „Markt 12“ vorstellen, lud Uwe Eifert ein. Und auch zur Zauberhaften Nacht Ende September will man hier erstmals seine Pforten für die Alsfelder Öffentlichkeit öffnen und zeigen, wie man Inklusion, Kreativität, Begegnung und schönes Leben gut verbindet.