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Kastrationsmobil des Hessischen Landestierschutzverbandes in Homberg Ohm unterwegsNicht alle Katzen können gerettet werden

HOMBERG OHM (ol/bk). In Homberg Ohm gibt es viel Leid: Zumindest im Bezug auf die Situation wilder Katzen, denn deren Leben und ihr Schicksal sind nicht rosig. Da kommt die Umsetzung der bereits angekündigten Kastrationsaktion der Stadtverwaltung in Kooperation mit dem Hessischen Landestierschutzverband und der örtlichen Tierschützerin und Hauptorganisatorin Tina Bieker gerade recht.

„Auch nach der Aktion ist das Kastrationsmobil weiter im Einsatz“, sagte Organisatorin Tina Bieker im Telefonat mit Oberhessen-live. Gerade erst war sie von einem „Patienten“ gekommen, um den es gar nicht so gut stehe. Ein nervenaufreibender Job, der nur all zu oft qualvolle Eindrücke mit sich bringe.

Allein im Vorfeld der Aktion war einiges an organisatorischem Aufwand zu bewältigen, wie Bieker in einer Pressemeldung bekannt gibt. Sie hatte zusammen mit ihrer Kollegin Dominique Richter, zunächst den Hessischen Landestierschutzverband und die Stadt Homberg sowie Simone Herrholz als Vertreterin des Tierheims in Alsfeld, mit ins Boot geholt. Mit im Team waren zudem Julia Heinlein, Melisa Delibas, David Czmer und Stefan Schwalm. Da Futterstellen für wilde Katzen nicht bekannt seien, hieß es für die Tierschützer bei „Null“ anzufangen. Alle 13 Ortsteile sowie die Kernstadt hatten auf herrenlose Katzen geprüft und viele Informationen aus der Bevölkerung gesichtet sowie etliche Örtlichkeiten in Augenschein genommen werden müssen. Es gab viele Hinweise aus der Bevölkerung, sagte Tina Bieker: „Es wurde uns viel Leid geschildert. Wir sind jedem Hinweis nachgegangen. Wir haben Katzen in erbärmlichen Zuständen gesehen. Für mich ging mit der Kastrationsaktion ein lang ersehntes Herzensprojekt in Erfüllung.“

Anwohner eine große Hilfe bei der Aktion

Großflächig seien an den ermittelten Orten Lebendfallen aufgestellt worden, um die scheuen und nicht handzahmen Katzen an die Fallen zu gewöhnen und sie so behutsam wie möglich einzufangen. Die Fallen seien in kurzen Abständen kontrolliert worden, um kein Tier länger als maximal eine halbe Stunde in einer Falle sitzen zu haben. Dieses Ziel sei bei weitem auch dank der Aufmerksamkeit der Bürger erfüllt worden. Da hilfsbereite Anwohner sofort informierten und in die Kommunikationskette eingebunden waren, konnten die Tierschützer, die an diesen Tagen in telefonischer 24-Stunden-Bereitschaft waren, schnell vor Ort sein.

Absterbende Gliedmaßen und eitrige Abszesse: Für eines der schlimmeren „Opfer“ kam jede Hilfe zu spät. Foto: Tina Bieker

Die Aktion der Tierschützer hatte im Vorfeld einiges an Kritik erfahren: Es habe sogar Zweifel bestanden, ob die Notwendigkeit im Stadtgebiet überhaupt bestehe. Auch grundsätzliche Bedenken gegen das Kastrieren seien geäußert worden. Die Aktion hingegen habe bewiesen, dass die gefassten Tiere dringend ärztlicher Hilfe bedurften und das Katzenelend auch im Homberger Stadtgebiet groß ist. Insgesamt hatten die ehrenamtlichen Tierschützerinnen schließlich 22 wilde und herrenlose Katzen eingefangen. Hiervon seien zwei säugende Mutterkatzen mit drei Jungtieren vorab im Tierheim Alsfeld aufgenommen worden. Die verbleibenden 16 Tiere seien der Tierärztin des HLTV direkt vor Ort im Kastrationsmobil, der mobilen Tierklinik, vorgestellt worden – zwei weitere im Nachgang der Aktion.

Eine Katze litt unter einer stark eitrigen Gebärmutterentzündung, die unbehandelt in Kürze den sicheren Tod für das Tier bedeutet hätte. Drei andere Katzen waren in körperlich so geschwächtem Zustand, dass sie nicht operiert werden konnten. Sie wurden nach einer Erstversorgung zur weiteren Behandlung schwerer Infektionskrankheiten und zu ihrer späteren Kastration ins Tierheim Alsfeld gebracht. Insgesamt wiesen die Katzen neben Erkrankungen der Atemwege vor allem zum Teil schwere Augenentzündungen auf, litten unter Zahnproblemen, Parasiten, schlechtem Ernährungs- und Pflegezustand, eine Katze sogar unter absterbenden Gliedmaßen und eitrigem Abszess. Alle Katzen erhielten eine Behandlung gegen Parasiten und ihnen sei tierärztliche Hilfe im Zuge der Aktion zuteil geworden – wohl zum ersten Mal in ihrem Katzenleben.

Projekt mit starker Regionaler Unterstützung

Zwei Tierschutzvereine hatten der Kastrationsaktion mit Equipment und Aufnahme von Tieren unter die Arme gegriffen. Neben dem örtlich zuständigen Tierheim Alsfeld unterstützte auch die Tiernothilfe Schwalmstadt die Aktion.

Die kastrierten Tiere seien nach einer Beobachtungszeit und tierärztlicher Nachkontrolle wieder an ihrem gewohnten Aufenthaltsort entlassen worden, wo sie, laut Bieker ein hoffentlich gesundes und langes Katzenleben, ohne weiteren Nachwuchs, erleben dürfen.

Für Tina Bieker ging mit der Aktion ein Herzenswunsch in Erfüllung, denn nur so kann schlimmeres verhindert werden. Foto: Tina Bieker

Wer glaube, dass nun alle herrenlosen Katzen im Stadtgebiet Homberg Ohm kastriert seien, irre. „Es konnten weitaus nicht alle Tiere, die uns bekannt wurden, in der Kürze der Zeit gefasst werden“, sagte Bieker. „Immerhin konnten wir im Nachgang noch zwei weitere Tiere dank der Unterstützung der Stadt bei örtlichen Tierärzten kastrieren lassen, die am Dienstag noch nicht hatten gefasst werden können. Wir konnten viel Tierleid stoppen, aber es gibt noch viel zu tun. Leider ist zudem viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Man stößt zum Teil auf Unverständnis, Katzen überhaupt tierärztlich behandeln zu lassen. Dabei sind Katzen, auch wenn sie herrenlos sind, Haustiere, die dem Menschen folgen. Wir hätten gerne allen Tieren geholfen, weitere 18 gemeldete Tiere konnten leider jetzt nicht gefasst werden. Die Arbeit geht weiter.“

Die Stadt Homberg stellte den Tierschützern vor und während der Aktion die Räumlichkeiten der Sozialstation zur vorübergehenden Bleibe zur Verfügung sowie Parkplatz und Strom für das große Kastrationsmobil. Dort seien die aus der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung zusammengetragenen Katzenboxen, großen Hundeboxen, Decken, Handtücher, Futter, Katzenstreu und vieles mehr gelagert und die Sozialstation für wenige Tage in eine Auffangstation für Vor- und Nachsorge umgewandelt worden.

Ein großes Dankeschön möchten Stadt und Tierschützer an die Homberger Bevölkerung für die großartige Unterstützung der Aktion richten. Einen ebenso großen Dank an das Tierheim Alsfeld, welches im Zuge der Aktion insgesamt elf Katzen zur Nachsorge, Behandlung und Vermittlung aufgenommen hat. Die Tiere bedürfen zum Teil aufwändiger Behandlung und Klinikaufenthalten. Auch hochschwangere Katzen sind darunter, für die nun Mütter-Kind-Zimmer eingerichtet werden. Daher ist das Tierheim für jede Spende dankbar.

Spendenkonto:

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Kastrationsaktion Homberg

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Ein Gedanke zu “Nicht alle Katzen können gerettet werden

  1. Großartige Aktion. Habe selbst 2 herrenlose Katzen vor 3 Jahren ein Zuhause gegeben. Meine Spende ist unterwegs.

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