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Alsfelder Weltladen eröffnet unter riesiger Resonanz neuen Laden am MarktplatzFaires Handeln im Zentrum der Stadt

ALSFELD (ol). Es war mächtig was los auf dem Alsfelder Marktplatz am vergangenen Samstag, und das soll auch so bleiben – zumindest, wenn es nach dem Willen des Vereins Weltladen Alsfeld geht, denn sein neuer Laden gehört ab sofort zum Marktplatz-Ensemble und rückt fairen Handel, hochwertige Geschenkartikel und eine große Portion Ehrenamt in das Zentrum der Stadt.

Die Eröffnung der neuen Räume lockte viele Menschen an – teilweise war gar kein Durchkommen mehr, was wohl auch an der lautstarken Begrüßung durch die Trommelgruppe Bambeto unter der Leitung von Astrid Schweisgut lag, heißt es in der Pressemitteilung des Weltladens. Sie und eine lange Reihe organgefarbener Schuhe, die vom alten an den neuen Standort führten, machten neugierig auf das, was sich vor wenigen Tagen noch hinter Bauplanen und Gerüsten verbarg.

„Wir haben viel geschafft“, freute sich Hildegard Maaß, Vorsitzende des Vereins, in ihrer Begrüßung. Sie blickte in die strahlenden, stolzen Gesichter ihrer Mitstreiter und Mitstreiterinnen aus dem Verein und in begeisterte Mienen der Gäste, Kunden und Freunde des Weltladens. Besonders hervor hob sie in ihrer kurzen Ansprache die Leistungen des Innenausbauteams des Ladens, Sabine Kehm und Gerd Heylmann, sowie die Beraterleistungen von Bede Godwyll, der im Auftrag der Fairhandelsgesellschaft GEPA die Geschicke des Weltladens seit Beginn seiner Aktivitäten im Jahr 2003 begleitet.

„Wir haben es geschafft!“ – Hildegard Maaß, Vorsitzende des Weltladen Alsfeld e.V., freute sich mit allen Mitgliedern. Fotos: Tanja und Tobias Gremmel

Gerade sein Businessplan habe den Mitgliedern Klarheit über das Vorhaben gegeben, unterstrich Maaß im Verlauf des Tages. Ihr Dank galt weiterhin den Beratungen und Förderleistungen der Stadt Alsfeld und der Gesellschaft für Regionalentwicklung Vogelsberg Consult, deren Vertreter Michael Poschen auch vor Ort war. „Es tut gut, so viel Einsatz zu erleben“, wandte sich Maaß besonders an die aktiven Vereinsmitglieder, die in den vergangenen Wochen ein für Ehrenamtliche unglaublich großes Projekt gestemmt haben, dessen Ziel es am Ende ist, den Menschen in den südlichen Lieferantenländern ein besseres, ein würdigeres Leben zu ermöglichen.


Eine Stärkung für den Weltladen

Für den richtigen Groove zwischen den Grußworten sorgte mit Hendrik Dampf, Erwin Fauß, Sabine Klohk und Anja Röhrig eine kleine, aber feine Abordnung der „Tollen Tröten“, die unter der Leitung von Ulrike Schimpf aktiv sind. Sie hatten vier Richtig-Gute-Laune-Stücke dabei und nahmen die Gäste auch musikalisch auf eine kleine Weltreise mit.
„Der Weltladen macht den Marktplatz noch einmal mehr zum Anziehungspunkt“, freute sich Bürgermeister Stephan Paule in seiner Ansprache. Die Lage „im Herzen der Stadt“ stärke den Weltladen, den Marktplatz und Alsfeld, so die Einschätzung des Rathauschefs, der die Nutzung des alten Fachwerkhauses als ebenso nachhaltig bezeichnete wie die ausgewählte und fair gehandelte Ware. Paule unterstrich den Wert dieser Verbindung wie auch den Wert des Ehrenamtes.

Sabine Klohk, Hendrik Dampf, Erwin Fauß und Anja Röhrig unterhielten die Gäste im Weltladen wirklich heißen Rhythmen.

Die GEPA-Fairhandelsgesellschaft ist ein großer und langjähriger Partner des Alsfelder Weltladens. Ihr Vertreter Bede Godwyll hat alle Entwicklungsschritte des ehrenamtlichen Projekts begleitet und zeigte sich anlässlich der Eröffnung der neuen Räume begeistert wie alle, die den Laden betraten. Sein Augenmerk galt den Menschen im Verein, die stets eine Weiterentwicklung des Weltladens im Blick hatten, dabei aber nie die Kosten und die Machbarkeit aus den Augen verloren haben. „Ihr wart stets vorsichtig, aber nie ängstlich“, attestierte Godwyll dem Weltladen-Team, „und ihr legt, wenn ihr euch entschieden habt, eine unglaubliche Dynamik und Energie an den Tag.“

Im Lauf der Jahre habe sich der Weltladen mehr und mehr professionalisiert, beschrieb der Fairhandelsexperte die Entwicklung, die nun dazu führe, Fair Trade ins Zentrum zu rücken. „Fair Trade und Faires Bewusstsein sind hier zuhause“; sagte Godwyll, der den Weltaden in Alsfeld zu einem der größten in Hessen zählt. An die Gäste gerichtet, betonte Godwyll, dass der Kauf im Welt laden die Welt gerechter mache: „Jeder Einzelne kann Veränderung herbeiführen.“

Vom Ergebnis der Umbauarbeiten begeistert

Für den Verband „Weltläden in Hessen“ e.V. war Christine Feiler nach Alsfeld gereist. Auch sie zeigte sich begeistert vom Ergebnis der Umbauarbeiten sowie der Einkaufs- und Deko-Teams. „Man sieht, dass die Menschen hier mit Liebe und Engagement bei der Sache sind und den Blick nicht nur vor die eigene Haustüre, sondern auch in die Welt hinaus richten.“
Auch Marc und Tobias Diehl als Besitzer und Vermieter des Hauses überbrachten Glückwünsche in dem Bewusstsein, mit den Weltladen-Aktiven genauso fleißige und rührige Menschen gewonnen zu haben, wie sie selbst sind: Nach mehr als vier Jahren Bauzeit sei alles just-in-time fertig geworden, so Tobias Diehl, der Enthusiasmus und Schaffenskraft des Vereins lobte. Auch er unterstrich die glückliche Verbindung von nachhaltiger Nutzung vorhandener Bausubstanz und fairem, nachhaltigen Handel.


Die Vermieter Marc und Tobias Diehl freuten sich sichtlich über die Tatkraft ihrer neuen Mieter.

Es folgten viele weitere Gratulationen und bewundernde Worte der Gäste, die sich gerne in dem hochwertigen, farbenfrohen und abwechslungsreichen Sortiment umsahen und kleine Köstlichkeiten genossen, deren Herkunft und Herstellung Bede Godwyll im Verlauf noch näher vorstellte. In einer Art „Kleines Genuss-Seminar“ konnten die Gäste im Weltladen viel über fair gehandelte Kaffees, Tees und Schokoladen lernen – warum Honig aus Mexiko sinnvoll ist und manche Kaffees eine Crema haben, was weißen Tee so teuer macht und welche Schokolade am besten durch die kalten Vogelsberger Winter hilft.

All das können Kunden und Interessierte ab sofort auch im Alsfelder Weltladen erfahren – denn der steht allen Menschen offen, die sich für Schönes, Faires und Biologisches interessieren und natürlich dafür, Menschen in ärmeren Regionen mit ihrem Kauf ein besseres, ein bleibenswertes Leben zu ermöglichen und Perspektiven zu geben.

Bede Godwyll von der Fairhandelsgesellschaft GEPA war maßgeblich an der Entwicklung des Weltladens beteiligt.

Zwei Fragen an Bede Godwyll

Was macht den Alsfelder Weltladen so erfolgreich?


Der Weltladen Alsfeld handelt als Verein planvoll und demokratisch. Die Schritte zu Veränderungen werden diskutiert, es werden Informationen gesammelt, es wird geplant und überarbeitet. Am Ende werden die Entscheidungen von allen mitgetragen und umgesetzt – man ist sich einig, und das ist sehr wertvoll.

Immer mehr Supermärkte haben fair gehandelte Ware im Sortiment? Welche Bedeutung haben da noch die Weltläden?

Im Weltladen ist alles fair, und nicht nur ein, zwei Regale mit Lebensmitteln. Wir freuen uns zwar, dass das Bewusstsein der Menschen sich dahingehend verändert hat, dass sie auch im Supermarkt über faire Ware nachdenken, aber es bliebt eben bei einer kleinen gelisteten Auswahl. Wenn man sich hier umsieht, sieht man eine große Vielfalt und neben den Lebensmitteln ganz viele andere Waren. Besonders das Kunsthandwerk, das in der Regel von Frauen hergestellt wird, nimmt einen großen Stellenwert ein und schafft gute Perspektiven.


Ein Gedanke zu “Faires Handeln im Zentrum der Stadt

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Wiedereröffnung des Weltladens. Viel Erfolg wünscht Annette Maletzke vom Weltladen Norderstedt bei Hamburg.

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