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Diskussionsabend bei der Vogelsberger CDU„Der oder die neue Bundesvorsitzende muss alle Parteiflügel vereinen“

ALSFELD (ol). Ein volles Haus herrschte bei der CDU-Vogelsberg in der neuen Kreisgeschäftsstelle in Alsfeld. Rund 50 Parteimitglieder waren der Einladung des CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Jens Mischak gefolgt, um über die künftige Ausrichtung der Partei und die zur Wahl stehenden Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitzende zu diskutieren.

Jens Mischak rief laut Pressemitteilung der CDU Vogelsberg zu Beginn der Veranstaltung in Erinnerung, dass man durchaus von einem „historischen Moment“ in der Geschichte der Partei sprechen könne. Angela Merkel sei erst die siebte Vorsitzende der CDU Deutschlands seit Bestehen überhaupt und stelle ihr Amt nunmehr nach 18 Jahren zur Verfügung. Nur Helmut Kohl sei länger Vorsitzender gewesen, 25 Jahre sei er im Amt gewesen.

Zum Vergleich nannte er die Anzahl der Vorsitzenden der anderen deutschen Parteien. Die SPD habe seit 1949 insgesamt 15 Vorsitzende gehabt, die FDP 14, Grüne seit 1982 30 Vorsitzende, die Linke seit 1989 neun Vorsitzende. Selbst bei der CSU sei Horst Seehofer bereits der achte Parteichef. Insoweit sei in der CDU immer Kontinuität und Stabilität wichtig gewesen. Doch es gehe eben nicht nur um eine personelle, sondern auch um eine inhaltliche Standortbestimmung.


Wurzeln der CDU müssten wieder stärker berücksichtigt werden

Die drei Wurzeln der CDU, die christlich-soziale, die liberale und die konservative müssten wieder stärker Berücksichtigung finden, gerade vor dem Hintergrund so großer Themen wie Digitalisierung, Globalisierung und internationaler Migrationsbewegungen. Deshalb habe man seitens der Kreispartei zu diesem Mitgliederabend eingeladen, um die Personalfrage des Bundesparteitages am 7. Dezember in Hamburg und die damit erwartete Debatte um eine programmatische Ausrichtung der Bundes-CDU mit der Basis zu besprechen, erläuterte der Kreisvorsitzende.

In der zweistündigen Debatte meldeten sich insgesamt 30 Mitglieder zu Wort, darunter auch der scheidende Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel sowie sein Nachfolger Michael Ruhl. Zum Teil ging es den Mitgliedern darum, die jeweilige Präferenz für einen der Bewerber um das Amt des Vorsitzenden kundzutun und zu begründen, zum anderen wollten sie einfach ihre Erwartungen an die künftige Ausrichtung der Partei darlegen.

Alexander Heinz aus Alsfeld mahnte, dass man nicht den gleichen Fehler wie die SPD machen dürfe und die Errungenschaften und Erfolge der letzten 13 Regierungsjahre schlecht rede. Für ihn sei Annegret Kramp-Karrenbauer deswegen die richtige Kandidatin. Oskar Langlitz aus Grebenhain betonte die konservative Wurzel der CDU und meinte, dass man Bewährtes bewahren, aber auch für Neues offen sein müsse. Friedrich Merz sei sein Wunschkandidat.

Jennifer Gießler aus Lauterbach sprach sich gegen Merz aus, da es um mehr gehe als um Wirtschaftspolitik und Merz für viele Jüngere gar nicht mehr präsent sei. Der Romröder Hauke Schmehl dagegen favorisiert Merz, da ein Vorsitzender auch nicht mehr 18 Jahre im Amt sein müsse und mit ihm die Abgrenzung zu den anderen Parteien am ehesten gelinge. Ewald Hofmann aus Schwalmtal kann sich dagegen eine zukunftsfähige Lösung für die CDU nur mit „AKK“ vorstellen, da sie zwischen den Bürgern vermitteln könne. Für Dietrich-Hartmut Koch aus Lauterbach sei mit Friedrich Merz dagegen ein erfahrener und wirtschaftspolitisch profilierter Mann zu haben, der die CDU wieder jenseits der 30 Prozentmarke platzieren könne.

Der Nachfolger müsse inhaltlich breit aufgestellt sein

Im Ergebnis waren sich die Mitglieder einig, dass der angestoßene Diskussionsprozess und die Auswahl unter drei geeigneten Bewerbern ein „befreiendes Gefühl“ und eine tolle Sache sei. Egal wer das Rennen mache, sie oder er müssten die Flügel der Partei zusammenführen und auch inhaltlich breit aufgestellt sein. Dies traue man aber allen auch zu.

Jens Mischak erinnerte abschließend an die noch laufende Umfrage im Kreisverband. Bis zum 3. Dezember könnten die Mitglieder noch abstimmen und ihren Wunschkandidaten in der Kreisgeschäftsstelle melden. Für ihn und Kurt Wiegel, die Delegierte auf dem Bundesparteitag in Hamburg seien, wäre das Votum der Vogelsberger Mitglieder ein wichtiger Stimmungstest, auch für die eigene Entscheidung. Mischak machte aber auch klar, dass diese basisdemokratischen Elemente wie die Regionalkonferenzen auf Bundesebene und die unverbindliche Mitgliederbefragung auf Kreisebene wegen der ungewöhnlichen Situation die Ausnahme darstelle.

Ein Gedanke zu “„Der oder die neue Bundesvorsitzende muss alle Parteiflügel vereinen“

  1. Die ARD brachte heute einen sehr aufschlussreichen Hintergrundbericht über die derzeitige Kandidatenkür (http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-doku-der-machtkampf-cdu-tv-und-detektivische-blicke-a-1241620.html). Extrem gut ins Bild gesetzt, um Atmosphäre zu transportieren. Fast wie bei Shakespeare und Lady Macbeth. Was drängt Menschen dazu, in diesem Milieu, wo Freund und Feind kaum zu unterscheiden sind, Karriere machen zu wollen? „Machtbewusstsein“ (Führungsqualitäten? Killerinstinkt? Herrschsucht?) scheint eine Eigenschaft zu sein, die offensichtlich erst relativ spät erwacht, denn niemand kann eigentlich wissen, was ihn auf dem politischen Parkett erwartet. Vielleicht entwickelt man entsprechende Charakterstrukturen in irgendwelchen Elite-Familien. Die Klaviatur der politischen Selbstbehauptung bedienen zu können und sich an der Spitze eines Machtapparats in Partei und Regierung zu behaupten, erscheint mir als eine Form der „Déformation professionelle“. Vielleicht geht es nicht ohne sie, aber ich bin froh, als völlig „bedeutungsloser“ Mensch nicht ständig in meiner Menschlichkeit korrumpiert zu werden und auf solche Persönlichkeitsstrukturen angewiesen zu sein, um politisch zu überleben.

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