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„Verleugnung“: Vogelsberger Kirchenkino präsentiert Spielfilm über Holocaust-Leugner Irving an zwei TerminenWahrheit in Zeiten alternativer Fakten

VOGELSBERG (ol). Das Vogelsberger Kirchenkino geht am kommenden Mittwoch und Donnerstag in die nächste Runde. Gezeigt wird dabei der Film „Verleugnung“ über den Holocaust-Leugner David Irving. Ein Film, der ganz bewusst zum Gedenken zur Pogromnacht gezeigt werden soll.

Und darum geht es in dem Film: Deborah Lipstadt lehrt an der US-Universität Atlanta Jüdische Geschichte.1993 legt sie ihr bahnbrechendes Werk über die Geschichte der Holocaust-Leugnung vor. Der britische Hobby-Historiker David Irving verklagt Lipstadt daraufhin der Verleumdnung: Weil es den Holocaust nie gegeben habe, könne man ihn auch keinen Leugner nennen. Bedingt durch das britische Rechtssystem muss nun die angeklagte amerikanische Professorin ihre Unschuld beweisen. Mick Jackson verarbeitete in einer britisch-amerikanischen Koproduktion diese reale Geschichte in einem Spielfilm, den das Kirchenkino nun in den Vogelsberg bringt. 

„Natürlich haben wir diesen Film bewusst in die Tage vor das Gedenken zur Reichspogromnacht gesetzt“, sagte Ralf Müller, der beim Evangelischen Dekanat Alsfeld das Kirchenkino betreut. Doch der Film passe auch ideal in die Halbjahresstaffel über „Gegenläufer“: War das Wortpaar „alternative Fakten“ noch zwei Jahre zuvor ebenso undenkbar gewesen wie ein „schwarzer Schimmel“, werde es jetzt vom amtierenden amerikanischen Präsidenten ebenso unverblümt genutzt wie von osteuropäischen Regierungschefs.

Gegen „alternative Fakten“: Die US-Professorin Lipstadt muss sich gerichtlich gegen eine Verleumdnungsklage wehren, weil sie David Irving einen Holocaust-Leugner nennt. Foto: Squar-eOne/Universum Film

Mit der AfD sitze auch in Deutschland inzwischen eine Partei in den meisten Parlamenten, die sich ihre Wirklichkeit jenseits aller Fakten weitgehend selbst schaffe. Da brauche es „Gegenläufer“ wie Lipstadt, die selbst juristische Auseinandersetzung nicht scheut, damit Wahrheit Wahrheit bleibe, so Müller. „Wer am lautesten schreit, wird gehört und oft auch gewählt. „Verleugnung“ zeigt in analytischer Klarheit, dass es gegen diese Art der Propaganda keine Alternative gibt, als kraftvoll und ohne Unterlass die Lügen und Strategien öffentlich zu entlarven“, zitierte Müller die Kinokritik der Münchner Abendzeitung.

„Verleugnung“ laufe im Rahmen des Vogelsberger Kirchenkinos am Mittwoch, den 7. November um 19 Uhr im Kinocenter Alsfeld sowie am Donnerstag, den 8. November um 20 Uhr im Lichtspielhaus Lauterbach.