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MdL Eva Goldbach informiert sich bei der Zimmerei Schmidt - durch Nachverdichtung und Aufstockung in Holzbauweise kostengünstigen Wohnraum schaffenHandwerk soll höheren gesellschaftlichen Stellenwert erhalten

LAUTERBACH (ol). Im Rahmen ihrer Sommertour besuchte die Landtagsabgeordnete Eva Goldbach die Zimmerei Schmidt in Lauterbach-Maar. Goldbach informierte sich zusammen mit ihren Lauterbacher Stadtverordnetenkollegen Jutta Jawansky-Dyroff und Daniel Schmidt bei Firmeninhaberin Katrin Schmidt-Wagner über moderne Holzbauweisen und die Arbeit des 30 Mitarbeiter umfassenden Unternehmens, das derzeit sechs junge Menschen ausbildet.

„Mit der kürzlich in Kraft getretenen Neufassung der Hessischen Bauordnung soll der Holzbau gestärkt werden, indem baurechtliche Hürden für das mehrgeschossige Bauen beseitigt wurden,“ benannte Eva Goldbach die Intention ihres Besuchs. Wie hoch technisiert die Umsetzung der von den Architekten gelieferten Pläne erfolgt, konnte Goldbach, laut ihrer Pressemeldung, am Arbeitsplatz von Zimmermeister Karlfried Krey erfahren: Aus den Plänen werden dreidimensionale Konstruktionszeichnungen erstellt, in denen jedes Bauteil millimetergenau erfasst wird. Nach etwa zwei Wochen Bearbeitungszeit für ein Einfamilienhaus gingen die Informationen digital an die Abbundmaschine, in der die Hölzer auftragsbezogen genau zugeschnitten werden.

Nur etwa fünf Tage bis zur fertigen Gebäudehülle

Zwei Wochen werden schließlich für die Vorfertigung der Holzrahmenbauelemente benötigt, um diese dann vor Ort in wenigen Tagen zu einem Haus zusammenzusetzen. Auf der Baustelle stehe bereits nach vier bis fünf Tagen die wind- und wasserdichte Gebäudehülle. Die Fenster werden vor oder zeitnah nach dem Aufbau montiert. „Der Ausbau ist dann innerhalb von etwa sechs Monaten abgeschlossen, so dass die Bauherren sehr schnell ihr Gebäude bewohnen können,“ erläuterte Schmidt-Wagner. Beim Besichtigen der Produktion zeige sich Goldbach erfreut darüber, dass die Gebäude von der Schwelle bis zur Dachlatte aufgrund der Verwendung moderner, technisch getrockneter Konstruktionshölzer vollständig ohne chemischen Holzschutz auskämen.

Das Unternehmen Schmidt habe sich bereits vor vielen Jahren vom Zimmererbetrieb zum modernen Holzbauunternehmen entwickelt und baue jährlich 25 bis 30 Objekte. „Neubau und Bauen im Bestand, also Aufstockungen und Anbauten halten sich in etwa die Waage“, sagte Katrin Schmidt-Wagner. „Derzeit haben wir immer häufiger Bauherren, die ihr zweites, kleineres Haus für ihren Lebensabend bauen und dabei auf eine energieeffiziente und nachhaltige Bauweise Wert legen. Festzustellen ist aber auch, dass der Mietwohnungsbau an Nachfrage zulegt, insbesondere in Richtung Rhein-Main-Gebiet.“ Dass der Holzbau an Bedeutung gewinne, wisse Fraktionsvorsitzender und Ersatzkandidat Daniel Schmidt, als Bauingenieur, Dozent und selbst Holzbauspezialist: „Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Holzbau weiter an Marktanteil zulegt: Deutschlandweit liegt er derzeit bei 17,7 Prozent, in Hessen bereits bei über 25 Prozent.“

MdL Eva Goldbach zu Besuch bei Schmidt-Holzbau: (von links) Jutta Jawansky-Dyroff, Katrin Schmidt-Wagner, Eva Goldach, Daniel Schmidt Foto: Bündnis90/Die Grünen

Den Wert des Handwerks wieder erhöhen

Eva Goldbach zeige sich beeindruckt von der hohen Zahl der Auszubildenden im Betrieb und informierte sich, inwieweit das Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen sei. Diesen verspürt auch das Unternehmen Schmidt und lege deshalb besonderen Wert darauf, eigenen Nachwuchs auszubilden und diesen auf seinem Weg zu unterstützen: „Die gestiegenen Anforderungen an das Zimmererhandwerk, insbesondere durch die Digitalisierung, machen es erforderlich, die jungen Menschen intensiv zu begleiten. Wir legen zudem Wert darauf, ihnen einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz zu bieten, der neben den unterschiedlichen Aufgaben bei der Vorfertigung im Werk auch die spannende Arbeit auf der Baustelle umfasst.“

Zimmermeisterin Katrin Schmidt-Wagner und Eva Goldbach, selbst gelernte Landschaftsgärtnerin, seien sich einig, dass das Handwerk wieder einen höheren gesellschaftlichen Wert erhalten müsse: „Die Wertigkeit des Menschen ist nicht von seiner Qualifikation abhängig“ resümierte Katrin Schmidt-Wagner. Goldbach wies auf die hohen Abbrecherquoten an Hochschulen und Universitäten hin und verwies auf ihren eigenen Werdegang: „Im Rahmen einer Berufsausbildung lernt man als junger Mensch ungeheuer viel und gewinnt wertvolle Erfahrungen. Zudem sind die Verdienstmöglichkeiten im Handwerk gut und bei Interesse gibt es zahlreiche Qualifikations- und Aufstiegsmöglichkeiten, wie den Meister oder Bautechniker.“ Schmidt-Wagner ergänzte, dass die handwerkliche Ausbildung auch für ein späteres Ingenieurstudium eine wichtige Grundlage und ein großer Vorteil für den Berufsalltag sei.

Auf die abschließende Frage, welchen Beitrag der Holzbau leisten könne, um gerade in Ballungszentren kostengünstigen Wohnraum zu schaffen antwortete Schmidt-Wagner: „Für kostengünstiges Bauen ist eine gute, effiziente Planung erforderlich. Der Holzbau kann seinen Beitrag durch schlanke, hochwärmegedämmte Bauteile und das hohe Maß an Vorfertigung leisten.“ Dass die leichte Bauweise es zudem vereinfache, Aufstockungen über mehrere Geschosse zu realisieren und damit eine Nachverdichtung ohne weitere Flächenversiegelung möglich sei, bestärke Goldbach in der Entscheidung der Grünen, sich für Erleichterungen in der Hessischen Bauordnung eingesetzt zu haben.

Ein Gedanke zu “Handwerk soll höheren gesellschaftlichen Stellenwert erhalten

  1. Auch jenseits der üblichen Anbiederei seitens der Politiker (warum hört man solche Forderungen nur immer kurz vor einer wichtigen Wahl?) ist und bleibt der Hinweis auf die gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks richtig. Leider entdeckt man immer wieder einen falschen Zungenschlag, der derartige Feststellungen aus Politikermund als Lippenbekenntnisse entlarvt.
    Dass „das Handwerk wieder einen höheren gesellschaftlichen Wert erhalten müsse“, ist eine billige Floskel. Das Handwerk HAT diese Bedeutung aus eigener Kraft, denn alles, was wir in unserem alltäglichen Gebrauch haben, hat jemand „mit seinen Händen“ hergestellt. Das Haus, in dem wir wohnen, die Straße, die wir befahren, die ganze Stadt und selbst den Wald, in dem wir unseren Geschäften nachgehen, flanieren oder uns erholen. Die Frage ist nur, ob dieser handwerklichen Leistung auch wirklich Respekt gezollt wird, der sich gern auch in einer angemessenen Bezahlung niederschlagen darf. Und da kommt schon der nächste doppelzüngige Satz: „Die Wertigkeit des Menschen ist nicht von seiner Qualifikation abhängig.“ Ach nein? Ist die „Wertigkeit“ des Handwerkers – mal abgesehen davon, dass seine Ausbildung im Handwerk auch eine „Qualifikation“ darstellt – tatsächlich dieselbe wie die des Arztes oder Universitätsprofessors, die teilweise keinen Nagel in die Wand geschlagen und keinen Reifen gewechselt bekommen? Und wie schnell ist man beim Thema Wertschätzung des Handwerks immer gleich bei den Aufstiegschancen zum Ingenieur. Handwerkliche Arbeit nur als Vorstufe zur Tätigkeit mit dem weißen Kragen und im klimatisierten Büro? Und wer steigt dann im Notfall bei Regen aufs Dach?
    Der Bericht über das Tätigkeitsfeld der Firma Schmidt-Holzbau zeigt sehr anschaulich, welch hohes Innovationspotenzial in einem solchen Handwerksbetrieb steckt. Da muss man nach der „gesellschaftlichen Bedeutung“ nicht lange suchen. Preiswertes und energieeffizientes Wohnen, Anpassung der Wohnbedarfe an das Lebensalter, Mobilisierung von Wohnraumreserven durch Ausbau „im Bestand“ usw., das alles sind Aufgaben von zentraler Bedeutung für ein „gutes Leben“.
    Die Handwerksbetriebe haben es verdient, dass man ihnen (und uns allen) dieses Leben nicht unnötig schwer macht: Durch Bürokratie, unsinnige Beschränkungen der Bauordnung und der Bebauungspläne, ständig neue „Dokumentationspflichten“, die auch bei den Betrieben selbst die Bürokratie unsinnig aufblähen und die Kosten in die Höhe treiben. Da war bisher der Einfallsreichtum derer grenzenlos, die in Wahlreden gern das Loblied auf das Handwerk anstimmen.

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