Gesellschaft0

Evangelisches Dekanat Vogelsberg verabschiedet Christian Hendrichs in den RuhestandJahrzehnte im Dienst von Geflüchteten

ALSFELD (ol). Anderthalb Jahre nur hatte Christian Hendrichs seine Stelle im Dekanat Vogelsberg inne – hier war er auf einer Projektstelle, gefördert mit Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie, zuständig für Freiwilligenmanagement und tätig in der Flüchtlingsberatung. Nun trat er den Ruhestand an, und das Evangelische Dekanat ebenso wie einige Weggefährten in der Asylberatung würdigten sein Wirken im Rahmen einer kleinen Abschiedsveranstaltung.

Die achtzehn Monate auf dieser Stelle habe der Pädagoge und langjährige Vorsitzende des Hessischen Flüchtlingsrates gut genutzt, wie ihm Präses Sylvia Bräuning bestätigte. Hendrichs‘ fundiertes Wissen um die Möglichkeiten und Fallstricke im Asylverfahren einerseits und sein starkes Netzwerk andererseits waren laut Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats vielen Menschen mit Migrationshintergrund in Alsfeld und im gesamten Vogelsberg hilfreich, wie Ralf Müller, der als Referent für Bildung und Ökumene im Dekanat diese Stelle geschaffen und den Bereich der Flüchtlingsarbeit vor vielen Jahren bereits aufgebaut hat, in seiner Laudatio sagte.

Ralf Müller fand warme und wertschätzende Worte für seinen scheidenden Kollegen. Fotos: Michaela Rojahn

„Als wir wegen interner Umbesetzungen die beiden Stellen im Freiwilligenmanagement neu ausschreiben mussten, waren wir froh, dass du, Christian, deine berufliche Laufbahn gerne bei uns beenden wolltest“, sagte Müller. Zuvor hatte Hendrichs bereits mit der Hessischen Diakonie die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit aufgebaut, Müller und er kannten sich schon aus vielen Projekten – es war also klar, dass es gut passen würde. „Die Arbeit mit Geflüchteten lag Christian Hendrichs stets am Herzen“, sagte Müller in seiner Ansprache.

Seit 1995 ehrenamtlich bei Pro Asyl

Seit 1995 bereits arbeitete der Pädagoge ehrenamtlich für Pro Asyl in der Verfahrensberatung. In dieser Tätigkeit, die er auch im Dekanat ausgeübt hat, habe er zum einen viele schöne Erlebnisse gehabt, wie vor kurzem erst wieder eine Familienzusammenführung, aber auch viel Trauriges erlebt, mit dem er immer wieder habe fertig werden müssen, berichtete Müller, der im Dekanat ein Büro mit Hendrichs teilte.


Ein Schwerpunkt der Arbeit mit Geflüchteten liege inzwischen mehr und mehr auf der beruflichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Auch hier habe Hendrichs viel erreicht, beispielsweise sei er maßgeblich an der Eröffnung eines neuen afghanischen Restaurants in Alsfeld beteiligt gewesen. Als Atheist und im Vogelsbergkreis engagierter Politiker der Linken habe er sicher das eine oder andere Mal mit der Kirche auf Kriegsfuß gestanden, vermutete Müller.

Vielleicht habe das im Dekanat erlebte Engagement der kirchlichen Haupt- und Ehrenamtlichen Hendrichs aber auch ein wenig mit der Institution versöhnt, hoffte der Referent, der seinerseits fand, dass Hendrichs mit seiner Haltung gut ins Dekanat und ins christliche Umfeld passte, und der seinen scheidenden Kollegen mit dem Pauluswort „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“ verabschiedete.

Müller wies auch darauf hin, dass eine halbe Stelle im Bereich des Freiwilligenmanagements, hier insbesondere die Betreuung des Sprachmittler-Pools, nun aus anderen Mitteln gefördert wird und mit Molurtuya Bodigerel-Köhler weitergeführt wird. Das letzte offizielle Wort gehörte Christian Hendrichs. Er lobte den guten, solidarischen Umgang der Menschen miteinander. „Ich bin glücklich, mein berufliches Leben mit einer so positiven Arbeitserfahrung zu beenden.“