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Nachdenkliche Worte zur Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Alsfeld„Es bleiben Bilder, dieses Einsatzes und auch der vielen vorher“

ALSFELD (pw). „Und es bleibt lange im Kopf“, mit nachdenklichen Worten blickte Alsfelds Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer am Samstag auf das Jahr 2018 zurück. Anlässlich der gemeinsamen Jahreshauptversammlung aller Einsatzabteilungen stellte er den zehnseitigen Jahresbericht in der Feuerwache am Fulder Tor vor. Die 324 Feuerwehrleute leisteten exakt 21.638 ehrenamtliche Dienststunden, fast 300 Einsätze gab es im vergangenen Jahr zu bewältigen. Diese gliederten sich in 32 Brände, 185 technische Hilfeleistungen und 75 Fehlalarme.


Was sich hinter den nüchternen Zahlen versteckt, wurde von Stadtbrandinspektor Schäfer an ausgewählten Einsätzen deutlich. „Mein Bericht enthält die üblichen Zahlen, Daten und Fakten die zu einer Jahreshauptversammlung gehören, aber hinter diesen Zahlen stehen Schicksale, Eindrücke, Bilder, Gerüche und vieles mehr“, sagte Schäfer. So führte er einen Verkehrsunfall vom vergangenen Wochenende mit einem Todesopfer an.

„Den Eingeklemmten kannten wir, es war ein Kamerad in anderer Uniform. Einer von uns, einer von den Helfern“, so Schäfer. Wie er sagte, starb an diesem Tag ein Mensch, Vater und Polizist. „Ein Einsatz, der nicht ohne Spuren an mir und am Rest der Helfenden vorüberging“, legte Schäfer offen. Aus seiner Sicht macht es einen Einsatz ungleich schwerer, wenn man die Beteiligten kennt und schätzt. „Es bleiben Bilder, dieses Einsatzes und auch der vielen vorher. Die Bilder im eigenen Kopf. Und es bleibt lange im Kopf“, so der Stadtbrandinspektor zum laut seinen Worten „Fluch der Helfer“. Weitere Erinnerungen widmete er den zahlreichen Einsätzen um Sturm Friedericke, einem schweren Gefahrgutunfall auf der Autobahn und einer automatischen Brandmeldeanlage, die ein Feuer in der Gerhart-Hauptmann-Schule frühzeitig entdeckte.

Ein weiterer Einsatz blieb dem Stadtbrandinspektor besonders in Erinnerung, dabei hatte ein Auto drei Fußgänger an einer Kreuzung in Alsfeld erfasst. Zwei von ihnen mussten lebensbedrohlich verletzt mit Rettungshubschraubern in Kliniken geflogen werden, darunter ein kleines Mädchen. „Ich freue mich, dass das kleine Mädchen, trotz extrem schlechter Prognosen, wieder fit ist und seit kurzem wieder in der Schule ist. Eine sehr gute Nachricht von einem Einsatz, der nicht nur mich lange beschäftigt hat“, so Schäfer. Deutliche Kritik sprach er im Hinblick auf den Missbrauch des Notrufes aus, zu dem es im Vorjahr einmal kam.

Ernennung Volker Knauff zum Ehrenwehrführer mit Gratulation durch Stadtbrandinspektor Schäfer. Alle Fotos: Philipp Weitzel

Die Zahl der Aktiven bezifferte der Stadtbrandinspektor mit 57 Kindern, 66 Jugendlichen, 324 Einsatzkräften und 44 Musikern auf 491. Die Zahl der Mitglieder in den Fördervereinen gab er mit 2.063 an. Die Alsfelder Feuerwehrleute absolvierten im Vorjahr 89 Lehrgänge und Seminare, dafür wurden 3.148 Stunden aufgebracht. An der eigenen Feuerwache wurden elf Lehrgänge angeboten, schwierig gestaltete sich durch die fehlende Übungsanlage die Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern. Für insgesamt fünf Brandsicherheitsdienste waren 113 Personalstunden nötig, für sechs Brandschutzerziehungen und zwei Brandschutzaufklärungen wurden zur Schulung von 247 Personen etwa 90 Personalstunden aufgebracht.

Eine Kooperation gab es mit mehreren Landwirten, die im Hitze-Sommer ihre Wasserfässer für mögliche Waldbrände zur Verfügung stellten. Für die Einsatzleitung wurde neue Software beschafft, diese zeigt beispielsweise bei einem Brand die nächstgelegenen Hydranten an. Insgesamt wurden rund 320.000 Euro durch die Stadt Alsfeld in die Feuerwehr investiert, demnächst soll ein neuer Einsatzleitwagen in den Dienst gestellt werden. Zu den Investitionen machte der Stadtbrandinspektor deutlich: „Wir machen uns viele Gedanken darüber, ob und was man wirklich an Geld für die Feuerwehr ausgeben muss. Wir wollen keinen Luxus, sondern nur das, was wir wirklich brauchen“.

Kinder- und Jugendfeuerwehr

Rund um die 66 Jugendlichen in vier Jugendfeuerwehren und die 58 Kinder in vier Kinderfeuerwehren drehte sich der Bericht der Stadtjugendfeuerwehrwartin Corinna Schlitt. Es konnten 5 neue Mitglieder in den Jugendfeuerwehren und 33 neue Mitglieder in den Kinderfeuerwehren begrüßt werden. Über 2.900 ehrenamtliche Stunden wurden für die Jugendarbeit geleistet, über 1.000 Stunden für die Betreuung der Kinder. Hinzu kamen fünf Tage für Freizeiten und Ausflüge. „Im vergangenen Jahr war es wieder abwechslungsreich“, so Schlitt. Die Stadtjugendfeuerwehr organisierte für den Feuerwehrnachwuchs eine dreitägige Freizeit ins Sauerland.

Florianmedaille der Stadt Alsfeld in Bronze für Ottmar Schmidt durch Bürgermeister Paule verliehen.

Arbeit in den Fachbereichen

Mathis Kruse gab einen Bericht über den Fachbereich für Gefahrgut und dem sogenannten GABC-Zug. Dieser zählt 35 Angehörige und erbrachte im Vorjahr eine 469-stündige Arbeit im Katastrophenschutz. Wie Kruse informierte, lag der Schwerpunkt auf der Ausbildung in Messtechniken und der Dekontamination, unter anderem wurde an einer Tierseuchenübung des Landkreises teilgenommen. Zum Einsatz kamen die Spezialisten bei einem Austritt von Nitrosen in Ulrichstein sowie bei Brandrauchmessungen.

Den Bericht des Fachbereichs Ausbildung stellte Sascha Knaust vor. Er berichtete von modernen Ausbildungsmöglichkeiten mit Einsatzsimulationen, einem gasbetriebenen Brandsimulator und Trainings mit Atemschutzgeräten. Besonderes Augenmerk legte er auf den zweiten Teil der sogenannten Truppmannausbildung, hierbei wurden 89 Feuerwehrleute trainiert. Insgesamt leistete der Fachbereich 755 Personalstunden an neun Ausbildungsterminen.

Grußworte

Bürgermeister Stephan Paule dankte den Feuerwehrleuten für ihr Engagement. Er hob die über 21.000 ehrenamtlichen Dienststunden hervor, die Ausdruck für das Herz, den Ehrgeiz und die Identifikation mit der Stadt Alsfeld seien. Wie er sagte, besteht ein Konsens in der Stadtpolitik für die Bedeutung und die Finanzierung der Feuerwehr. „Für die körperliche und seelische Belastung braucht es die bestmögliche Ausrüstung“, so Paule. Er sprach von einem neuen Höchststand der Investitionen für die Feuerwehr im städtischen Haushalt. Er kündigte eine Erneuerung der Feuerwehrhäuser in den Stadtteilen an. „Die Stadt und die Stadtpolitik haben ein klares Bekenntnis zu den Investitionen abgegeben“, so der Bürgermeister.

Gruppenfoto Beförderungen und Katastrophenschutz-Medaille.

Er verwies jedoch zugleich auf eine Prioritätenliste, nach der die Erneuerungen Schritt für Schritt umgesetzt werden. „Es gibt ein großes Bekenntnis der Politik und ein Versprechen von mir, damit die Schlagkraft und Motivation der Feuerwehr aufrechterhalten wird“, so Paule. Aus seiner Sicht muss für eine zukunftsfähige Stadt der Schutz der Bürger sichergestellt werden. „Die Freiwillige Feuerwehr ist in der Stadt Alsfeld verankert, ihre ehrenamtliche Arbeit ist anerkannt und geschätzt“, so der Bürgermeister. Stadtverordnetenvorsteher Michael Refflinghaus machte seinen Standpunkt zur Wichtigkeit der Feuerwehr deutlich.

Er dankte Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer für die Schilderungen, welches Leid und welche Belastung hinter einem Einsatz stehen. „Das müssten eigentlich mal unsere Bürger hören, um die Leistungen noch mehr wertzuschätzen“, so Refflinghaus.

Landrat Manfred Görig hob die neuen Herausforderungen der Freiwilligen Feuerwehren bei Unwettern, Trockenheit und Verkehrsunfällen hervor. Aus seiner Sicht leistet die Alsfelder Feuerwehr eine ehrenamtliche Arbeit zum Wohle der Bevölkerung über die Stadtgrenzen hinaus. „Das was sie leisten ist enorm“, so Görig. Wie er sagte, ist die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Alsfeld eine Stütze der Feuerwehren im Vogelsbergkreis. Defizite räumte er im Hinblick auf die Etablierung der digitalen Alarmierung ein, diese würden jedoch aufgearbeitet. Er forderte die Feuerwehrleute bei Problemen auf, ihn direkt zu kontaktieren. „Schreibt nicht über die Zeitungen an mich“, so der Landrat.

Partner der Feuerwehr: Der Meisterfachbetrieb vertreten durch Martin Giese wird von Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland ausgezeichnet.

Dahingehend kündigte er nach einer Kontaktaufnahme eine Verbesserung bei der Rufbereitschaft der Unteren Wasserbehörde an, dazu sollen bis zum Ende des Jahres rund 30.000 Euro investiert werden. Zum dem in feuerwehrkreisen problematischen Thema Atemschutzübungsanlage kündigte er eine Abhilfe zum Ende des nächsten Jahres an. Dann soll die Anlage am alten Standort wieder in Betrieb gehen. Zu Diskussionen um die Standortfrage sagte der Landrat: „Die Anlage war schon immer an dieser Stelle“. Er teilte mit, dass die Atemschutzübungsanlage doppelt so groß wie ursprünglich gestaltet und nicht mehr im Kellergeschoss errichtet wird. „Wenn die Anlage im Erdgeschoss ist, ist das Thema Hochwasser aus meiner Sicht nicht relevant“, so Landrat Manfred Görig wörtlich.

Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland hob die Verbundenheit der umliegenden Feuerwehren mit der Feuerwehr Alsfeld durch die Anwesenheit zahlreicher Brandinspektoren zur Versammlung hervor. „Alsfeld ist eine wichtige Feuerwehr im gesamten Landkreis, besonders in Sachen Ausbildung“, so Dr. Holland. Er sprach von einer großen Stützte im Brandschutz durch die Alsfelder Feuerwehrleute. Auf die Themen digitale Alarmierung und Atemschutzübungsanlage ging der Kreisbrandinspektor nicht weiter ein. Er kündigte neue Lehrgänge für Führungskräfte auf Kreisebene an.

Beförderungen und Ehrungen

Zwanzig Beförderungen wurden auf der Versammlung durchgeführt. Zum Feuerwehrmann wurde Robert Gemmer befördert, zum Hauptfeuerwehrleuten Pia-Lucia Kraus und Gregor Geibel. Timo Becker, Klaus Peter Schlosser, Michael D‘onghia, Florian Borchard, Naomi Hedrich, Sebastian Zinn, Jens Gonder und Ralf Weigel erhielten den Dienstgrad des Löschmeisters. Zu Oberlöschmeistern wurden Thomas Gröger, Benjamin Knodt und Holger Kraus befördert. Die Beförderung zum Hauptlöschmeister erhielten Holger Hedrich und Sascha Wagner, die Beförderung zum Brandmeister Tobias Riemann sowie Wolfgang Tomalla. Mathis Kruse wurde zum Oberbrandmeister befördert, Kevin Planz zum Hauptbrandmeister.

Ehrung Erwin Kropf mit der silbernen Anstecknadel der Stadt Alsfeld durch Bürgermeister Paule.

Aus dem Amt entlassen wurde Angenrods stellvertretender Wehrführer Klaus Peter Schlosser, der zugleich die Ernennungsurkunde zum Wehrführer erhielt. Weitere Ernennungsurkunden erhielten Angenrods stellvertretender Wehrführer Sven Herchenröder, Eifas Wehrführer Holger Hedrich und sein Stellvertreter Markus Pfeil, Heidelbachs Wehrführer Robert Gemmer, Fischbachs Wehrführer Marcel Decher und sein Stellvertreter Holger Kraus, Schwabenrods Wehrführer Sebastian Zinn, Alsfelds stellvertretender Wehrführer Tobias Riemann sowie die Stadtjugendfeuerwehrwartin Corinna Schlitt und ihre beiden Stellvertreter Ralf Wagner und Kevin Eilts.

Eine besondere Ehrung erhielt Berfas ehemaliger Wehrführer Volker Knauff. Ihm wurde der Titel Ehrenwehrführer von der Stadtverordnetenversammlung zugesprochen, zudem erhielt er die goldene Katastrophenschutz-Medaille des Landes Hessen verliehen. Bürgermeister Stephan Paule würdigte seine Verdienste in der Freiwilligen Feuerwehr seit dem Jahr 1975, unter anderem als Jugendwart und Kreisausbilder. Knauffs langjähriger Stellvertreter Erwin Kropf wurde mit der silbernen Anstecknadel der Stadt Alsfeld ebenfalls für sein besonderes Engagement geehrt, er ist seit dem Jahr 1973 in der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Hierzu hob Alsfelds Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer auch das Engagement im örtlichen Förderverein der Feuerwehr hervor.

Die silberne Florianmedaille wurde an Thomas Dreßler (2. von links) verliehen.

Die bronzene Floriansmedaille der Stadt Alsfeld wurde Ottmar Schmidt aus Leusel verliehen, er pflegte über zehn Jahre das Einsatzgerät der Feuerwehr in dem Alsfelder Stadtteil. „Während dieser Zeit hat er viele Stunden damit verbracht, alles zu pflegen und in Stand zu halten, niemals gab es Beanstandungen“, hob der Stadtbrandinspektor hervor. Zum Partner der Feuerwehr wurde der Meisterfachbetrieb Giese GmbH aus Alsfeld ausgezeichnet, der die Brandschützer in den vergangenen Jahren auf vielfältige Weise erheblich unterstützte. Die goldene Ehrennadel der Freiwilligen Feuerwehren in Hessen wurde an Walter Greb verliehen.

Mit der silbernen Florianmedaille der Hessischen Jugendfeuerwehr wurde Thomas Dreßler für sein langjähriges Engagement in der Jugendarbeit geehrt. Das silberne Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbandes wurde an Wilfried Weber verliehen.

Das silberne Brandschutzehrenzeichen des Landes Hessen wurde an Markus Guntermann, Manfred Henke, Renè Hermann, Sascha Junck, Christian Korell, Johannes Koßmann, Mirco Mehrmann, Martina Müller, Björn Plumhoff, Manuel Reinhardt, Mario Schaller-Seipp, Sebastian Scheuer, Corinna Schlitt, Lars Schreiner, Heinz Schäfer, Marco Schäfer und Ralf Wagner am Bande verliehen. Das goldene Brandschutzehrenzeichen des Landes Hessen wurde Reinhold Eckstein, Holger Haberkorn, Ralf Hehlgans, Ralf Härter, Heiko Lerch, Udo Naujokat, Wilfried Weber und Erich Wölfel am Bande verliehen.

Gruppenfoto Brandschutzenehrenzeichen.

Mit der bronzenen Katastrophenschutz-Medaille wurden Gregor Geibel, Arnd Kalbfleisch, Mike Momberger, Jan Rohrmann und Christian Stumpf ausgezeichnet. Die silberne Katastrophenschutz-Medaille wurde an Martina Müller, Dirk Oppermann, Mario Schaller-Seipp und Heinz Schäfer verliehen. Norbert Diehl, Horst Geisel. Die Katastrophenschutz-Medaille in Gold wurde an Norbert Diehl, Horst Geisel, Manfred Grüner und Ingo Scheuer verliehen.

Anerkennungsprämien für 40-jährigen Feuerwehrdienst erhielten Friedhelm Braun, Andreas Riffer, Wilfried Weber und Erich Wölfel. Die Anerkennungsprämie für 30-jährigen Feuerwehrdienst erhielt Ralf Weigel. Anerkennungsprämien für 20-jährigen Feuerwehrdienst erhielten Christian Appel, Mathias Fabiny, Marco Falck, Markus Guntermann, Björn Hintz, Michael Lerch, Mirco Merle, Tobias Merle, Karsten Müller, Tobias Riemann, Markus Schäfer und Oliver Schütz. Anerkennungsprämien für 10-jährigen Feuerwehrdienst erhielten Gregor Geibel, Arnd Kalbfleisch, Mike Momberger, Jan Rohrmann, Christian Stumpf, Torsten Weber und Sebastian Zinn.

Für einen besonderen Hochwasser-Einsatz verliehen die Feuerwehrleute einen knallpinken Flamingo-Schwimmring an Hauptbrandmeister Kevin Planz.