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Werteorientiertes Kampfkunsttraining vermittelt Kindern Respekt, Fürsorge und SelbstvertrauenErstes großes Prüfungsevent im Tiger and Dragon Club

ALSFELD (ol). In diesem Jahr fand im Alsfelder Tiger and Dragon Club zum ersten Mal ein Prüfungsevent statt, bei dem sich viele Mitglieder der Dragon Kids, der Kinder-, Jugend- und Erwachsenen Kampfkunstgruppen der Überprüfung zu ihrem nächsten Gürtel stellten – mit großem Erfolg.



In diesem Jahr hatte sich Trainer und 1. Vorsitzender, Oliver Hill, für diesen großen Tag etwas ganz Besonderes überlegt: Hatten die Prüfungen in den Jahren zuvor immer während der regulären Trainingseinheiten stattgefunden, so wurde dieses Jahr ein Samstag für diese Veranstaltung gewählt, um auch den berufstätigen Familienangehörigen endlich einmal die Möglichkeit zu bieten, mit eigenen Augen zu sehen, wohin Kinder, Freunde oder Lebenspartner zwei, drei oder sogar manchmal noch öfters in der Woche gehen und was sie dort erlernen.

Diese Chance nutzen dann auch viele Zuschauer, um den fast 70 Prüflingen – an diesem Tag eingeteilt in unterschiedlichen Gruppen – bei der Präsentation des Erlernten zu zusehen.

Die Dragon-Kids. Alle Fotos: Tiger and Dragon Club Alsfeld

Den Beginn machten morgens die jüngsten Sportler des Alsfelder Kampfkunstclubs, die Dragon Kids. Für die 4- bis 8-Jährigen hatte Trainer Hill einen Hindernisparcours aufgebaut, in dem bei Musik, neben Geschicklichkeits- und Gleichgewichtsaufgaben auch ältere Kinder auf die Prüflinge warteten, die sie mit unterschiedlichen Angriffen, wie Festhalten am Handgelenk oder Griffen zum Hals, attackierten. Wie geschickt sich die Kinder dabei verteidigten, war der Prüfungsinhalt, den viele Kinder wegen des spannenden Parcours gar nicht als solchen warnahmen und einige sichtlich überrascht waren, als nach dem Abbau der Stationen die durchweg positiven Ergebnisse bekannt gegeben wurden.

Derar Al Rahban mit fehlerfreien Prüfung

Nach einer kurzen Pause, ging es für die etwas älteren Kinder zur Sache. Die Verteidigung gegen Festhalte- und Klammerangriffe, sowie die Demonstration von verschiedenen Schlag- und Tritttechniken waren Inhalt der Weiß-Gelb- und Gelbgurtprüfungen. Nach der Mittagspause, wurde es dann für die fortgeschrittenen Kinder ernst. Die Gelb-Orange- und Orangegurtanwärter mussten neben den Vorkenntnissen der vorangegangenen Gürteln, zusätzlich noch Falltechniken, die ein verletzungsfreies Stürzen ermöglichen, Abwehrtechniken gegen unterschiedliche Schlag- und Trittangriffe, sowie speziell im Orangegurt die freie Abwehr gegen schnell aufeinanderfolgende Angriffe, demonstrieren.

Die Kinder der Prüfungen bis zum Gelbgurt.

In dieser Prüfungsgruppe legte Derar Al Rahban eine fehlerfreie, an Perfektion grenzende Prüfung ab. Der junge und top motivierte Sportler, konnte dabei nicht nur die Techniken zum geforderten Gürtelgrad, sondern auch viele Techniken der nächst höheren Prüfung bereits mit unglaublicher Dynamik und Präzision darstellen und bekam verdient, neben der natürlich bestandenen Prüfung mit den Bestnoten des Tages, eine Prüfungszeitverkürzung zum nächsten Gürtelgrad – er darf sich also schon in drei Monaten der nächsten Prüfung stellen.

Im fairen, kameradschaftlichen und hilfsbereiten Umgang selbst der jüngsten Prüflinge untereinander, zeigte sich immer wieder deutlich, unser werteorientiertes Kampfkunsttraining, welches den Kindern Werte wie Respekt, Fürsorge, Mut, usm vermittelt – und vor allem das Kampfkunst nichts mit Prügeln zu tun hat.

Alexander Kömpf und Jan Moritz mit Prüfung zum 4. Kyu

Bei den Jugendlichen und Erwachsenen stellten sich, neben einigen Gelb-, Orange- und Grüngurtanwärtern auch zwei Sportler zur Prüfung auf den 4. Kyu, dem blauen Gürtel mit einem schwarzen Streifen. Alexander Kömpf und Jan Moritz, hatten sich auf diese anspruchsvolle Technikprüfung in den letzten Monaten intensiv vorbereitet und konnten eine breite Palette von Selbstverteidigungstechniken zum Besten geben. Neben der Verteidigung gegen Angriffe aller Art, gehörte die Verteidigung von einem bewaffneten Angreifer genauso zum Programm, wie die hohe Kunst der Gegen- und Weiterführungstechniken.

Die Jugendlichen und Erwachsenen des Prüfungsevents.

Dabei konnten die Zuschauer deutlich erkennen, wie flexibel die Kampkunst Hu-Long-Do ist, ermöglicht sie doch jedem Sportler einen eigenen Stil, angepasst an körperliche Voraussetzungen und persönliche Vorlieben, zu entwickeln. Arbeitete Jan sehr viel mit Ellenbogentechniken, konnte Alexander seine Erfahrungen im Brazilian Jiu-Jitsu einfließen lassen und arbeitete entsprechend viel mit den unterschiedlichsten Techniken in der Bodenlage.

Auch in dieser Gruppe konnten alle Prüflinge ihre Prüfung bestehen, vor allem auch die Sportlerinnen Rosalie Habermehl und Jana Weismüller legten eine tolle Prüfung zum Grüngurt ab, sowie Michael Walter – als jüngster Prüfling in dieser Gruppe – eine fast ausschließlich mit Höchstnoten bewertete Prüfung zum Orangegrüngurt.

Tonia Okoli legte 3. Schülerprüfung im Kickboxen ab

Neben den Prüflingen im Hu-Long-Do, legte Tonia Okoli an diesem Tag noch ihre Prüfung zum 3. Schülergrad im Kickboxen ab und als letzte Gruppe des Tages, stellten sich noch zwölf Prüflinge der ersten DNA Prüfung im Tiger and Dragon Club.

Die DNA-Prüflinge.

DNA steht für „Defence iN Attack“, was so viel bedeutet wie „Verteidigen während man Angreift“. Das von Andy Norman entwickelte Selbstverteidigungs-System ist in Deutschland noch recht unbekannt und wird erst seit kurzer Zeit in Alsfeld unterrichtet. Ziel des DNA Trainings ist es, bestimmte Bewegungsmuster, die sich an natürlichen Reaktionen orientieren, so auszutrainieren, das im Ernstfall diese Bewegungs- und Angriffsmuster instinktiv und ohne lange zu überlegen, abgespult werden.

Dabei liegt ein großes Augenmerk auf der ständigen Beobachtung des Umfeldes um den Angriffen von mehreren Personen gleichzeitig, die leider in der heutigen Zeit keine Seltenheit mehr sind, entgegen zu wirken. Es geht also nicht um ein sportliches Wettkampfsystem, sondern um realistische und kompromisslose Selbstverteidigungstechniken für den Ernstfall. Und das dieses System Hand und Fuß (und vor allem jede Menge Ellenbögen) hat, davon konnten sich die Zuschauer staunend überzeugen. Bewegten sich die Prüflinge zuerst fast tanzend im so genannten „Shadowing“, einer Art Schattenboxen auf der Matte, wurde schon nach kurzem klar, wozu diese Bewegungen dienen. Angreifen mit Knien, Fäusten, Füßen, Ellenbögen und sogar dem Kopf.

Nicht nur im Stehen, auch im Knien, Sitzen oder Liegen. Jederzeit sich bewegend, Angreifer als Schutzschild vor sich ziehen um vor den Angriffen weiterer Gegner geschützt zu sein, Überfallsszenarien mit dem Rücken an einer Wand und einiges mehr, waren Teil der Prüfung zum ersten Schülergrad. Einige Zuschauer betrachteten die energiegeladene und schweißtreibende Prüfung staunend und erkundigten sich nach diesem einzigartigen System und den Inhalten darauf folgender Prüfungen.

Zahlreiche Urkunden und Gürtel konnten verteilt werden.

So gingen insgesamt fast neun Prüfungsstunden für alle Prüflinge mehr als erfolgreich zu Ende. Auch viele der Zuschauer lobten die tolle Organisation, war doch während aller Prüfungen für gemütliche Sitzgelegenheiten und natürlich das leibliche Wohl reichlich gesorgt. Am Abend ließen dann die Jugendlichen und Erwachsenen Sportler die bestandenen Prüfungen in einer langen Weihnachtsfeier des Tiger and Dragon Clubs gemütlich ausklingen.