Gesellschaft0

Große Fahrt des Bezirkslandfrauenvereins AlsfeldDie Provence zur Zeit der Lavendelblüte

ALSFELD (ol). Die Provence zur Zeit der Lavendelblüte war das Ziel der diesjährigen großen Fahrt des Bezirkslandfrauenvereins Alsfeld. Und so ging es für die Gruppe acht Tage lang auf nach Frankreich.

In der Pressemitteilung des Verein heißt es, nach einer Übernachtung in Grenoble führte die Route weiter durch die Bergwelt der Départements Isère und Drôme in die Hochprovence. Während der Fahrt erfuhren die Reisenden durch die Reiseleiterin Viviane Theil sehr viel über die frühere und auch die zeitgenössische Geschichte der Provence.

In der Hochprovence angekommen sahen die Touristen die blühenden Lavendelfelder, die abwechselnd mit großen Sonnenblumenfeldern einen wundervollen Anblick boten. Sie erfuhren aber auch, dass sie keinen echten Lavendel sehen, sondern Lavandin, eine natürliche Hybride vom echten Lavendel. Dieser wachse erst ab einer Höhe von 800 Metern und müsse mit viel Handarbeit bearbeitet werden, während bei Lavandin Maschinen eingesetzt werden können.

Der nächste Tag führte die Reisenden wieder durch malerische Lavendelfelder zur Verdon-Schlucht. Das Flusstal werde nicht zu Unrecht gern mit den amerikanischen Grand Canyon verglichen, denn der Verdon habe sich über unzählige Jahre hinweg ein tiefes Bett in die weißen Felsen gegraben und dabei eine landschaftlich imposante Gegend in Südfrankreich geschaffen. In dem Bergdorf La Palud wurde eine längere Pause eingelegt. Die Reisegruppe konnte so auf eigene Faust das Dörfchen erkunden, das im Herzen des Verdon-Naturparks liegt und sich von 490 bis 1930 Höhenmeter erstrecke. Die Rückfahrt führte am Lac de Sainte-Croix entlang, einem im Jahr 1975 erbauten Stausees, dem das Dörfchen Salles-sur-Verdon weichen musste, das am östlichen Ufer neu errichtet wurde.

Ein Höhepunkt: Die Ockerfelsen von Roussillon

Die Ockerfelsen von Roussillon waren ein weiterer Höhepunkt der Reise, denn sie gehören ebenfalls zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Je nach Tageszeit erstrahlen sie im unterschiedlichsten Rot, Gelb und Orange in beeindruckender Farbintensität. Diese Farben finden sich auch an den Gebäuden des Ortes wieder, so dass es ein herrlicher Kontrast zu der grünen Vegetation und dem blauen Himmel entsteht. Die Ockerfelsen sind sehr gut touristisch angelegt und in einem 30-minütigen oder 60-minütigen Rundweg durch die bizarre Landschaft zu erwandern, wobei die Vielfalt der genannten Farbtöne zu genießen sei. Der Ockerabbau ist seit den dreißiger Jahren durch die chemischen Färbemittel zurückgegangen, gewinne in den letzten Jahren aber wieder an Bedeutung.

Einen Fotostopp an dem berühmtesten Lavendelfeld der Provence, bei der Abtei Sénanque im Département Vaucluse, machte die Gruppe ebenfalls. Dieses 1148 gegründete Zisterzienserkloster war nur aus der Ferne zu sehen, denn wegen der vielen Touristen, die täglich kommen, wurde die Anlage eingezäunt, damit das schöne, zugehörige Lavendelfeld nicht zertreten wird.

Die Fontaine de Vaucluse, ein beliebtes Naturdenkmal Frankreichs, war das nächste Ziel. Wie beliebt es ist, erkannten die Hessen an den vielen Touristen, die die diese bodenlose Karstquelle besichtigten. Im Frühjahr strömen unvorstellbare Wassermengen aus der Tiefe hervor (100 m³ pro Sekunde), und im Sommer ziehe sich der Wasserspiegel in eine tiefer gelegene Grotte zurück. Bislang weiß keiner wie tief die Quelle ist, denn Expeditionen mit ferngesteuerten U-Booten wurde bei 300 MeterTiefe abgebrochen.

Ein Besuch auf den Märkten von L’Isle-sur-la-Sorgu

Der Ort L’Isle-sur-la-Sorgue, ein weiteres Ziel der Reise, hat seinen Namen von dem Gewässer Sorgue, das bis ins Mittelalter ein Sumpfgebiet mit Feuchtigkeit gespeist hat. Nach und nach wurde der Sumpf durch Anlegen kleiner Kanäle ausgetrocknet und erhielt so den Namen „Venedig des Comtat“. „Comtat“ ist das provenzalische Wort für „Grafschaft“ und meint die umliegende, ehemalige Grafschaft Venaissin. Die Öl- und Papiermühlen, die mit Holzrädern angetrieben wurden und so den Einwohnern einst ein gutes Einkommen bescherten, sind heute Touristenattraktionen. Auch die Märkte des Ortes sind ein Anziehungspunkt, nicht nur für Antiquitätenliebhaber. Davon konnten sich die Touristen aus Hessen überzeugen und zuschlagen.

Das Dörfchen Les Baux-de-Provence am Südhang der Bergkette der Alpilles in der historischen Kernregion Provence war das nächste Ziel der Reise. Der Name „Baux“ geht auf provenzalisch „baou“ zurück, was soviel wie „schroffer Fels“ bedeutet. Geht man durch die Gassen des Ortes bis zur Burg, kann man verstehen, warum der Ort diesen Namen trägt. Denn in den Straßen fühlt man sich wie in Felsschluchten. Im 18. Jahrhundert lebten in Les Baux 3000 bis 4000 Menschen. Doch ab der Französischen Revolution ging die Einwohnerzahl drastisch zurück. Der niedrigste Stand war 1954 mit 180 Einwohnern. Danach stieg die Einwohnerzahl wieder an bis auf 450 im Jahre 2013.

Heute wird der historische Ortskern fast ausschließlich touristisch genutzt, denn der Fremdenverkehr ist eine Existenzgrundlage für die lokale Bevölkerung. Außer Kunstgewerbe findet man auch Olivenöl aus dieser vorzüglichen Lage und Wein vom Südrand der Alpilles. Beides ist bei Feinschmeckern sehr beliebt.

Stadtführung durch Arles

Der nächste Tag galt einem Besuch in Arles. Bei einer Stadtführung bestaunte die Gruppe das Amphitheater. Es wurde 90 n. Chr. erbaut. Von den ehemaligen Etagen sind noch zwei übrig geblieben. In der Arena war Platz für 21.000 Zuschauer, und sie wurde bis 529 n. Chr. für Spiele genutzt. Heute dient sie vor allem für die so genannte Course à la cocarde, zu deutsch „Wimpelwettkampf“, in der sich Kämpfer mit einem Stier messen, der nicht getötet wird. Durch Geschicklichkeit müssen die an dem Stier angebrachten Trophäen abgerissen werden. Leider gibt es in der Provence auch vereinzelt Stierkämpfe nach spanischer Art, die aber sehr umstritten sind.

Den Hof des Krankenhauses, in dem sich Vincent van Gogh von Dezember 1888 bis Januar 1889 aufhielt, besichtigte die Gruppe ebenfalls. Im April 1889 schrieb er an seine Schwester: „Es ist eine Arkadengalerie wie arabische Gebäude. Davor ist ein alter Garten mit einem Teich in der Mitte und acht Beeten mit verschiedenen Blumen.“ Das von ihm gemalte Bild ist im Garten dieses Maison des Santé ausgestellt. Der Garten wurde zwischenzeitlich abgeändert, aber in seiner Art erhalten und ist wunderschön. Ein Besuch im nahen Café van Gogh war für einige Pflicht in der anschließenden Freizeit. Danach führte die Route durch die Camargue bis zu ihrer heimlichen Hauptstadt Saintes-Maries-de-la-Mer. Auf der Fahrt dorthin sahen die Reisenden die berühmten schwarzen Stiere, weißen Pferde und auch ein paar Flamingos.

Saintes-Maries, wie der Ort meisten kurz genannt wird, ist ein internationaler Wallfahrtsort, zu dem jedes Jahr Tausende Gläubige pilgern. Aber auch für weltliche Touristen lohnt sich ein Besuch des Ortes. Da er nur 2500 Einwohner hat, ist es ein idealer Urlaubsort für alle, die Ruhe suchen. Das konnte die Gruppe aus Hessen feststellen, denn bei der Hitze zog es die meisten an den Strand um sich dort bei einem Spaziergang am und im Wasser zu erholen.

Der letzte Stop vor der Heimreise: Avignon

Der folgende Tag war der Stadt Avignon gewidmet. Dort war als erstes das Wahrzeichen der Stadt, die berühmte Brücke zu sehen, von der die Legende folgendes berichtet: Der Schäferjunge Benedikt, auf provenzialisch  Bénézt sei durch eine himmlische Stimme veranlasst worden, eine Brücke über die Rhone zu bauen. Als er dies den Stadtbewohnern mitteilte, wurde er verlacht und verspottet. Da hob er einen schweren Stein auf und legte den Grundstein, worauf sich eine Bürgergemeinschaft mit dem Ziel des Brückenbaus bildete. Nach seinem Tod wurde Bénézet in der Brücke beigesetzt. Sie wurde 1185 fertiggestellt und war der erste Rhône-Übergang zwischen Lyon und dem Mittelmeer. 1225 wurde sie zerstört und wieder aufgebaut. Da sie aber mehrmals von den Hochwassern der Rhône weggerissen wurde, verzichtete man auf den Wiederaufbau. Heute sind von den einstmals 22 Bögen nur noch vier und die Kapelle Saint-Nicolas übrig.

Anschließend bestiegen die Hessen auf dem Palastplatz den „petit train“. Dieses Bähnle diente einer Stadtrundfahrt, bei der die Gruppe viel aus der Geschichte der Stadt Avignon erfuhr. Avignon wird „Stadt der Päpste“ genannt, weil von 1309 bis 1377 sieben von der gesamten Kirche anerkannte Päpste ihren Sitz in Avignon hatten.

Der Teil der Stadt, den man als Innenstadt bezeichnet, liegt innerhalb der Stadtmauer. Die meisten Gebäude dort sind sehr alt. Doch hat sich auch einiges verändert. In den 1960er Jahren wollte der damalige Bürgermeister alle alten Gebäude abreißen und neue bauen. Da nicht alle damit einverstanden waren, fand man einen Kompromiss. Die Gebäude um den Papstpalast blieben erhalten und wurden renoviert, während ein Teil des Innenstadtviertels neu aufgebaut wurde. Von Avignon aus trat die Gruppe nach einer Woche mit eindrucksvollen Erlebnissen, mit einer Zwischenübernachtung, die Heimreise nach Hessen an.